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Lego im Test: Ninjago Brettspiel, Hidden Side & Powered Up

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Lego und Apps, kann das funktionieren? Wir haben Lego Hidden Side, das neue Ninjago Brettspiel und das Powered-Up-Batmobil ausprobiert.

Die Digitalisierung geht auch an Lego nicht spurlos vorbei. Mit Hidden Side versucht das Unternehmen (mal wieder), das Thema Smartphones direkt mit den Steinen zu verknüpfen. Helfen soll dabei eine AR-App, die virtuell in den Modellen versteckte Geister hervorlockt. Powered Up geht einen anderen Weg: In diesem Konzept steuert man per App einen Bluetooth-tauglichen Mini-Computer, der in die Modelle eingebaut wird und dort wiederum Motoren, Sensoren oder Lichter antreibt. Wir haben Modelle beider Konzepte aufgebaut, ausprobiert und erklären, welche Idee wo punktet.

Im Update sehen wir uns zudem die neuen Ninjago-Sets an. Die sind zwar nicht vernetzt, lassen sich aber zusätzlich als Brettspiel und Ausgangspunkt für ein Ninjago-Rollenspiel nutzen.

Die Modelle in unserem kurzen Test.

Hidden Side ist Legos Versuch, im Bereich AR durchzustarten. Die Idee: Man baut ein Lego-Modell auf, scannt es in der App und geht dann auf digitale Geisterjagd. Lego möchte so virtuelle Spiele mit echten Steinen verbinden. Die Idee ist interessant, geht leider aber nicht ganz auf. Zum einen, weil die App nicht auf allen Android-Smartphones läuft. Gerade die günstigeren Geräte unterstützen die App nicht. Zum anderen laufen Eltern und Lego-Fans Sturm gegen die Idee, dass man die Offline-Legos unbedingt mit digitalen Features koppeln muss.

Die Helden der Hidden-Side-Serie sind zwei Geisterjäger mit Handys und Hund.

In unserem Test mit zwei Bausets, dem Garnelenkutter (Nummer 70419) und El Fuegos Stunt-Truck (Nummer 70421), bleiben wir etwas zwiegespalten zurück. Denn die eigentlichen Modelle sind sehr spaßig. Die Geister-Idee ist nicht schlecht und zeigt einige ziemlich clevere Funktionen, wenn etwa der Grabstein aufklappt und eine Monsterfratze zeigt. Diese kleinen Elemente gibt es in fast allen Modellen der Hidden-Side-Serie und machen einfach Spaß. Dazu gefällt uns das Farbschema, dieses spezielle Grün ist selten in Lego-Modellen vertreten.

Auf der anderen Seite steht die App. Dort spielt man einen Geist, der in den Modellen (die man nicht besitzen muss) in einer Art kinderfreundlichem 3rd-Person-Shooter spukt. Oder man schlüpft in die Rolle eines angehenden Geisterjägers, der Modelle, die er oder sie besitzt, von Gespenstern säubert. Dafür bekommt man Fans und Gloom-Punkte, letztere steckt man in virtuelle Verbesserungen. Zum Glück muss man diese Punkte erspielen, Lego hat auf Microtransaktionen verzichtet. Nach dem Aufbau eines Modells scannt man es ein und erfüllt anschließend Aufgaben, etwa Geister abschießen. Clever: Jedes Modell hat ein farbiges Drehelement, mit dem sich die Schwierigkeit oder die Aufgaben in der App beeinflussen lassen. Die Geisterjagd macht Spaß, fordert aber nur selten. Es ist eher ein Häppchen als ein vollwertiges Videospiel.

Leider unterliegt die AR-Funktion auch den Einschränkungen der Technik. Baut man das Modell zu sehr um, erkennt es die App nicht mehr. Wir haben beispielsweise den Stunt-Truck auf das Batmobil-Gerüst gepackt (siehe unten) und die App konnte es erst nach mehreren Anläufen erkennen. Das ist wirklich schade. Hätte Lego etwa spezielle Markersteine oder Aufkleber genutzt, hätte man eigene Bauten mit AR-Features aufrüsten können - dann wäre die eigene Ritterburg in der App zur Spukburg geworden.

Hidden Side gefällt uns als Idee. Eine gruselige Seite von Lego, mit Modellen, die kleine Besonderheiten haben, die man erst auf den zweiten Blick sieht, das ist eine coole Sache. Die Integration mit der App ist nett, aber leider irgendwie gezwungen. Schön wäre es gewesen, wenn sich die AR-Features in andere Welten und Sets integrieren ließen - Ninjago drängt sich da ja fast auf. Es wäre spaßig gewesen, wenn Lego spezielle Aufkleber oder Bausteine entwickelt hätte, die sich in der AR-App auslesen und nutzen lassen.

Der Garnelenkutter samt Geisterkapitän.

Einen großen Vorteil hat Hidden Side: Die Preise fallen für die eigentlich neuen Modelle bereits jetzt deutlich. Das Modell „Newbury's spukende Schule” (Nummer 70425) wurde im Lego Sommerkatalog 2019 für 119 Euro angekündigt, jetzt ist es für um die 80 Euro zu bekommen. Das zieht sich durch alle Hidden-Side-Modelle. Wer also ein günstiges Lego-Set mit witzigen Gimmicks und interessantem Farbschema sucht – und auf die AR-App notfalls verzichten kann – sollte zuschlagen.

Update: Allen Unkenrufen zum Trotz hält sich Hidden Side. Wir finden das gut, denn so kommen weiter interessante Modelle in den Handel. In 2020 liegen diese vor allem im unteren Preisbereich. Sechs Modelle, darunter auch die U-Bahn-Station mit 348 Teilen gibt es für unter 20 Euro. Wer also Gefallen an Hidden Side gefunden hat, der kann damit seine Sammlung ausweiten.

Die Geschichten um Lloyd, Cole, Nya, Zane und Co sind für Lego ein echter Geldbringer. Kein Wunder, dass Ninjago immer weiter ausgebaut wird. Im Test hatten wir diesmal das neue Verlies des Totenkopfmagiers (Set Nummer 71722). Daran ist besonders, dass es sich nicht nur um ein einfaches Modell handelt. Das Brettspiel ist einfach zu verstehen: Jeder sucht sich einen Ninja aus und notiert dessen Werte. Danach würfelt man mit dem mitgelieferten Spinjutzu-Würfel und geht die Anzahl von Feldern. Es gibt ein paar Aktionsfelder, etwa für Fallen oder um Schätze zu suchen.

Die Kämpfe sind einfach: Man dreht erneut den Würfel, bei einem Schädel hat man verloren, bei einem Herz gewonnen. Sind die Herzen der Helden aufgebraucht, verlieren sie das Spiel. Sie können aber auf dem Spielfeld neue Herzen oder Ausrüstung finden. Die Anleitung in Form eines Comics ist einfach zu verstehen und man kann recht schnell losspielen.

Die Regeln für das Brettspiel sind einfach verständlich, hier ein Auszug aus der Anleitung.

Deutlich spannender wird es, wenn nicht nur die Kinder spielen, sondern wenn jemand die Rolle des Spielleiters übernimmt. Denn neben dem Brettspiel gibt es ein komplettes Rollenspiel, das auf Ninjago basiert und das auf der zugehörigen Kampagnenseite kostenlos heruntergeladen werden kann. Die Spieler können sich einen Ninja aussuchen, jeder hat unterschiedliche Werte, die sich auf die Bereiche Körper, Geist und Belastbarkeit aufteilen. Diese Werte werden relevant, wenn während des Abenteuers unterschiedliche Hindernisse zu überwinden sind. Der Spielleiter führt die Spieler durch die Abenteuer, die allerdings teilweise verschiedene Sets von Ninjago voraussetzen. Wobei, mit etwas Fantasie und genügend Bauteilen kann man so ziemlich jedes Szenario nachstellen. Hier werden die Begegnungen und Regeln deutlich komplexer.

Lego Ninjago (9 Bilder)

Das Lego Ninjago Spielset "Verlies des Totenkopfmagiers" ist zugleich Brettspiel und lässt sich für ein Rollenspiel nutzen.


Bei der Problemlösung hat sich Lego offenbar an RPG-Systemen wie Pathfinder orientiert: In den Abenteuern werden Hindernisse durch einen Schwierigkeitswert dargestellt, der von den Spielern übertroffen werden muss. Dazu addieren sie ihre jeweilige Fähigkeit mit einem Würfelwurf. Das System funktioniert wunderbar, allerdings setzt es voraus, dass die Spieler ihre Charaktere lesen und die Fähigkeiten interpretieren können. Die Altersangabe von 9 Jahren und mehr ist hier unserer Meinung nach passend.

Die Sets aus dieser Serie lassen sich zusammenstecken, so dass man ein immer größeres Feld aufbauen kann. Das Modell selbst ist überraschend komplex. Im Inneren stecken mehrere Elemente aus Lego Technik, über die sich verschiedene Teile des Modells bewegen. Dreht man etwa den Käfig nach unten, heben und senken sich die Platten am Hauptgang und seitlich rotieren Messer. Der Aufbau ist teilweise etwas kompliziert für Kinder, macht aber enorm viel Spaß.

Das Ninjago-RPG ist eine gute Heranführung ans Thema Pen & Paper Rollenspiele. Das System ist vergleichsweise einfach zu verstehen und dank der Figuren für Spieler und Gegner wird es schnell plastisch. Ein Spielleiter, der etwas Erfahrung hat, kann neben den mitgelieferten Abenteuern wahrscheinlich schnell weitere Begegnungen entwickeln. Und wenn die Kids erst einmal Blut geleckt haben, kann man sie einfach auf andere Systeme heranführen. Sowohl Das Schwarze Auge wie auch Dungeons & Dragons haben spezielle Szenarien und Regeln für junge Abenteurer.


Einen anderen Weg geht Lego bei Powered Up. Dahinter steckt im Grunde ein Bluetooth-fähiger Mini-Computer, an den sich Motoren, Sensoren oder Lichter anstecken lassen. Die zugehörige App für Android und iOS steuert das Modell anschließend vom Handy aus und erlaubt das Programmieren rudimentärer Automatiken. Anders als bei Hidden Side konnten wir die Powered-Up-App auf allen Android-Handys in der Redaktion installieren.

Powered Up steuert die Motoren im Batmobil per Bluetooth und über eine simple App.

Der Clou an Powered Up: Obwohl es mehrere fertige Sets gibt, lassen sich Steuermodul problemlos in andere Modelle einbauen und verwenden. Im Test haben wir El Fuegos Truck aus der Hidden-Side-Serie auf den Motor des Batmobils gebaut und konnten es problemlos steuern. Das ist Lego, wie es sein soll.

Wer etwas tiefer in die App einsteigt, der entdeckt einen rudimentären Code-Editor. Der erinnert an die Boost-Sets (Test bei heise online). Im objektorientierten Editor kann man bis zu drei Schnellschaltflächen mit Aktionen belegen. So rast das Batmobil etwa auf Knopfdruck mit Vollgas davon. Der Code-Editor ist gerade für Kinder ein guter erster Einstieg in die Programmierwelt. Der Code-Editor ist optional, schafft aber dank seiner Einfachheit schnelle Erfolge. Man bekommt damit Lust auf mehr. Neben den vorgefertigten Sets lassen sich in der App auch komplett eigene Steueroberflächen erstellen.

Ein schnell umgebauter Stunt-Truck auf dem Batman-Motorset. Das geht bestimmt noch schöner, funktioniert aber wunderbar.

Auch die anderen fertigen Modelle machen einen guten Eindruck. Bei den Zügen etwa lassen sich seit einem App-Update mehrere Züge vom Handy aus steuern. Gerade weil Lego die Zug-Sets in letzter Zeit eher etwas vernachlässigt hatte, kann man damit schön laufende Eisenbahnwelten aufbauen.

Powered Up macht uns richtig Spaß. Nicht nur sind die Modelle spaßig beim Aufbau, sowohl die Motoren wie auch die App sind eine sinnvolle Erweiterung für neue und bestehende Bauten. Uns gefällt auch, dass man nicht zwingend Sets kaufen muss, sondern die Komponenten auch einzeln bekommt - etwa, um ältere Modelle mit Bluetooth-Steuerung aufzurüsten. Wem die zwei Anschlüsse im Powered-Up-Hub zu wenig werden, der sollte auf den Move Hub umrüsten. Der hat zwei Positionsmotoren integriert, nimmt zudem zwei externe Module auf und wird ebenfalls über die Powered-Up-App gesteuert. Anders als Hidden Side ist der Preis von Powered Up deutlich höher geblieben. Doch auch hier gibt es immer wieder Aktionen, zum Testzeitpunkt hat etwa ein Händler den Move Hub um knapp 15 Euro reduziert.

Lego und Apps, das fühlt sich sehr digital an: Entweder es funktioniert gut oder nicht. Hidden Side hat schöne Modelle, keine Frage. Die digitale Geisterhatz ist aber schnell ermüdend, auch weil es wenig Umbaumöglichkeiten gibt. Powered Up dagegen macht Lust auf mehr. Wo passt der Motor noch überall? Vielleicht in einem Kran oder lässt sich damit etwas anders betreiben?

Hidden Side würden wir allen empfehlen, die Modelle gerne aufbauen und dann damit spielen, ohne zu viel umzubauen. Wer dagegen die Sets gerne zerlegt, eigene Gebäude oder Fahrzeuge baut und seine Modelle um Motoren oder Lichter erweitern will, der sollte sich Powered Up ansehen.

Die neuen Ninjago-Sets sind spannend: Sie sind nicht nur clever entwickelt, das Brettspiel und vor allem das Rollenspiel dazu erweitern den Spielspaß deutlich.

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