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Ratgeber: Lernspielzeug für Kinder und Jugendliche

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Kosmos, Lego, Fischertechnik – zahlreiche Firmen versprechen pädagogisch wertvolles Spielzeug, das Kindern Programmieren und ähnliche Fertigkeiten beibringt. Wir geben Tipps zu Produkten und der Auswahl von Geschenken.

Basteln, Ausprobieren oder einfach Ablenken: Kinder und Jugendliche brauchen neuen Input, gerade wenn sie wie jetzt vor allem zu Hause bleiben sollen. Ja, Streaming oder Zocken hilft, aber irgendwann braucht man einfach etwas zum Anfassen, vom pädagogischen Anspruch ganz zu schweigen.

Dieser Ratgeber ist nicht nur für Eltern gedacht, die wissen meist, was ihre Kinder wollen. Er soll Tanten, Onkeln, Großeltern oder guten Freunden dabei helfen, etwas Sinnvolles für die zu beschenkten Kinder auszuwählen. Der Artikel kann zwar nicht alles abschließend klären, hilft aber hoffentlich bei der Auswahl passender Geschenke. Hinweise und Erfahrungsberichte nehmen wir gerne in den Kommentaren entgegen.

Dieser Artikel ist Teil einer Serie zur Beschäftigung und Ablenkung in Zeiten der sozialen Isolation und Corona. Folgende Beiträge und Ratgeber sind bereits erschienen: Xbox One, PS4 & Switch: Was gibt's fürs Geld?, Sport zu Hause: Smart daheim trainieren, DIY-Projekte und Gadgets gegen Langeweile und Corona-Koller, Hörspiele für Kinder: Tonies, Spotify und Alternativen, Pen & Paper digital: Virtuelle Spieltische für Rollenspieler, Ratgeber Disney+: So klappt Streaming an jedem TV sowie Ratgeber: Maus, Tastatur, Adapter & Co fürs Home Office.

Bevor man ein neues Spielzeug schenkt, sollte man sich über ein paar Dinge im Klaren sein, damit es auf keiner Seite enttäuschte Erwartungen gibt. Nach der Erfahrung des Autors, selbst Vater und Onkel, geht es in den seltensten Fällen so zu wie in der Werbung. Fast nie schnappt sich das Kind das Geschenk, verschwindet in sein Zimmer und erkundet dann alles selbst. Deutlich realistischer ist, dass man neben dem eigentlichen Geschenk gleich noch die Zeit einplanen sollte, das Geschenk mit dem Beschenkten aufzubauen, einzurichten und auszuprobieren.

Ein weiterer Tipp: Lieber klein und gezielt schenken als riesige Pakete aussuchen. Die meisten Kinder können mit kleinen, geführten Experimenten sehr viel mehr anfangen als mit einer riesigen Auswahl. Beim Thema Baukästen sollten bestehende Systeme erweitert werden – ein Lego-Fan kann wenig mit Fischertechnik anfangen und umgekehrt.

Selbst die coolsten Geschenke liegen irgendwann in der Ecke. Das heißt nicht, dass sie langweilig sind, im Gegenteil. Kinder brauchen Zeit, das Gelernte zu verarbeiten und umzusetzen. Ein Beispiel aus der eigenen Familie: Einer meiner Neffen hatte mit Lego Mindstorms alles gebaut, was die Anleitung hergab. Danach war es mäßig interessant, bis er die Piraten-Achterbahn (Bausatz 31084) bekam. Ihm fiel auf, dass die Wagen unten eine Nase haben. Mithilfe seiner Mindstorms-Erfahrung, einer Kette und einem Motor baute er einen Mechanismus, der die Wagen vom Einstieg zum Start transportiert. Ein gutes Beispiel, wie sich das einmal geweckte Interesse aktiv weiterentwickelt.

Roboter sind faszinierend. Sie können inzwischen auch mehr, als nur in der Ecke stehen und Staub fangen. Mehrere Hersteller liefern Produkte, die programmiert werden können, aber nicht müssen. Das kann schon bei den Kleinsten funktionieren. Fisher Price hat dazu die Lern-Raupe Flitzi (sic), die im englischen den deutlich cooleren Namen „Code-A-Pillar“ trägt. Die einzelnen Segmente der Raupe lassen sich zu einem Körper zusammenstecken. Jedes Segment steht dabei für eine Aktion, etwa links abbiegen, rechts abbiegen, geradeaus fahren. Aktiviert man die Raupe, arbeitet sie die Befehle in der Reihenfolge ab, wie sie zusammengesteckt wurde. Im Paket liegen verschiedene Szenarien, die die Kinder lösen sollen. Fisher Price will Kinder ab drei Jahren damit spielerisch an die Problemlösung und Programmieren heranführen. Im Test mit der eigenen Familie kam die dazugehörige App Code-A-Pillar für iOS und Android aber fast noch besser an.

Für Kinder ab sechs Jahren ist der Roboter Dash von Makewonder gedacht. Zum Roboter gehören fünf verschiedene Apps, mit denen sich verschiedene Projekte mit dem Roboter umsetzen lassen. Besonders interessant ist, dass der Hersteller Verbindungsstücke beilegt, mit denen sich Lego-Bausteine am Roboter befestigen lassen. In Kombination lassen sich so ziemlich coole Projekte umsetzen.

Der Sphero Bolt (heise-Testbericht), ein kugelrunder Roboter mit Hightech-Innenleben, ist eine Mischung aus ferngesteuertem Spielzeug und programmierbarem Hightech. Das durchsichtige Gehäuse des Bolt, erlaubt einen Blick ins Innere. Dort fällt vor allem das 8 x 8 Pixel große LED-Display ins Auge. Neben der RGB-Anzeige sind die Hauptplatine mit Lageerkennungsmodul und Kompass, vier Infrarot-Sensoren und die Ladespule zu erkennen. Die Batterielaufzeit bei Bewegung liegt bei knapp zwei Stunden. Wer den Bolt nicht durch die Gegend rollen lässt, sondern programmiert, hat bis zu fünf Stunden Zeit, bevor der Roboter wieder auf die kabellose Ladeschale muss.

Wer das Gadget nutzen möchte, braucht zwei unterschiedliche Apps. Die Software Sphero Play (Android/iOS) dient ausschließlich zur Steuerung des Roboters. Der Nutzer hat dabei die Wahl zwischen der Bedienung per Steuerkreuz, per Smartphone-Neigung, per virtuellem Kick oder per akustischem Signal. Die Steuerung klappt intuitiv und unproblematisch, allerdings fehlt hier die Langzeitmotivation. Deutlich interessanter und umfangreicher ist die Nutzung der App Sphero Edu (Android/iOS). Diese ermöglicht die Programmierung des Sphero Bolt mit vorbereiteten Code-Schnipseln oder per Java-Script. Der Anwender hat dabei nicht nur Zugriff auf die Bewegung des Roboters, sondern auch auf die gesamte eingebaute Sensorik und das Display. Das Gadget eignet sich so hervorragend zur praxisnahen Vermittlung von Programmiergrundlagen – sowohl für Kinder und Jugendliche, als auch für Erwachsene.

In den Bereich High-End fällt der Roboter DJI Robomaster S1 (Testbericht). Der eigentlich durch seine Drohnen bekannte Hersteller DJI liefert damit eine Roboter-Plattform, die mehr für Wettkämpfe denn als Spielzeug gedacht ist. Der Roboter mit vier Rädern und Geschützturm lässt sich per App und Smartphone fernsteuern und fährt teilweise wilde Manöver. Richtig spannend wird es, wenn mehrere Spieler gegeneinander antreten. Die Roboter können entweder Lichtblitze oder kleine Silikonkugeln abfeuern. Letzteres empfehlen wir keinesfalls (!) in der Wohnung. Dazu lässt sich der Roboter programmieren und teilweise automatisieren. Der Nachteil: Mit mindestens 400 Euro ist das Gerät nicht gerade günstig – und eigentlich benötigt man mindestens zwei.

Wem der Robomaster zu teuer erscheint, der findet in unserer Marktübersicht Roboter: Vom Spielzeug bis Hightech weitere interessante Modelle.

Wer jetzt seine alten Legos wieder aus dem Keller zieht, bringt Kinderaugen wahrscheinlich schnell zum Leuchten. Und wer die Klemmsteine mit zusätzlichen Funktionen ausbauen will, der hat mehrere Möglichkeiten. Das Flaggschiff ist Lego Mindstorms in der Version 3. Neben den Motoren und den programmierbaren Komponenten gibt es zahlreiche Sensoren. Mindstorms hat allerdings zwei Nachteile: Es ist vergleichsweise teuer und richtet sich vor allem an ältere Kinder und Fans des Technic-Systems.

Für jüngere Bastler eignet Lego Boost wahrscheinlich besser. Es ist nicht nur günstiger als Mindstorms, sondern deutlich einfacher zugänglich. Programmiert wird mit einer App, in der die jeweiligen Code-Bausteine hin- und hergezogen werden und ineinander klicken. Boost hat kürzlich Zuwachs bekommen. Neben dem bisherigen Roboter können sich Star-Wars-Fans das Droiden-Sets kaufen. Wer also schon immer R2D2 oder die kleinen Putzroboter aus Jedi Academy nachbauen wollte, der sollte sich das Set genauer ansehen. Boost und Mindstorms sind nicht auf die Lego-Software beschränkt. Sie lassen sich beispielsweise auch mit einem Raspberry Pi betreiben, wie die Kollegen der c’t in diesem Beitrag zeigen.

Mit Powered Up lassen sich Lego-Modelle einfach per App steuern. Im Bild etwa das Batmobil.

Die dritte Möglichkeit, Lego-Modellen etwas Leben einzuhauchen, ist Powered Up. Das System ist etwas unbekannter und bietet weniger Möglichkeiten als etwa Boost, dafür ist der Einstieg leichter. Wir haben es in unserem Artikel Lego Hidden Side und Powered Up genauer angesehen. Im Grunde besteht es aus einer zentralen Steuereinheit, an die etwa Motoren angeschlossen werden. Sie verbindet sich per Bluetooth mit einer App auf dem Smartphone. Diese hat einfache Steuerelemente, mit denen man die Motoren antreiben kann. Auch einfache Abläufe lassen sich programmieren. Powered Up ist deswegen interessant, weil es offenbar bei Lego inzwischen für immer mehr Produkte genutzt wird. Seit unserem ersten Test kamen neue Modelle hinzu, etwa der Liebherr-Bagger oder ein ferngesteuertes Ralley-Auto.

Eine Alternative zu Lego kommt von Fischertechnik. Die Plastiksteckmodule, vielen vielleicht aus Studium und Berufsschule bekannt, gehen mit der Zeit. Nicht nur gibt es ziemlich coole Kugelbahnen oder einen 3D-Drucker, sondern mit der Robotics-Serie eine ganze Reihe an Modellen. Diese lassen sich nicht nur verschieden zusammenbauen, sondern auch programmieren.

Fischertechnik baut die Serie deutlich mehr aus als Lego, etwa gibt es mit dem Robotics TXT Smart Home ein Set, mit dem die Geräte auf Umwelteinflüsse reagieren können. Sensoren messen Lufttemperatur, den Luftdruck oder die Luftqualität. Die Daten lassen sich auslesen, zentral sammeln und Aktionen darauf basiert ausführen.

Bild: Fischertechnik Das Discovery-Set von Fischertechnik Robotics.

Die Sets von Fischertechnik sind bezüglich ihrer Komplexität in etwa auf dem Niveau von Mindstorms, teilweise sogar darüber. Entsprechend empfehlen sie sich eher für Kinder ab 10 Jahren – idealerweise sollten sie sowieso schon an das Thema Fischertechnik herangeführt sein. Die Kollegen der c’t haben das Smart Beginner Set von Fischertechnik einem Kurztest unterzogen.

Dsa Litttlebits Hero Inventor Kit setzt auf die Marvel-Lizenz.

Mit Experimentierkästen gibt es eine interessante Möglichkeit, um Kinder mit Projekten abzulenken. In diesem Segment ist ein Klassiker unter den Bausätzen aktiv – Kosmos. In der Redaktion gibt es immer noch Erinnerungen an die klassischen Elektronikbaukästen (samt Gegrummel, warum es so was heute eigentlich nicht mehr gibt). Kosmos bietet für jede MINT-Disziplin (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) passende Experimentierkästen an. Neben den offenbar ewig im Trend liegenden Urzeitkrebsen gibt es Elektronik-Bausätze, ein Gewächshaus oder Zuchtset für Kristalle in Einhornform.

Eine Alternative zu Kosmos kommt vom Franzis Verlag. Auch hier hat man eine breite Auswahl an verschiedenen Einzelexperimenten. Besonders interessant ist, dass Franzis relativ früh auf die Themen Arudino und Raspberry Pi eingestiegen ist. Das Thema IT und Technik hat überhaupt einen Schwerpunkt bei Franzis, etwa in Produkte wie „Der kleinen Hacker“. Wer Kinder an diese Technologien heranführen möchte, der findet hier wahrscheinlich die richtigen Produkte.

Und dann gibt es noch das Littlebits-System. Dieses will Kinder spielend an Themen wie Elektronik und Programmieren heranführen. Die einzelnen Module, Bits, haften magnetisch aneinander und erlauben es, Schaltkreise mit verschiedenen Funktionen aufzubauen. Neben den großen Sammlungen bietet Littlebits einzelne, deutlich günstigere Bausätze, mit denen sich kleinere Projekte verwirklichen lassen. Dazu gehört etwa das Hero Inventor Kit, bei dem sich das Unternehmen die Marvel-Lizenz gesichert hat. Mit letzterem lassen sich bestimmte technische Gadgets der Superhelden bauen, darunter etwa ein Nachbau von Iron Mans Handschuh.

Bei einem Praxistest im Kreis der Familie kam diese Integration in das bekannte Comic-Universum sehr gut an. Anhand der zugehörigen App lassen sich die einzelnen Schritte nachvollziehen, sie führt die Bastler auch durch die notwendigen Schritte, um die Bausteine per Bluetooth zu programmieren. Hier wird das Thema Langzeitmotivation relevant. Es wirkt fast, als sei eine App allein nicht genug, um Kinder langfristig zu motivieren. Die klassischen Anleitungen auf Papier haben den Vorteil, dass die Kinder sehr genau sehen, wie weit sie schon gekommen sind. In den Apps scheint dieses Gefühl des Fortschritts weniger stark ausgeprägt zu sein. Vor allem bei größeren Projekten sollte man das im Hinterkopf behalten und entsprechend auf Motivationseinbrüche vorbereitet sein. Die Kollegen der Make haben 2014 gezeigt, was mit den Littlebits alles möglich ist. Leider ist Littlebits oft vergriffen.

Wer nicht zwingend auf eine MINT-basierte Tätigkeit besteht, der kann einfach etwas basteln. Auch hier gibt es einen fast nicht enden wollenden Fundus an Sets und Boxen mit Ideen, die allesamt mehrere Stunden Ablenkung versprechen. In der Praxis haben beispielsweise die Sets von Recycle Me sehr gut funktioniert. Damit kann man etwa Eierkartons ein neues Leben als Feuerwehrauto oder Piratenschiff einhauchen. Die Boxen bringen alle „speziellen” Komponenten mit, alles Weitere kann man sich aus vermeintlichem Abfall im Haushalt zusammensuchen – eben beispielsweise Eierkartons.

Es muss aber natürlich nicht bei kreativer Nutzung von Abfall bleiben. Kosmos etwa hat ein Schnitz-Set im Angebot, komplett mit Messer. Alternativ gibt es Mosaiks, Bügelperlen und Ähnliches.


Es gibt inzwischen unglaublich viele Spielzeuge, Bausätze, Lösungen und Experimentierkästen, mit denen man Kinder an die verschiedensten MINT-Disziplinen heranführen kann. Wer Geschenke auswählen will, der sollte sich an folgende Tipps halten:

  • Immer nach dem Interesse des Kindes gehen. Ideal ist es, wenn der oder die zu Beschenkende sich bereits für den Bereich interessiert oder schon verschiedene Bausätze zu dem Thema hat. Im Zweifel sollte man die Eltern fragen.
  • KISS – Keep it short and simple. Dieses Prinzip gilt auch hier. Einfache Bausätze, die ein schnelles Erfolgserlebnis bringen, sind für den Anfang besser als riesige Kästen, in denen man sich zu leicht verliert.
  • Bestehendes erweitern: Interessiert sich das Kind bereits für ein System, sollte man dies eher erweitern, als etwas komplett Neues anzufangen.

Neben dem Spielzeug sollte man die eigene Begeisterung gleich dazu schenken. Wenn das Kind sieht, wie der Onkel, die Tante oder der gute Freund sich für Themen begeistern kann, dann wird es davon oft mitgerissen. Wichtig ist dann nur, dass man es beim Aufbau nicht übertreibt, und das Kind seine eigenen Fehler machen lässt – etwas, das leichter gesagt als getan ist.

Als Vater hat der Autor eine letzte Bitte: Bitte kein Geschenk, das übermäßig blinkt oder lärmt, zumindest nicht ohne Rückfrage. Produkte aus der Kategorie „Geschenke für Kinder, die nicht im eigenen Haushalt leben“ haben eine Tendenz, früher kaputtzugehen oder komplett zu verschwinden…

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