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DJI Mavic Mini & Air 2: Perfekte Sicht dank Videobrille für 80€

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Drohnen per Videobrille zu fliegen ist bei DJI nur für die teuren Modelle vorgesehen. TechStage zeigt, wie man die Funktion für unter 100 Euro auch mit DJI Mavic Mini oder DJI Mavic Air 2 nutzen kann.

Neben professionellen Video-Drohnen wie der Mavic-2-Serie (Testbericht) sind für private Nutzer vor allem die günstigen Einsteigermodelle Mavic Mini (Testbericht) und Mavic Air 2 (Testbericht) interessant. Leider ist es bei beiden Modellen aktuell nicht möglich, einen externen Monitor oder eine Videobrille anzuschließen. In heller Umgebung kann dies schnell zu Problemen führen, das Livebild ist auf dem Smartphone dann nämlich kaum noch zu erkennen.

Am einfachsten wäre die Nutzung einer Videobrille zusammen mit einem aktuellen Android-Tablet mit HDMI-Ausgang. Die Modelle mit aktuellem Betriebssystem haben die Schnittstelle allerdings nur noch sehr selten an Bord. Also haben wir nach anderen Möglichkeiten gesucht.

Für unsere ersten Versuche mit dem externen Monitor haben wir zunächst verschiedene USB-C-Hubs an das Smartphone angeschlossen. Die Hoffnung war, dass wir hier das Bildsignal per HDMI abgreifen und das Sendersignal per USB durchschleifen können. Doch das funktioniert nicht. Zwar wird das Videosignal an den Bildschirm übertragen, allerdings wird die Fernsteuerung nicht mehr erkannt. Schade, diese Lösung wäre einfach und günstig.

Als Nächstes haben wir es mit einem Wireless-Display-Dongle zur Bildübertragung versucht. Dieser wird üblicherweise genutzt, um Bildinhalte kabellos an Monitore mit HDMI-Eingang zu streamen. Im Gegensatz zum Fehlversuch mit dem USB-Hub überraschten uns die beiden getesteten Miracast-Dongle für etwa 20 bis 30 Euro positiv. Alles funktioniert!

Die beiden von uns getesteten Dongel stammen von den Herstellern Yenhua und Mirascreen.

Im Test nutzen wir eine DJI Mavic Air 2, ein Huawei P20 Pro, einen Noname-Miracast-Dongle und eine günstige HD-Videobrille von Yuneec. Da diese lediglich einen Micro-HDMI-Eingang besitzt, kommt außerdem ein entsprechender HDMI-Adapter zum Einsatz. Die Stromversorgung des WLAN-Dongles übernimmt eine kleine USB-Powerbank mit einer Kapazität von 5000 mAh. Die Brille ist mit einem internen Akku ausgestattet. So ist es möglich, drei bis vier Flüge mit der Brille zu bestreiten.

Unser Test-Setup.

Für ein besseres Handling befestigen wir Dongle, Adapter und Powerbank direkt an der Videobrille. Da die Komponenten nicht besonders schwer sind, fällt das Zusatzgewicht beim Tragen kaum auf. Im Vergleich zu reinen FPV-Brillen, ist die Yuneec-Brille allerdings verhältnismäßig klobig. Statt mit einer Brille klappt das Ganze natürlich auch mit einem externen Monitor mit HDMI-Eingang (Ratgeber). Für mobile Nutzung sollte dieser im Idealfall über einen eigenen Akku verfügen.

Nach dem Einschalten der Brille und dem Einstecken des Dongles in die Powerbank und den HDMI-Eingang wird zunächst die Verbindung zwischen Smartphone und Brille hergestellt. Die von uns genutzte App mit dem Namen Screen Mirror to TVs findet den Miracast-Dongle auf Anhieb. Ein Fingerzeig reicht aus und Sekunden später sind beide Geräte verbunden. Der Screen unseres Smartphones erscheint jetzt auf dem Monitor der Videobrille.

Nun starten wir Fernsteuerung, DJI-Fly-App und Drohne. Den ersten Flugversuch machen wir sicherheitshalber auf Sicht und überlassen die Videobrille unserem Spotter. Nachdem wir zwar einige kurze Ruckler festgestellt haben, die Verbindung an sich aber stabil ist, wagen wir selbst einen Flug. Das Fliegen der Mavic Air 2 per Videobrille klappt gut, der Blick durch die Brille ist gerade die ersten Minuten allerdings etwas gewöhnungsbedürftig. Deshalb ist es nicht nur gesetzlich vorgeschrieben, sondern auch äußerst sinnvoll, einen Spotter an der Seite zu haben.

Was sich von Anfang an zeigt, ist die hervorragende Bildqualität. Diese ist auf Smartphones zwar ebenfalls großartig, allerdings kommen die meisten Mobiltelefone wegen mangelnder Helligkeit oder starken Spiegelungen bei direktem Sonnenschein an Ihre Grenzen. Drohnen-Piloten suchen sich deshalb gerne Schattenplätzchen zum Steuern; wenn denn eines zur Verfügung steht.

Der HD-Monitor in der Yuneec-Brille hat ein klares, gestochen scharfes und angenehm helles Bild. Die Auflösung von 720×1280 Bildpunkten ist für diesen Zweck völlig ausreichend. Anders als beim Blick auf das Smartphone ist es frei von Spiegelungen - ein Traum! So ist endlich genau zu erkennen, was man gerade filmt und ob die aktuellen Einstellungen beispielsweise nicht überbelichtet sind.

Beim Tragen der Brille kommt es, anders als auf dem Foto, zu keinerlei Spiegelungen.

Als wir die Aufnahmeparameter ändern wollen und dafür die Brille abnehmen, sind wir zunächst leicht erschrocken. Das Display auf dem Smartphone ist schwarz und zeigt nichts an. Der Grund ist aber schnell gefunden: Die Energiesparfunktion ist angesprungen. Wir setzen die automatische Ausschaltzeit hoch und das Problem ist fortan gelöst.

Bei der Nutzung der Brille stellen wir sporadisch kurze Ruckler fest, sie treten normalerweise aber selten auf. Zudem kommt es bei der Übertragung zu einer minimalen, aber spürbaren Verzögerung. Diese liegt im Millisekundenbereich, was für eine Video-Drohne durchaus in Ordnung ist. Für sehr sportliche Manöver und Flüge in engen Innenräumen oder zwischen Hindernissen würden wir trotzdem den nahezu latenzfreien Smartphone-Bildschirm vorziehen.

Auch scheint die Verbindung zwischen Drohne und Fernsteuerung durch den Einsatz der Brille beeinflusst zu sein. Das merken wir daran, dass die Verbindung deutlich schneller einbricht, sobald sich Objekte zwischen Sender und Empfänger befinden. Bei direkter Sichtverbindung tritt das Problem nicht auf. Die Testflüge wurden bis zu einer Entfernung von circa 600 Metern durchgeführt. Ob deutlich weitere Distanzen ebenfalls funktionieren, dürfen wir aufgrund der Reglementierungen in der Drohnenverordnung nicht testen. Innerhalb des legalen Sichtradius funktioniert das System zuverlässig.

Die Einzelkomponenten sind mit selbstklebendem Klettband befestigt.

Ein weiterer Nachteil unserer Lösung ist, dass man trotz Brille regelmäßig auf das Smartphone zurückgreifen muss, um beispielsweise die Einstellungen in der App zu ändern. Hier sind Systeme wie die Parrot Anafi FPV oder die DJI Goggles für die Mavic-Pro-Serie (Testbericht) deutlich praktischer, da sie die Menüführung mit Tastern an der Brille ermöglichen.

Die hier gezeigten Produkte sind lediglich eine Beispielkonfiguration. Andere Miracst-Dongle, Adapter, Monitore und Videobrillen sollten ebenso funktionieren.

Die Möglichkeit, die Einsteiger-Drohnen DJI Mavic Mini (Testbericht) und Mavic Air 2 (Testbericht) mit einer Videobrille zu fliegen, ist extrem praktisch. Wer sich schon einmal über die starken Spiegelungen und die schlechte Erkennbarkeit auf dem Smartphone geärgert hat, wird die Funktion zu schätzen wissen. Aus unserer Sicht lohnt sich die Investition.

Die DIY-Lösung kann insgesamt nicht ganz mit professionellen Systemen mithalten – insbesondere was die Steuerungsmöglichkeiten angeht. Auf das Smartphone ist man trotz der Brille noch immer angewiesen. Hinsichtlich der Gesamtkosten ist diese Variante aber unschlagbar. Zwar wird es zukünftig auch mit der Mavic Air 2 möglich sein, den Smart Controller von DJI (Testbericht) mit seinem HDMI-Ausgang zu nutzen, allerdings ist nicht klar, wann das sein wird. Außerdem kostet der Controller aktuell über 600 Euro. Die Selbstbaulösung kommt zum Recherchezeitpunkt auf einen Preis von nur etwa 80 Euro.

Wer keine Lust auf Bastellösungen hat, braucht eine zu den DJI-Goggles kompatible Drohne oder beispielsweise das Konkurrenzprodukt, die Parrot Anafi (Testbericht). Diese ist seit einiger Zeit auch in einem FPV-Bundle mit passender Videobrille erhältlich. Wer zwar gerne mit Brille fliegt, aber auf GPS und stabilisierte Kamera verzichten kann, sollte sich unseren Ratgeber zum Thema FPV ansehen.

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