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Hörspiele für Kinder: Tonies, Spotify und Alternativen

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Tonies, Spotify oder CD-Player. Es zahlreiche Wege, wie Kinder und Jugendliche an Hörspiele kommen. Wir stellen die Konzepte vor.

Die Drei ???, Bibi Blocksberg, Drache Kokosnuss, Das kleine Gespenst oder Der Räuber Hotzenplotz – Hörspiele sind selbst in Zeiten von Netflix und Disney+ (Ratgeber) feste Bestandteile der vieler Kinderzimmer. Wo früher Kassetten regierten, sind längst digitale Medien etabliert. In diesem Ratgeber zeigen wir die verschiedenen Wege auf, wie sich Hörspiele anhören lassen.

Wer noch andere Wege sucht, um seine Kinder zu bespaßen, dem empfehlen wir unsere Artikel zum Thema E-Reader für Kinder, Test: Amazon Fire Tablet für Kinder, Nerf-Guns im Check, Kameras für Kinder, Lego Hidden Sight, Rennspiele im Vergleich oder unsere Übersicht zu Robotern und Lernspielzeug für Kinder.

Für alle, die die CDs zu Hause nicht mehr hören können, zuerst die wichtigsten Informationen: Digitale Hörspiele zum direkten Download bekommt man etwa bei Thalia.de. Das lohnt sich vor allem für neue Produktionen oder für spezielle Hörbücher.

Eine weitere legale und kostenlose Quelle ist die ARD Audiothek. Dort sammeln die Öffentlich-Rechtlichen Radiosender eine Vielzahl an Hörspielen und Sendungen für Kinder. Die gibt es zum Anhören und der Großteil lässt sich einfach als MP3 herunterladen – etwa hier die elf Folgen des Pumuckl auf der Seite von Bayern 2. Ebenfalls sehr gut ist der täglich neue, zweistündige Podcast der Sendung mit der Maus. Überhaupt lohnt es sich, die Seiten der ARD Audiothek zu durchsuchen. Viele gute Inhalte und Sendungen sind leider etwas versteckt.

Ein Kreativ-Tonie auf der Toniebox.

Die Tonies und die zugehörige Toniebox sind ein interessantes Konzept, die recht aggressiv über Spielzeugläden, Elektrofachmärkte oder Drogerien vermarktet wird. Die Idee: Der Lautsprecher ist per WLAN mit einem Online-Dienst verbunden. Stellt man nun eine Tonie genannte Figur auf das Gerät, lädt die Box im Hintergrund die dazugehörige Geschichte herunter und spielt sie ab, solange die Figur magnetisch haftend auf der Oberfläche steht. Nimmt man die Figur herunter, pausiert die Wiedergabe. Zusätzlich kann man die Lautstärke über die beiden Ohren steuern oder ein Kapitel weiterspringen, indem man seitlich auf die Box klopft. Nach dem ersten Download sind die Geschichten dauerhaft auf der Box gespeichert. Das Unternehmen schweigt sich über die Kapazität aus, im Web finden sich aber Angaben von 8 GByte oder rund 400 Stunden. Sind die voll, löscht die Box automatisch die am längsten nicht mehr abgespielten Inhalte. Im Gerät steckt zudem ein Akku, der um die sieben Stunden durchhält.

Das Setup einer neuen Box ist vergleichsweise einfach. Man steckt sie an, startet die App auf dem Smartphone und wird dann durch die Einrichtung geführt. Dazu benötigt man zunächst ein „Haushalts”-Konto beim Hersteller des Systems. Anschließend verbindet man sich mit dem offenen WLAN der Box und landet anschließend auf einem integrierten Webserver. Hier muss man nur noch die Zugangsdaten zum eignen WLAN hinterlegen, anschließend startet die Box neu und meldet sich im Netzwerk an. Die Einrichtung ist unkompliziert und auch für wenig technische Nutzer verständlich. Nachteil: Die Toniebox beherrscht nur 2,4-GHz-WLAN. Das mag allerdings dem Punkt geschuldet sein, dass es eher auf die Reichweite als den Durchsatz ankommt. Sind die Geschichten einmal geladen, ist kaum noch Bandbreite notwendig.

Neue Geschichten kommen auf zwei Arten auf die Toniebox: Entweder, man kauft einen Tonie mit fest hinterlegter Geschichte. Wer etwa den Tonie zum Kleinen Gespenst kauft, bekommt diese Story. Ein DRM gibt es nicht, entsprechend lassen sich Tonies tauschen oder gebraucht erwerben. Das kann sich durchaus lohnen, denn die Preise sind vergleichsweise hoch. Im offiziellen Webstore kosten einzelne Geschichten knapp 15 Euro, im Preisvergleich findet man sie ab etwa zehn Euro.

Die zweite Möglichkeit sind die Kreativ-Tonies. Diese sind im Endeffekt Platzhalter für Inhalte, die in der zum Angebot gehörenden Tonie-Cloud hinterlegt sind. Jeder dieser leeren Tonies bringt 90 Minuten Platz mit. Sie müssen zuvor über die Toniebox aktiviert werden und tauchen anschließend in der App auf. Die Kreativ-Tonies sind mit dem System fest gekoppelt und können über das Kontrollzentrum bespielt werden, wenn auch etwas umständlich. Im Test haben wir von Thalia „Die Eiskönigin 2” gekauft, die Zip-Datei heruntergeladen, entpackt und die einzelnen MP3s in die Tonie-Cloud geschoben. Anschließend kann man die Kapitel überprüfen, umbenennen und speichern. Kurze Zeit später war der Kreativ-Tonie einsatzbereit - um die Geschichte beim ersten Aufsetzen auf die Toniebox wieder herunterzuladen. Dennoch: Gerade in Kombination mit den oben genannten kostenlosen Hörspielquellen des Rundfunks kann man mit einem oder mehreren Kreativ-Tonies Geld sparen. Jeder Box liegt ein solcher Kreativ-Tonie bei.

Fazit: Die Toniebox ist eindeutig auf Onkel, Tanten, Großeltern und Freunde der Familie ausgelegt. Die Geschichten sind Mitnahmeartikel, die man den Kindern schon mal mitbringen kann – wenn auch teure. Dabei gibt es aber bei der Qualität wenig zu meckern. Die Toniebox wirkt stabil und sollte die meisten Kinderzimmern überleben. Die Figuren sind liebevoll erstellt und bemalt. Ja, man muss darauf vertrauen, dass der Cloud-Dienst des Anbieters online bleibt – bekommt aber parallel enorm viel Komfort. Einmal eingerichtet können Kinder selbst entscheiden, welche Geschichten sie anhören. Das funktioniert selbst mit kleineren Kindern wunderbar. Ein gangbarer Weg ist es, Geschichten aus legalen Quellen auf die Tonie-Cloud zu laden und in einen Kreativ-Tonie zu überspielen. Technisch versierte Eltern können stattdessen zum Lötkolben und einem Rasbperry Pi greifen, um sich eine eigene Variante zu bauen. Im Web gibt es dafür solide Anleitungen, etwa hier als Wiedergabegerät mit Tasten oder hier ein einer Variante mit NFC-Tags.

Egal ob Amazon Prime Music, Deezer, Apple Music oder Spotify, fast jeder Anbieter hat Hörspiele im Portfolio. Wer also sowieso schon ein Streaming-Abo hat, sollte das auf neue Inhalte für Kinder prüfen. Tatsächlich ist es so, dass die Dienste eher bei Hörspielen für Erwachsene nachlassen (dort ist Audible wahrscheinlich der Platzhirsch), dafür aber für Kinder so ziemlich jedes Franchise mehr oder weniger komplett auffahren. Sprich, es lohnt sich, einfach mal etwas zu suchen. Ein wichtiger Tipp aber für alle, die über den Account auch Musik hören wollen: Die meisten Anbieter erlauben es nicht, unter einem Account mehrere Streams gleichzeitig laufen zu lassen. Zudem fließen die gehörten Inhalte meist in die Empfehlungen des Hörers ein. Wer also nicht nach der Corona-Isolation seine automatischen Playlisten mit Inhalten wie „Hexe Lilly” anreichen möchte, der sollte einen separaten Account anlegen. Der Autor schreibt hier aus Erfahrung.

Spotify und Co haben massig Inhalte für Kinder - hier etwa in einem Sonos-System.

Um die Inhalte wiederzugeben, gibt es drei große Ansätze: Spotify Connect/ Apple Airplay, Multiroom-Lautsprecher oder (alte) Smartphones und Notebooks.

Bei Spotify Connect und Apple Airplay kann man Streaming-Inhalte vom Smartphone aus über das WLAN auf einen kompatiblen Lautsprecher im Netzwerk schicken. Das funktioniert auch bei Hörspielen problemlos.Mehr zu dem Thema erklären wir im Ratgeber: Spotify Connect.

Eine Alternative dazu sind die Multiroom-Lautsprecher wie Sonos und Co. Diese bringen eigene Apps mit, an denen sich ein Großteil der Dienste andocken lassen und anschließend auf die Endgeräte gestreamt werden können. Beide Ansätze haben den Vorteil, dass die Kinder nicht unkontrolliert „Binge-Hören”, sondern wenigstens ab und zu vorbeikommen, um neue Geschichten zu bekommen. Bei den Multi-Room-Lösungen sollte man bedenken, dass man wahrscheinlich einen Premium-Account beim jeweiligen Anbieter benötigt. Spotify Connect und Airplay sollten dagegen auch mit kostenlosen Konten gehen (mit allen Nachteilen wie Werbung und niedriger Bitrate). Mehr zum Thema Multiroom haben wir im Artikel „Ratgeber Multiroom-Systeme: Sound in jedem Zimmer” zusammengestellt.

Älteren Kindern kann man ein Smartphone mit Bluetooth-Kopfhörern (Themenwelt) geben und Spotify darauf installieren. Das funktioniert natürlich auch mit einem Tablet oder einem Notebook - Schulkinder haben die in der aktuellen Situation wahrscheinlich sowieso.

Hörspiele, Streaming-Dienste und vernetzte Lautsprecher passen ziemlich gut zusammen.

Fazit: Wer sowieso schon ein Streaming-Setup hat, der kommt darüber schnell und vergleichsweise günstig an neue Inhalte. Die Anbieter zahlreiche Hörspiele für Kinder, es braucht nur das passende Endgerät dazu. In der Praxis haben sich vor allem Multiroom-Setups, Spotify Connect und Airplay bewährt. So hat man als Eltern immer noch eine grobe Kontrolle darüber, was das Kind macht – und es hört wirklich Hörspiele statt am Handy zu daddeln.

Keine Lust auf Lautsprecher? Dann hilft der Griff zum guten alten MP3-Player. Mit dem Aufkommen der Smartphones wirkt es, als wären sie ausgestorben. Doch das täuscht, vielmehr haben sie sich in zwei Bereiche aufgeilt: Günstige Geräte und High-End-Audioplayer (Ratgeber). Für die Kinder tun es wahrscheinlich die ersteren. Für um die 20 Euro bekommt man vernünftige Geräte mit 8 GByte Speicher, wer ein Farbdisplay sucht, der sollte um die 30 Euro in die Hand nehmen. Inhalte bekommen die Geräte per USB oder Micro-SD-Karte. Streaming ist damit allerdings nicht möglich. Wobei die iPod Touch natürlich die Ausnahme sind. Dafür zahlt man für so einen auch so viel wie für ein vernünftiges Mittelklasse-Smartphone mit Android (Bestenliste: Android 10-Smartphones bis 250 Euro).

Neben dem MP3-Player sollte man in vernünftige Kopfhörer investieren. Gerade für kleinere Kinder gibt es spezielle Kinder-Kopfhörer, deren maximale Lautstärke gedrosselt ist. Noch wichtiger (für die Kinder), die Hersteller packen Aufkleber mit ins Paket, mit denen sich die Geräte verschönern lassen.

Fazit: MP3-Player sind vor allem dann gut, wenn sich die Kinder zurückziehen und ihre Ruhe haben wollen. Der Aufwand, sie zu bespielen, ist etwas höher, dafür sind sie preislich interessant und funktionieren vor allem auch ohne Internet. Damit eignen sie sich auch für die nächste längere Autofahrt oder die Urlaubsreise. Wichtig ist aber ein vernünftiger Kopfhörer, die mitgelieferten sind meist unbrauchbar.

Der Vollständigkeit halber: Wer selbst noch einen Fundus an CDs bei sich oder im Keller der Eltern entdeckt, der braucht nur noch einen passenden Player. Hier sollte man darauf achten, einen für die Kinder vernünftig bedienbaren Abspieler zu wählen. Die meisten Modelle haben absichtlich wenige, große Tasten und sind zudem so gebaut, dass sie auch mal herunterfallen können. Gegenüber digitalen Medien haben CDs aber natürlich den Nachteil, dass sie leicht verkratzen. In der Redaktion sind die Lager gespalten: Die einen haben Kinder, die mit CDs pfleglich umgehen und schwören entsprechend auf diese relativ günstige Methode, die Kinder mit Inhalten zu versorgen. Die andere Hälfte ist bei dem Experiment gescheitert, kaum eine CD ist noch in dem ursprünglichen Jewel-Case.

Fazit: Der klassische CD-Player ist noch lange nicht erledigt. Hier bekommt man sowohl Geräte wie Inhalte für sehr interessante Preise. Dazu haben die Kinder die Wahl, was sie jetzt hören können und eine haptische Erfahrung. Allerdings braucht es Sorgfalt, damit die CDs nicht verkratzen.

Aus der Praxis gesprochen: Bei uns zu Hause herrscht eine bunte Mischung aus Toniebox, Streaming und CD-Player. Wobei die Kinder Streaming vor allem wegen des großen Katalogs vorziehen. Es gibt kaum ein anderes System, wo man schnell von einer Folge Ninjago auf Die Drei ??? Kids und dann weiter zu Bibi Blocksberg wechseln kann.

Die Toniebox ist ein interessantes Konzept, auch wenn man dafür recht viel Geld in die Hand nehmen muss. Aber wer Freunde und Verwandte hat, die gerne Mitbringsel der Gattung „Spielzeug für Kinder, die nicht bei mir wohnen” (sprich Flöten, Trommeln oder blinkenden Plastikmist) mitbringen, der kann die wahrscheinlich gut auf Tonies umpolen.

Wie bereits mehrfach im Text erwähnt, es lohnt sich wirklich, durch die Audiothek der Öffentlich-Rechtlichen zu stöbern. Die Auswahl an exzellent produzierten Geschichten ist riesig, sie sind kostenlos beziehungsweise man hat sie sowieso bezahlt. Dann hat man auch genügend Futter für den MP3-Player, etwa für lange Fahrten.

CDs sind bei Preis-Leistung ungeschlagen, gerade wenn man nach der Corona-Krise wieder in Flohmärkten stöbern kann. Dafür gibt es hier die Gefahr, dass man sich schnell Kratzer einfängt und die CDs nicht mehr funktionieren. Hier lohnt ein Blick ins Archiv von heise online, genauer gesagt in den Artikel „Workshop CD- und DVD-Rohlinge - Was man mit den Silberscheiben tut und was besser nicht (3Sat)” von 2009. Der bringt gleich noch einen Clip aus der alten c’t-Sendung auf 3Sat.

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