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Grundlagen: E-Tretroller mit Straßenzulassung

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Ab Ende Mai könnten E-Tretroller legal auf den Straßen fahren. Wie der Rechtsrahmen um die Fahrzeuge aussieht und welche Modelle es gibt, verrät TechStage in dieser Übersicht.

In Ländern wie Großbritannien, USA, Japan, China, Spanien und Österreich gehören E-Tretroller schon längst zum Stadtbild dazu. Sie sind ideal, um kurze Strecke zurückzulegen oder auch gut geeignet für Berufspendler. Nur in Deutschland gestaltet sich die Mikromobilität und damit verbundenen E-Fahrzeuge etwas kompliziert. Ab dem Sommer 2019 ändert sich jedoch alles:

E-Tretroller – oder auch E-Scooter genannt – sind in der Regel leichte, kompakte, falt- und tragbare Fahrzeuge mit einem elektrischen Antrieb. Die durchschnittliche Reichweite beträgt zwischen 15 und 25 km, den Akku lädt der Fahrer über die herkömmliche Steckdose mit einer Spannung von 230 V auf.

E-Tretroller und ähnliche Fortbewegungsmittel gibt es nun schon seit einer ganzen Weile. Allerdings ist der Betrieb auf deutschen Straßen nicht zugelassen. Unter anderem fehlte bis jetzt ein rechtlicher Rahmen und zudem blieben viele Fragen ungeklärt, wie etwa Helm-, Versicherungs- und Kennzeichenpflicht. Doch nun liegt ein konkreter Referentenentwurf des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur zur Verabschiedung bei der Europäischen Kommission und dem Bundesrat vor. Fahrzeuge aus dem Bereich des Personal Light Electric Vehicle (PLEV) definiert das Gesetz der eKFV als Elektrokleinstfahrzeuge. Dazu zählen E-Tretroller sowie sich selbstbalancierende Fahrzeuge mit einer Halte- oder Lenkstange. Ausgeschlossen sind dagegen E-Skateboards, E-Longboards oder E-Boards, wie etwa ein Razor Hovertrax 2.0 (Testbericht).

Ausführliches zum Gesetzesentwurf unter Entwurf einer Verordnung über die Teilnahme von Elektrokleinstfahrzeugen am Straßenverkehr und zur Änderung weiterer straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften.

Der Entwurf beantwortet viele der oben aufgeführten Fragen, über die Bund, Länder, Auto- sowie Fahrradfahrer und Fußgänger und dessen Vereine debattieren. Im Wesentlichen geht es darum, wo die E-Tretroller letztendlich fahren dürfen: Auf der Fahrbahn, auf dem Fahrrad- oder auf dem Gehweg? Die Frage ist durchaus berechtigt, denn für Autofahrer sind E-Tretroller zu langsam, für Fußgänger wiederum zu schnell und je nach Ausprägung der Geschwindigkeit könnten sie auch Radfahrer behindern. Eine finale Entscheidung will das Plenum der Länderkammer am 17. Mai 2019 fällen.

Gibt es eine Altersbegrenzung?

  • das Mindestalter beträgt 12 Jahre
  • wer unter 14 Jahre alt ist, darf nur mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von 12 km/h fahren
  • ab 14 Jahren sind Geschwindigkeiten von bis zu 20 km/h erlaubt

Ist ein Führerschein notwendig?

  • Ein Führerschein für E-Tretroller mit der Höchstgeschwindigkeit von bis zu 20 km/h ist nicht nötig. Auch hier wird der Vergleich mit einem Fahrrad herangezogen: Fährräder fahren schneller als E-Tretroller und für die ist eine Fahrerlaubnis auch nicht notwendig.

Brauchen Fahrer eines E-Tretrollers eine Versicherung?

  • Eine Versicherung mit einer sichtbar nach hinten angebrachten Versicherungsplakette ist Voraussetzung für die Teilnahme am Straßenverkehr. Referenzwerte für die Höhe der Versicherungsprämie gibt es noch nicht. Schätzungsweise sollte der Beitrag zwischen 50 und 100 Euro liegen.

Wo ist das Fahren eines E-Tretrollers vorgesehen?

  • Fahrzeuge, die weniger als 12 km/h schnell sind, dürfen auf Gehwegen, gemeinsamen Fuß- und Radwegen sowie in Fußgängerzonen fahren. Sie sind vergleichbar mit Fahrrädern und Tretrollern. Schnellere Fahrzeuge müssen grundsätzlich auf Radwegen und Radfahrstreifen auf der Fahrbahn fahren.

Ist das Tragen eines Helms vorgeschrieben?

  • Nein, eine Helmpflicht existiert nicht, da E-Tretroller laut dem Entwurf ähnliche Charakteristiken wie Fahrräder haben. Das Verkehrsministerium empfiehlt jedoch ein Helm.

Dinge, über die sich die unterschiedlichen Anspruchsgruppen nicht mehr streiten, sind bauartbedingte Eigenschaften, die einen E-Tretroller in Gänze auf die Straße zulassen. Um eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) für E-Tretroller zu erhalten, müssen Hersteller folgende Kriterien erfüllen:

  • zwei unabhängig voneinander funktionierende Bremsen
  • eine Lichtanlage (Vorder- und Rücklicht, Bremslicht und Reflektoren)
  • eine Hupe oder eine helltönende Klingel
  • Gesamtlänge 200 cm, Breite bis 70 cm und Gesamthöhe von 140 cm bei nicht mehr als 55 kg Fahrzeuggewicht
  • maximale Dauerleistung 500 W

Der Markt gibt bereits erste Modelle her, die die StVZO-Vorgaben erfüllen und teils mit Sondergenehmigung vom Kraftfahrt-Bundesamt fahren dürfen. Dazu zählen:

  • X2 City von BMW Motorrad ab 2399 Euro
  • Moover von Metz Mecatech ab 1999 Euro
  • Exit Cross von IO Hawk ab 1099 Euro

– Weitere Modelle und eigene Fahrberichte listet dieser Artikel sukzessiv mit Produktvorstellungen auf –

Nicht zugelassen sind dagegen Pionier-Fahrzeuge, wie das Segway ES2 (Testbericht) oder das Mijia M365 von Xiaomi (Testbericht), die die Revolution der E-Tretroller in Form von Vorarbeit erst begonnen haben:

Xiaomi Mijia M365

Xiaomi Mijia M365

Segway ES2

Segway ES2

Segway ES1

Segway ES1

Archos Citee Power Elektro

Archos Citee Power Elektro

(Kein Produktbild vorhanden)

Eflux Lite Six

(Kein Produktbild vorhanden)

IO Hawk E-Scooter Sparrow

Für einige Modelle gibt es optional auch sogenannte Nachrüst-Kits zum Kaufen. Darin sind Klingel, Licht und weitere erforderliche Bauteile enthalten. Doch manche Fahrzeuge scheitern gänzlich aus, weil sie bauartbedingt mehr als 20 km/h fahren.

Wer mit einem E-Tretroller liebäugelt, sollte mit dem Kauf noch etwas warten. Noch ist die Verordnung nicht durch. Außerdem verlangen die wenigen Hersteller viel Geld für ihre Fahrzeuge. Eine günstige Option ist einen nicht zugelassenen E-Tretroller mit Nachrüst-Kit zu kaufen, wie etwa der „E-Scooter Sparrow“ von IO Hawk für 699 Euro plus 179 Euro.

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