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Kaufberatung & Test: Welche microSD-Karte für Android?

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Was ist die beste microSD-Speicherkarte für Samsung Galaxy, LG, HTC und Motorola-Smartphones mit Android?

Speicher ist bei Smartphones mit Android immer ein Problem, wenn man nicht gerade in der obersten Luxus-Klasse zugreift. Speicherkarten im microSD-Format sollen helfen, doch Auswahl und Preisunterschiede sind groß. Wir haben fünf microSD-Karten von billig bis teuer getestet und zeigen, welche wofür geeignet ist.

Auch 2017 neigen die Hersteller noch dazu, die Basismodelle ihrer Smartphone-Flaggschiffe mit teils irritierend knapper Speicherausstattung auf den Markt zu bringen. Ob nun Apples iPhone 7 (Testbericht) (ab 32 GByte), das LG G6 (Testbericht) (ausschließlich 32 GByte) oder Samsungs Galaxy S8 (Testbericht) (immerhin ab 64 GByte) – trotz des High-End-Anspruchs ist der nach Abzug von Betriebssystem und Apps zur Verfügung stehende Speicher teils unanständig knapp bemessen. Bei günstigeren Modellen ist das noch extremer.

Aktuelle Smartphones nehmen Videos in 4k-Auflösung mit bis zu 30 oder 60 fps auf. Um die dabei entstehende Datenmenge zügig verarbeiten zu können, ist viel und vor allem schneller Speicher erforderlich. Wer Apps auf die microSD-Karte auslagern möchte, braucht andere Stärken, und wer nur ein paar Bilder und etwas Musik auf dem Mobiltelefon hinterlegen möchte, kann zu deutlich billigeren Karten greifen.

Natürlich gibt es viele Modelle auch mit einer zeitgemäßen Speicherausstattung von bis zu 256 GByte. Dafür wird aber oft ein derart saftiger Aufpreis fällig, dass der Griff zur zusätzlichen Speicherkarte aus dem Zubehörhandel die ökonomisch sinnvollere Wahl ist – zumindest für die Nutzer von Android-Smartphones. Beim iPhone geht das nicht, Apple schiebt dem durch einen bewussten Verzicht auf einen Speicherkarten-Slot einen Riegel vor.

Ob die Möglichkeit besteht, Apps teilweise oder ganz auf eine externe Speicherkarte auszulagern, lässt sich nicht pauschal sagen und hängt von der verwendeten Android-Version, dem genutzten Smartphone und der App selbst ab. Einen entsprechenden Ratgeber haben wir bereits am Beispiel des HTC Desire 530 (Anleitung: Apps auf SD-Karte verschieben) veröffentlicht. Prinzipiell wird eine Erweiterungskarte unter Android entweder als interner Speicher formatiert oder als zusätzliches Laufwerk zur Auslagerung von Daten und Apps vernwendet.

Nutzt ihr die microSDXC-Karte nicht nur als zusätzliches Speichermedium, sondern fasst sie durch eine entsprechende Formatierung unter Android mit dem bestehenden, internen Speicher des Telefons zusammen, sollte gerade bei schnellen Smartphones auch eine schnelle Speicherkarte zum Einsatz kommen, damit sie das System anschließend nicht ausbremst.

Da Android in diesem Fall alle Daten verschlüsselt, lässt sich die Speicherkarte anschließend nicht einfach in einem anderen Gerät auslesen. Die Möglichkeit der Erweiterung des internen Speichers besteht nicht auf allen Smartphones.

Wird die Speicherkarte nur als zusätzlicher Erweiterungsspeicher genutzt, lässt sie sich hingegen auch an anderen Geräten nutzen, um beispielsweise Fotos oder Videos zu sichern.

Selbst die langsamste microSDXC-Karte im Test reicht für 4k-Videos mit 30 FPS aus: Intensos microSDXC Premium schreibt mit 18,5 MByte/s. Selbst bei 15 Minuten langen Testvideos gab es keine Komplikationen. Wir haben in der folgenden Tabelle exemplarisch einige mit dem LG G6 erhobene Werte zusammengefasst. Andere Smartphones können die Kompression abweichend handhaben, prinzipiell reicht aber eine Class-10-Karte aus.

Datenraten: Videoaufnahmen mit dem LG G6
Auflösung Bitrate Datendurchsatz Speicherbedarf pro Minute
FHD, 30 FPS, mittlere Bitrate 17 MBit/s 2,125 MByte/s 127,5 MByte
FHD, 30 FPS, hohe Bitrate 24 MBit/s 3 MByte/s 180 MByte
FHD, 60 FPS, mittlere Bitrate 24 MBit/s 3 MByte/s 180 MByte
FHD, 60 FPS, hohe Bitrate 36 MBit/s 4,5 MByte/s 270 MByte
UHD, 30 FPS, mittlere Bitrate 48 MBits/s 6 MByte/s 360 MByte
UHD, 30 FPS, hohe Bitrate 52 MBit/s 6,5 MByte/s 390 MByte

Auch bei kurz aufeinanderfolgenden Foto-Aufnahmen mit maximaler Qualität auf dem LG G6 ergaben sich bei schnellen Aufnahmen keine erwähnenswerten Verzögerungen. Beim Einsatz der langsamsten Speicherkarte konnten wir einmal kurz einen Wartehinweis auf dem Bildschirm sehen, dass die Datei gespeichert wird. Das LG G6 speichert maximal ein rund 13 Megapixel großes Bild im RAW- sowie JPG-Format auf die Speicherkarte (etwa 18,2 und 8,5 MByte groß).

Die Nutzung sehr schneller Karten ist also erst dann sinnvoll, wenn sie häufig von einer externen Quelle mit Musikbibliotheken, hochauflösenden Spielfilmen oder anderen Speicherfressern befüllt werden sollen. Auch abseits des Smartphones können 360-Grad-Action-Cams oder 8k-Videokameras potentiell lohnenswerte Einsatzorte für sehr schnellen Erweiterungsspeicher sein.

Bitte unbedingt beachten: In Abhängigkeit von der Leistung des Smartphones selbst sowie der Anbindung des Einschubs für die Speichererweiterung kann die Lese- sowie Schreibgeschwindigkeit auch signifikant geringer als beim LG G6 ausfallen.

Die Hersteller geben die Geschwindigkeiten ihrer Speicherkarten in verschiedenen Klassen an. Im Laufe der Zeit ist aus den ganzen Abkürzungen und Umrechnungsfaktoren aber ein so komplexes System geworden, in dem verschiedene Werte für Speed Class, Video Speed Class, UHS Speed Class, Geschwindigkeitsfaktor und Application Performance Class kursieren.

Um Licht ins Dunkle zu bringen, erklären wir die verschiedenen Begriffe in einer Übersicht: microSD-Karten: Größen- und Geschwindigkeitsklassen erklärt

Längst nicht alle Smartphones verfügen über einen Steckplatz, der mit allen Speicherkarten zurecht kommt. Selbst bei einigen ganz aktuellen Einsteiger-Smartphones ist bei 32 GByte und somit der SDHC-Kapazitätsklasse das Ende der Fahnenstange erreicht, größere SDXC-Karten funktionieren nicht. Umgekehrt lässt sich eine SDHC-Karte aber problemlos in einem Gerät mit SDXC-Unterstützung nutzen. Aufschluss darüber geben die Spezifikationen des jeweiligen Herstellers. Mit einem Trick kann man unter Umständen dennoch eine microSDXC-Karte mit voller Kapazität im microSDHC-Slot verwenden: Mit dem Tool FAT32Formatter könnt ihr unter Windows auch Karten mit großen Speicherkapazitäten von 64 GByte und mehr in FAT32 formatieren. In vielen Smartphones funktioniert auch die große Speicherkarte anschließend problemlos, eine Garantie dafür gibt es aber nicht. Das grundlegende FAT32-Limit mit einer maximalen Einzeldateigröße von 4 GByte bleibt aber erhalten.

UHS-II-Speicherkarten bringen Euch im Smartphone keinen Geschwindigkeitszuwachs. Sie sind zwar prinzipiell deutlich leistungsstärker, allerdings lässt sich dieses Potenzial im Slot für den Erweiterungsspeicher nicht abrufen.

Im Gegensatz zu den ebenfalls auf Flash-Speicher basierenden SSDs in PCs und Notebooks verfügen zumindest die derzeitigen Speicherkarten noch über kein Äquivalent zum TRIM-Befehl. Kontinuierliche Höchstleistung lässt sich also nur durch händische Formatierung aufrechterhalten. Das geht problemlos mit einem offiziellen Tool der SD Card Association. Ansonsten bleiben Daten auch nach dem Löschen mindestens so lange auf SD-Karten erhalten, bis sie erneut überschrieben wurden. Das kann immerhin bei einem versehentlich angestoßenen Vorgang die Datenrettung erleichtern.

Alle von uns getesteten Speicherkarten sind in verschiedenen Kapazitätsklassen auf dem freien Markt vertreten. Das beste Gigabyte-pro-Euro-Verhältnis bieten derzeit noch überwiegend Modelle mit 64 GByte Speicherplatz, aber die nächst höhere Ausstattungsvariante mit 128 GByte rückt den kleineren Karten zunehmend auf den Pelz. Modelle mit 256 GByte sind noch vergleichsweise teuer.

Im Rahmen unserer Testberichte zu microSDXC-Karten (Links zu den Einzeltests am Ende dieses Beitrags) haben wir uns mehrere Modelle verschiedener Hersteller aus unterschiedlichen Preis-Leistungsklassen herausgepickt. Im Hinblick auf die Leistung können wir problemlos Empfehlungen aussprechen, die sich an unterschiedliche Anwenderprofile richten. Kommt allerdings der Preis mit ins Spiel, wird es problematisch, denn selbst innerhalb des knapp bemessenen Testzeitraums schwankten die Preise um über 30 Prozent. Ob sich ein Kauf lohnt, muss man also im Einzelfall in Abhängigkeit vom Tagespreis entscheiden.

Zunächst einmal die Testergebnisse im Überblick. Wir haben alle Speicherkarten sowohl im Smartphone (High-End-Smartphone: LG G6; Einsteigergerät: Honor 5C) als auch im per PCI-Express angebundenen Kartenleser eines Notebooks geprüft (Dell XPS 13). Gerade die schnelleren Karten performen in einem schnellen Smartphone sehr viel besser als langsame Modelle. Das liegt an der höheren Systemleistung an sich, aber selbst zwischen zwei High-End-Geräten aus der gleichen Leistungsklasse kann es aufgrund der Anbindung des Kartenlesers erhebliche Unterschiede geben.

AndroBench 5.0.1 (Honor 5C)
Intenso microSDXC Premium Kingston UHS-I U3 microSDXC Kit Lexar Professional 1800x microSDXC Kit Samsung microSDXC EVO Plus (2017) SanDisk Extreme microSDXC
Lesen sequenziell 58,2 MByte/s 52,35 MByte/s 59,7 MByte/s 51 MByte/s 64,1 MByte/s
Schreiben sequenziell 16,6 MByte/s 33,88 MByte/s 47,9 MByte/s 19,4 MByte/s 38,7 MByte/s
Lesen Random 4 KByte 1904,5 IOPS 2498,26 IOPS 2234,7 IOPS 1655,3 IOPS 2456,7 IOPS
Schreiben Random 4 KByte 51,6 IOPS 165 IOPS 275,4 IOPS 676,5 IOPS 928,2 IOPS
AndroBench 5.0.1 (LG G6)
Intenso microSDXC Premium Kingston UHS-I U3 microSDXC Kit Lexar Professional 1800x microSDXC Kit Samsung microSDXC EVO Plus (2017) SanDisk Extreme microSDXC
Lesen sequenziell 80,1 MByte/s 78,7 MByte/s 81,4 MByte/s 74,0 MByte/s 84,3 MByte/s
Schreiben sequenziell 22,3 MByte/s 63,4 MByte/s 69,7 MByte/s 39,1 MByte/s 56,2 MByte/s
Lesen Random 4 KByte 2021,9 IOPS 2858,7 IOPS 2750,0 IOPS 2458,5 IOPS 3320,2 IOPS
Schreiben Random 4 KByte 64,1 IOPS 169,1 IOPS 281,8 IOPS 793,0 IOPS 1110,1 IOPS
CrystalDiskMark 5.2.1 (Dell XPS13, integrierter Kartenleser)
Intenso microSDXC Premium Kingston UHS-I U3 microSDXC Kit Lexar Professional 1800x microSDXC Kit Samsung microSDXC EVO Plus (2017) SanDisk Extreme microSDXC
Lesen sequenziell (QD1) 83,9 MByte/s 78,2 MByte/s 272,6 MByte/s 87 MByte/s 86,4 MByte/s
Schreiben sequenziell (QD1) 18,5 MByte/s 66,3 MByte/s 218,8 MByte/s 65,4 MByte/s 69 MByte/s
Lesen Random 4 KByte (QD1) 1760,3 IOPS 2130,6 IOPS 3776,4 IOPS 1599,6 IOPS 2341,6 IOPS
Schreiben Random 4 KByte (QD1) 54,4 IOPS 256,8 IOPS 501 IOPS 635,5 IOPS 647,9 IOPS

Hier haben wir die aktuellen Preise der Karten für Euch zusammengefasst:

Intenso microSDXC Kit  64GB, UHS-I/Class 10 (3423490)

Intenso

SanDisk Extreme microSDXC  64GB for Action Sports Kit, UHS-I U3/Class 10 (SDSQXVF-064G-GN6AA)

Sandisk

Kingston UHS-I U3 microSDXC  64GB Kit, UHS-I U3/Class 10 (SDCA3/64GB)

Kingston

Samsung microSDXC EVO Plus (2017)  64GB Kit, UHS-I U3/Class 10 (MB-MC64GA/EU)

Samsung

Lexar Professional 1800x microSDXC Kit  64GB, UHS-II U3/Class 10 (LSDMI64GCRBEU1800R)

Lexar

Welche microSDXC-Karten solltet ihr also für den Einsatz in eurem Smartphone ins Auge fassen? Ganz grundlegend gilt: Wenn nur ein paar Videos und MP3-Dateien auf der Speichererweiterung abgelegt werden, reicht selbst das langsamste Modell im Test, die Intenso microSDXC Premium, völlig aus. Das gilt auch für 360-Grad-Fotos sowie 4k-Videoaufnahmen – zumindest bei den in der Regel üblichen 30 Frames pro Sekunde. Deutlich langsamere Speicherkarten finden sich aktuell allenfalls noch auf den Wühltischen großer Elektrofachmärkte, und diese auch nur mit bis zu 32 GByte Speichervolumen. Alle microSDXC-Modelle mit 64 GByte und mehr Speicherplatz bieten mindestens Class-10-Geschwindigkeit. Selbst wenn ihr nur ein Einsteiger-Smartphone nutzt, das offiziell maximal 32 GByte große microSDHC-Karten aufnimmt, ist eine Class-4- oder Class-6-Karte kaum günstiger als ein Class-10-Modell. Warum also zum gleichen Preis eine langsamere Version nehmen? Das ergibt keinen Sinn.

Wenn ihr hingegen sehr oft neue und umfassende Datenmengen wie etwa ein wechselndes Angebot an Spielfilmen oder eine umfangreiche Musikbibliothek auf der Speichererweiterung hinterlegt, dann spart eine um nur wenige Euro teurere Speicherkarte mit hohen sequenziellen Schreibwerten Zeit und Nerven. Das Modell von Kingston liefert gute Ergebnisse, die teure Lexar-Karte ist für den Einsatz im Smartphone schon fast zu schade und auch kostspielig. Die wahnsinnige Lese- und Schreibgeschwindigkeit nutzen aktuelle Mobilgeräte gar nicht. Dennoch: Werden vom PC Inhalte auf die Karte kopiert, ist sie um ein vielfaches schneller als die Konkurrenz im Testfeld – zumindest, wenn ein entsprechend schnelles Kartenlesegerät vorhanden ist.

Zwei Modelle konnten im Hinblick auf die Gesamtleistung besonders auftrumpfen: Samsungs microSDXC Evo Plus ist in der aktualisierten 2017er Version ein Preis-Leistungs-Tipp. Sie ist eine der günstigsten Speicherkarten im Testfeld und kann gleichzeitig mit guten IOPS-Werten bei zufälligen Datentransfers überzeugen. Dadurch eignet sie sich auch für die Installation und das Ausführen von Apps. Nur die sequenzielle Schreibgeschwindigkeit ist lediglich zufriedenstellend.

Das beste Gesamtpaket bietet die etwas teurere SanDisk Extreme microSDXC. Diese liefert nicht nur deutlich höhere sequenzielle Schreibwerte als die günstige Speicherkarte von Samsung, sondern gleichzeitig auch noch etwas mehr Leistung bei zufälligen Lese- und Schreiboperationen und genügt dadurch als Rundum-Sorglos-Paket allen Ansprüchen.

Samsung microSDXC EVO Plus (2017)  64GB Kit, UHS-I U3/Class 10 (MB-MC64GA/EU)

Samsung

SanDisk Extreme microSDXC  64GB for Action Sports Kit, UHS-I U3/Class 10 (SDSQXVF-064G-GN6AA)

Sandisk

Testberichte zu MicroSD-Karten:
SanDisk Extreme microSDXC im Test
Kingston UHS-I U3 microSDXC im Test
Samsung Evo Plus 2017 im Test
Lexar Professional 1800x microSDXC im Test
Intenso Premium microSDXC im Test

Kaufberatung:
microSD-Karten: Größen- und Geschwindigkeitsklassen erklärt

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