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Marktübersicht: Die Notch und ihre Alternativen

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Kaum ein aktuelles Smartphone-Feature polarisiert derart wie die Notch. Wir zeigen, warum sie derzeit so wichtig ist und dennoch keine Zukunft hat.

Wir schreiben den 9. Januar 2007. Steve Jobs betritt die Bühne der Macworld und verändert mit der Vorstellung des ersten iPhones das Aussehen der Mobiltelefonie für immer. Physische Tastaturen verschwinden, die Front wird von einem großen Display dominiert und bedient wird ab sofort per touch. Bis auf die Home-Taste unterhalb des Displays verschwindet jeder physische Button von der Vorderseite. An diesem Tag entwickelt sich das Handy zum Smartphone.

Heute ersetzten Smartphones Pager, Digitalkamera und Festnetztelefon. Sie rufen E-Mails ab und navigieren uns durch die Welt. Sie dienen als Taschenlampe, Notizblock, MP3-Player, Video-Player, Spielekonsole, Shopping-Meile und Fotoalbum. Kurz gesagt: Sie beherrschen den Alltag.

Das alles ist nur möglich, weil das Smartphone heute aussieht, wie es aussieht: Display, Display und noch mehr Display. Mittlerweile sind auch die letzten Tasten verschwunden, vorne findet man nur Sensoren, die Frontkamera und eine Hörmuschel. Diese Komponenten sind nach wie vor wichtig, um zum Beispiel die Displayhelligkeit automatisch an die Umgebung anzupassen, zu Telefonieren oder ein Selfie zu schießen. Sie können nicht einfach so weggelassen werden. Aber auch damit weiß man heute umzugehen.

2017. Wieder verändert Apple das Aussehen der Mobiltelefonie. Dieses Mal mit der Vorstellung des iPhone X. Die Idee: dünne Ränder rund um das Display und eine breite Aussparung an der Oberseite für Sensoren, Kamera und Hörmuschel. Die Notch ist geboren. Von ihr gibt es heute gleich mehrere Varianten. Breite Notches, schlanke Notches, Waterdrop-Notches oder Punch-Hole-Notches.

Der Klassiker. Mit ihr fing alles an. Sie nimmt etwa eine halbe Displaybreite in Anspruch und bietet ausreichend Platz für alle wichtigen Komponenten der Frontseite. Im Falle Apples kommt hier noch Face-ID hinzu. Face-ID sorgt für einen vergleichsweise sicheren Weg das Smartphone zu entsperren. Es funktioniert schnell, zuverlässig und auch bei Dunkelheit. Huawei setzt beim Mate 20 Pro (Testbericht) auf ein ähnliches System.

Nur etwa halb so breit fällt die Ausbuchtung bei einem Huawei P30 Pro (Testbericht) oder Honor 8X (Testbericht) aus. Zu Gunsten des Designs, also einer weniger auffälligen Notch, wird hier auf weitere Sensoren verzichtet. Die Gesichtsentsperrung funktioniert einzig und allein über die Frontkamera. Auch das klappt gut, ist aber nicht so sicher wie bei einem iPhone Xs oder Huawei Mate20 Pro. Einen Vorteil hat die schlanke Notch aber dennoch: In der Statusleiste bleibt mehr Platz für Benachrichtigungen und beim Schauen von Videos fällt sie weniger auf.

Apple iPhone XR  64GB schwarz

Apple iPhone XR

Apple iPhone X  64GB grau

Apple iPhone X

Apple iPhone XS  64GB grau

Apple iPhone XS

Apple iPhone XS Max  64GB grau

Apple iPhone XS Max

Huawei Mate 20 Pro Dual-SIM schwarz

Huawei Mate 20 Pro

Huawei P30 Pro Dual-SIM 128GB/8GB schwarz

Huawei P30 Pro

Es geht noch kleiner. Beim Oneplus 6T (Testbericht) oder Wiko View 3 Pro (Testbericht) fällt die Notch kaum noch auf. Es wirkt ganz, als fließe ein Regentropfen von oben in das Display. Das stört kaum und ist ein sympathischer Weg, Kamera und Sensoren einzubauen, ohne viel Platz in Anspruch zu nehmen. Die Hörmuschel sitzt im Rahmen darüber.

Auch hier fehlt ein System à la Face-ID, aber die Waterdrop-Notch ist einer der gefälligsten Wege, eine Einkerbung zu verbauen. Sie braucht wenig Platz, ist unscheinbar und bietet ein nahezu randloses Displayerlebnis.

Ende 2018 geht es noch einen Schritt weiter. Mit dem Honor View 20 sehen wir das erste Smartphone mit Punch-Hole-Notch. Einer Notch, die direkt im Display sitzt. Sie beherbergt die Kamera und fällt sofort ins Auge. Man gewöhnt sich schnell daran. Auch ermöglichst die Platzierung den kreativen Einsatz vieler Hintergrundbilder, um die Notch quasi unsichbar werden zu lassen. Abgesehen davon ist sie ein weiterer Schritt in Richtung Notch-loser Displays.

2019 entscheidet sich Xiaomi beim Mi 9 (Vergleich mit Mi 8) für diese Variante und auch Samsung stattet die gesamte Galaxy S10-Reihe (Testbericht Samsung S10 Plus) mit Punch-Hole-Notches aus. Der Vorteil ist klar: die Statusleiste bleibt überwiegend frei und die Phones wirken modern. Der Nachteil: Auch hier funktioniert die Gesichtsentsperrung „nur“ über die Frontkamera und beim Ansehen von Medien sieht man ständig ein kleines Loch.

Wie das Xiaomi Mi Mix 3 beweist, geht es auch anders. Randlos und Notch-los. Hier schiebt man das Display nach unten und erst dann erscheint die Kamera. Unser Testbericht des Xiaomi Mi Mix 3 zeigt, dass dieser Slider-Mechanismus auch Nachteile bietet. So erfordert es ein Umgreifen, wenn man die Kamera ausfahren möchte. Auch birgt der Mechanismus die Gefahr, dass feiner Schmutz und Feuchtigkeit zwischen die beweglichen Teile gelangt und das Smartphone beschädigt. Dafür ist das Erlebnis ein völlig anderes. Ein großes, durch nichts unterbrochenes Display bietet viel Inhalt auf kleinem Platz.

Das Oneplus 7 Pro verzichtet ebenfalls komplett auf eine Notch. Oneplus setzt auf eine motorisierte Selfie-Kamera, die immer dann ausfährt, wenn sie gebraucht wird. Sie sitzt an der Oberseite und soll vor dem Eindringen von Schmutz geschützt sein. Außerdem fährt die Kamera automatisch ein, sobald Sensoren einen freien Fall registrieren.

Motorola One Vision Dual-SIM sapphire gradient

Motorola One Vision

Wiko View 3 Pro nightfall

Wiko View 3 Pro

OnePlus 6T 128GB/8GB mattschwarz

OnePlus 6T

Xiaomi Mi 9 SE  64GB schwarz

Xiaomi Mi 9

OnePlus 7 Pro 128GB mirror gray (5011100645)

OnePlus 7 Pro

Xiaomi Mi Mix 3 128GB/6GB schwarz

Xiaomi Mi Mix 3

In Zukunft, so sehen zumindest die Pläne der großen Hersteller aus, verschwinden die Kamera und alle notwendigen Sensoren im, beziehungsweise unter dem Display. Eine Aussparung wird überflüssig.

Schon heute verbauen Hersteller wie Samsung, Huawei oder Oneplus den Fingerabdruckleser direkt unter dem Display. Beim Huawei P30 wird der Sound – vereinfacht ausgedrückt – vom Screen weitergegeben, wodurch es keine Hörmuschel mehr braucht.

Ab wann wir die ersten Smartphones mit einer unter dem Display versteckten Kamera sehen werden, wissen wir nicht. Aber wir wissen, dass die Hersteller daran arbeiten und die Notch nur als notwendigen Zwischenschritt sehen.

Die Notch in all ihren Facetten repräsentiert eine Übergangslösung und wird früher oder später wieder verschwinden. Das gleiche gilt für mechanische Hilfsmittel, die Sensoren zu verstecken. Das Smartphone der Zukunft bietet ein beinahe rahmenloses Display komplett ohne sichtbare Sensoren. Doch bis es soweit ist, werden wir mit der Notch in all ihren derzeitigen und noch kommenden Formen leben müssen. Und ganz ehrlich: es gibt schlimmeres.

Wichtiger als die Form einer Notch ist zum Beispiel die Qualität des Displays. Dabei gibt es bereits für kleines Geld gute Displays, wie unsere Kaufberatung: Smartphones mit OLED und QHD unter 300 Euro zeigt.

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