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Gut und günstig? Smart-Home Xiaomi Aqara im Test

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Smart-Home-Sensoren zum Schnäppchenpreis: Was taugen Bewegungsmelder, Öffnungskontakte oder Wassersensoren aus China? Und wie lassen sie sich ins Smart Home und in Apple Homekit integrieren?

Unter Smart-Home-Bastlern sind die Komponenten des chinesischen Herstellers Xiaomi schon seit längerem begehrt. Hierzulande ist das Unternehmen vor allem bekannt für überraschend gute Smartphones, Staubsaugroboter und Dyson-Klone.

In der Vergangenheit konnten die Smart-Home-Produkte vor allem aufgrund ihres günstigen Preises und der hohen Zuverlässigkeit begeistern, allerdings nur in Kombination mit Bastel-Lösungen wie der Open-Source-Steuerzentrale ioBroker. Die zugehörige App ist nämlich, nunja, relativ chinesisch, sprich: Auch bei deutscher Spracheinstellung mangelt es hier und da vollständig an Übersetzungen, Push-Mitteilungen auf dem Smartphone enthalten chinesische Schriftzeichen und die Bedienung ist wenig intuitiv.

Die neue Version hört nun auf den Markennamen Aqara und könnte auch im Standalone-Einsatz nachhaltig überzeugen: Sie ist nämlich kompatibel zu Apple Homekit. Damit kann man die Visualisierung und die Logikfunktionen in der hervorragenden Apple-Oberfläche abdecken und braucht die chinesische App nur noch, um Komponenten anzulernen.

Das Grundprinzip ähnelt Philips Hue (Testbericht). Zwingend nötig ist der Aqara Hub. Er steckt als einziges Gerät in einer Steckdose, verbindet sich via WLAN mit dem Netzwerk im Haus und dem Internet und stellt die Verbindung zu bis zu 32 Funkkomponenten her.

Der Magnetkontakt für Türen und Fenster ist winzig.

Die Kommunikation zwischen den Sensoren und Aktoren und dem Aqara Hub erfolgt über Zigbee 3.0. Dieser Funkstandard wurde explizit für Smart-Home-Komponenten entwickelt und zeichnet sich durch eine hohe Zuverlässigkeit, eine für Privathaushalte ausreichende Reichweite und eine niedrige Energieaufnahme auf. Letzteres ist für die batteriebetriebenen Sensoren sehr wichtig. Bewegungsmelder und Magnetkontakte für Türen und Fenster laufen mit einer Knopfzelle und halten laut Hersteller bis zu zwei Jahren durch.

In der Tat: Die Sensoren der ersten Generation sind beim Autoren dieser Zeilen bereits seit Anfang 2018 durchgehend im Einsatz. Aufgrund einer kontrollierten Wohnraumbelüftung haben die Fensterkontakte zwar nicht sonderlich viel zu tun, aber bislang laufen 15 Magnetkontakte und sogar ein PIR-Bewegungsmelder im WC ununterbrochen – mit der ersten, mitgelieferten Batterie.

Aqara-Komponenten (25 Bilder)

Die verschiedenen Komponenten werden je nach Generation unter den Markennamen Xiaomi, Mi (Mijia) und Aqara gehandelt; Aqara sind die neuesten. Wichtig ist hier vor allem der Unterschied beim Gateway, dem Aqara Hub: Nur die neue Version ist mit EU-Stecker zu haben und kompatibel zu Homekit. Wer den aktuellen Hub einsetzt, kann auch Funksensoren und Aktoren der früheren Versionen verbinden.

Über die passende App, die es kostenlos für Android und iOS gibt, lernt man zunächst die verschiedenen Sensoren und Aktoren an. Sofort kann man in der App den Status einsehen – etwa, welche Fenster geöffnet sind, welcher Bewegungsmelder etwas erkannt hat und Aktoren schalten, beispielsweise das im Gateway integrierte Nachtlicht aktivieren.

Auch komplexere Aufgaben lassen sich über die App konfigurieren, darunter die typische Wenn-Dann-Logik. Beispiel: Wenn der Wassersensor unter der Waschmaschine anspricht, dann sende eine Push-Nachricht aufs Smartphone. Wenn der Bewegungsmelder im Flur anspricht, schalte das Nachtlicht im Aqara Hub für fünf Minuten auf grün. Wenn das Fenster im Bad länger als 30 Minuten offen ist, sende eine Push-Nachricht.

Coole Sache, aber da kommt gleich der große Haken: Xiaomi ist unglaublich gut aufgestellt bei Sensoren, die etwas feststellen – aber nicht bei Aktoren, die etwas machen. An dieser Stelle bräuchte man nun Sirenen, Lampen, Dimmer, Zwischenstecker und so weiter. Allerdings: So sehr wir den batteriebetriebenen Sensoren auch trauen, so ungern hätten wir im Haus viele China-Aktoren, die dauerhaft mit dem 230-Volt-Netz verbunden sind.

Aquara Screenshots (7 Bilder)

An dieser Stelle kommt die hervorragende Unterstützung von Smarthome-Schaltzentralen wie der Open-Source-Lösung ioBroker ins Spiel. Auf einem Raspberry Pi oder einem anderen Server installiert, sorgt die Software für eine plattformübergreifende Visualisierung per Webbrowser, für die Anbindung von Smart-Home-Komponenten anderer Hersteller wie AVM (Zwischenstecker und Heizkörperthermostate), Philips Hue (smarte Beleuchtung), Türstationen von Doorbird, den KNX-Bus oder die Sprachsteuerung via Amazon Alexa oder Google Home. Eine vollständige Übersicht über alle Adapter zur Kommunikation mit Komponenten diverser Hersteller findet sich auf der ioBroker-Webseite.

Zugegeben: Das ist eine Bastellösung. Allerdings eine sehr gute. Wer sich auf das Abenteuer einlässt, sollte aber Grundkenntnisse in IT, Netzwerkinfrastruktur und Smart Home mitbringen – oder zumindest Interesse und die Bereitschaft, sich in Foren ordentlich einzulesen.

Deutlich einfacher geht es mit Apple Homekit. Der Ruf der Smart-Home-Lösung von Apple ist nicht der Beste. Schuld daran sind vor allem die teuren, energiehungrigen und reichweitenschwachen Bluetooth-Komponenten der Anfangszeit. Die Aqara-Komponenten versprechen, dieses Problem zu lösen. Im Vergleich zu Open-Source-Lösungen wie ioBroker gibt es aber dennoch nur wenige kompatible Produkte; außerdem braucht man, wenn das System selbsttätig Automatismen nach dem Wenn-dann-Prinzip durchführen soll und der Zugriff auch bei Abwesenheit über das Internet erwünscht ist, noch vergleichsweise teure Apple-Hardware wie Apple TV 4 oder den smarten Lautsprecher Homepod (Testbericht).

Der Hub steckt direkt am Netz.

Ohne Hub geht nichts, ansonsten alles nach Bedarf. Besonders begehrt sind die günstigen Magnetkontakte für Türen und Fenster, die batteriebetriebenen und selbstklebenden Bewegungsmelder, die aufgrund des günstigen Preises auch für exotische Aufgaben wie eine Unter-Bett-Beleuchtung oder eine stockwerksweise Treppenbeleuchtung zum Einsatz kommen. Bastler nutzen die Vibrationsmelder, um beispielsweise den Postboten am Briefkasten zu erkennen und per Push-Mitteilung auf neue Briefe hinzuweisen oder an Fensterrahmen oder -Scheiben zur Einbruchserkennung. Der Feuchtigkeitssensor warnt bei Überschwemmungen an Waschmaschine, Trockner, abtauender Kühltruhe oder im Bad, außerdem gibt es günstige Sensoren, die Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck messen.

Der Gestenwürfel erkennt seine Postion im Raum.

Klasse in Kombination mit ioBroker & Co. sind auch die Eingabegeräte – etwa Lichtschalter, die mit doppelseitigem Klebeband überall ihren Platz finden. An der Wand, unterm Wohnzimmertisch oder im Schrank, und je nach angebundenen Komponenten schalten sie Hue-Leuchten, über Zwischenstecker Stehlampen oder die Kaffeemaschine, über Logitech Harmony den Fernseher oder regeln die Lautstärke der Musikwiedergabe. Wer es richtig abgefahren mag, bestellt sich noch den Gesten-Würfel dazu: Er führt unterschiedliche Aktionen aus, wenn man ihn dreht, neigt, oder auf eine bestimmte Seite legt – etwa volle Beleuchtung im Wohnzimmer, Fernsehlicht oder gemütliche Lichtstimmung zum Essen.

Wann immer es um chinesische Produkte geht, liegt dieser Punkt früher oder später auf dem Tisch. Fakt ist: Wer die chinesische Version des Aqara Hub, Mi Hub oder Xiaomi Hub einsetzt, muss die Region in der App auf China stellen – ansonsten lassen sich die Produkte nicht anlernen. Das soll wohl mit der europäischen DSGVO zu tun haben.

Wer datenschutzkonform unterwegs sein möchte (und dem Hersteller glaubt, dass das so auch stimmt), braucht die europäische Version des Gateways und muss die Aqara-App statt der Mi Home App einsetzen. Stellt man die Region dort auf Europa, ist die Hardware nur noch zu Homekit kompatibel – Wenn-Dann-Verknüpfungen, Schaltaufgaben & Co. lassen sich dann nur noch über die Apple-Umgebung realisieren, nicht mehr über die chinesischen Hersteller-Apps.

Die Sensoren haben sich in knapp zwei Jahren Praxiseinsatz absolut bewährt. Die Hardware ist ordentlich verarbeitet, die Funktionalität klasse. Als Stand-Alone-Lösung mit China-App und China-Cloud würden wir die Komponenten nicht einsetzen – aber als Ergänzung in einem Smart Home auf ioBroker- oder Homekit-Basis sind die Aqara-Sensoren nicht nur gut, sondern auch in Puncto Preis-Leistung unschlagbar.

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