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Kaufberatung Elektroroller bis 45 km/h

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Höhere Reichweiten, geringere Kosten und Wechselakkus zum Laden im Büro: Elektroroller sind zunehmend attraktiv. TechStage zeigt in der Kaufberatung, worauf es ankommt.

Wer einmal auf einem Elektroroller gefahren ist – nicht zu verwechseln mit den elektrisch angetriebenen Tretrollern, zu denen wir unseren Beitrag Grundlagen: E-Tretroller mit Straßenzulassung empfehlen – ist begeistert. Zum einen ist es sehr entspannend, ohne das nervige Knattern durch die Landschaft zu gleiten, zum anderen versenkt man beim Ampelstart vergleichbare Motorroller mit konventionellen Verbrennermotoren mit Leichtigkeit.

Waren früher Preis und Reichweite noch Hindernisse für die Elektrifizierung des Zweiradantriebs, haben moderne Roller in beiden Punkten aufgeholt. Nicht zu unterschätzen sind die niedrigen Folgekosten der E-Roller. Mit 60 Cent bis 1 Euro je 100 km sind die modernen Zweiräder nicht zu schlagen. Die meisten Roller brauchen mindestens 4,5 Liter auf 100 km. Bei einem Benzinpreis von 1,50 Euro macht das 6,75 Euro! Zweitakter sind wegen dem zugesetzten preisintensiven Zweitaktöl noch teurer. Die wartungsfreien und wenig reparaturanfälligen Elektromotoren sehen Werkstätten nur selten von innen, die Technik ist ausgereift. Übrigens gibt es in vielen abgasgeplagten Großstädten (etwa in München) eine nicht zu verachtende Förderung. Die muss aber oft vor dem Kauf beantragt werden.

Auf dem Markt sind Roller mit Lithium-Ionen und mit Blei-Gel-Akkus. Letztere sind immer fest eingebaut, was das Laden umständlich macht. Man braucht eine Steckdose in der Garage oder auf der Terrasse. Weitere Nachteile sind das hohe Gewicht sowie die geringere Lebensdauer – die Hersteller geben für Blei-Gel-Akkus zwischen 400 und wahrscheinlich eher optimistischen 600 Ladezyklen an. Lithium-Ionen-Akkus sind leichter, energiereicher und haben eine deutlich höhere Lebensdauer von circa 1000 Ladungen. Das reicht viele Jahre. Zudem verlieren sie im Lauf ihrer Lebensdauer weniger Kapazität. Herausnehmbare Lithium-Ionen-Akkus wiegen zwischen 8 und 13 kg. Die meisten Roller vergrößern ihre Reichweite durch Energierückgewinnung beim Bremsen.

Der Elektroroller-Hersteller Niu gewährt zwei Jahre Garantie auf das mit dem Roller ausgelieferte 29-Ah-60-V-Akkupack von Panasonic (NCR18650PF) und sagt eine Lebensdauer von fünf Jahren voraus. Die Akkus sollen 600 Ladezyklen schaffen. Der Akku ist unter dem Trittbrett verstaut und treibt den Motor an. Ein optionaler zweiter Akku findet unter der Sitzbank Platz, kann hier aber nicht angeschlossen werden. Ist der erste Akku leer, muss man die Akkus per Hand tauschen.

Unu avisiert für den eingesetzten LG-Akku eine Batterielebensdauer von sieben bis zehn Jahren bei bis zu 1000 Ladezyklen an. Die Kapazität beträgt 1.78 kWh. Der ähnlich dimensionierte 1,7 kWh Lithium-Ionen-Akku der Trinity Venus verwendet einen 60-V-Akku, für 500 Euro Aufpreis gibt es einen 60V-Akku mit 2,4 kWh Kapazität. Trinity Venus wirbt ebenfalls mit einer Lebensdauer von circa 1000 Ladezyklen. Emco bietet den Novantic C 2000 wahlweise mit einem oder zwei 28 Ah einem oder zwei 37 Ah Lithium-Ionen-Akkus an. So findet jeder einen Roller mit der für ihn richtigen Reichweite. Das hat natürlich seinen Preis, denn Lithium-Ionen-Akkus sind für die Hersteller im Einkauf teuer. Auch Vespa spendiert seiner Elettrica einen Lithium-Ionen-Akku. Als einziger Hersteller im Feld ist dieser allerdings fest integriert, was für Bewohner von Mietwohnungen oder Tiefgaragenparkern wenig taugt.

Bei der Wahl des Rollers sollte man also darauf achten, ob der Akku herausnehmbar ist, speziell wenn man den Roller nicht direkt in der Garage oder auf der Terrasse laden kann. Auch sollte die Reichweite nicht zu großzügig bemessen sein, denn die bezahlt man mit einem happigen Zuschlag. 100 km schaffen viele Roller mit zwei Akkus, das entspricht der Reichweite der meisten konventionellen Zweitakt- oder Viertaktroller und ist meist völlig ausreichend.

Bei vielen Modellen kann man sich beim Kauf für einen zweiten oder gar dritten Akku entscheiden Ausnahme ist wegen der fest eingebauten Akkus Vespa. Bei den angegebenen Reichweiten gilt zu beachten, dass die Hersteller diese nicht bei Vollgas, sondern meist bei unrealistischen 20 km/h und leichten Fahrern ermitteln. Je höher das Gewicht des Fahrers und je sportlicher die Fahrweise, desto geringer die Reichweise. Das gilt auch für bergige Fahrten und kalten Temperaturen. Wer im Winter die Akkus über Nacht im warmen Zuhause lagert, kann dem entgegenwirken.

Reichweiten laut Herstellerangaben
Modell 1 Akku 2 Akkus 1 Akku mit höherer Kapazität 2 Akkus mit höherer Kapazität
Unu Scooter 50 km 100 km / /
Niu N 50 - 80 km 100 - 160 km / /
Vespa Elettrica 100 km / / /
Trinity Venus 65 km / 90 km /
emco Novantic C 2000 50 km 100 km 65 km 130 km

Die hier vorgestellten Roller haben alle zwischen 2 und 4 kW Leistung. Es gibt auf dem Markt viele Roller mit 0,6 oder 1 kW Leistung, das ist zu wenig und rächt sich am ersten Berg. Diese haben wir hier deshalb auch nicht berücksichtig.

Leistung
Modell Leistung
Unu Scooter 2 kW, 3 kW oder 4 kW
Niu N 2,4 kW
Vespa Elettrica 4 kW
Trinity Venus 2 kW
emco Novantic C 2000 2 kW

Die Roller haben eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h und können deshalb mit den einem Führerschein der Klassen AM, A1, A2, A, B, 1, 1B oder 3 gefahren werden. Das Mindestalter beträgt 16 Jahre, ist der Roller auf 25 km/h gedrosselt, dürfen auch 15-jährige aufsteigen. Versichert werden die Roller wie Mokicks Mofas. Steuerpflichtig sind sie nicht, auch ist keine TÜV-Abnahme vorgeschrieben.

Zwei Designkonzepte der hier vorgestellten Roller stehen stellvertretend für alle Elektroroller. Kulthersteller Vespa mit der Elettrica, Trinitys Venus und der Amco Novantic C 2000 setzen auf das klassische Rollerdesign, wobei die beiden letztgenannten das Design von Rollerikone Vespa kopieren. Unu setzt hingegen auf einen extrem futuristischen Look und Marktführer Niu beim N auf ein zurückgenommenes, Design mit einer klaren Linienführung.

Das deutsche Startup Unu entwickelt den Scooter in Deutschland und lässt diesen On Demand in China produzieren. Vertrieben werden die Roller übers Internet. Service und Reparatur übernimmt Bosch. Der hier beschriebene Roller kann derzeit nur vorbestellt werden, das Vorgängermodel heißt seitdem Unu Scooter Classic und ist weiter lieferbar. Zur Wahl stehen drei im Hinterrad integrierte Bosch-Motoren mit 2 kW, 3 kW oder 4 kW Leistung. Auch der kleinste Motor hat ausreichend Leistung. Wer viel Bergauf fährt, sollte sich für die 3-kW-Variante entscheiden.

Auch der Classic hat drei Motorvarianten zur Wahl, hier wird der kleinste Motor aber nur mit 1 kW angetrieben. Das moderne Design überzeugt, man sieht sofort, dass man keinen konventionellen Motorroller vor sich hat. Wie alle hier vorgestellten Modelle werden die Akkus beim Bremsen wieder geladen. Er hat eine Kapazität von 1.78 kWh. Man kann den Unu Scooter mit einem oder zwei Akkus bestellen, damit sind bei unrealistisch langsamer Fahrweise 50 je Batterie, also maximal 100 km zu erreichen.

Im Gegensatz zur ersten Unu-Generation gibt es für den neuen Scooter eine kostenlos erhältliche App. Die App zeigt den Ladestand, hat einen Diebstahlschutz, ermöglicht Navigieren und Key Sharing. Key Sharing bedeutet, dass man Freunden den Roller über die App zugänglich machen kann, es braucht keinen Schlüssel, um ihn aufzuschließen und fahren zu können. Die Navigation ruft man am Handy auf, das Scooter-Display weißt dann den Weg. Alle smarten Features sind laut Unu aber noch nicht zum Verkaufsstart verfügbar, die Software wird nach und nach auf den Roller per Fernwartung aufgespielt, hier will Unu zu Marktführer Niu aufschließen, der bereits über smarte Features verfügt. Auch der Diebstahlschutz ist noch in Entwicklung. In der App kann man sehen, wenn der Roller bewegt wird. Das GSM-Modul inklusive SIM ist im Roller fest integriert. Für den Datenverkehr greift Unu auf das Vodafone-Mobilfunknetz zu. Wie Niu wird die Software so auch vom Hersteller aktualisiert. Das Smartphone kann während der Fahrt an der USB-Buchse aufgeladen werden.

Niu hat sich in den letzten Jahren zum größten E-Roller-Hersteller gemausert, der den deutschen Markt zunehmend dominiert. Auch die komplett in China konzipierten und gebauten Roller setzen auf Bosch-Motoren. Das hier besprochene Model N wird mit einem 10 kg schweren Akku von Panasonic mit 29 Ah Kapazität geliefert, was für 50 - 80km (bei etwa 20 km/h) reichen soll. Ein optional erhältlicher 2. Akku hat unter der Sitzbank Platz. Wenn der erste Akku leer ist, muss der zweite umgesteckt werden, unter der Sitzbank ist kein Anschluss für den Ersatzakku. Die Ladezeit beträgt kurzweilige 6 Stunden, das ist ein guter Wert. Das einfache aber klare Design beschreibt Niu ganz treffend als ästhetischem Minimalismus. Die Verarbeitung ist sehr gut und mit anderen Billigimporten aus China nicht vergleichbar. Auch bei Straßenlage und Handling macht der wendige Roller einen sehr guten, wertigen Eindruck. Nett sind auch nette Gimmicks, wie das über die App änderbare akustische Blinksignal. Beim Niu N schont die LED-Lampe den Akku. Der 95 kg leichte Roller hat eine Zuladung von 155 kg, auch das ein guter Wert. Die Scheibenbremsen (vorne und hinten) verzögern sehr direkt und gut, bei leichter Betätigung der Bremsen wird die Energie der Batterie zurückgegeben.

Der Niu N ist sehr smart. Der Roller schickt in Echtzeit Daten wie Diebstahlalarm, Fahrverhalten, Diagnostik, Daten zur Stromversorgung und dem Weg zur nächsten autorisierten Werkstatt an die verknüpfte App, zudem informiert diese den Händler per Sofortanruf über eine eventuelle Panne. Wie beim Unu ist beim Niu N ein GSM-Chip integriert. Wird der Roller bewegt, gibt die App Alarm und zeigt per GPS-Tracking den Standort des Rollers an. Das ist auch hilfreich, wenn man vergessen hat, wo man seinen Roller abgestellt hat. Auch Service-Updates der Software kommuniziert an die App, spielt diese dann direkt auf den Roller.

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NIU M+ schwarz/rot

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NIU M+ silber

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NIU U-Pro schwarz/rot

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NIU N1S schwarz

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NIU N1S rot

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NIU N1S weiß

Der Emco ist made in Germany, Muttergesellschaft ist die Emco Group aus Lingen. Sie bezeichnet sich selbst als Deutschlands größter E-Roller-Hersteller. Der hier vorgestellte Novantic C 200 ist im Retro-Stil gehalten und erinnert stark an die Kultroller von Vespa. Die Lithium-Ionen-Doppel-Akkus von Weipu gibt es in zwei Varianten und ermöglichen Reichweiten zwischen 50 und 130 km (1x oder 2x 28 Ah 1x oder 2x 37 Ah). Mit der kostenlos angebotenen Smartphone-App können unterschiedliche Fahrmodi eingestellt sowie der Tages- und Gesamtkilometerstand abgerufen werden. Die Ladezeit beträgt sportliche 3 - 4 Stunden, mit dem optional erhältlichen Schnellladegerät sogar rasante 2 Stunden. Das sind exzellente Werte. Auch bei der Zuladung erreicht der Emco gute Werte, je nach Zahl der Akkus liegt dieses bei ca. 150 kg. Das zulässiges Gesamtgewicht beträgt 270 kg, der Roller ist ohne Aufbau und Akkus 86 kg schwer. Vorne hat der Roller eine hydraulische Scheibenbremse, hinten leider nur eine Trommelbremse. Mit dem kostenpflichtigen Mofa-Kit wird die Geschwindigkeit für den 15-jährigen Nachwuchs auf 25 km/h reduziert.

Trinity kauft die Komponenten seiner E-Roller in Fernost. Der Hersteller führt Modelle in der und Mokickklasse, Leichtkraftroller und auch Roller für die Motoradführerscheine Voraussetzung sind. Wir stellen hier den Trinity Venus vor. Der E-Roller ist mit einem Lithium-Ionen-Akku mit 1,7 kWh oder 2,4 kWh (Gewicht 8 bzw. 13 kg) bestückt, die Bremsenergie wird wieder in die Batterie eingespeist. Dadurch werden nach Herstellerangaben Reichweiten von 65 bzw. 90 km erreicht. Das mitgelieferte Ladegerät lädt die Akkus in 8 Stunden, das ist nicht sehr schnell. Mit dem optionalen Schnellladegerät lässt sich diese Zeitspanne halbieren. Angetrieben wird der Trinity Venus von einem im Hinterrad eingebauten Radnabenmotor von Bosch mit 2 kW Leistung. Der ebenfalls optionalen Fahrprofilschalter wählt zwischen Eco-, Normal-, und Power-Betrieb, je nachdem ob man reichweiteschonender oder sportlicher fahren will. Mit dem programmierbaren Controller können diese Profile noch modifiziert werden. Mit 75 kg ist das Zweirad recht leicht. Wer mit seinem Führerschein nur Mofas fahren darf, kann die Venus auch auf 25 km/h gedrosselt kaufen. Trinity hat hydraulische Scheibenbremse vorne und hinten.

Der Kulthersteller aus Italien sucht Anschluss an die Zukunft. Auf den ersten Blick ist das auch gelungen: Der Lithium-Ionen-Akku hat eine Energierückgewinnung. Der 3,5 kW starke Elektromotor soll die Fahrer bis zu 100 km transportieren und nicht zuletzt das klassische Vespa-Design, was will man mehr? Den höheren Preis sind Stammkunden gewöhnt, dafür ist die Verarbeitung auch entsprechend hochwertig.

Die Achillesverse ist ihr fest verbauter Akku. Denn wo soll man den Roller laden? Öffentliche Ladestationen sind kompliziert, teuer und haben oft keine 220 Volt-Buchse, so dass man auch noch ein Adapterkabel erwerben und mit sich führen muss. Zuhause oder im Büro laden geht nur, wenn Garage, Carport oder Terrasse mit Steckdose zur Verfügung stehen. Gerade in den Großstädten eine Seltenheit. Hoffentlich legen die Italiener da bald nach.

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Vespa Elettrica

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Emco Novantic C 2000 1x 28Ah

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Emco Novantic C 2000 2x 28Ah

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Emco Novantic C 2000 1x 37Ah

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Emco Novantic C 2000 2x 37Ah

Vor dem Kauf sollte man folgende Punkte klären: Welche Reichweite soll der E-Roller haben? Hier nicht zu üppig planen, denn die Reichweite ist bei elektrisch betriebenen Rollern der Kostentreiber. Welche Ladeinfrastruktur liegt vor? Gibt es also eine Stecksode oder wird der Akku zum Laden mit ins Büro oder die Wohnung im dritten Stock genommen. Reichen 6 bis 8 Stunden Ladezeit? Falls nein, muss ein Schnellladegerät dazu gekauft werden. Und bei der Kalkulation rechnet man die höheren Anschaffungskosten gegen die kostengünstigen Unterhaltungskosten gegen. Elektroroller rechnen sich sehr viel schneller als es zunächst den Anschein hat. Für andere lohnen sich eher elektrische Tretroller. Dafür empfehlen wir unseren Beitrag Grundlagen: E-Tretroller mit Straßenzulassung.

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