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Kaufberatung: Google Pixel 4 oder Pixel 3a?

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Das neue Pixel 4 (XL) ist da und schneidet in unserem Test gut ab. Aber ist eine Ausgabe von über 700 Euro wirklich nötig oder reicht der Mittelklasse-Vorgänger Pixel 3a (XL) für nicht einmal die Hälfte?

Das Google Pixel 4 (Testbericht) ist ein insgesamt ordentliches Smartphone, das einige Highlights zu bieten hat, allerdings auch Schwächen. Zu den Pluspunkten gehören etwa Display, Leistung, Kamera und die neue Radarsteuerung, auch wenn die derzeit nur einen Bruchteil ihres Potenzials ausschöpft. Wer die Leistung, die sich in erster Linie in Benchmarks bemerkbar macht, nicht braucht und auch auf die Gestensteuerung per Radar verzichten kann, sollte vielleicht einen Blick auf den günstigen Vorgänger Pixel 3a werfen – oder hinkt der Vergleich?

Beim Pixel 4 setzt Google auf einheitliche Materialgestaltung, beim Pixel 3a gab es noch eine Zweiteilung der Rückseite, bei der glänzende und matte Elemente verwendet wurden. Außerdem ist die Kameraeinheit beim Pixel 4 wesentlich auffälliger gestaltet. Auf der Front gibt es eher eine gewisse Ähnlichkeit der Modelle zueinander, denn auch beim 2019er Pixel 4 verzichtet der Hersteller auf eine Notch, leider aber auch auf randloses Design. Das liegt an der Verwendung des Radarchips, der sich offenbar nicht schöner in das Smartphone integrieren ließ, als ihn hinter einem breiten Display-Rahmen zu verstecken. Modern sieht das nicht aus.

Ein nicht zu vernachlässigender Unterschied zwischen den beiden Modellen ist die Haptik. Das Pixel 4 mit seiner beinahe seidigen Oberflächenstruktur wirkt wesentlich hochwertiger, als das viel günstigere Google Pixel 3a. Dafür sind die älteren Modelle aber auch deutlich leichter.

Die Screens von Pixel 4 und Pixel 3a ähneln sich auf den ersten Blick, schließlich verwendet Google bei beiden Modellen OLED als Technologie und auch die Auflösung ist beinahe gleich. Im neuen Pixel 4 wächst der Touchscreen minimal auf 5,7 Zoll, im Pixel 4 XL spürbarer auf 6,3 Zoll. Die größten Unterschiede fallen erst auf den zweiten Blick auf. So beherrscht das Panel des Pixel 4 (XL) im Gegensatz zum günstigeren Mittelklassemodell sowohl HDR als auch eine Wiedergabe mit 90 Hz.

Einer der größten Unterschiede zum 3er-Pixel ist die Kamera. Bei Pixel 3 (Testbericht) und Pixel 3a ist die identisch und besteht aus einer einzelnen Hauptlinse auf der Rückseite, im neuen Modell ist eine zweite Linse für maximal 8-fache Vergrößerung hinzugekommen. Ein weiteres neues Features der Pixel-4-Kamera ist Live-HDR+, dessen Anpassungen schon vor dem Foto direkt im Sucher sichtbar werden. 4K-Aufnahmen mit 60 Bildern pro Sekunde gibt es bei beiden Modellen nicht. Die reine Fotoqualität ist ähnlich gut, das Pixel 4 versteht sich allerdings auf den erweiterten Nachtmodus, den Google Astromodus nennt. Damit dürfen Nutzer mehrere Minuten lange Dauerbelichtungen anfertigen, die sogar Sterne am Firmament einfangen.

Dass das Google Pixel 4 die bessere Hardware mitbringt, ist keine Überraschung. Denn das Pixel 3a Modell ist nicht nur länger am Markt und kommt daher mit einer älteren Chip-Generation zum Kunden, sondern war von Beginn an als günstigere Mittelklasse-Version zum Pixel 3 (Testbericht) ausgelegt. Entsprechend verfügt es nicht über den Spitzen-Chipsatz des vergangenen Jahres, sondern über den Mittelklasse-Chip Snapdragon 670. Das Pixel 4 nutzt den deutlich stärkeren Snapdragon 855. Auch beim Arbeitsspeicher gibt es Unterschiede: Im Vorjahresmodell stecken 4, im aktuellen Gerät 6 GByte RAM. Beim Speicher bietet Google in diesem Jahr auch eine Version mit 128 GByte an, erweiterbar ist der Speicher weiterhin nicht.

Eine wichtige Neuerung des Pixel 4, auf die der Hersteller bei der Präsentation sichtlich stolz war, ist die Gestensteuerung per Radarchip. Damit lassen sich zuverlässig Musiktitel skippen, außerdem dürfen aktuell Klingeltöne und Wecker per Handbewegung stumm geschaltet werden – das war es vorerst. Die andere große Änderung betrifft die Entsperrmethode des Smartphones: Das Google Pixel 3a verlässt sich dabei hauptsächlich auf den auf der Rückseite angebrachten Fingerabdrucksensor, das Pixel 4 kommt ganz ohne Fingerabdrucksensor. Stattdessen setzt das Unternehmen wie Apple auf eine 3D-Gesichtserkennung mittels Infrarot und erlaubt damit schnelles und zuverlässiges Entsperren. Derzeit klappt das aber auch bei geschlossenen Augen, was ein gewisses Sicherheitsrisiko darstellt. Der Active Edge genannte druckempfindliche Rahmen des Smartphones, der beim Pixel 3a durch Zusammendrücken des Smartphones ab Werk den Google Assistant aktiviert, entfällt beim neuen Modell. Android 10 haben beide Modelle und damit auch ähnliche Software-Features. Die Offline-Nutzbarkeit der Sprachrekorder-App und künftig für den Google Assistant bleibt allerdings wegen des Neural Core im Pixel 4 dem neuen Modell vorbehalten.

Beim Thema Akku gibt es eine kleine Überraschung, die sicherlich den meisten Interessenten übel aufstoßen dürfte: Der Akku des Pixel 4 ist nur noch 2800 mAh stark, im Pixel 3a leistet er immerhin 3000 mAh. Im Test des Pixel 4 waren wir mit der Akkuleistung nicht zufrieden. Bei den XL-Modellen gibt es auf dem Papier keinen Unterschied, die Akkuleistung liegt bei 3700 mAh. Immerhin geht das Aufladen per Kabel schnell, auch kabelloses Laden wird unterstützt. Auf dieses Feature müssen Nutzer des Pixel 3a (XL) verzichten.

Preislich liegt das ältere Mittelklassemodell Pixel 3a klar vorn, hier gehen die Preise ab rund 335 Euro los. Für das Pixel 4 werden in der 64-GByte-Version fast 750 Euro fällig. Das Pixel 3a XL startet bei rund 399 Euro, das Pixel 4 XL bei 899 Euro.

Google Pixel 3a just black

Pixel 3a Schwarz

Google Pixel 3a clearly white

Pixel 3a Weiß

Google Pixel 3a XL just black

Pixel 3a XL Schwarz

Google Pixel 4  64GB oh so orange

Pixel 4 Orange 64 GB

Google Pixel 4 XL  64GB clearly white

Pixel 4 XL 64 GB

Google Pixel 4 XL 128GB just black

Pixel 4 XL Weiß 128 GB

Natürlich kann das Google Pixel 4 (Testbericht) mehr und es wirkt auch hochwertiger. Die Frage ist nur, ob man das wirklich alles braucht. Beispiel Gestensteuerung per Radar: Derzeit kann die eher wenig, ein echter Mehrwert ist nicht zu erkennen. Oder die Entsperrung des Gerätes per Gesichtserkennung. Natürlich ist das bequem und funktioniert gut, allerdings arbeitet auch der Fingerabdrucksensor des Pixel 3a (XL) hervorragend. Die Mehrleistung des Pixel 4 macht sich zwar auch im Alltag bemerkbar, die meisten Nutzern dürfte aber auch das etwas langsamere Pixel 3a nicht weiter stören. Ein gewichtigeres Argument für das Pixel 4 ist da wohl der größere Speicher – nicht nur wegen des größeren RAM, sondern auch der Möglichkeit, 128 statt 64 GByte zu erwerben. Viel ist das aber für ein Topmodell im Jahr 2019 auch nicht, zumal der Speicher nicht erweiterbar ist.

Die neue Kamera im Pixel 4 bietet durchaus einige Verbesserungen, vor allem ist endlich auch eine zweite Linse mit dabei, die deutlich mehr Zoom als zuvor erlaubt. Eine Ultraweitwinkellinse wie bei der Konkurrenz fehlt aber nach wie vor. Die eigentliche Fotoqualität ist weitestgehend identisch und damit auch beim Pixel 3a (XL) überzeugend. Bleibt das Display, das jetzt beim 4er-Modell 90 Hz beherrscht. Die meiste Zeit ist diese Funktion aber zum Stromsparen eh automatisch deaktiviert und auch hier gilt: Vielen Nutzern wird der Unterschied von 60 zu 90 Hertz wohl gar nicht erst auffallen. Vorteile beim Akku hat sogar das Pixel 3a, beim Pixel 4 überzeugt uns die Akkuleistung nicht.

Bleibt unter dem Strich als Preis-Leistungs-Sieger klar das Google Pixel 3a (XL) – zumindest, sofern man nicht unbedingt eine der beschrieben neuen Funktionen des Pixel 4 haben muss. Vieles davon ist aber eigentlich eher „nice to have“ als „Musthave“.

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