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Marktübersicht: Lernspielzeug für Kinder und Jugendliche

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Kosmos, Lego, Fischertechnik – zahlreiche Firmen versprechen pädagogisch wertvolles Spielzeug, das Kindern Programmieren und ähnliche Fertigkeiten beibringt. Wir geben Tipps zu Produkten und der Auswahl von Geschenken.

Der Markt für technisches Spielzeug, das neben dem Spaß gleich noch Neues lehrt, boomt. Die verschiedensten Hersteller buhlen um Kunden und locken mit vermeintlich coolen und pädagogisch wertvollen Produkten.

In dieser Marktübersicht wollen wir allen Tanten, Onkeln, Großeltern oder guten Freunden dabei helfen, etwas Sinnvolles für die zu beschenkenden Kinder auszuwählen. Dabei fließt unsere Erfahrung sowohl als Verwandte wie auch als Eltern ein. Der Artikel kann das Feld zwar nicht abschließend klären, hilft aber hoffentlich bei der Auswahl passender Geschenke. Hinweise und Erfahrungsberichte nehmen wir gerne in den Kommentaren entgegen.

Bevor man ein neues Spielzeug schenkt, sollte man sich über ein paar Dinge im Klaren sein, damit es auf keinen Seiten eine Enttäuschung gibt. Nach der Erfahrung des Autors, selbst Vater und Onkel, geht es in den seltensten Fällen so zu wie in der Werbung. Fast nie schnappt sich das Kind das Geschenk, verschwindet in sein Zimmer und erkundet dann alles selbst. Deutlich realistischer ist, dass man neben dem eigentlichen Geschenk gleich noch die Zeit einplanen sollte, das Geschenk mit dem Beschenkten aufzubauen, einzurichten und auszuprobieren.

Ein weiterer Tipp: Auch wenn die großen Geschenke locken, raten wir eher zu kleinen Paketen. Bei Bausätzen etwa empfehlen für den Einstieg eher kleine, abgeschlossene Projekte. Beim Thema Baukästen sollten bestehende Systeme erweitert werden – ein Lego-Fan kann wenig mit Fischertechnik anfangen und umgekehrt.

Selbst die coolsten Geschenke liegen irgendwann in der Ecke. Das bedeutet nicht, dass die Spiele nicht interessant sind, im Gegenteil. Das Interesse wechselt sich einfach ab. Doch die Chancen sind gut, dass es wiederkommt. Ein Beispiel aus der Familie des Autors: Einer meiner Neffen hatte mit Lego Mindstorms alles gebaut, was die Anleitung hergab. Danach war es mäßig interessant, bis er die Piraten-Achterbahn (Bausatz 31084) bekam. Ihm fiel auf, dass die Wagen unten eine Nase haben. Mit Hilfe seiner Mindstorms-Erfahrung, einer Kette und einem Motor baute er einen Mechanismus, der die Wagen vom Einstieg zum Start transportiert. Ein gutes Beispiel, wie das einmal geweckte Interesse sich aktiv weiterentwickelt.

Die erste Kategorie dreht sich um fertiges Spielzeug und Roboter. Hier gibt es Produkte für fast alle Altersklassen, die kaum oder gar nicht zusammengebaut werden müssen. In diesem Bereich zeigen wir Produkte, die programmiert werden können, aber nicht müssen. Die Idee hinter den vorgestellten Spielzeugen ist es, die Kinder spielerisch an das Thema Programmierung und künstliche Intelligenz heranzuführen.

Das kann schon bei den Kleinsten funktionieren. Fisher Price hat dazu die Lern-Raupe Flitzi (sic), die im englischen den deutlich cooleren Namen „Code-A-Pillar“ trägt. Die einzelnen Module der Raupe stehen für verschieden Aktionen, die sie ausführt, wenn sie die Module eine nach der anderen abarbeitet. Zur Raupe gibt es verschiedene Szenarien, die die Kinder lösen sollen. Fisher Price will Kinder ab drei Jahren damit spielerisch an die Problemlösung und Programmieren heranführen. Im Test mit der eigenen Familie kam die dazugehörige App Code-A-Pillar für iOS und Android aber fast noch besser an.

Für Kinder ab sechs Jahren ist der Roboter Dash von Makewonder gedacht. Zum Roboter gehören fünf verschiedene Apps, mit denen sich verschiedene Projekte mit dem Roboter umsetzen lassen. Besonders interessant ist, dass Hersteller Verbindungsstücke beilegt, mit denen sich Lego-Bausteine am Roboter befestigen lassen. In Kombination lassen sich so ziemlich coole Projekte umsetzen.

Bild: Anki Cozmo von Anki soll eine eigne Intelligenz besitzen und Kinder an das Thema KI und Robotics heranführen.

Eher Richtung künstliche Intelligenz geht der Anki Cozmo. Der Roboter vom Hersteller der Overdrive-Rennbahn (Testbericht) liefert den kleinen Roboter mit verschiedenen Würfel aus. Der Cozmo reagiert auf diese Bausteine und kann damit verschiedene Szenarien fahren, etwa einen Turm bauen. Laut Anki besitzt der Roboter eine eigene „Persönlichkeit“, die während des Spielens immer wieder sichtbar werden soll. Neben dem vorprogrammierten Verhalten gibt es das Codelab. Diese App für Android und iOS erlaubt es, dem Roboter genaue Anweisungen zu geben und Abläufe zu programmieren.

Das Konzept dieser App ist dabei ein gutes Beispiel, wie Hersteller Kinder an das Thema Coding heranführen wollen. Ähnlich wie bei der Programmiersprache Scratch werden verschiedene Code-Stücke aneinandergereiht, die für Aktionen stehen. So lassen sich beispielsweise „If-Then“-Entscheidungen oder „For-While“-Schleifen den Kindern einfacher zugänglich machen.

Mattel Fisher-Price Lern-Raupe Flitzi (DKT39)

Fisher Price Lern-Raupe Flitzi

Wonder Workshop Dash

Makewonder Dash

Anki Cozmo Starter Kit

Anki Cozmo Starter-Kit

Lego Mindstorms ist wahrscheinlich das bekannteste Beispiel für programmierbare Bausteine. Seit 2013 gibt es die dritte Version, Mindstorms EV3. Die dazugehörige Programmiersoftware wurde deutlich überarbeitet und ist zugänglicher geworden. Neben einer App für mobile Geräte gibt es die Mindstorm-App auch für den PC.

Mindstorms richtet sich eher an ältere Kinder und Nutzer des Lego-Technic-Systems. Alternativ gibt es seit Juli 2017 das Set Lego Boost. Sowohl der Roboter wie auch die zugehörige App für iOS und Android ist deutlich verspielter als Mindstorms EV3. Wo dieses eher in den Bereich „Lehren“ fällt, ist Boost ein klares Spielzeug. Das zeigt sich an der Altersangabe: Für Mindstorms sollten Kinder mindestens zehn Jahre alt sein, Boost richtet sich an Kinder ab sieben Jahren. Der große Vorteil ist hier, dass sich sowohl Mindstorms wie auch Boost in die bestehenden Lego-Sammlungen der Kinder einfügen lassen. Das erhöht die Chance deutlich, dass sie die Kinder für mehr als nur die mitgelieferten Modelle nutzen. Boost und Mindstorms sind nicht auf die Lego-Software beschränkt. Sie lassen sich beispielsweise auch mit einem Raspberry Pi betreiben, wie die Kollegen der c’t in diesem Beitrag zeigen.

Bild: Fischertechnik Das Discovery-Set von Fischertechnik Robotics.

Eine Alternative kommt von Fischertechnik. Die Plastiksteckmodule, vielen vielleicht aus Studium und Berufsschule bekannt, gehen mit der Zeit. Nicht nur gibt es ziemlich coole Kugelbahnen oder einen 3D-Drucker, sondern mit der Robotics-Serie eine ganze Reihe an Modellen. Diese lassen sich nicht nur verschieden zusammenbauen, sondern auch programmieren.

Fischertechnik baut die Serie deutlich mehr aus als Lego, etwa gibt es mit dem Robotics TXT Smart Home ein Set, mit dem die Geräte auf Umwelteinflüsse reagieren können. Sensoren messen Lufttemperatur, den Luftdruck oder die Luftqualität. Die Daten lassen sich auslesen, zentral sammeln und Aktionen darauf basiert treffen.

Die Sets von Fischertechnik sind von der Komplexität in etwa auf dem Niveau von Mindstorms, teilweise sogar deutlich höher. Entsprechend empfehlen sie sich eher für Kinder ab 10 Jahren – idealerweise sollten sie sowieso schon an das Thema Fischertechnik herangeführt sein. Die Kollegen der c’t haben das Smart Beginner Set von Fischertechnik einem Kurztest unterzogen.

LEGO Mindstorms - EV3 (31313)

Lego Mindstorms EV3

LEGO Boost - Programmierbares Roboticset (17101)

Lego Boost

fischertechnik Robotics TXT Discovery Set (524328)

Fischertechnik Robotics TXT Discover Set

Dsa Litttlebits Hero Inventor Kit setzt auf die Marvel-Lizenz.

Die dritte Kategorie sind Bausätze. Länger am Markt ist etwa das Littlebits-System. Dieses will Kinder spielend an Themen wie Elektronik und Programmieren heranführen. Die einzelnen Module, Bits, haften magnetisch aneinander und erlauben es, Schaltkreise mit verschiedenen Funktionen aufzubauen. Neben den großen Sammlungen bietet Littlebits einzelne, deutlich günstigere Bausätze, mit denen sich je zwei Projekte verwirklichen lassen. Ganz neu ist das Hero Inventor Kit, bei dem sich das Unternehmen die Marvel-Lizenz gesichert hat. Mit letzterem lassen sich bestimmte technische Gadgets der Superhelden bauen, darunter etwa ein Nachbau von Iron Mans Handschuh.

Bei einem Praxistest im Kreis der Familie kam diese Integration in dsa bekannte Comic-Universum sehr gut an. Anhand der zugehörigen App lassen sich die einzelnen Schritte nachvollziehen, sie führt die Bastler auch durch die notwendigen Schritte, um die Bausteine per Bluetooth zu programmieren. Hier wird das Thema Langzeitmotivation relevant. Es wirkt fast, als sein eine App allein nicht genug, um Kinder langfristig zu motivieren. Die klassischen Anleitungen auf Papier haben den Vorteil, dass die Kinder sehr genau sehen, wie weit sie schon gekommen sind. In den Apps scheint dieses Gefühl des Fortschritts weniger stark ausgeprägt zu sein. Vor allem bei größeren Projekten sollte man das im Hinterkopf behalten und entsprechend auf Motivationseinbrüche vorbereitet sein. Die Kollegen der Make haben 2014 gezeigt, was mit den Littlebits alles möglich ist.

In diesem Segment ist ein Klassiker unter den Bausätzen aktiv – Kosmos. In der Redaktion gibt es immer noch Erinnerungen an die klassischen Elektronikbaukästen (samt Gegrummel, warum es sowas heute eigentlich nicht mehr gibt). Kosmos bietet für jede MINT-Disziplin (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) passende Experimentierkästen an. Neben den offenbar ewig im Trend liegenden Urzeitkrebsen gibt es Elektronik-Bausätze, ein Gewächshaus oder sogar züchtbare Kristalle in Einhornform. Die Sets sind nicht nur relativ günstig, die Fokussierung auf wenige Aufgaben sorgen auch dafür, dass das Interesse aufrecht erhalten bleibt.

Eine Alternative zu Kosmos kommt vom Franzis Verlag. Auch hier hat man eine breite Auswahl an verschiedenen Einzelexperimenten. Besonders interessant ist, dass Franzis relativ früh auf die Themen Arudino und Raspberry Pi eingestiegen ist. Das Thema IT und Technik hat überhaupt einen Schwerpunkt bei Franzis, etwa in Produkte wie „Der kleinen Hacker“. Wer Kinder an diese Technologien heranführen möchte, der findet hier wahrscheinlich die richtigen Produkte.

Kosmos Urzeit-Krebse selber züchten (65921)

Kosmos Urzeitkrebse

Kosmos Kristall-Einhörner (65765)

Kosmos Kristall-Einhörner

littleBits Avengers Hero Inventor Kit

Littlebits Hero Inventor Kit

littleBits Bubble Bot

Littlebits Bubble Bot

Franzis Die große Baubox - Raspberry Pi für Kids

Franzis Rasbperry Pi für Kids

Franzis Der kleine Hacker - Survival Roboter selber bauen und erleben

Franzis, Der kleine Hacker, Survival Bot

Es gibt inzwischen unglaublich viele Spielzeuge, Bausätze, Lösungen und Experimentierkästen, mit denen man Kinder an die verschiedensten MINT-Disziplinen heranführen kann. Wer Geschenke auswählen will, der sollte sich an folgende Tipps halten

  • Immer nach dem Interesse des Kindes gehen. Ideal ist es, wenn der oder die zu Beschenkende sich bereits für den Bereich interessiert oder schon verschiedene Bausätze zu dem Thema hat. Im Zweifel sollte man die Eltern fragen.
  • KISS – Keep it short and simple. Dieses Prinzip gilt auch hier. Einfache Bausätze, die ein schnelles Erfolgserlebnis bringen, sind für den Anfang besser als riesige Kästen, in denen man sich zu leicht verliert.
  • Bestehendes erweitern: Interessiert sich das Kind bereits für ein System, sollte man dies eher erweitern als etwas komplett Neues anzufangen.

Neben dem Spielzeug sollte man die eigene Begeisterung gleich mitschenken. Wenn das Kind sieht, wie der Onkel, die Tante oder der gute Freund sich für Themen begeistern kann, dann wird es davon oft mitgerissen. Wichtig ist dann nur, dass man es beim Aufbau nicht übertreibt, und das Kind seine eigenen Fehler machen lässt – etwas, das leichter gesagt als getan ist.

Als Vater hat der Autor eine letzte Bitte: Bitte kein Geschenk, das übermäßig blinkt oder lärmt, zumindest nicht ohne Rückfrage. Produkte aus der Kategorie „Geschenke für Kinder, die nicht im eigenen Haushalt leben“ haben eine Tendenz, früher kaputt zu gehen oder komplett zu verschwinden…

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