Hightech-Leinwand: Interview mit RealD zum Ultimate Screen | TechStage
TechStage
Logo Qwant

Ein Angebot von

Hightech-Leinwand: Interview mit RealD zum Ultimate Screen

von  //  Facebook Twitter

Wer einen Projektor benutzt, wird sich vermutlich auch eine dazugehörige Leinwand angeschafft haben – und hat vermutlich darüber gestaunt, wie viel Geld man hier auf den Tisch legen kann. Ein ähnliches Aha-Erlebnis hatte ich diese Woche, als ich mir den neuen Ultimate Screen von RealD angesehen habe.

Über den Preis der primär für Kinos konzipierten Leinwand schweigt sich der Hersteller zwar noch aus. Aber ich war erstaunt, wie viel Technologie in so einem „Stück Stoff “ steckt. Was es mit dem Ultimate Screen auf sich hat, verrät Euch Bobbie Andrews, Marketing Director für EMEA bei RealD im folgenden Video-Interview.

Interview mit RealD – so viel Technik steckt in einer modernen Leinwand für's Kino

Wer sich schon einmal einen 3D-Film im Kino angesehen hat, dürfte das RealD-Logo von den Polarisationsbrillen kennen. Die Firma baut aber nicht nur die Brillen, sondern entwickelt das gesamte Darstellungsverfahren. Dazu gehören beispielsweise auch die Vorsätze für die Kino-Projektoren, die die Bilder für das rechte und linke Auge unterschiedlich polarisieren – und eben auch die Leinwände.

Wer das Interview lieber in Textform konsumiert, findet hier die übersetzte Transkription:

Stefan: Ich bin hier gerade bei RealD zusammen mit Bobbie Andrews, Marketing Director bei RealD, und was wir hier gerade hinter uns sehen, ist ... eine Leinwand.

Bobbie: Das ist der Ultimate Screen. Es handelt sich dabei um eine brandneue Technologie, die wir dieses Jahr starten. Es handelt sich dabei um eine komplett revolutionäre Technologie für den Kinomarkt.

Stefan: Was ist denn so revolutionär an einer Leinwand? Ich meine, eine Kinoleinwand ist nicht einfach nur grundsätzlich eine weiße Wand, auf die der Projektor das Bild wirft? Was steckt dahinter?

Bobbie: Grundsätzlich sind diese Silver Screens einmal dafür konzipiert, Licht viel stärker zu reflektieren, um 3D-Filmen Tiefe zu verleihen. Wenn man sich also nun einen Film im Kino ansieht, dann hat er auf einer silbernen Leinwand deutlich mehr Tiefe als auf einer traditionellen weißen Leinwand. Es gibt aber trotzdem immer noch Probleme mit den silbernen Leinwänden. Es gibt da beispielsweise Probleme mit der Art und Weise, wie die Farbe aufgebracht wird. Das bedeutet beispielsweise, dass sie über die gesamte Leinwand hinweg nicht komplett gleichmäßig ist, was einen Lichtverlust bedeutet.

Stefan: Der Ultimate Screen hat also nun einen neuen Herstellungsprozess, der die Art und Weise verändert, wie die Farbe aufgebracht wird oder wie die Oberfläche beschaffen ist?

Bobbie: Eigentlich mussten wir nicht einmal mehr Farbe verwenden. Stattdessen haben wir einen neuen Herstellungsprozess geschaffen. Wir nutzen nun Rollen, um das Material aufzuprägen. Damit können wir das Licht viel gleichmäßiger zu den Zuschauern zurückreflektieren.

Stefan: Das Ergebnis ist dann also ein helleres Bild, und das mit dem gleichen Projektor, der auch zuvor im Kino zum Einsatz kam? Und ich vermute mal, das ist besonders bei 3D wichtig, wo man ja die Hälfte der Helligkeit verliert, da man für jedes Auge jeweils ein Bild projizieren muss, richtig?

Bobbie: Korrekt. Die Leinwand wirft ungefähr doppelt so viel Licht zurück wie die alten Silver Screens. Das bedeutet, dass man bei 3D-Filmen deutlich mehr Tiefe erhält. Ein dunkleres Bild sorgt hier für eine geringere Tiefe. Mit dem Ultimate Screen erhält man nun die wirkliche Tiefe, die der Regisseur für seinen Film erzielen wollte.

Stefan: Wird die Qualität der 3D-Bilder auch beeinflusst?

Bobbie: Definitiv. Das Bild selbst ist schärfer und klarer, und ein weiterer wirklich positiver Aspekt an der Leinwand ist, dass sie die sogenannten Stereokontrast-Probleme verringert. Das hat mit dem sogenannten Ghosting zu tun, also wenn man gleichzeitig zwei verschiedene Bilder sieht. Das wird dadurch verursacht, wenn für das eine Auge bestimmtes Licht ins andere Auge gelangt. Dadurch, dass unsere Leinwände eine viel gleichmäßigere Oberfläche aufweisen als die alten silbernen Leinwände, wird dieses Ghosting stark reduziert, was für schärfere und klarere Bilder sorgt, genau so, wie sie der Regisseur vorgesehen hat.

Stefan: Wenn wir uns die Leinwand hier noch einmal etwas genauer ansehen, dann können wir hier in der alten Leinwand jede Menge Löcher sehen – und in der neuen Leinwand nicht so wirklich. Was hat es damit auf sich?

Bobbie: Die Löcher sind zunächst einmal dafür da, den Klang durchzulassen. Die Lautsprecher sind im Kino nämlich grundsätzlich einmal hinter der Leinwand angebracht. Bei den alten Silver Screens können wir hier die Perforation sehen. Die Löcher sind hier etwa 1,5 Millimeter groß. Beim Ultimate Screen dagegen ist es uns nun gelungen, die Größe dieser Perforation zu reduzieren, und die Löcher sind nun 1000 Mal kleiner, nämlich 0,15 Millimeter. Der einzige Weg, wie man sie wirklich sehen kann, ist mit einer Taschenlampe. Das zeige ich jetzt einmal kurz. Bittesehr. Die Löcher sind immer noch in der Leinwand vorhanden. Dadurch, dass ein neues Material zum Einsatz kommt, können wir nun Laser nutzen, um die Leinwand zu perforieren statt wie bei der alten Leinwand auf einen mechanischen Prozess zu setzen.

Stefan: Ich habe noch eine kurze Frage: Wenn ich die Leinwand berühre, dann kann ich fühlen, dass sie vibriert. Wozu ist das gut?

Bobbie: Also, bei jeder kohärente Lichtquelle gibt es etwas, das sich Specklemuster nennt. Dabei handelt es sich um winzige Punkte auf der Leinwand, die herumtanzen zu scheinen. Mit dem Ultimate Screen können wir nun sogenannte Aktoren einsetzen. Diese Aktoren sitzen auf der Unterseite der Leinwand und sind quasi winzige Elektromotoren, die vibrieren. Und das reduziert diese Specklemuster, so dass sie fast komplett verschwinden. Das ist allerdings nur mit dem Ultimate Screen möglich, da dieser im Vergleich zum Silver Screen auf ein anderes Material setzt. Wie man hier sehen kann und angesichts der Größe der Löcher in der Leinwand wird sich eine Vibration hier nicht die gesamte Größe der Leinwand durchdringen. Beim Ultimate Screen lässt eine geringe Anzahl von Aktoren das Specklemuster verschwinden.

Stefan: Was habe ich denn für Möglichkeiten, das mit meinen eigenen Augen zu sehen – abgesehen davon, jetzt nach Barcelona zu reisen?

Bobbie: Nun, Ihr könnt mich anrufen.

Stefan: Ok, die Telefonnummer blenden wir dann hier im Video ein.

Bobbie: Aktuell rollen wir das Produkt gerade rund um den Globus aus. Aktuell gibt es nur eine sehr geringe Anzahl an Installationen. Auf dieser Veranstaltung zeigen wir das Produkt unseren Partnern. Und dann wünschen wir uns, dass diese auf uns zukommen, und dann können wir mit den Installationen starten. Und Deutschland ist natürlich ein wirklich wichtiger Markt für 3D, einer unserer erfolgreichste Märkte in ganz Europa. Es wird also ein Fokus sein.

Stefan: Wenn ich nun ein Kino besitze, wie viel kostet mich dann eine solche Leinwand, auch im Vergleich mit der anderen Ausstattung wie dem Projektor und all den anderen Dingen im Kino? Gibt es da einen groben Anhaltspunkt?

Bobbie: Im Moment arbeiten wir noch an den Geschäftsmodellen. Was wir aber sagen können, ist, dass wenn man bereits zehntausende oder hunderttausende Dollar oder Euro in einen Projektor steckt, dann ist aktuell der limitierende Faktor die Leinwand. Das bedeutet: Wenn man nicht in neue Leinwände investiert, dann wird der Projektor, für den man so viel Geld ausgegeben hat, seine volle Leistung nicht entfalten können. Um diese Leistung zu optimieren und das bestmögliche und hellste Bild zu erhalten, braucht man den Ultimate Screen. Noch nicht – man kann noch nicht morgen ins Kino gehen und die Leinwand sehen, aber das ist die Zukunft des Kinos.

Stefan: Wann beginnt also die Zukunft?

Bobbie: Sie hat bereits angefangen. Es gibt bereits ein paar Leinwände in Europa, wir haben in den USA bereits einige installiert und das Ausrollen geschieht in just diesem Moment.

Stefan: Vielen Dank für das Interview und eine schöne Messe noch.

Einloggen, um Kommentare zu schreiben