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Foto-Backup ohne PC: Festplatten mit SD-Card-Reader

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Unterwegs Fotos und Videos sichern, am besten ohne Notebook? Dazu braucht man spezielle Hardware. Neben kommerziellen Produkten zeigen wir einen cleveren Eigenbau auf Raspberry-Pi-Basis.

Drohnen-Flieger, Hobbyfotografen, Taucher: Ihnen allen ist gemein, dass sie selten einen PC dabei haben, um ihre Bilder schnell zu sichern. Es gibt dafür eine spezielle Nische von Geräten, die Datenspeicher und Kartenleser für Backups unterwegs kombinieren. Wir haben uns für diesen Ratgeber fertige Produkte und eine Selbstbaulösung angesehen.

Die einfachste Lösung dürfte das Travelair AC von Asus sein. Die große Einschränkung ist aber, dass Backups nur von Smartphones aus möglich sind. Das Gerät erinnert an einen weißen Puck und bietet 32 GByte internen Speicher, der sich per SD-Karte erweitern lässt. Das kleine Gerät funkt wahlweise auf 2,4- oder 5-GHz-WLAN. Um es zu benutzen, benötigt man die kostenlose App Aidrive.

Das Travelair AC kann entweder direkt mit dem Handy in einem eigenen WLAN kommunizieren oder sich mit einem bestehenden Netzwerk verbinden. Dazu kann man die Box für Gäste öffnen und so beispielsweise Bilder herzeigen. Ja, das Gerät ist limitiert, dafür aber mit knapp 25 Euro sehr günstig. Und es ist eine einfache Möglichkeit, um Bilder und Videos vom Smartphone schnell lokal zu sichern.

Das ergibt beispielsweise dann Sinn, wenn man die Videos von Drohne oder Action-Cam sowieso schon auf dem Smartphone hat und einen zusätzlichen Backup-Ort unterwegs möchte. Leider ist der Micro-USB-Anschluss nur zum Laden des internen Akkus da, ein direkter Datenzugriff vom PC aus ist nicht möglich.

Wer es ernst meint, der muss etwas tiefer in die Tasche greifen. Dann bekommt man von Lacie ein sogenanntes Boss-Laufwerk. Boss steht nicht für irgendwelche Deutschrapper, sondern für Backup On Set Solution. Der Vorteil dieser Laufwerke: In der Hülle steckt eine SSD oder HDD samt der notwendigen Intelligenz, um direkt vor Ort Daten zu sichern. Dazu kommt eine Powerbank, die nicht nur die Festplatte am Laufen hält, sondern auch externe Geräte wie Smartphones laden kann (für die es wiederum Apps für die Festplatte gibt).

Lacie hat die Festplatte in zwei Varianten im Angebot. Die günstige Lacie DJI Copilot bietet eine 2-TByte-HDD, die gegen Stöße geschützt ist. Wer statt Grau lieber ein poppiges Orange möchte, der kann zur 1 TByte großen Rugged SSD greifen - die aber doppelt so teuer ist. Beide Produkte bieten einen dreijährigen Data-Rescue-Dienst sowie eine einmonatige kostenlose Mitgliedschaft in der Adobe Cloud.

Lacie Rugged BOSS: Backup (12 Bilder)

Backup mit der Lacie Rugged BOSS SSD

Im Test hat uns die Geschwindigkeit der Lacie Rugged Boss SSD gut gefallen. Eine Micro-SD-Karte mit 16,9 GByte Fotos hat das Gerät in knapp 7:30 Minuten gesichert. Die Festplatte ist dabei so schlau, dass sie anschließend nur noch inkrementelle Backups fährt. Alle Arbeitsschritte werden über einen einzigen Taster an der Front gesteuert, über ein integriertes Display wird man über den Fortschritt oder Daten wie Akkuladung und freiem Speicherplatz informiert. Die Daten landen sauber sortiert nach Ordnern auf der Festplatte, die sich per Lightning, USB-A oder USB-C an Mac oder PC auslesen lässt.

Ein solides Mittelding zwischen Asus und Lacie ist die My Passport Wireless-Serie von WD (Testbericht). Diese sichert ebenfalls die Daten einer Speicherkarte, es fehlt aber die Option zur Datenrettung.

Die externe SSD-Karte besitzt neben dem Kartenleser ein WLAN, über das Smartphones dank der passenden App Fotos & Co. sichern können. Das geht automatisch, sobald sich SSD und Smartphone im gleichen WLAN befinden. Damit nicht genug, die Festplatte arbeitet zudem als DLNA-Server und stellt die Inhalte im LAN für Streaming zur Verfügung. Das ist nicht auf Fotos beschränkt, sondern funktioniert auch für Musik oder Videos. Und dank der integrierten Powerbank hat sie genügend Saft, um länger ohne Steckdose aktiv zu sein.

Eine günstigere Alternative für Bastler ist ein mobiles Backup-System auf Basis des Raspberry Pi. Es gibt im Web mehrere Anleitungen, eine aktiv entwickelte Lösung ist die Little Backup Box. Die Idee dabei ist, dass der Raspberry Pi alle Daten einer angesteckten SD-Speicherkarte automatisch auf einen USB-Stick kopiert.

Das Projekt hat es inzwischen zu einem ansehnlichen Feature-Paket gebracht. Nicht nur gibt es verschiedene Backup-Modi (Manuell oder über ein integriertes Web-Interface), die Little Backup Box kann bei kompatiblen Kameras Bilder direkt im RAW-Format auf den USB-Stick übertragen, kommt mit mehreren SD-Karten zurecht oder zeigt die Daten in einem integrierten Webserver an.

Die Little Backup Box selbst ist recht flexibel, was die Teile-Auswahl angeht. Im Forum des Projekts basteln verschiedene Nutzer an Lösungen auf Basis eine Raspberry Pi Zero W. Wer mehr Geschwindigkeit möchte, sollte aber eher einen Raspberry Pi 4 nehmen. Dazu braucht man wie immer eine Micro-SD fürs Betriebssystem und die Skripte, einen Card-Reader für die Fotos, einen Datenspeicher sowie eine Powerbank, um genügend Strom unterwegs zu liefern. Wer Informationen zum Status möchte, der kann verschiedene Displays integrieren. Das Forum der Little Backup Box ist aktiv und eine gute Anlaufstelle für Fragen.

Offenbar ist das mobile Backup von SD-Karten eine sehr kleine Nische. Gut, oft hat man einen Laptop dabei, um Daten wegzusichern. Oder man nutzt einfach mehrere SD-Speicherkarten und verteilt das Risiko eines Datenverlustes entsprechend. Dennoch, wer Fotos zumindest semi-professionell macht, der sollte sich die Investition in eine fertige Lösung oder zumindest den Bau einer Litle Backup Box überlegen.

Letztere dürfte selbst mit einem großen USB-Stick weniger als 100 Euro kosten. Das TravelairAC dagegen ist eine nette Spielerei. Es ist nicht dazu gedacht, mit den großen Backup-Lösungen mitzuhalten, kann aber unterwegs durchaus praktisch sein.

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