Günstige Airbrush-Systeme für Einsteiger: Darauf kommt es an | TechStage
TechStage
Logo Qwant

Ein Angebot von

Günstige Airbrush-Systeme für Einsteiger: Darauf kommt es an

von  // 

Bei Tabletop-Games oder 3D-Druck-Objekten sind Airbrush-Systeme auf den ersten Blick ein ideales Hilfsmittel für großartige Bemalungen. Wir zeigen, was benötigt wird.

Wer sich mit dem Thema 3D-Druck, Modellbau oder Tabletop auseinandersetzt, stolpert früher oder später über die Frage, ob sich die Anschaffung eines Airbrush-Systems lohnt. Nach einigen Wochen mit einem günstigen Einsteigerset bestehend aus Airbrush-Pistole, Kompressor und Farbe ziehen wir Bilanz.

Zu den Themen 3D-Druck, DIY und Tabletop-Spiele sind in den vergangenen Monaten folgende Artikel erschienen:

Als große Vorteile gegenüber der Nutzung von Pinseln werden häufig die Zeitersparnis und die hohe Präzision von Airbrush-Systemen genannt. Letztlich stimmt das auch, vorausgesetzt man weiß, was man tut. Wer gehofft hatte, dank Airbrush-Pistolen schnell großartige Ergebnissen zu bekommen, irrt.

Die Zeitersparnis kommt letztlich nur bei großflächigeren Arbeiten mit ein und derselben Farbe zum Tragen. Die bei Farbwechseln und nach dem Bemalen notwendige Reinigungsarbeit kostet insbesondere bei ungeübten Anwendern viel Zeit. Wer lediglich ein paar Tabletop-Figuren mit verschiedenen Farben kolorieren will, ist mit dem Pinsel definitiv schneller. Sollen viele oder größere Figuren mit nur einer Farbe bemalt oder grundiert werden, sieht es schon anders aus. Wer hier mit der Airbrush arbeitet, kommt schnell voran und muss nicht ständig die Farbpistole putzen.

Ein echter Vorteil, selbst für Anfänger, ist die Möglichkeit, weiche und fließende Übergänge annähernd perfekt hinzubekommen. Leichte Schatten- oder Lichtakzente zu setzen, klappt dank des sehr feinen Sprühnebels auch mit wenig Erfahrung. Weiche Farbübergänge klappen mit etwas Übung ebenfalls verhältnismäßig einfach.

Licht und Schatteneffekte sind auch für Anfänger einfach umzusetzen.

Was die Präzision angeht, kommt es ganz auf deren Definition an. Nach einigen Wochen mit dem Airbrush-System klappt es zwar, gezielte Schattierungen oder Highlights zu setzen, wirklich exakt ist aber anders. Die nur wenige Zentimeter hohen Tabletop-Figuren mit den noch viel kleineren Details haben uns hier schnell Grenzen aufgezeigt. Mit viel Übung und einer feineren Düse ist hier zwar noch viel Luft nach oben, für Arbeiten im Millimeterbereich scheint uns der Pinsel für Anfänger die geeignetere Lösung zu sein.

Im Vergleich zur Spraydose aus dem Baumarkt, ist Airbrush allerdings äußerst präzise. Der Farbnebel ist deutlich dünner und so kommt es nicht sofort zu unschönen Läufern und Lacknasen. Wenn es darum geht die Farbe möglichst gleichmäßig und vor allem sehr dünn aufzutragen, ist die Airbrush klar Vorteil.

Nach einigen Sessions mit Airbrush und Pinsel steht für uns fest, die Kombination aus beiden Werkzeugen ist für kleinteilige Arbeiten der beste Weg.

Das wichtigste Teil beim Airbrush ist die Farbpistole. Sie verfügt über einen kleinen Farbtank, einen Anschluss für die Druckluft und einen Trigger zum Auslösen des Sprühvorgangs. Die angeschlossene Druckluft drückt die Farbe aus der Spitze der Airbrush-Pistole, wo sie zerstäubt wird. Mit dem Auslöser bestimmt der Nutzer, ob und wie viel Farbe austritt.

Unsere günstige Double-Action-Pistole stammt aus einem Komplett-Set.

Bei den besseren Airbrush-Pistolen, den sogenannten Double-Action-Systemen, steuert die Stellung des Triggers außerdem den Luftstrom. Die Arbeit mit der Double-Action will allerdings gelernt sein. Die Bedienung ist gerade bei den ersten Sessions alles andere als einfach. Hier gilt es, geduldig zu bleiben und fleißig zu üben.

Bei billigen Single-Action-Systemen muss der Luftstrom separat eingestellt werden, was die Arbeit weniger flexibel gestaltet. Die Frage ob Single- oder Double-Action ist allerdings beinahe unerheblich, da selbst die günstigen Einsteigersets inzwischen mit einer Double-Action-Airbrush daherkommen. Lediglich die einfachen Einsteigersets von Revell setzen auf Single-Action-Pistolen.

Die zur Regulierung der Farbmenge zuständige Nadel in der Airbrush-Pistole gibt es in unterschiedlichen Durchmessern. Je dicker deren Durchmesser ist, desto breiter entfaltet sich der Sprühnebel. Umso kleiner die Details werden sollen, desto dünner muss die Nadel sein. Häufig sind bei den Sets und Sprühpistolen verschieden dicke Nadeln beigepackt.

Zum Reinigen wird die Sprühpistole in ihre Einzelteile zerlegt.

Sieht man sich den kleinteiligen Aufbau einer Double-Action-Airbrush-Pistole an, wird schnell klar, dass die Fertigungstoleranzen der Teile im Mikrometerbereich liegen müssen, um zuverlässig zu arbeiten. Dementsprechend sind mit günstigen Airbrush-Pistolen nie so exakte Ergebnisse wie mit Markengeräten möglich. Wer perfekt saubere Linien und einen zuverlässigen Farbfluss erwartet, sollte hier nicht sparsam sein und sein Equipment pflegen. Zwar macht sich für den Anfang auch unser Einsteigerset ganz gut, Profis dürften die Ergebnisse allerdings nur müde belächeln.

Für einen perfekten Farbfluss müssen Düse und Nadel stets gepflegt sein.

Für die ersten Schritte mit der Airbrush, tun es natürlich auch günstige Set-Pistolen. Diese sind zwar weniger exakt, allerdings fällt dies erst ab einem gewissen Skill-Level auf. Wichtig ist immer, dass nie der Farbfluss freigeben wird, solange keine Luft ausströmt. In der Praxis bedeutet das: Erst den Hebel drücken, um den Luftstrom zu aktivieren. Dann den gedrückten Hebel nach hinten ziehen, um die Farbmenge zu regulieren. Anschließend den noch immer gedrückten Hebel nach vorne schieben und erst dann die Luftzufuhr deaktivieren. Wird Farb- und Luftzufuhr gleichzeitig unterbrochen, kann dies zu Verstopfungen der feinen Düse führen.

Ein weiterer Aspekt beim Kauf ist die Verarbeitungsqualität der Airbrush-Pistole. Günstigen Modellen sind häufig nicht nur schwieriger zu reinigen, auch die Haltbarkeit der Gewinde ist problematisch. Bei unserer Billig-Set-Pistole ist uns beispielsweise das Gewinde der Düse abgebrochen. Nach einigen Recherchen und Telefonaten scheint dies bei billigen Modellen häufig zu passieren, weshalb wir uns für ein Upgrade statt für eine Reparatur mit verhältnismäßig teuren Ersatzteilen entschieden haben. Auf mehrere Empfehlungen hin haben wir uns für ein Einsteigermodell des Herstellers Harder & Steenbeck für knapp 70 Euro entschieden.

Für die Arbeit mit der Airbrush ist Druckluft nötig. Diese kommt bei sehr einfachen Einsteigersets aus einer Druckluftdüse. Diese Lösung ist zwar auf den ersten Blick günstig, allerdings muss der Nutzer regelmäßig Dosen nachkaufen. Wirklich sinnvoll ist deshalb nur die Verwendung eines Kompressors. Sehr günstige Systeme nutzen lediglich kleine Elektroluftpumpen. Die sind üblicherweise laut und bieten nur wenig Druck.

Dieser Set-Kompressor ist leise, hat einen Wasserabscheider und einen regulierbaren Arbeitsdruck.

Hochwertigere Sets beinhalten schon vernünftige Kompressoren mit integriertem Lufttank und regulierbarem Arbeitsdruck. Um keine Probleme mit Kondenswasser im Luftschlauch zu bekommen, sollte der Kompressor außerdem über einen Wasserabscheider verfügen. Der Luftdruck sollte regulierbar sein und 3 bis 4 bar erreichen.

Der von uns genutzte Kompressor Fengda FD18-2 für etwa 52 Euro schafft bis zu 4 bar, was für unsere Ansprüche mehr als ausreichend ist. Dank des Lufttanks springt der Kompressor nur an, wenn wir die Airbrush-Pistole benutzen. Die Lautstärke ist dabei äußerst moderat.

Die verwendete Farbe entscheidet ebenfalls über Erfolg oder Misserfolg. Zwar lassen sich letztlich viele Farben nutzen, allerdings ist das Anrühren eigener Mixturen aus Farbe und Verdünner eine kleine Wissenschaft für sich. Wer sich auskennt, kann beispielsweise die gleichen Acrylfarben für Pinsel und Airbrush benutzen. Anfänger sollten sich aber lieber auf die Übungen mit der Airbrush-Pistole konzentrieren, statt sich mit dem korrekten Verdünnen billiger Noname-Farben herumzuärgern.

Auf den ersten Blick sehen sich Noname-Produkt und Marken-Farbe ähnlich, wer sie benutzt, erkennt aber schnell den Unterschied.

Die in unserem Set enthaltenen Farben sind direkt nach der Fotoaufnahme in den Müll gewandert. Der Grund ist einfach: Die Farben haben die Düse ständig verstopft und ein vernünftiges Arbeiten unmöglich gemacht. Die von uns ersatzweise gekauften Airbrush-Farben des Modellbau-Anbieters Vallejo sind zwar etwas teurer als Noname-Ware, allerdings ist die deutlich bessere Qualität den Aufpreis allemal wert. Mit den Markenfarben hatten wir während der Tests keinerlei Probleme. Der Farbfluss ist um Längen besser und es kommt zu keinerlei Verstopfungsproblemen. Das Entfernen der Farbreste während der Reinigung fällt außerdem deutlich leichter.

Die Reinigung des Farbtanks fällt deutlich leichter, wenn man eine vernünftige Farbe benutzt.

Für die Arbeit mit einem Airbrush-System braucht man neben geeignetem Reinigungs-Equipment wie Isopropanol-Alkohol und kleinen Bürsten, auch einen ausreichend ausgestatteten Arbeitsplatz. Neben einer ausreichend dimensionierten Arbeitsunterlage haben wir uns beispielsweise Pappdeckel in verschiedenen Größen zurechtgelegt. Diese helfen beim Abdecken von Flächen und eignen sich für Sprüh-Tests mit der Airbrush-Pistole. Um die Nadel in der Spitze der Airbrush-Pistole bei Verschmutzung zu reinigen, haben wir außerdem Wattestäbchen und einen Isopropanol-Spender am Platz.

Im Preisvergleich sind derzeit leider nur wenige Sets gelistet. Dort finden sich beispielsweise die sehr einfachen Revell-Einsteigersets mit Druckluftdose und Single-Action-Pistole. Von denen würden wir die Finger lassen und das Geld lieber in ein höherwertiges Set stecken.

Die vernünftigen Airbrush Einsteigersets, die es beispielsweise bei Amazon gibt, bestehen zum größten Teil aus Noname-Komponenten. Für erste Versuche ist die Hardware dieser Sets trotzdem sehr gut geeignet. Die Qualität und Präzision ist zwar nicht mit teuren Markenprodukten vergleichbar, für Grundierungen, Schatteneffekte und großflächigere Arbeiten ist das aber auch gar nicht nötig. Wer den korrekten Umgang mit der Double-Action erst gelernt hat, kann immer noch auf eine hochwertige Airbrush-Pistole upgraden. Wer sich für ein Set entscheidet, sollte allerdings zusätzlich in vernünftige Farbe investieren.

Airbrush-Systeme sind großartige und bezahlbare Hilfsmittel beim Kolorieren von 3D-Drucken, Modellen oder Tabletop-Figuren. Wer in die Materie einsteigt, sollte allerdings Geduld mitbringen und Freude am Experimentieren haben. Um schöne Ergebnisse zu erzielen, braucht es viel Übung und ein ruhiges Händchen. Ebenso wichtig ist eine vernünftige Ausstattung. Diese muss auch gar nicht teuer sein. Für erste Versuche und gröbere Arbeiten sind auch günstige Einsteigersets gut geeignet; zumindest dann, wenn eine ausreichend gute Farbe benutzt wird. Günstige Kompressoren mit mindestens 3 bar Druck sind für die private Nutzung ausreichend.

Bei häufiger Nutzung und filigranen Arbeiten sollte man allerdings in eine hochwertige Airbrush-Pistole investieren. Diese arbeiten präziser und sind außerdem einfacher zu reinigen. Da der Preis für solch eine Airbrush-Pistole allerdings ähnlich hoch ist, wie der für komplette Budget-Sets, sollte man sich gut überlegen, ob man dieses Geld direkt zum Einstieg investieren will.

Automatisch zum Künstler wird man durch die Nutzung eines Airbrush-Systems nicht. Wer hier Erfolg haben will, braucht eine kreative Ader und Spaß an der Arbeit mit Farben; inklusive der damit verbundenen Reinigungsarbeiten.

Einloggen, um Kommentare zu schreiben