TechStage
Logo Qwant

Ein Angebot von

Digitaler Türspion: Türkamera und Display statt Guckloch

von  // 

Den klassischen Türspion mit einer Kamera aufzurüsten, ist in wenigen Minuten erledigt. Wir zeigen, ob und wann sich Türkameras lohnen.

Um zu sehen, wer gerade vor der Tür steht, haben die meisten Wohnungstüren einen. Wer seine Tür digital überwachen will, kann zudem smarte Türklingeln (Kaufberatung) und Überwachungskameras (Themenseite) einsetzen oder die Eingangsbeleuchtung mit einer Lampe mit integrierter WLAN-Kamera (Vergleichstest) austauschen. Bei Mietwohnungen kommen diese Lösungen aus baulichen Gründen und den Hausvorschriften häufig nicht in Betracht. Wer nach einer Lösung für das Problem sucht, stößt auf digitale Türspione.

Digitale Türspione ersetzen in erster Linie den klassischen Türspion. Statt eines kleinen Gucklochs in der Tür kommt eine kleine Kamera mit Monitor zum Einsatz. Die Stromversorgung von Bildschirm und Kamera übernehmen Akkus oder Batterien. Nur bei wenigen Ausnahmen ist ein Netzteil erforderlich. Statt sich direkt mit dem Gesicht an die Tür stellen zu müssen, reicht nun ein Knopfdruck und das Geschehen vor den eigenen vier Wänden erscheint auf dem Monitor.

Die digitale Version des Türspions ersetzt das klassische Guckloch durch einen Monitor.

Das ist bequem und gerade für Personen mit Gehhilfe ein echter Vorteil, doch die digitale Version des Türspions kann häufig noch mehr. So ist beispielsweise bei den meisten Modellen eine Nachtsichtfunkton integriert. Diese erlaubt auch bei völliger Dunkelheit den Blick vor die Tür.

Wer regelmäßig seltsame Besucher vor der Türe stehen hat, kann zudem häufig auf eine integrierte Aufnahmefunktion zurückgreifen. Diese zeichnet das Geschehen per Knopfdruck auf eine Micro-SD-Speicherkarte auf. Erst in höheren Preisregionen ist ein Bewegungsmelder neben der kleinen Kameralinse eingebaut, der die Aufnahmen automatisch startet und das Livebild am Monitor startet.

Wer auch fernab der Haustür einen Blick durch den Türspion werfen will, bekommt die Türkameras auch mit integrierter WLAN-Funktion. Die Funktion ermöglicht die Überwachung auch dann, wenn man beispielsweise schlecht zu Fuß oder gar nicht zu Hause ist.

Viele der günstigen digitalen No-Name-Türspionen haben zudem eine Klingelfunktion. Der Klingeltaster sitzt in solchen Fällen direkt unter der Kameraeinheit.

Dieser Türspion hat eine Klingelfunktion integriert.

Der Einbau der digitalen Türspione ist unkompliziert und mit wenig Aufwand verbunden. Zuerst kommt die Demontage des alten analogen Türspions. Dieser besteht letztlich aus einer Fischaugen-Linse und einem Sichttunnel, der auf der Innenseite der Türe gekontert und fixiert ist.

Zurück bleibt nur ein Loch in der Tür. In dieses kommt von der Außenseite die Linse mit dem Kabel und dem Tubus. Um die Kameraeinheit gegen versehentliches Verdrehen beim Einbau zu sichern, kommt doppelseitiges Klebeband zum Einsatz. Nach dem Einstecken und festkleben des Moduls folgt die Montage der Monitor-Halterung an die Reihe. Diese wird von der Türinnenseite zweifach mit dem Tubus der Außenkamera verschraubt und ebenfalls mit doppelseitigem Klebeband fixiert. Je nach Dicke der Tür kommen dazu unterschiedliche Schrauben des Lieferumfangs zum Einsatz. Wer eine sehr dünne oder sehr dicke Türe benutzt, sollte darauf achten. Nicht alle Türspione sind für alle Türdicken geeignet.

Als letztes folgt das Einstecken des Kamerakabels auf der Monitorrückseite und das Einschieben des Bildschirms in die Halterung. Theoretisch ist der digitale Türspion nun einsatzbereit.

Wer ein Modell mit WLAN-Funktion nutzt, muss zudem die App des Herstellers auf Smartphone oder Tablet installieren und die Kamera anmelden. Gerade bei günstigen No-Name-Türspionen würden wir aus datenschutzrechtlichen Gründen allerdings tendenziell auf diese Funktion verzichten. Werden die Kameradaten über einen unbekannten chinesischen Cloudservice weitergeleitet, sollte man vorsichtig sein. Diese Bedenken haben wir beispielsweise auch beim Test der Security-Kamera Kami (Testbericht) gehabt.

Bei unserem Modell, der Wireless Peephole Video Doorbell, ist der Tubus der Kameraeinheit gut eineinhalb Millimeter breiter als bei unserem alten Türspion. Um ihn einzusetzen, braucht es zunächst eine Vergrößerung des Sichttunnels. In unserem Fall nutzen wir dazu einen 16er-Bohrer. Für den alten analogen Türspion reichte bereits ein kleiner 13er-Bohrer. Bei der eigenen Tür ist das problemlos möglich. Bei Mietwohnungen und Häusern sollte so ein Schritt allerdings erst mit den Eigentümern abgesprochen werden.

Nach der Montage des Monitors fällt uns auf, dass der integrierte Akku ist natürlich leer ist. Um ich zu laden brauchen wir ein Micro-USB-Kabel und eine Stromquelle. Das klingt einfach, ist es aber nur mit passender Ausstattung möglich. Wer keine Steckdose neben der Tür hat, muss den Monitor entweder schon wieder von der Kamera trennen und in einem anderen Zimmer aufladen oder eine Powerbank benutzen. Wir benutzen eine USB-Powerbank und ein eigenes Kabel. Das beigelegte Kabel ist für unser Vorhaben mit nur 30 Zentimetern viel zu kurz.

Die Nachtsichtfunktion ist praktisch. Leider ist der Sichtwinkel zu gering – das Kind vor der Tür ist nicht zu sehen.

Nach dem Aufladen und Einschalten des Monitors funktioniert der digitale Türspion auf Anhieb. Um zu sehen, was sich vor der Türe tut, reicht ein kurzer Druck auf den Taster des Bildschirms. Der Monitor springt an und zeigt ein erfreulich scharfes und ordentlich aufgelöstes Kamerabild – auch bei völliger Dunkelheit. Das Problem ist der zu kleine Sichtwinkel von 135 Grad – kleine Kinder sind auf dem Monitor gar nicht zu erkennen. Eine niedrige Montage ist hier auch nicht hilfreich, da wir von größeren Personen lediglich den Brustkorb oder Bauch sehen würden. Schade, für Kinder oder Rollstuhlfahrer ist der Monitor also keine Hilfe. Smarte Türklingeln wie die Ring-Serie (Themenübersicht) haben einen deutlich größeren FOV (Field of View, Sichtwinkel) und fangen das komplette Geschehen vor der Türe ein.

Die integrierte Klingel funktioniert. Nach Druck auf den Taster unterhalb der Kameraeinheit springt der Monitor für etwa 30 Sekunden an und spielt eine mehrsekündige Melodie ab. Der Klingelton ist für kleine Wohnungen ausreichend laut. In einer großen Wohnung oder einem Haus ist die Melodie allerdings nur in unmittelbarer Nähe zur Klingel zu hören. Ein echter Ersatz für die Türklingel ist die Türspion-Klingel nicht. Zumindest falls Kinder zu Besuch kommen. Denn die erreichen den Klingelknopf erst gar nicht.

Die Kamera der neben der Tür installierten smarten Türklingel ist deutlich weitwinkliger. Hier ist das komplette Geschehen zu erkennen.

Der Versuch unseren No-Name-Türspion per App mit dem Smartphone zu verbinden, scheitert kläglich. Trotz mehrerer Versuche mit unterschiedlichen Android-Geräten und Abschalten des 5 GHz WLANs kommt keine Verbindung zustande. Schade, denn diese Funktion hätte einen echten Mehrwert gebracht – zumindest, wenn man Datenschutzrechtliche Bedenken ausblendet.

Wireless Peephole Video Doorbell

Wireless Peephole Video Doorbell

ABUS Security-Center TVAC80000A, Türspion

Digitaler Türspion Abus

(Kein Produktbild vorhanden)

Digitaler Türspion

(Kein Produktbild vorhanden)

Digitaler Türspion

Digitaler Türspion

Digitaler Türspion

Digitaler Türspion

Digitaler Türspion Abus

Digitale Türspione sind nicht teuer und der Einbau ist unkompliziert – zumindest wenn bereits ein Guckloch in der Tür vorhanden ist. Die Vorteile gegenüber einem klassischen Türspion sind die Nachtsichtfunktion und die Tatsache, dass man nicht direkt an die Tür herantreten muss. Dies ist insbesondere für Personen mit Gehhilfe praktisch. Die Installation ist vor allem dann sinnvoll, wenn weder Security-Kamera noch Smarte-Türklingel genutzt werden dürfen (Mietswohnungen).

Die Nachteile sind die teils zu kleinen Sichtwinkel und die umständliche Stromversorgung der Monitoreinheit. Ein Rückbau auf den klassischen Türspion ist nur möglich, wenn das Loch in der Tür nicht zusätzlich aufgebohrt werden muss. Als Türklingelersatz sind die Türspione wegen der Montagehöhe nur bedingt geeignet.

Von den günstigen Modellen mit WLAN sollte man Abstand nehmen. Zum einen ist es ein Glücksspiel, ob eine Verbindung zustande kommt, zum anderen landen die Daten in einer nicht vertrauenswürdigen Hersteller-Cloud. Wer die Funktion braucht, sollte unbedingt ein Markenprodukt kaufen.

Wer die Möglichkeit hat eine Außenleuchte mit Kamera (Testbericht Abus Licht-Kamera) oder eine smarte Türklingel, wie die ACME Doorbell (Testbericht), zu montieren, sollte diese Varianten dem digitalen Türspion vorziehen. Die Überwachungsmöglichkeiten sind dank des besseren Sichtwinkels denen der Türloch-Kamera deutlich überlegen.

Ähnliche Artikel auf TechStage

Einloggen, um Kommentare zu schreiben

Anzeige