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Gaming-Headsets: Günstig gegen teuer

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Nach den vielen guten Erfahrungen bei Low-Budget-Headsets stellen wir uns der Frage, was teure und günstige Modelle unterscheidet. Als konkretes Beispiel dienen uns das GSP300 (Einzeltest) und das GSP670 (Einzeltest) von Sennheiser.

Im Rahmen unserer Tests von Gaming-Headsets haben wir in den vergangenen Monaten folgende Artikel veröffentlicht:

Wichtigstes Merkmal: die Audioqualität der Headsets. Insbesondere beim Hören von Musik gibt es hier spürbare Qualitätsunterschiede zwischen günstig und teuer. Diese sind auch für ungeübte Ohren auszumachen, sozusagen auf den ersten Blick.

Mittel- und Hochtöner des teuren GSP670 klingen insgesamt feiner und klarer als beim Budget-Modell GSP300. Der Bass macht zwar bei beiden Headsets einen sehr guten Job, allerdings empfinden wir ihn beim GSP670 wärmer und druckvoller. Was uns bei beiden Sennheiser-Modellen gefällt, ist die Tatsache, dass sie den Sound fast unverfälscht ausgeben. Andere Hersteller drehen deutlich stärker an den Reglern. So sind bei Gaming-Headsets in allen Preisklassen sehr häufig dominante Bässe und Hochtöner zu finden. Für unseren Geschmack dürfte die maximale Lautstärke bei beiden Modellen gerne noch einen Tick höher sein.

Das GSP670 sieht großartig aus und klingt extrem gut.

Beim Zocken fällt der Unterschied zwischen Top- und Budget-Modell weit weniger auf – was wohl auch der Grund dafür ist, dass uns die günstigen Gaming-Headsets überwiegend überzeugen konnten. Das liegt vor allem daran, dass man sich beim Spielen auf das Game konzentriert. Der Klang ist zwar wichtig, aber eben nur ein Teilaspekt. Hier geht die Qualität des GSP300 vollkommen in Ordnung. Der Sound ist klar, druckvoll und die Richtung von Gegnern ist auch bei Stereo-Wiedergabe gut auszumachen. Insbesondere bei rasanten 3D-Shootern wie Counterstrike sehen wir keinen Vorteil beim teuren GSP670. Das ändert sich bei klanggewaltigen Einzelspieler-Games mit aufwändigem Soundtrack. Hier fühlt man sich mit dem teuren Modell insgesamt näher am Geschehen. Das gilt natürlich nur, wenn man sich auch Zeit für den Genuss der Zwischensequenzen nimmt. Wer die Dialoge von Haus aus überspringt, kommt auch mit dem GSP300 sehr gut zurecht.

Beim teuren GSP670 ist es per Software möglich, die Soundeinstellungen nach eigenen Vorstellungen zu verändern und beispielsweise einen emulierten 7.1-Raumklang zu erzeugen. Dieser verstärkt zwar tatsächlich den räumlichen Eindruck, aber das geht zulasten der Klangqualität. Insbesondere der Mittelton-Bereich verliert an Intensivität, außerdem kommt es zu einem leichten Hall. Die Gaming Suite von Sennheiser ist nur für Windows verfügbar. Nutzer von Playstation 4 oder von OS X müssen sich mit Standardeinstellungen und Stereo-Sound zufriedengeben. Das ist allerdings nicht weiter schlimm: Außer zu Testzwecken haben wir sowohl das GSP300 als auch das GSP670 mit Standardeinstellungen benutzt. Die Raumklang-Funktion ist übrigens nicht nur in der Oberklasse zu finden. Das kürzlich von uns getestete Logitech G432 (Testbericht) für knapp 50 Euro hat so eine Funktion ebenfalls an Bord. Im unteren Preissegment ist das bislang trotzdem eine Ausnahme.

Die dicken, geschlossenen Ohrpolster sorgen bei beiden Modellen für eine passive Dämpfung der Umgebungsgeräusche. Völlig von der Außenwelt abgeschnitten ist der Spieler aber bei beiden nicht. Das teurere GSP670 schirmt den Spieler insgesamt stärker ab, als das günstigere GSP300. Für Hardcore-Gamer ist dieses bisschen mehr an Konzentration ein Vorteil.

Die akustische Abschirmung ist auch beim GSP300 ausreichend gut.

Die Mikrofone der von uns getesteten Gaming-Headsets machen alle einen erfreulich guten Job. Sowohl die meisten Budget-Modelle als auch die Highend-Headsets unterdrücken Umgebungsgeräusche ordentlich; die Sprache ist gut zu verstehen. Das Funktioniert erstaunlich gut, selbst bei Headsets unter 60 Euro. So perfekt wie bei den Top-Modellen ist die Filterung zwar nicht, im Test war der Unterschied allerdings so minimal, dass der Spieler keinen nennenswerten Vorteil davon hat.

Die Unterschiede bei der Sprachqualität fallen kaum auf.

Wie nah oder weit das Mikrofon vom Mund entfernt ist, hat im Test in allen Preisklassen kaum Einfluss auf die Sprachqualität und Lautstärke. Lediglich bei direkter Platzierung vor Mund und Nase kommt es selbst beim teuren GSP670 zu Problemen. Die Atemgeräusche sind dann trotz der Filter hörbar und stören.

Das günstige GSP300 wird, wie die meisten Budget-Headsets, per Klinkenkabel mit dem Rechner verbunden. Das hat den Vorteil, dass die Geräte ohne Pairing oder Treiberinstallation sofort einsatzbereit sind und es zu keinerlei Verzögerungen bei der Übertragung kommt. Ob ein kombinierter Lautsprecher- und Mikrofon-Stecker zum Einsatz kommt oder ein Y-Klinkenstecker, ist von Hersteller zu Hersteller verschieden und hängt nicht mit dem Preis zusammen. Egal welche Variante genutzt wird, ein passender Adapter gehört normalerweise zum Lieferumfang. Wer seinen PC unter dem Schreibtisch stehen hat, sollte unbedingt darauf achten, dass das Kabel lang genug ist. Im Zweifel hilft hier eine Verlängerung des 3,5-mm-Klinkekabels.

Ohne Kabel zockt es sich deutlich komfortabler.

Der Top-Modell GSP670 arbeitet kabellos. Es wird entweder per Bluetooth oder mit einem mitgelieferten USB-Funk-Dongle mit PC oder Playstation verbunden. Das Plus an Tragekomfort bedingt allerdings einen vollen Akku im Headset. Wer vergisst, seine Kopfhörer aufzuladen, muss dann doch auf ein Micro-USB-Kabel zurückgreifen.

Während wir von älteren und günstigen Bluetooth-Kopfhörern eine für's Spielen unerträgliche Latenz kennen, war beim GSP670 weder per Bluetooth noch per Funk irgendeine Verzögerung hörbar. Der USB-Funk-Adapter stellt seine Audio-Verbindung über das 2,4-GHz-Band zum Kopfhörer her; in der Praxis hat das sowohl am Computer als auch an der Playstation 4 auf Anhieb funktioniert. Die Reichweite ist zum Zocken okay, aber zum Musikhören fast zu gering. Schon beim Gang ins Nebenzimmer treten Störungen auf. Aber immerhin ist man beim Sprint zum Kühlschrank noch beim Spielgeschehen dabei, was insbesondere bei Mehrspielerpartien hilfreich ist. Der interne Akku des GSP 670 hält laut Sennheiser 20 Stunden bei Nutzung der Bluetooth-Verbindung und 16 Stunden mit dem USB-Funk-Adapter. Das geht in Ordnung.

In Sachen Tragekomfort schneiden selbst die billigen Modelle gut ab. Wirklich unbequem ist keines der Headsets, die wir in letzter Zeit getestet haben. Auch bei längeren Gaming-Sessions empfanden wir kein Modell als wirklich störend oder unangenehm.

Anders sieht es mit der Schweißbildung aus. Hier sind deutliche Unterschiede bemerkbar. Selbst das gute GSP300 kann hier nicht mit dem extrem gut belüfteten Top-Modell mithalten. Neben dem Kopfhörerdesign spielt hier auch die Materialwahl beim Ohrpolster eine entscheidende Rolle. Das Highend-Modell punktet mit erstklassiger Verarbeitung und hochwertigen Materialien. Im Budget-Bereich führt langes Zocken häufig zu heißen Ohren, zu Schweißbildung – und mit Pech zu Druckstellen. Wer lange Freude am Gaming-Headset haben möchte, sollte darauf achten, ob die Ohrpolster austauschbar sind. Das ist allerdings mehr vom Hersteller als vom Preisbereich abhängig.

Beim teuren GSP670 ist der seitliche Anpressdruck verstellbar.

Das teure GSP670 sitzt im direkten Vergleich ein Ideechen fester und zuverlässiger – das merkt man bei starken Kopfbewegungen. In der Praxis empfinden wir das GSP300 trotzdem als ausreichend. Wer nicht headbangend vor dem Rechner sitzt, bekommt auch beim Budget-Modell einen guten Tragekomfort und ausreichend Halt.

Ein klarer Nachteil des günstigen GSP300 ist dessen Anschlusskabel. Wer während dem Zocken aufstehen will, läuft bei kabelgebundenen Modellen Gefahr, das Absetzen zu vergessen. Beim klassischen Gaming-PC ist das noch ok, beim Spielen am Notebook kann so ein Fehler schnell teuer werden. Auch beim Zocken selbst kann ein ungünstig verlegtes Kabel schnell nerven. Beim Tragekomfort sind kabellose Systeme wie das GSP670 klar im Vorteil.

Teure Modelle kommen hochwertiger verpackt beim Kunden an. Beim GSP670 möchte man sich die Verpackung am liebsten als Transportbox aufbewahren. Das Headset kommt in einer wertigen, mit Schaumstoff ausgekleideten Pappschachtel zum Kunden. Im Vergleich ist das Budgetmodell GSP300 deutlich einfacher in einer Pappschachtel verpackt.

In Sachen Zubehör bieten weder Budget-Modell noch Highend-Headset mehr, als der Nutzer unbedingt braucht. Beim GSP300 liegt lediglich ein Klinke-Adapter bei. Beim GSP670 sind ein Ladekabel und der USB-Funk-Dongle dabei. Bei einem Preis von mehreren hundert Euro dürften nach unserem Geschmack gerne auch Aufbewahrungsbeutel und Ersatzohrpolster beiliegen. Zumindest bei Sennheiser ist das nicht der Fall.

Verarbeitung, Desing und Funktionalität sind auch beim günstigen GSP300 sehr gut.

In Sachen Optik und Haptik schneiden sowohl das GSP300 als auch das GSP670 sehr gut ab. Beide Modelle sehen nach Gaming aus, ohne dabei auf übertriebene, bunte RGB-Beleuchtung zu setzen. Bei der Verarbeitung sind bei beiden Sennheiser-Headsets keine Unterschiede festzustellen. Die Lautstärkeregelung oder die Stummschaltung vom Mikrofon klappt bei beiden Modellen gleichermaßen einfach und zuverlässig. Das teure Modell hat einen zusätzlichen Regler für die Chat-Lautstärke. Damit das in der Praxis funktioniert, erscheint das GSP670 zweimal im Windows-Geräte-Manager.

Das schwergängige Lautstärkerad des GSP670 und die einarmige Metallhalterung der Lautsprecher hinterlassen insgesamt einen etwas stabileren und sehr hochwertigen Eindruck. Zwar ist auch das GSP300 ordentlich verarbeitet, es wirkt insgesamt aber ein kleines bisschen einfacher gestaltet. Bei der Materialwahl schneidet das teure Modell ebenfalls ein bisschen besser ab – dies ist allerdings ein rein subjektiver Eindruck, der auch aufgrund des Gewichtunterschiedes zustande kommt. Mit fast 400 g ist das GSP670 um mehr als eine Tafel Schokolade schwerer als das GSP300.

Für die Nutzung in der Öffentlichkeit wären uns sowohl die billigen als auch die teuren Gaming-Headsets zu auffällig.

Sennheiser GSP 300 schwarz/blau (507079)

Sennheiser GSP300

Sennheiser GSP 670 (508351)

Sennheiser GSP670

Budget-Headsets sind grundsätzlich nicht schlecht. Marken-Modelle überraschen mit brauchbarer Klangqualität und ordentlichem Tragekomfort. Wer sie nur sporadisch für Multiplayer-Scharmützel einsetzt, wird mit einem Modell wie dem GSP 300 (Testbericht) sicher zufrieden sein. Dies gilt insbesondere dann, wenn auch sonst Budget-Hardware wie eine Onboardsoundkarte zum Einsatz kommt.

Wer gerne stundenlang vor dem Rechner sitzt und sein Headset auch zum Musikhören nutzt, bekommt bei den teuren Headsets, wie dem kabellosen GSP 670 (Testbericht), ein Quäntchen mehr an Komfort und Soundqualität. Wer auch sonst auf hochwertige Komponenten setzt, wird den Unterschied zum Budget-Modell bemerken.

Doch dieses Mehr an Qualität und Funktion treibt den Preis extrem in die Höhe. Ob sich dieser Mehrpreis tatsächlich lohnt, hängt vom Nutzer ab. Wer grundsätzlich auf sein Budget achten muss, hat aus unserer Sicht keine signifikanten Vorteile mit dem Highend-Headset. Als Gelegenheitszocker ist für uns die Qualität eines GSP300 locker ausreichend. Wir würden uns den Aufpreis von über 200 Euro auf jeden Fall sparen. Wer grundsätzlich auf teure Soundkomponenten setzt, bekommt bei einem GSP670 das, was er erwartet. Allerdings zum drei- bis vierfachen Preis des Einsteigermodells.

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