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Drohnen: FPV-Simulatoren zum Einsteigen und Trainieren

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Drohnen-Rennen und Freestyle-Sessions sind auch bei schlechtem Wetter und Zeiten der Ausgangsbeschränkungen möglich. Techstage zeigt, welche Möglichkeiten es gibt und was benötigt wird.

Beim Thema Drohnen denken die meisten an Militärgerät oder fliegende Kameras. Kompakte Multicopter mit stabilisierten Videokameras (Bestenliste) sind manchen Freizeitpiloten allerdings zu langweilig. Für jene Klientel bietet sich First-Person-View-Drohnen (FPV) mit Livebild per Videobrille an. Mehr zum Thema findet sich in unserem Ratgeber FPV.

Modellflug-Simulatoren für Drohnen haben verschiedene Vorteile. Zum einen sind sie vollkommen zeit- und ortsunabhängig. Anders als beim echten Drohnenflug spielen Ausgangsbeschränkungen, Wetter und Uhrzeit keine Rolle. Auch Flugverbotszonen sind für die virtuelle Flugerfahrung unerheblich. Trainingseinheiten sind dank Simulator immer und überall möglich.

Der zweite Aspekt, insbesondere für FPV-Einsteiger, ist der niedrige Preis. Während vernünftige FPV-Ausrüstungen 800 bis 1200 Euro kosten, liegt der Einstieg für die Simulation bei unter 100 Euro – zumindest dann, wenn man einen für die Software ausreichend konfigurierten Rechner zu Hause hat. Wer sich gerne mal als Drohnenpilot versuchen möchte, schafft mit der Simulation den günstigen Einstieg in die Materie.

Anbei ein Video einer Multiplayer-Trainingssession aus der Simulation Velocidrone.

In den letzten Jahren hat sich im Bereich der FPV-Simulatoren viel getan. Die in immer größerer Anzahl verfügbaren Programme bieten mittlerweile eine ordentliche bis sehr gute Performance. Das Fluggefühl der Simulatoren ist überwiegend realistisch und so eignen sie sich gut, um grundlegende Flugmanöver und festgelegte Bewegungsabläufe zu trainieren. Um die Steuerbefehle aufeinander abzustimmen und sie zeitlich perfekt zu koordinieren, ist das Fliegen am PC sogar besser als die Realität. Erfahrungsgemäß passieren bei der Einübung neuer Manöver die meisten Fehler. Dies ist am Rechner deutlich weniger ärgerlich und kostenintensiv.

An die Realität auf dem Flugfeld kommt die virtuelle Fliegerei zwar noch nicht ganz heran, sie ist aber nah dran. So eignen sich Übungsstunden am PC für Anfänger und Profis gleichermaßen. Anfänger, die zuerst am Simulator geübt haben, tun sich bei den ersten echten Flügen deutlich leichter als völlig unerfahrene Piloten. Fortgeschrittene können ihre Manöver am PC gefahrlos einstudieren und sich so teure Crashs ersparen. Auch zum Einstudieren von Rennstrecken und deren Ideallinie ist die Software gut geeignet. Wer seine eigene Heimstrecke am Rechner trainieren will, kann diese beispielsweise im Simulator Liftoff mit einem Track-Editor nachbauen.

Ein Screenshot aus dem Liftoff-Simulator.

Neben der Möglichkeit frei zu fliegen und zu trainieren, bieten die Programme auch Rennen auf Zeit. Diese sind, selbst für geübte Drohnenpiloten anfänglich etwas frustrierend. Das liegt vor allem daran, dass jeder Quadrocopter unterschiedliche Flugeigenschaften aufweist und man sich erst an sein neues Fluggerät gewöhnen muss. Wer sich reinkniet und dranbleibt, wird schnell Erfolge sehen und die Flugzeiten von Runde zu Runde verbessern. Wer wissen will, wie gut die eigene Flugperformance tatsächlich ist, kann beispielsweise in Velocidrone oder den offiziellen Programmen der DCL (Drone Champions League) und DRL (Drone Racing League) im Multiplayer-Modus gegen andere Piloten antreten.

Das Video aus der DRL-Simulation zeigt eindrucksvoll, dass beim virtuellen Training auch Spots beflogen werden, die im Real-Life absolut tabu wären.

Um FPV-Simulatoren zu nutzen, reicht theoretisch ein Smartphone. Die Realitätsnähe und Grafik der Apps halten allerdings nicht annähernd mit den Programmen für PC oder Mac mit. Wer lediglich mal ausprobieren möchte, wie die Steuerung einer Drohne grundsätzlich funktioniert, kann dies hier meist kostenlos tun. Wirklich lange Freude und Realitätsnähe bieten die Apps aber nicht. Für vernünftige Simulationen braucht es zwingend einen PC oder Mac. Dass solche spieletauglichen Rechner nicht zwingend teuer sein müssen, zeigt unser Ratgeber VR-PC selber bauen.

Für ein möglichst realistisches Flugerlebnis kommt zur Steuerung ein RC-Sender (Fernsteuerung) zum Einsatz. Theoretisch funktionieren auch andere Eingabemethoden wie Gamepad oder Tastatur und Maus. Ist noch kein RC-Sender vorhanden, bieten sich günstige USB-Fernsteuerungen (Ebay)(Amazon) an. Diese kosten etwa 30 Euro und bieten ein realistisches Steuergefühl. Allerdings funktionieren sie nur am Computer und wer sie für den Einstieg in die echte Modellfliegerei verwenden will, braucht irgendwann einen echten Sender.

Die Minimalkonfiguration aus Rechner und Sender kostet nicht viel und ist für gelegentliche Trainingsessions ausreichend.

Zur Nutzung einer RC-Fernsteuerung gibt es verschiedene Ansätze. Ältere Sender werden mittels eines Adapters an den USB-Port des Rechners verbunden. Dafür gibt es sowohl kabellose als auch kabelgebundene Lösungen. Wer seinen vorhandenen Handsender nutzen will, muss unbedingt auf die Kompatibilität des Adapters achten.

Aktuelle Sendergenerationen, wie die Modelle Jumper T16 (Ebay)(Amazon) oder Taranis X-Lite (Ebay)(Amazon) sind bereits ab Werk mit einem USB-Port ausgestattet. Sie werden bequem per Kabel angeschlossen und benötigen keine zusätzliche Hardware. Mit Preisen ab 170 Euro sind sie zwar um ein Vielfaches teurer als USB-Sender, dafür funktionieren sie eben auch mit echten Drohen und bieten so einen sehr guten Einstieg in die Fliegerei. Der T16-Sender hat ein Multiprotokol-Modul verbaut. Das bedeutet, er ist mit Multicoptern mit unterschiedlichen Empfängern kompatibel. Die Empfänger der Quadrocoptern müssen üblicherweise immer kompatibel zum eingesetzten Sender sein. Hier sind Multiprotikol-User klar im Vorteil.

Das i-Tüpfelchen in Sachen Immersion beim FPV-Simulator ist die Nutzung einer Videobrille statt des Monitors. Wer eine vernünftige Lösung ohne Bastelei haben will, muss hier allerdings tief in die Tasche greifen. Echte FPV-Videobrillen mit HDMI-Eingang sind teuer und kosten mindestens fünf- bis sechhundert Euro. Selbst wer mit einer älteren Brille und einem HDMI-auf-AV-Adapter arbeitet, muss mehrere Hundert Euro investieren. Bei der Nutzung von solchen Signalwandlern tritt zudem häufig eine Latenz auf, was beim FPV-Racen nicht gerade von Vorteil ist. Wer nicht schon eine FPV-Brille hat, sollte sich gut überlegen, ob er dieses Geld tatsächlich investieren will.

Dank günstiger Videobrille kann der Nachwuchs gefahrlos und sehr realistisch üben.

Doch auch hier gibt es eine erfahrungsgemäß sehr gute Low-Budget-Lösung. Diese funktioniert zwar nur am Rechner, ähnlich wie der USB-Sender, aber das FPV-Feeling transportiert sie auf jeden Fall absolut realitätsnah. Die Rede ist von einfachen Videobrillen mit HMDI-Eingang. Wir haben hier ein echtes Schnäppchen entdeckt: Die FPV-Brille Skyview von Yuneec (Ebay)(Amazon) ist für unter 50 Euro erhältlich. Die Brille hat HD-Auflösung (720 x 1280 Pixel) und einen integrierten Akku mit einer Laufzeit von über zweieinhalb Stunden. Das Bild der Skyview ist wirklich gut. So eignet sich die Brille beispielsweise auch zum Ansehen von Videos am Smartphone. Für einen wirklich bequemen Sitz würden wir die Skyzone allerdings zusätzlich um die Nase herum auspolstern.

Hier eine kurze Übersicht der aus unserer Sicht derzeit besten FPV-Simulatoren. Wir haben sie alle ausprobiert und sind gut damit zurechtgekommen. Einen klaren Testsieger können wir aber nicht bieten. Keine Software kann in allen Punkten überzeugen. Einige Programme punkten mit schöner Grafik, andere mit originalen Rennstrecken oder besonders guter Spielephysik. Unsere persönlichen Favoriten sind derzeit die Simulatoren Velocidrone und DRL Simulator.

Selbst die beste Simulation kann natürlich nicht mit dem echten Feeling beim Fliegen mithalten. Die Crashs, das Surren der Motoren und die Glücksgefühle bei geglückten Manövern sind in der Realität einfach intensiver als in der Simulation. Einsteiger, die irgendwann den Schritt von Simulation in die Wirklichkeit wagen wollen, müssen dafür keine Unsummen für teure Profi-Drohnen und Hochleistungsakkus investieren. Der günstigste Einstieg gelingt mit sogenannten Homeracern. Das sind kleine Mini-FPV-Drohnen für die Verwendung in den eigenen vier Wänden oder dem Vorgarten. Die Stubenflitzer gibt es mit den schwächeren Bürstenmotoren als auch mit kraftvollen Bürstenmotoren. Für die ersten Indoor-Flugversuche raten wir Einsteigern zur zahmeren und günstigeren Variante. Im Test hat beispielsweise der Blade Inductrix FPV (Testbericht) gut abgeschnitten. Das RTF-Set beinhaltet allerdings einen absoluten Einsteiger-Sender, der sich nur bedingt zum Simulator-Flug oder gar zur Verwendung mit größeren und kraftvolleren Drohnen eignet. Statt einer Videobrille ist im Set ein kleiner Monitor enthalten. Wer einen Spektrum-Sender nutzt, bekommt den Inductrix imerhin auch einzeln. Andere Senderprotokolle unterstützen beispielsweise die Flitzer von Beta FPV. Der Hersteller bietet Modelle mit Bürstenmotoren und Varianten mit Brushless-Antrieb.

Wer sich am Simulator sicher fühlt, kann kostengünstig mit kleinen Homeracern ins Hobby einsteigen.

Fortgeschrittene und Profis können auch diese starken Brushless-Modelle, wie den UK65 (Testbericht) auf engstem Raum fliegen. Aufgrund der guten Performance machen diese Modelle auch geübten Piloten viel Spaß.

Anbei exemplarisch einige geeignete Artikel für Einsteiger:

FPV-Fliegen am Simulator macht Spaß, kostet nicht viel und bietet sowohl für Einsteiger als auch für Fortgeschrittene Piloten eine sehr gute Trainingsmöglichkeit. Um schlechtes Wetter, beschränkte Ausgangsbestimmungen und Langeweile zu bekämpfen sind sie ebenso gut geeignet, wie zum Einstudieren von Bewegungsabläufen für den echten FPV-Flug. Welche Simulationssoftware zum Einsatz kommt, hängt in erster Linie von den persönlichen Vorlieben ab. Die Programme DCL, DRL oder Velocidrone sind beispielsweise alle gleichermaßen gut für Trainingszwecke geeignet.

Für Einsteiger, die sich nicht sicher sind, ob das Hobby das Richtige für sie ist, stellen USB-Sender (Ebay)(Amazon) den günstigsten Einstieg dar. Wer bereit ist in eine echte Fernsteuerung zu investieren, sollte unbedingt ein Modell mit integriertem USB-Port kaufen. Richtige FPV-Brillen mit HDMI-Eingang sprengen gerade bei jungen Leuten schnell das verfügbare Budget. Wer für den Anfang sowieso nur am PC trainieren will, für den lohnt sich die Anschaffung einer günstigen Videobrille wie der Skyview von Yuneec (Ebay)(Amazon).

Wer bereits eine FPV-Ausrüstung besitzt, kann seine Skills am PC gefahrlos trainieren. Bei Sendern ohne USB-Port sind die kabellosen Adapter am bequemsten. Brillen ohne HDMI-In am Rechner zu nutzen ist zwar möglich, aber nicht ideal. Die benötigten HDMI-Adapter sind nicht völlig latenzfrei und somit nur bedingt geeignet. Auch hier lohnt sich bei häufiger Nutzung des Simulators der Kauf einer Videobrille oder das deutlich teurere Update auf eine moderne FPV-Brille.

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