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Flip, Slideout und Popup: Handy-Kameras im Überblick

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Vorne eine Kamera, hinten eine Kamera – diese Zeiten sind längst vorbei. Wir stellen die ausgefallensten mechanischen Kameras in aktuellen Smartphones vor.

Der Trend bei Smartphone-Kameras geht klar zu immer mehr Linsen. Aber es gibt aktuell auch noch eine andere Entwicklung: mechanisch ausfahrbare Kameras. Was wegen potentieller Fehleranfälligkeit für einige Kaufinteressenten ein NoGo darstellt, ist für andere ein absoluter Kaufgrund. Zu recht, denn die motorisch ausfahr- und/oder ausklappbaren Kameras sehen in Aktion nicht nur cool aus, sondern bieten auch Vorteile.

Grundsätzlich gibt es zwei unterschiedliche Herangehensweisen: Entweder wird die Hauptkamera gleichzeitig zur Frontkamera gemacht oder die Frontkamera ist zwar wie sonst auch als separate Kamera vorhanden, wird aber nur bei Bedarf ausgefahren.

Der Hauptvorteil im ersten Fall liegt auf der Hand: Während Frontkameras qualitativ normalerweise hinter den Hauptkameras auf der Rückseite hinterherhinken, wird die Hauptkamera plötzlich zur Frontkamera und verspricht gleiche Qualität für Selfies und sonstige Fotos. Hinzu kommt durch den Verzicht auf eine dedizierte Frontkamera der Wegfall einer Notch, wodurch noch mehr Platz für das Display bleibt. Zwar muss der Hersteller einen mechanischen Ausfahr- oder Kippmechanismus implementieren, im Gegenzug entfällt aber die Komponente Frontkamera komplett. Im zweiten Fall erreicht der Hersteller durch eine nur bei Bedarf ausfahrbare Frontkamera vor allem die Möglichkeit, ebenfalls auf eine Notch im Display zu verzichten.

In der jüngsten Vergangenheit haben Hersteller zwei unterschiedliche Herangehensweisen demonstriert, wie Nutzer die Hauptkamera auch als Frontkamera nutzen können. Beim Asus Zenfone 6 (Testbericht) sitzt die Dualkamera mit 48 und 13 Megapixel wie gewohnt auf der Rückseite. Bei Bedarf schwenkt die komplette Kameraeinheit samt doppeltem LED-Blitz mittels eines Schrittmotors nach vorn, dann steht die eigentliche Hauptkamera mit Normal- und Weitwinkel für Selfies zur Verfügung. Da der Schrittmotor die Kamera in jeder gewünschten Stellung zwischen ganz ein- und ganz ausgefahren positionieren kann, sind auch dann bequeme Fotos möglich, wo sonst nur mit Verrenkungen geknipst werden könnte. Für eine Interviewsituation lässt sich die Kamera etwa 70 bis 90 Grad abwinkeln, während das Smartphone sicher mit dem Display auf dem Tisch liegt. Im Querformat erlaubt der Schrittmotor außerdem Panoramaaufnahmen ohne das Smartphone zu bewegen – das erledigt der motorisierte Schwenkmechanismus automatisch.

Hauptkamera als Frontkamera bei Samsung Galaxy A80 (li.) und Asus Zenfone 6.

Samsung schlägt beim Galaxy A80 (Testbericht) einen anderen Weg ein. Der Hersteller setzt ebenfalls auf eine horizontal positionierte Kameraeinheit. Sie besteht aus 48-Megapixler, 8 Megapixler und ToF-Kamera (Time of Flight), die im Normalzustand wie eine ganz normale, fest installierte Linseneinheit aussieht. Sie ist ganz am Gehäuserand untergebracht. Im Bedarfsfall fährt das ganze Gehäuseoberteil samt Kameras wie bei einem Slider fast zwei Zentimeter motorisch nach oben, anschließend dreht sich die Kameraeinheit 180 Grad um seine Längsachse. Zurück in seinen Ursprungszustand gelangen Kamera und Slider-Mechanismus in umgekehrter Reihenfolge.

Xiaomi hat sich beim Mi 9T Pro (Testbericht) und beim Mi 9T (Testbericht) für einen anderen Ansatz entschieden. Das Unternehmen installiert eine feststehende Hauptkamera auf der Rückseite, zusätzlich kommt eine motorisch ausfahrbare Frontkamera zum Einsatz. Die Stelle, an der die Frontkamera in den Rahmen des Smartphones gefahren wurde, erinnert bestenfalls an einen etwas zu pummeligen SIM-Schlitten und fällt nur bei genauem Hinsehen auf. Das Ausfahren der quadratischen Frontkameravorrichtung in Daumennagel-Größe zelebriert Xiaomi bei den beiden Modellen mit LED-Beleuchtung in Gehäusefarbe und einstellbaren Sounds als Erlebnis – schick.

Popup-Frontkamera bei Xiaomi Mi 9T und Mi 9T Pro.

Am günstigsten beginnt der Spaß mit motorisch ausfahr-, schieb- oder umklappbarer Kamera mit dem Xiaomi Mi 9T ab 299 Euro. Für die klar stärkere Pro-Version müssen Interessenten derzeit rund 100 Euro mehr auf den Tisch legen. Noch einmal 80 Euro mehr, also insgesamt ab 379 Euro, kostet das Samsung Galaxy A80. Den Spitzenreiter bildet das Asus Zenfone 6 für aktuell ab etwa 559 Euro.

Xiaomi Mi 9T  64GB carbon black

Xiaomi Mi 9T

Xiaomi Mi 9T Pro 128GB/6GB carbon black

Xiaomi Mi 9T Pro

Samsung Galaxy A80 Duos A805F/DS phantom black

Samsung Galaxy A80

ASUS ZenFone 6 ZS630KL 128GB midnight black

Asus Zenfone 6

Eines ist allen motorisch ausfahrbaren Kameras gemein: der große Auftritt. Denn die aufgezählten Smartphones heben sich von der Masse ab, das zieht zwangsläufig Blicke auf sich – vor allem, wenn der Ausfahrvorgang dann auch noch optisch und akustisch so schön wie bei Xiaomis Mi 9T (Testbericht) und Mi 9T Pro (Testbericht) in Szene gesetzt wird. Mindestens einen Vorteil bieten alle Varianten: Auf eine Notch können die Hersteller verzichten. Bei Samsung Galaxy A80 (Testbericht) und Asus Zenfone 6 (Testbericht) werden Selfies außerdem besonders hochwertig, da sie mit der Hauptkamera geknipst werden. Ein Nachteil ist theoretisch die hinzugekommene Mechanik und Motorisierung. Hier versprechen Hersteller wie Xiaomi zwar, dass die beweglichen Komponeten ein komplettes Handyleben durchhalten, doch das wird Zweifler wohl nur bedingt beruhigen. Das gilt vermutlich auch für das Versprechen, dass sich alle drei Kameraarten bei einem Sturz blitzschnell wieder in ihre Ausgangspositionen zurückziehen sollen.

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