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Carrera Bahn, Hotwheels ID, Anki Overdrive im Vergleich

von  //   //  Erstveröffentlichung: Twitter

Die Carrera-Bahn trifft in unserem Vergleich auf die Herausforderer Anki Overdrive, Hotwheels ID und Drift Cars. Welches Rennspiel ist fit fürs 21. Jahrhundert?

Autos flitzen in teilweise wahnsinnigem Speed durchs Wohnzimmer, Drift-Künstler rutschen um Kurven im Kinderzimmer, andere nutzen virtuelle Waffen, um sich im Rennen einen Vorsprung zu verschaffen. Bei Autorennen gibt es eine riesige Bandbreite an Systemen, die sich teilweise stark auf Handys, Apps und virtuelle Gegenstände verlassen. Dem gegenüber steht die gute alte Carrera-Bahn, die sich in den letzten Jahren nur minimal verändert hat. Muss das ein Nachteil sein? Nein, wie unser Vergleich zeigt.

Für das Update unseres Vergleichstests nutzen wir Erfahrungen aus folgenden Einzeltests:

Wir haben uns bei der Auswahl bewusst nicht auf ein System, etwa Slot-Cars beschränkt. Stattdessen wollten wir uns einen breiten Überblick zu den aktuell verfügbaren Autorennspielen verschaffen.

Ein Hinweis gleich vorweg: Ja, Anki, der Hersteller des Anki-Overdrive-Systems ist insolvent. Das bedeutet aber nicht, dass die Rennbahn automatisch nicht mehr funktioniert, sondern sorgte vielmehr für einen massiven Preisverfall bei den Starter Kits. Wir haben das System in November 2019 erneut von Grund auf getestet und konnten ohne Einschränkung spielen. Allerdings besteht eine gewisse Gefahr, dass Anki die Apps aus den App-Stores von Google und Apple entfernt. Android-Nutzer können das per Side-Loading umgehen, Apple-Nutzer haben diese Möglichkeit nicht. Weitere Informationen gibt es im Artikel Anki Overdrive Fast & Furious Edition im Vollgas-Test.

Der Aufbau aller Rennbahnen ist durch die Bank einfach. Am schnellsten geht es bei den Drift Cars, hier braucht es nur eine glatte Fläche und die mitgelieferten Marker. Platz Zwei belegt das Set von Anki Overdrive. Dessen Streckenmatten halten magnetisch und lassen sich so schnell und einfach verlegen. Ebenfalls schnell geht der Aufbau der Hotwheels-Bahn. Man benötigt den Booster als Herzstück, den Rest der Bahn steckt man entweder nach Belieben zusammen oder folgt der Anweisung in der App.

Die Rennstrecke aus der Fast & Furious Edition von Anki Overdrive

Die Drift Cars und Anki Overdrive benötigen die App in jedem Fall, bei Hotwheels ID kann man die Autos auch komplett ohne App oder Strom um den Rundkurs schießen lassen. Bei den beiden anderen Systemen aktualisiert die App zunächst Autos und legt ein Profil für den Spieler an. Abhängig von der Internetgeschwindigkeit kann das länger dauern. Gerade beim Anki Overdrive hatten wir im Test zu Beginn Probleme, ein Multiplayer-Spiel stabil aufzubauen. Hier kommt es enorm auf das zur Verfügung stehende WLAN an, entsprechend sollte man auf eine gute Netzabdeckung achten. Ohne WLAN kein Rennen gegen andere Nutzer.

Das ist alles, was die Drift Cars als Strecke benötigen.

Die Carrera-Bahnen brauchen keine Apps, sind dafür beim Aufbau aufwändiger. Für die Mario-Kart-Edition der Carrera Go brauchten wir inklusive Steilkurve und Looping rund 30 Minuten, bis die Autos ihre ersten Runden flitzen. Bei der Carrera 132 sah es zunächst so aus, als wären wir schneller. Allerdings sollten die einzelnen Steckschienen mit einen bis vier zusätzlichen roten Plastikbalken unten fixiert werden. Das verhindert, dass die Bahn auseinandergeht. Dazu sind Kurven mit Banden sinnvoll. Die Begrenzung hält die Autos bei Drifts und schnelleren Kurvenfahrten auf der Schiene.

Die Carrera Go Mario Kart braucht etwas so viel Platz wie das Set von Anki Overdrive - dafür gibt es aber auch einen Looping.

Alles in Allem braucht es hier mit zwei Personen knapp eine Stunde, alleine sind es wahrscheinlich eher zwei, bis die Bahn aufgebaut, die Batterien in die kabellosen Controller eingesetzt und mit den jeweiligen Autos verbunden sind. Das Auseinanderziehen der Schienen ist etwas tückisch: Es braucht sanfte Gewalt, damit sich die Schienen lösen – zugleich darf man nicht verkanten, da sonst die Plastiknasen zwischen den Schienen brechen können.

Den meisten Platz braucht das Carrera 132 Set. Hier reicht der Tisch nicht mehr, der Boden muss herhalten.

Der Abbau der Drift Cars ist simpel genug, es reicht, die Autos und die Markierungen einzuräumen. Das Anki Overdrive ist dank magnetischer Platten ebenfalls schnell weggeräumt und verstaut. Die Hotwheels ID dauern etwas länger, sind aber deutlich einfacher auseinanderzuziehen als Carrera.

Herzstück der Hotwheels-ID-Bahn ist der Booster (oben), mit dem man die Autos mechanisch beschleunigt.

Wo die Carrera-Bahnen beim Aufbau das Schlusslicht waren, bei der Steuerung machen sie Boden gut. Die ist enorm einfach. Bei der Go-Variante wird über den Daumen am klassischen Handregler dosiert, wie schnell die Karts fahren. Hier tastet man sich an die Kurven heran und versucht dann, möglichst schnell durch Looping, Steilkurve und normale Strecke zu rasen. Der vordere Knopf für den Zeigefinger sorgt für einen zusätzlichen Schub. In der Realität haben wir damit sehr spaßige, aber wenig zielführende Abflüge in den Kurven erzielt.

Draufdrücken, losfahren. Einfacher als bei der Carrera Go geht es nicht.

Etwas taktischer fahren sich die großen Autos der Carrera 132. Die sind nicht nur schwer genug, um Kurven mit richtig dosiertem Schub sauber durchzudriften, der Zeigefingerknopf aktiviert auch zusätzlich die Weichen zum Schienenwechsel. Was zunächst simpel wirkt, ist im Rennen deutlich komplexer. Jede Kurve und jedes Auto hat einen etwas anderen Sweetspot, diesen zu finden, motiviert in jeder Runde neu.

Bei der Carrera 132 sind die Handregler kabellos. Sie müssen vorab geladen und mit dem Auto gekoppelt werden. Der Taster am Zeigefinger aktiviert die LED am Auto, mit der sich die Weichen aktivieren lassen.

Überraschenderweise kommt Hotwheels ID auf Rang Zwei. Das Beschleunigen der Autos über die Boost-Turbine wirkt zunächst sehr simpel, doch es braucht tatsächlich einiges an Fingerspitzengefühl, um die richtige Geschwindigkeit zu finden. Zu schnell und die Autos schießen über die Kurven aus der Fahrbahn, zu wenig und es reicht nicht mehr für den Looping.

Der Booster im Detail: Damit die Hotwheels-Autos nicht aus der Bahn schießen, braucht es Gefühl.

Bei Anki Overdrive fahren die Autos selbstständig. Der Spieler bestimmt die Geschwindigkeit und die Spur, auf der man fährt. Die Geschwindigkeit wird über das virtuelle Gaspedal auf dem Smartphone geregelt, der Spurwechsel erfolgt durchs Kippen des Smartphones. Ein simples System, auch wenn sich die Steuerung dadurch weniger direkt anfühlt als bei der Carrera-Bahn. Zusätzlich zum klassischen Rennen gibt es bei Anki Overdrive noch Waffen und Extras, die mit dem rechten Daumen auf dem Touchscreen aktiviert werden. Die getestete „Fast & Furious”-Edition besitzt zudem eine spezielle Schiene mit einem Hacking-Symbol, über das man andere Autos verlangsamen kann.

Solche Spielereien gibt es bei den Drift Cars nicht. Die Macher halten sich nach eigenen Angaben streng an den Maßstab, was leider auch für die maximale Geschwindigkeit gilt. Die Autos bewegen sich überraschend langsam über den gesetzten Parcours. Gesteuert wird auch hier per Fingertipp aufs virtuelle Gas und über das Kippen des Smartphones. Hier ist die Lernkurve relativ steil. Die ersten Fahrten hat man schnell raus. Bis man aber gepflegt um die Marker driftet und die Kurven perfekt nimmt, braucht es einiges an Übung.

Die App der Drift Cars ist am realistischsten. Gelenkt wird auch hier über das Kippen des Smartphones.

Die wichtigste Frage ist: Machts Spaß? Und wenn ja, wie lange? Am kürzesten waren wir mit der Carrera Go, Mario Kart Edition, beschäftigt. Ja, es ist lustig, sich an die Geschwindigkeiten heranzutasten. Fällt man aber gegenüber dem Gegner zurück, hat man nur wenig Chancen, ihn wieder einzuholen. Andere Modi als die normalen Rennen gibt es nicht.

Danach kommen die Drift Cars. Hier profitiert man, wenn man eher auf realistische Rennen denn auf überzogene Action steht. Es erfordert einiges an Gefühl, sich mit den Autos vertraut zu machen. Die Hersteller stecken viel Liebe ins Detail und liefern neben dem klassischen Rennen auch einen freien Drift-Modus. Zudem soll demnächst ein weiterer Modus folgen, der Tricks und Drifts belohnt. Profis sollten sich die Tuning-Funktionen in der App genauer ansehen. Es lassen sich zahlreiche Funktionen und Assistenten ab- oder anschalten, so dass man sich hier richtig reinfuchsen kann.

Auf Platz 3 kommt beim Langzeitspaß die Carrera 132. Allein der mögliche Fahrbahnwechsel sorgt für deutlich mehr Action als bei der kleinen Carrera. Dazu kommen einige sehr interessante Funktionen: Wer mehr Autos als Spieler hat, kann diese in einem Geistermodus und mit fester Geschwindigkeit über die Bahn fahren lassen. Damit entstehen bewegliche Hindernisse, die es geschickt zu umfahren gilt. Das hat uns im Test mit am meisten Spaß gemacht, da es etwas Ungewissheit ins Rennen bringt. Die Einstellungen sind ebenfalls relativ umfangreich. So lassen sich Brems- und Beschleunigungsverhalten bestimmen. Zudem gibt es über optionales Zubehör die Möglichkeit, den Autos einen virtuellen Tank samt Pit-Lane zu verpassen.

Davor schiebt sich Hotwheels ID. Über die App bekommt man zahlreiche Herausforderungen serviert, die man alleine oder mit anderen Spielern erfüllen kann. Das wird immer schwerer, je mehr man sich damit beschäftigt. Dazu kommt ein kostenloses Autorennspiel in der App, in dem man seine Hotwheels Autos tunen und gegen andere antreten kann. Ein fettes Minus gibt es aber für die In-App-Käufe. Gleich zwei virtuelle Währungen gibt es, die noch dazu nicht passend, sondern nur in Paketen verkauft werden. Das sorgte für eine massive Abwertung um 2 Einzelnoten.

Auf Platz 1 landet unserer Meinung nach noch immer Anki Overdrive. Das liegt nicht nur an den verschiedenen mitgelieferten Spielmodi. Auch alternative Fahrzeuge wie etwa die Supertrucks bringen Würze ins Spiel. Wenn man zu dritt darum kämpft, die Kontrolle über den Truck zu bekommen, dann wird das ziemlich spannend. Dazu kommt ein Belohnungssystem in der App. Mit jedem Rennen schaltet man Punkte frei, die sich in Upgrades für bestehende Waffen und Gadgets oder neue Ausrüstung investieren lassen. Das motiviert zusätzlich, gerade wenn man eine feste Renngruppe mit Freunden hat. Und das ganz ohne Microstransactions.

Vergleich Autorennspiele
System Anki Overdrive Carrera 132 Carrera Go Drift Cars Hotwheels ID
Hersteller Anki Carrera Carrera Sternenkind Hotwheels
Aufbau 10 Min 90 Min 30 Min 5 Min 10 Min
Lernkurve normal einfach einfach hoch einfach
App notwendig keine App keine App notwendig optional, liefert zusätzliche Herausforderungen
Spaß 🚗🚗🚗 🚗🚗🚗 🚗🚗 🚗🚗🚗 🚗🚗🚗
Langzeitmotivation 🚗🚗🚗 🚗🚗 🚗 🚗🚗 🚗🚗🚗
Modi Rennen, King of the Hill, Kampf, Story, Supertrucks Rennen, Rennen mit Geisterautos Rennen freier Drift, Rennen Abhängig vom Aufbau
Stromversorgung Akku über Schiene über Schiene Akku USB-C
Anmerkung Hersteller insolvent, App funktioniert aber noch Zahlreiche In-App-Käufe

Das günstigste Rennspiel ist derzeit Anki Overdrive. Die Fast & Furious Edition (die wir jedem empfehlen können) ist für knapp 50 Euro zu bekommen. Beide Starter Kits bringen zwei Fahrzeuge sowie eine Strecke samt Brücke mit. Wir empfehlen in jedem Fall noch die Investition in ein oder mehrere Fahrzeuge oder Supertrucks. Unserer Erfahrung nach sollte ein Auto mehr als Spieler vorhanden sein, dann kann man alle Modi voll ausschöpfen.

Danach folgt die Carrera Go Mario Kart Edition. Für knapp 80 Euro bekommt man eine ziemlich coole Strecke, inklusive Looping und Steilkurve. Alternativ gibt es noch günstigere Einstiegsmodelle, mit Carrera First gibt es einen klassischen Achter samt zwei Fahrzeugen für um die 25 Euro. Wir raten dennoch zur Go-Serie, da sich diese mit zusätzlichen Schienen wie einer Wippe, einer Engstelle oder einer Sprungschanze ausbauen lässt.

Die Drift-Cars liegen preislich da schon höher. Im Preisvergleich taucht das einzelne Fahrzeug inzwischen bei rund 180 Euro auf. Da raten wir eher, direkt bei Drift zu kaufen. In deren Store gibt es verschiedene Team-Packs mit zwei Fahrzeugen für 250 Euro. Wer eine Rennstrecke aufbauen möchte, dem empfehlen wir einen Blick auf die ausrollbaren Strecken von Roll-Rennstrecke, die für die Drift Cars entwickelt wurden. Ebenfalls interessant ist die Start-Ziel-Linie, mit der die Zeit automatisch gemessen wird.

Der Preis des Hotwheels-ID-Starterkit liegt aktuell bei knapp 120 Euro. Praktisch: Wer schon Hotwheels-Strecken hat, der kann sie mit dem ID Race Portal für knapp 20 Euro App-tauglich machen. Grundsätzlich lassen sich alle Hotwheels-Autos über die Strecken schicken, wer aber die App-Integration nutzen will, der brauch spezielle ID-Autos mit RFID-Chip. Diese kosten knapp 8 Euro.

Bei der Carrera 132 ist der Preis variabel, je nach gewähltem Set. Sie unterscheiden sich vor allem durch die Länge und die Anzahl der mitgelieferten Teile. Wir empfehlen ganz klar eine Strecke mit Weichen, nur dann kommt die Vorteile wirklich zur Geltung. Und man sollte etwas in den Sets recherchieren, da die Preise ziemlich wild schwanken. Das von uns getestet 80s-Flashback-Set ist inzwischen teurer als beim Test, das kennen wir sonst nur von High-End-Grafikkarten, die zum Bitcoin-Mining eingesetzt werden.

Die gute Nachricht für alle Slot-Car-Fans: Nur weil ein Rennspiel mit App ausgestattet ist, ist die Carrera Bahn noch lange nicht tot. Spaß machten uns alle vier Systeme.

Anki Overdrive: Fast & Furious (Testbericht) kommt dabei am ehesten an virtuelle Rennspiele wie Mario Kart oder Split/Second heran. Die Spielmodi bringen Pepp in den Rennalltag. Das Aufrüsten der Autos motiviert und die Option, auf Waffen zurückzugreifen, freut Leute, die für reine Rennen zu schlecht sind. Trotz der Insolvenz funktionieren die Rennen immer noch, es bleibt weiter unser Favorit.

Die Drift Cars (Testbericht) sind vom Fahrgefühl her das krasse Gegenteil und sprechen vor allem Freunde realistischer Autorennen an. Sie brauchen Übung und verzeihen wenig Fehler. Wer diesem Konzept etwas abgewinnt, der hat mit Gleichgesinnten hier viel Spaß.

Hotwheels ID (Testbericht) ist ein cooles Konzept mit einer absolut sauberen Verarbeitung, das leider durch die unsäglichen In-App-Käufe ausgebremst wird. Da es aber zu den meisten Hotwheels-Autos kompatibel ist, sollten es sich Fans der kleinen Flitzer in jedem Fall ansehen.

Die Carrera Bahnen liegen irgendwo dazwischen. Die Mario-Kart-Edition der Go-Serie (Testbericht) richtet sich ganz klar an Fun-Racer und Einsteiger. Sie ist im Test das günstigste Set und am schnellsten erlernt, bringt aber vergleichsweise wenig Flexibilität (von zusätzlichen Schienenmodulen abgesehen).

Das 80s Flashback Set aus der 132-Serie (Testbericht) dagegen kostet zwar viel, macht aber Erwachsenen deutlich mehr Spaß. Gerade, weil mit den Geisterautos oder der nachrüstbaren Pit-Lane samt Tankmodus ein paar Ideen aus den digitalen Welt mit Einzug halten. Das lässt sich Carrera leider auch ordentlich bezahlen. Wer genügend Platz hat, der sollte sich Anki Overdrive oder die große Carrera Bahn überlegen, die motiviert einfach deutlich länger als die Go-Edition.

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