TechStage
Logo Qwant

Ein Angebot von

Grundlagen: E-Tretroller mit Straßenzulassung

19
von  //   //  Stand:

Seit dem 15.06.2019 dürfen E-Tretroller legal auf deutschen Straßen fahren. Wie der Rechtsrahmen um die Fahrzeuge aussieht und welche Modelle es gibt, verrät unsere Übersicht.

In Ländern wie Großbritannien, USA, Japan, China, Spanien und Österreich gehören E-Tretroller schon längst zum Stadtbild dazu. Sie sind ideal, um kurze Strecke zurückzulegen oder auch gut geeignet für Berufspendler.

E-Tretroller – oder auch E-Scooter genannt – sind in der Regel leichte, kompakte, falt- und tragbare Fahrzeuge mit einem elektrischen Antrieb. Die durchschnittliche Reichweite beträgt zwischen 15 und 25 km, den Akku lädt der Fahrer über die herkömmliche Steckdose mit einer Spannung von 230 V auf.

E-Tretroller und ähnliche Fortbewegungsmittel gibt es nun schon seit einer ganzen Weile. Allerdings war der Betrieb bis Mitte Juni 2019 auf deutschen Straßen nicht zugelassen. Unter anderem fehlte ein rechtlicher Rahmen und zudem waren viele Fragen ungeklärt, wie etwa Helm-, Versicherungs- und Kennzeichenpflicht. Doch seit dem 15.06.2019 gilt nunmehr die Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV). Fahrzeuge aus dem Bereich des Personal Light Electric Vehicle (PLEV) definiert das Gesetz der eKFV als Elektrokleinstfahrzeuge. Dazu zählen E-Tretroller sowie sich selbstbalancierende Fahrzeuge mit einer Halte- oder Lenkstange (z.B. Segways). Ausgeschlossen sind dagegen E-Skateboards, E-Longboards oder E-Boards, wie etwa ein Razor Hovertrax 2.0 (Testbericht).

Unsere FAQs beantworten die wichtigsten Eckpunkte zum Thema Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung. Wer tiefer in die Thematik einsteigen möchte, sollte sich den sehr ausführlichen Ratgeber Was Sie vor dem Kauf eines E-Scooters wissen müssen auf heise+ ansehen.

Gibt es eine Altersbegrenzung?

  • entgegen des ursprünglichen Entwurfs beträgt das Mindestalter für die Nutzung von E-Rollern 14 Jahre. Ursprünglich war vorgesehen, dass Fahrer zwischen 12 und 14 Jahren mit maximal 12 km/h fahren dürfen. Nun gilt für alle Altersklassen eine Maximalgeschwindigkeit von 20 km/h.

Ist das Tragen eines Helms vorgeschrieben?

  • Nein, eine Helmpflicht existiert nicht, da E-Tretroller laut dem Entwurf ähnliche Charakteristiken wie Fahrräder haben. Das Verkehrsministerium empfiehlt jedoch einen Helm.

Ist ein Führerschein notwendig?

  • Nein. Ein Führerscheinpflicht bzw. Pflicht zur Vorlage einer Mofa-Prüfbescheinigung für E-Tretroller mit der Höchstgeschwindigkeit von bis zu 20 km/h ist nicht nötig. Auch hier wird der Vergleich mit einem Fahrrad herangezogen: Fährräder fahren schneller als E-Tretroller und für die ist eine Fahrerlaubnis auch nicht notwendig.

Brauchen Fahrer eines E-Tretrollers eine Versicherung?

  • Ja. Elektrokleinstfahrzeuge sind Kraftfahrzeuge und somit versicherungspflichtig. Die Höhe der Versicherungsprämie liegt, je nach Anbieter, zwischen 35 und 100 Euro für zwölf Monate.

Wo ist das Fahren eines E-Tretrollers vorgesehen?

  • Ursprünglich war geplant, dass Fahrzeuge, die weniger als 12 km/h schnell sind, auf Gehwegen, sowie in Fußgängerzonen fahren dürfen. Stattdessen dürfen die E-Tretroller jetzt nur auf Radwegen, Radfahrstreifen und Fahrradstraßen fahren. Es gelten trotzdem andere Regeln als bei Fahrrädern. Genaue Details finden sich im Ratgeber Was Sie vor dem Kauf eines E-Scooters wissen müssen auf heise+.
  • Sofern ein baulich angelegter Radweg oder ein Radfahrstreifen vorhanden ist, müssen Elektrokleinstfahrzeuge diesen benutzen. Dies gilt unabhängig davon, ob die Radverkehrsanlage für Rad Fahrende benutzungspflichtig ist oder nicht. Wenn baulich angelegte Radwege oder Radfahrstreifen fehlen, darf mit Elektrokleinstfahrzeugen auch die Fahrbahn genutzt werden. Insofern unterscheiden sich hier die straßenverkehrsrechtlichen Regelungen für Fahrräder und Elektrokleinstfahrzeuge.

Dürfen Elektrokleinstfahrzeuge mit ausgeschaltetem Motor auf dem Gehweg genutzt werden?

  • Nein, auch wenn der Motor ausgeschaltet wird, darf nur auf den vorgesehenen Verkehrsflächen gefahren werden. Es nicht möglich, während des Betriebs eines Fahrzeugs die Fahrzeugart zu wechseln, beispielsweise durch das Ausschalten des Motors.

Können Fahrzeuge, die bereits zum Kauf angeboten werden, aber nicht die Anforderungen der Elektrokleinstfahrzeuge- Verordnung erfüllen, nachgerüstet werden?

  • Ja. Nach Inkrafttreten der Verordnung können die Hersteller für Fahrzeuge, die die Anforderungen der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung erfüllen, beim Kraftfahrt-Bundesamt eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) beantragen. Bereits in den Handel gebrachte Fahrzeuge, die der Verordnung nicht entsprechen, können durch den Hersteller nachgerüstet werden, damit diese den Anforderungen der neuen Verordnung entsprechen. Fahrzeuge, die der Verordnung entsprechen, aber nicht vom Hersteller mit einer nachträglichen Allgemeinen Betriebserlaubnis versehen werden, können auch vom jeweiligen Besitzer über eine Einzelbetriebserlaubnis in den Verkehr gebracht werden, sofern die entsprechenden technischen Anforderungen erfüllt werden.
  • Die Einzelabnahme von nachgerüsteten Rollern kostet allerdings etwa 300 Euro. Aus wirtschaftlicher Sicht ist die Nachrüstung nicht sinnvoll.

Können Elektrokleinstfahrzeuge im ÖPNV mitgenommen werden?

  • Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur befürwortet die Mitnahme von Elektrokleinstfahrzeugen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), kann dazu allerdings nicht verpflichten. Über die Beförderungsbedingungen entscheidet das jeweilige Verkehrsunternehmen.
  • In der Praxis gibt es aktuell weder bei der Deutschen Bahn, noch bei anderen Verkehrsunternehmen klare Regelungen.

Was gilt für bisher zugelassene Elektrokleinstfahrzeuge (z.B. Segways)?

  • Die Mobilitätshilfenverordnung (MobHV) wurde durch die neue Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung abgelöst. Die danach erteilten Genehmigungen behalten jedoch ihre Gültigkeit. Ab Inkrafttreten der neuen Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung werden die darin enthaltenen Regelungen auch für die bereits zugelassenen Fahrzeuge angewendet.

Wie verhält es sich mit E-Rollern, die schneller als 20 km/h fahren können?

Die Nutzung solcher Fahrzeuge ist, wenn sie eine Straßenzulassung besitzen, wie bei klassischen 45-ccm-Rollern geregelt. Das Mindestalter liegt bei 16 Jahren. Die Höchstgeschwindigkeit bei 45 km/h. Es gelten Versicherungs-, Kennzeichen- und Helmpflicht. Außerdem wird ein Führerschein der Klasse AM benötigt. Dieser ist in den Führerscheinklassen A, A1, A2, B, BE, T enthalten.

Was muss ein Roller erfüllen um überhaupt eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) für E-Tretroller zu erhalten?

  • maximale Dauerleistung 500 W
  • Lenk- oder Haltestange
  • 6 km/h bis max. 20 km/h bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit
  • zwei unabhängig voneinander funktionierende Bremsen
  • eine Lichtanlage (Vorder- und Rücklicht und Reflektoren)
  • eine helltönende Klingel
  • Gesamtlänge 200 cm, Breite bis 70 cm und Gesamthöhe von 140 cm bei nicht mehr als 55 kg Fahrzeuggewicht
  • Bremslicht und Blinker sind erlaubt, aber nicht vorgeschrieben. Ohne Blinker, muss ein Richtungswechsel per Handzeichen signalisiert werden.

Der Markt gibt bereits erste Modelle her, die die StVZO-Vorgaben erfüllen und teils mit Sondergenehmigung vom Kraftfahrt-Bundesamt fahren dürfen. Dazu zählen:

  • X2 City von BMW Motorrad ab 2399 Euro
  • Moover von Metz Mecatech ab 1999 Euro
  • Exit Cross von IO Hawk ab 1099 Euro
  • IO HAWK Sparrow-Legal ab 679 Euro

– Weitere Modelle und eigene Fahrberichte listet dieser Artikel sukzessiv mit Produktvorstellungen auf –

Nicht zugelassen sind dagegen Pionier-Fahrzeuge, wie das Segway ES2 (Testbericht) oder das Mijia M365 von Xiaomi (Testbericht), die die Revolution der E-Tretroller in Form von Vorarbeit erst begonnen haben.

Wer möglichst schnell einen E-Roller in der Praxis testen will, sollte sich die, in einigen Großstädten erhältlichen, Miet-Roller genauer ansehen. Entsprechende Sharing-Angebote sind beispielsweise bereits in Berlin und München erhältlich. Weitere Details und Start-Termine für verschiedene Städte finden sich auf den Homepages der Anbieter Circ, Lime, Tier Mobility, Voi oder Wind Mobility.

Wem die Höchstgeschwindigkeit der Elektrokleinstfahrzeuge zu niedrig ist, der sollte sich elektrische Roller mit Straßenzulassung und einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h ansehen. Für Führerscheininhaber der Klasse AM sind diese eine sehr interessante und bezahlbare Alternative.

SXT 500 EEC Bleiakku Elektro-Roller weiß (ESC500EECV2.3)

SXT 500 EEC

eFlux Vision X2 Elektro-Roller grau

eFlux Vision X2

eFlux Street 40 Elektro-Roller schwarz

eFlux Street 40

(Kein Produktbild vorhanden)

Futura Buzzard

(Kein Produktbild vorhanden)

Rolektro eco-Fun 20

Wer mit einem E-Tretroller liebäugelt, sollte mit dem Kauf noch etwas warten. Noch sind kaum Fahrzeuge mit Zulassung erhältlich. Außerdem verlangen die wenigen Hersteller sehr viel Geld für ihre Fahrzeuge.

Den günstigsten Einstieg bietet derzeit der IO HAWK Sparrow-Legal, welcher allerdings erst ab Anfang Juli lieferbar sein wird.

Einloggen, um Kommentare zu schreiben

Anzeige