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Vergleich: Sichere Smartlocks für die Haustür

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von und Lenz Nölkel  //  Twitter

Elektronische Türschlösser, Fernbedienung für die Haustür, App-Steuerung für den Schließzylinder: Die Angebote sind vielfältig. Wir haben recherchiert, auf was man achten sollte.

Postboten aus der Ferne dir Tür öffnen, per Smartphone Gäste fürs eigene Haus freischalten: Es gibt unzählige Nachrüstschlösser mit smarter Anbindung. Die Lösungen unterscheiden sich vor allem im Preis und im Arbeitsaufwand beim Nachrüsten. Zwischen 100 und 500 Euro sollte man einplanen. Wir zeigen, welche Lösungen man besonders einfach installiert.

Smarte Schlösser sind nicht zwingend smarte Schließzylinder. Die gibt es, und die sind in vielen Fällen sinnvoll. Die mechanische Berechtigungsüberprüfung – üblicherweise das Abtasten unterschiedlicher Vertiefungen des Schlüssels – wird hier ersetzt oder ergänzt um eine elektronische Überprüfung. Statt Schlüssel kommen beispielsweise NFC-Tags zum Einsatz, Funkfernbedienungen, per Funk angebundene Zifferntastaturen oder Fingerabdruckscanner. Ist die Berechtigung erfolgreich überprüft, kuppeln die batteriebetriebenen Schließzylinder den äußeren Drehknauf ein, das Schloss lässt sich nun von Hand durch Drehen öffnen.

Alternativ gibt es Schlüsseldreher – Kästen, die von innen auf den vorhandenen Schließzylinder samt Schlüssel aufgesetzt werden. Sie sind ebenfalls batteriebetrieben und meist funkgesteuert. Löst man etwa per Fernbedienung die Öffnung aus, dreht ein Elektromotor im Inneren den Schlüssel so lange, bis die Türe offen ist.

Die bei Ebay und Amazon für wenig Geld gehandelten Fingerabdruckscanner, Code-Tastaturen und RFID-Leser eignen sich hervorragend, um einen bereits vorhandenen, elektronischen Türöffner anzusteuern – etwa am Gartentor oder an der Hauseingangstür eines Mehrfamilienhauses. Es gibt solche Lösungen auch deutlich teurer und hochwertiger, etwa von e-Key, aber es bleibt ein Problem: Die Tür ist standardmäßig nicht abgeschlossen – und im Falle eines Einbruchs zahlt die Versicherung bei einer Wohnungstür dann nicht.

Eine Lösung dafür sind Motorschlösser oder selbstverriegelnde Schlösser mit Motorkasten. Das Nachrüsten ist allerdings teuer und aufwendig, je nach Modell sind unter Umständen sogar Leitungen im Türblatt nötig; es gibt aber auch selbstverriegelnde Nachrüstlösungen, die elektrische Türöffner ersetzen.

Der einfachste Weg ist der Austausch des Schließzylinders gegen eine digitale Variante. Innen und außen an der Tür gibt es einen Knauf, der Innere funktioniert in der Regel immer, der äußere dreht leer – bis man sich per Code, Fernbedienung, Fingerabdruck oder NFC identifiziert hat. Dann kuppelt der äußere Knauf ein und man kann die Tür aufschließen und entriegeln. Freilich ist der Coolness-Faktor hier etwas geringer als bei einer auf Knopfdruck selbst aufspringenden Tür, und Abschließen muss man auf die gleiche Weise von Hand. Dafür gibt es hier aber bewährte Technik, eine Vielzahl an Abfrage-Technik, Online- und Offline-Zugriff und so weiter.

Burg Wächter SecuEntry (40 Bilder)

Das SecuEntry ersetzt den Schließzylinder. Im Vordergrund ist der Notschlüssel zu sehen.

Von billigen No-Name-Zylindern würden wir die Finger lassen wie unser Beitrag: Beschläge mit Fingerabdruckscanner & Co. zeigt. Denn neben potenziellen Sicherheitslücken in der Software kommen da noch „Flaws“ im Hardware-Aufbau dazu. Einige dieser Schließzylinder ließen sich in der Vergangenheit mit starken Magneten austricksen. Entsprechend eignen sich diese Beschläge nur, wenn es nicht um den Sicherheitsbereich geht, sondern um einfache Einlasskontrollen – etwa als Kindersicherung für heimische Werkstätten.

Burg Wächter TSE gehören zu den günstigsten Modellen. Wie bei den meisten Konkurrenzprodukten befinden sich im inneren Knauf des Schließzylinders Batterien, die Freischaltung erfolgt per Funk. Entweder mit einer Fernbedienung oder per Ziffern-Tastatur, die optional auch einen Fingerabdruckscanner enthält, und bei richtiger Eingabe den entsprechenden Code zum Freischalten an den Zylinder schickt. Solche Produkte wie Burg Wächter Secuentry (Testbericht) eignen sich auch als sicherer Ersatz für die Eingangstüre. Neben der Lösung von Burg Wächter gibt es etliche andere im Markt, die meisten davon sind aber vor allem für den professionellen Einsatz gedacht und vergleichsweise teuer oder benötigen teure Software-Lizenzen zur Programmierung oder Aktivierung.

Für Nachrüster besonders interessant ist diese Klasse der elektronischen Schlösser – zumindest, wenn die Rahmenbedingungen erfüllt sind. Denn auch solche Lösungen können für Eingangstüren dienen. Der vorhandene Schließzylinder sollte eine Not- und Gefahrenfunktion haben, also sich von außen noch aufsperren lassen, wenn innen ein Schlüssel steckt. Denn der steckt bei dieser Technik immer – und bei leeren Batterien hat man sich ansonsten selbst ausgesperrt. Außerdem ist es wichtig, dass die Tür sauber eingestellt und nicht verzogen ist. Man kennt das, etwa von Holztüren im Winter, die man kräftig ziehen oder drücken muss, bis sie aufgehen – das schafft der kleine Elektromotor ohne Unterstützung nicht und wenn man an der Tür ziehen muss, tut es auch eine andere Lösung.

Das Aussehen ist sicherlich Geschmackssache, schließlich sitzt innen auf Haus- oder Wohnungstür ein relativ großer Kasten, der Batterien, Antrieb und Elektronik enthält. Dafür punkten diese Systeme mit Komfort: Das Aufschließen erfolgt bequem und ohne die Tür anfassen zu müssen per App oder Fernbedienung, das Abschließen – für die Versicherung im Einbruchsfall sehr wichtig – auf Wunsch automatisch nach dem Schließen der Tür. Voraussetzung ist natürlich ein sauberer Lauf der Mechanik.

Ein Beispiel für diese Schlüsseldreher ist das Nuki Combo 2.0 (Testbericht). Es schließt automatisch die Tür auf und schließt sie auch ab. Hierzu nutzt es die Methode des Geofencings: Befindet sich der Nutzer mit seinem Smartphone in einem Radius von 100 Metern in der Nähe von Nuki, so gilt er als „… ist Zuhause“. Verlässt oder betritt er die Zone, so reagiert das Schloss darauf mit entsprechender Aktion. Das funktionierte im Test immer zuverlässig und ohne Probleme. Der Radius für Geofencing lässt sich optional auch vergrößern oder verkleinern. Das Nuki-Schloss schließt die Tür nicht nur auf und zu, sondern öffnet die Tür auch selbst, indem es den Zylinder bis zum Anschlag dreht. Eine gewisse Sonderform nehmen Yale Entr und Danalock V3 ein: Sie ersetzen den Schließzylinder in der Tür und bringen einen Motorkasten auf der Innenseite mit, die optionale Entriegelung von außen erfolgt weiterhin per mechanischem Schlüssel.

Bildschirmaufnahmen der Nuki-App (25 Bilder)

In Kombination mit Kameras oder Türsensoren können solche Lösungen eine Option fürs Smart Home sein. Via Apple Homekit, Alexa & Co. kann man die Schlösser integrieren. Steht beispielsweise der Postbote vor der Tür, empfängt man ihn via Outdoor-Kamera und lässt ihn dann mit Nuki das Paket im Flur abstellen. Entsprechende Kameras haben wir in unserem Vergleichstest: Outdoor-Kameras mit Akku zusammengefasst. Alternativ bieten sich auch Leuchten mit WLAN-Kamera an.

Wer schon einen elektrischen Türöffner hat, etwa an der Eingangstür eines Mehrfamilienhauses oder am Gartentor, kann den mit einer elektronischen Abfrage versehen. Als Haustür- oder Wohnungsschloss taugt diese Variante nicht, da die Tür nach dem Zuziehen nicht abgeschlossen ist – und wenn man sie von Hand abschließt, funktioniert die elektronische Öffnung nicht mehr.

Bastler finden bei Ebay, Amazon & Co. haufenweise Code-Schlösser, Fingerabdruckleser und NFC-Reader. Die einfachsten Varianten kosten wenig Geld und haben ein eingebautes Schalt-Relais, das den Türöffner ansteuern kann. Letztlich erhöht diese simple Variante das Sicherheitsrisiko weiter, weil das Kurzschließen der Kabel außen dazu führt, dass die Tür aufgeht – im Falle des Gartentors ist das aber wohl kein großes Problem. Wer Innen- und Außenelektronik trennen möchte, kann im billigen Preissegment zu Wiegand-Lesern greifen; dieser Pseudo-Standard arbeitet zwar unverschlüsselt und ist nicht gegen Replay-Attacken gefeit, schützt aber vor einfachen Kurzschluss-Angriffen – und da er kabelgebunden arbeitet, müsste man für echte Angriffe zunächst an die Kabel kommen.

In diesem Bereich gibt es auch echte High-End-Lösungen. Das meiste davon ist für den professionellen Einsatz in Unternehmen mit etlichen hundert Nutzern gedacht; aber auch für Einfamilienhäuser gibt es passende Produkte – etwa von E-Key.

Welche Lösung gibt es nun, E-Key oder die Wiegand-Leser sicher an einer Haustür zu betreiben? Die Lösung sind selbstverriegelnde Schlösser mit Motor-Antrieb – sie sind wohl das beste, was man in diesem Umfeld bekommen kann, aber auch nicht gerade billig.

Variante eins ist beispielsweise das Secury Automatic von GU. Einfach- oder Mehrfachverriegelung, selbstverriegelnd – das bedeutet, dass die Schließ-Riegel per Feder-Mechanismus selbst ausfahren, wenn die Tür ins Schloss fällt. Das Entriegeln erfolgt entweder von innen per Klinke, von innen und außen per Schlüssel, oder über den in der Tür verbauten Motor. Die nötige Kabelführung in der Tür, der Kabelübergang zwischen Tür und Rahmen, sowie die aufwendige Mechanik treiben den Preis nach oben, Nachrüsten ist quasi nicht möglich.

Die zweite Variante lässt sich in vorhandenen Installationen nachrüsten: Mediator von Eff Eff. Das Grundprinzip ist das Gleiche, in die Tür kommt ein neues Einsteckschloss mit selbstverriegelnder Mechanik. Der Motor zum Aufschließen sitzt hier aber nicht in der Tür, sondern im Türrahmen. Noch einfacher nachzurüsten ist das Einsteckschloss Ülock. Es sitzt in der Tür, hat eingebaute Batterien für die Stromversorgung und dreht nicht per Motor, sondern kuppelt die außen ansonsten freigängige Türklinke bei passendem Funksignal ein.

Xiaomi Aqara Smart Lock (12 Bilder)

Das Aqara Smart Lock ist sehr hochwertig verarbeitet.

Wer vor allem auf seinen Geldbeutel achten muss, findet immer mehr Lösungen aus Fernost. Ein Beispiel ist das Xiaomi Aqara Smart Lock. Bei Online-Shops wie Tomtop bekommt man es für rund 250 Euro mit dem Promo-Code LOCK0530 – ein guter Preis für eine Komplettlösung. Die Tür öffnet man wahlweise mit Fingerabdruck, Pin oder Smartphone. Sind die Batterien im Schloss leer, liegen zudem Ersatzschlüssel bei. Solche Lösungen haben oft aber zwei Probleme: Erstens sind sie nicht für den Außenbereich gemacht. Bei Witterung oder starkem Regen kann das zum Komplettausfall führen. Zweitens sind die Schlösser für chinesische Türen gefertigt. Motorkasten, Schloss & Co. passen also nicht in europäische Türen. Das gelingt nur mit viel handwerklichem Geschick. Schade eigentlich, denn das gesamte Aqara-Smart-Home-Sortiment hat uns im Testbericht: Smart-Home Xiaomi Aqara sehr zugesagt.

Der folgende Preisvergleich zeigt nur Beispiele, um eine preisliche Einordnung zu ermöglichen. Vor allem die Einsteckschlösser gibt es in zahlreichen Produktvarianten, die zur Montagesituation vor Ort passen müssen, Fachberatung, Fachmontage oder intensives Einlesen ist hier unerlässlich.

Digitale Türschlösser haben viele Vorteile: verlorene Schlüssel lassen sich sperren, neue sind in Minuten erstellt, und Systeme mit Online-Anbindung kann man sogar von Unterwegs per Handy entsperren – wenn man das möchte.

Die einfachste und billigste Nachrüstlösung sind die Schlüsseldreher, die sich vor allem für wenig genutzte und gut eingestellte Türen eignen – Wohnungs- oder Haustüren zum Beispiel. Deutlich solider sind die elektronischen Schließzylinder, die ähnlich günstig, aber weit weniger komfortabel sind. Schließlich muss man hier selbst drehen und sich auch selbst um das Abschließen kümmern.

Wer eine wirklich professionelle Lösung sucht, kommt um selbstverriegelnde Motorschlösser kaum herum – doch die haben ihren Preis. Das lohnt sich oft nur bei gehobenen Sicherheitsansprüchen oder bei Sanierung oder im Neubau.

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