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Huawei-Alternativen: Beliebte Smartphones aus Europa

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Aktuelle Huawei-Smartphones kommen ohne Google-Dienste wie Play Store & Co. Wir zeigen kommerziell erfolgreiche Alternativen aus Europa.

In den letzten Jahren überzeugte Huawei ihre Käufer und auch die Fachpresse durch das meist überdurchschnittlich gute Preis-Leistungs-Verhältnis ihrer Smartphones. Das Unternehmen deckt dank seines sehr breiten Portfolios und der zusätzlichen Sub-Marke Honor, die ebenfalls vom US-Bann betroffen ist, von Einsteiger bis High-End das gesamte Marktspektrum ab. Dabei kopieren die Chinesen nicht nur plump die Konkurrenz, sondern forschen auch selbst. Das Ergebnis zeigt sich in Produkten wie dem Huawei Mate 20 Pro (Testbericht) und dem Huawei P30 Pro (Testbericht), die bei uns jeweils die Note 1 abräumten. Nicht umsonst wuchs Huawei 2018 stark und landete im 4. Quartal 2018 – bezogen auf die Smartphone-Verkaufszahlen – knapp hinter Apple und Samsung auf dem dritten Platz. Auch 2019 war ein gutes Jahr für Huawei, die Prognosen für 2020 sind jedoch düster.

Das Ende 2019 vorgestellte Huawei Mate 30 Pro (Testbericht) ist das erste Smartphone der Chinesen, welches komplett auf US-Soft- und Hardware verzichtet. Während eigene Elemente die US-Hardware adäquat ersetzen, machen fehlenden Google-Dienste das Mate 30 Pro in seiner jetzigen Form für den durchschnittlichen, vom umfangreichen und kostenlosen Google-Dienste-Paket verwöhnten Nutzer weitestgehend uninteressant. Ein Sideloading der Google-Apps birgt Risiken, wie der heise-Beitrag Huawei-Handys ohne Android-Lizenz: Google rät vom App-Sideload ab zeigt.

Wer ein Huawei- oder Honor-Smartphone von vor dem US-Bann sein Eigen nennt, muss sich vorerst keine großen Sorgen machen. Die Google-Services sollen dort unverändert weiterhin zum Einsatz kommen. Auch Sicherheitsupdates will Huawei weiter ausliefern. Auf neue Versions-Updates braucht man sich allerdings keine allzu großen Hoffnungen zu machen.

Smartphones ohne Beteiligung chinesischer oder US-amerikanischer Unternehmen gibt es quasi nicht. In fast jedem Smartphone werkelt ein Modem des US-Unternehmens Qualcomm; fast jedes Smartphone kommt mit US-Software wie Android oder iOS. Dazu werden die allermeisten Telefone in Chinas High-Tech-Metropole Shenzhen zusammengeklebt.

Wenn auch nicht verhindern, so kann man dennoch die Beteiligung der zwei Weltmächte am eigenen Smartphone reduzieren, indem man zum Beispiel auf europäische Marken setzt. Dafür haben wir Nokia, Gigaset, BQ, Archos, Wiko und Cat als die beliebtesten Smartphone-Hersteller für den deutschsprachigen Raum identifiziert. Von den sechs Marken ist wiederum Nokia der Hersteller mit den beliebtesten Smartphones.

Ob und in welchem Maße etwas an den Spionage-Vorwürfen dran ist, wissen wir nicht. Ebenso wenig können wir einschätzen, ob US-Behörden Schlüssel zu Android-Hintertürchen besitzen. Möglich wäre es. Schließlich legte Edward Snowden 2013 eine weitreichende Überwachung durch US-Geheimdienste mit dem Codenamen Prism offen.

Wer sich etwas auskennt, kann sich dem mit regionaler Hard- und Software weitestgehend entziehen. Hier gibt es zum Beispiel das europäische Betriebssystem Sailfish OS (mehr in der c't). Aber es gibt mit dem niederländischen Fairphone 3 (heise+-Testbericht) und dem deutschen Shiftphone (c't-Beitrag) auch angeblich faire und nachhaltige Hardware-Lösungen. Von kommerziell erfolgreichen Alternativen kann hier jedoch nicht die Rede sein.

Smartphones mit High-End-Specs europäischer Hersteller sind Mangelware. Am ehesten kommt hier noch das auf dem MWC 2019 vorgestellte Nokia 9 Pureview (Testbericht) von HMD Global ran. Es bietet stolze fünf Kameras auf seiner Rückseite, ein QHD+-OLED-Display, Qualcomms Snapdragon 845 mit 6 GByte RAM, 128 GByte Speicher und Android One, seit Ende 2019 in der Version 10. Vollends überzeugen kann das Modell aber nicht.

Das war es im Grunde schon. Alle anderen kommen mit schwächeren Prozessoren, weniger Speicher, schlechteren Displays und Kameras. Wer echte Oberklasse will, für den führt kaum ein Weg an außereuropäischen Marken vorbei. Um chinesische Unternehmen zu meiden, kann man sich noch die Galaxy-S20-Reihe der Südkoreaner Samsung anschauen. Aber auch ein Vertreter der S10-Reihe wie das Samsung Galaxy S10+ (Testbericht) ist dank massiv gefallener Preise einen Blick wert. Dazu empfehlen wir unseren Beitrag Samsung Galaxy S20: Günstige Alternativen zum Topmodell. Aber auch Apple ist eine Möglichkeit. Immerhin nimmt Apple den Datenschutz ernster als viele andere US-Unternehmen, mehr Informationen dazu im heise-Beitrag Apple 2019: Voll auf Privatsphäre – und Konfrontationskurs.

Im Mittelklassebereich wird die Auswahl europäischer Smartphones schon fast unübersichtlich groß. Zu den beliebtesten Modellen gehört das Nokia 7.2 (Testbericht). Es hat viel Speicher, ist edel verarbeitet und punktet mit einer gefälligen Designsprache. Überhaupt ist das technische Gesamtpaket für seinen günstigen Preis beeindruckend. Preislich und bezüglich seiner Ausstattung vergleichbar ist das Nokia 6.2. Es hat einen Full-HD-Plus-IPS-Touchscreen, einen Snapdragon 636 mit 4 GByte RAM und 64 GByte Speicher. Nokia-typisch setzt es auf Android One.

Überhaupt lohnt es sich, in der Mittelklasse auf Nokia-Geräte mit Android One, einer modifizierten Version des Universalbetriebssystems Android, zu setzen. Geräte, die mit Android One ausgestattet sind, durchlaufen einen Zertifizierungsprozess von Google. Erst danach dürfen sie auf den Markt und bekommen mindestens zwei der jährlichen Upgrades auf neue Android-Versionen sowie drei Jahre lang Sicherheits-Updates. Hier sind die Top 5 der besten Smartphones mit Android One.

Empfehlen können wir auch das mittlerweile deutlich im Preis gefallene Wiko View 3 Pro (Testbericht). Mit etwas Glück wechselt es für unter 200 Euro den Besitzer. Es bietet eine Triple-Kamera, 128 GByte Speicher, 6 GByte RAM und einen starken 4000-mAh-Akku. Das erste deutsche Smartphone unserer Liste ist das von uns im Test mit der Note Sehr Gut bewertete Gigaset GS290 (Testbericht). Das Outdoor-Smartphone bringt eine sehr taugliche Alltagsleistung mit schickem Display und einem richtig großen 6200-mAh-Akku. Der interne Speicher fällt mit 32 GByte jedoch recht klein aus.

Das Caterpillar Cat S52 kratzt preislich an der Oberklasse, seine Komponenten verorten es aber klar in der Mittelklasse. Das Besondere am Cat S52 ist seine sehr robuste Verarbeitung bei trotzdem eleganter Erscheinung. Auch das Outdoor-Smartphone Cat S61 (Testbericht) ist trotz seines hohen Preises bei Käufern beliebt. Es ist eines der ganz wenigen Smartphones auf dem Markt mit einer integrierten Wärmebildkamera.

Auch die Einstiegsklasse dominiert Nokia, angeführt vom Nokia 4.2 (Testbericht). Das günstige Einstiegs-Smartphone glänzt mit viel Glas und Metall, trotz Niedrigstpreis. Sogar die Power-Taste ist beleuchtet. Weniger gut gefällt uns im Test die geringe Speicherausstattung und die lange Ladezeit. Das Nokia 2.2 ist eines der günstigsten Smartphones am Markt mit Android, genauer gesagt Android One. Das Dual-SIM-Smartphone hat ein 5,7 Zoll großes HD-Display, einen Mediatek-MT6761-Prozessor mit 2 GByte RAM, eine 13-Megapixel-Kamera und einen wechselbaren 3000-mAh-Akku. Auch das Nokia 6.1 (Testbericht) schafft es in unsere Liste. Dabei gehört es streng genommen in die Mittelklasse, dank des günstigen Preises von deutlich unter 200 Euro ordnen wir es jedoch der Einstiegsklasse zu. Eindeutig Einstiegsklasse ist das Nokia 3.2, der Nachfolger des Nokia 3.1 (Testbericht).

Das Wiko View 4 ist das erste Smartphone aus Europa der Einstiegsklasse, welches nicht von Nokia stammt. Es ist noch recht frisch auf dem Markt, wir erwarten ab Mitte 2020 einen Preisverfall auf deutlich unter 150 Euro. Dafür ist es gut ausgestattet, besonders der große Akku mit einer Kapazität von 5000 mAh beeindruckt.

Den Abschluss des Segments bilden zwei Smartphones von Gigaset, das GS110 und das GS195 (Testbericht). Das Gigaset GS195 gibt es gegen Aufpreis und mit dem Zusatz LS auch als Senioren-Smartphone (Testbericht).

Es gibt sie, die europäischen Smartphones, die durchaus als Alternative zu Huawei und Co. dienen könnten. Allerdings ist die Luft im High-End-Bereich dünn. Hier kann eigentlich nur das Nokia 9 Pureview (Testbericht) zumindest in Teilen mithalten. Wer mehr will, kann zu Samsung und Apple greifen.

Auffällig war bei der Recherche, dass Nokia der mit Abstand beliebteste europäische Smartphone-Hersteller ist. Das am meisten nachgefragte Smartphone der Finnen ist das Nokia 7.2 (Testbericht), gefolgt vom Einstiegsmodell Nokia 4.2 (Testbericht). Aber auch das Gigaset GS290 (Testbericht) und das Wiko View 3 Pro (Testbericht) sind beliebte und richtig gute Smartphones, die wir allen, die ein europäisches Smartphone haben und um die 300 Euro ausgeben wollen, ans Herz legen.

Dass die Wahl eines europäischen Smartphones keinen Geheimdienst, egal welcher Nation, mit Sicherheit aussperrt, sollte dennoch jedem klar sein.

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