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Budget-Phones mit Triple-Cam: Mehr als ein Marketing-Gag?

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Smartphones mit Triple-Kamera gibt es schon unter 100 Euro, kaufen sollte man sie deswegen nicht. Wir zeigen in dieser Kaufberatung, worauf es bei einem Multi-Kamera-Setup wirklich ankommt.

Wer den Begriff Triple-Kamera hört, denkt allgemeinhin an drei Kameras auf der Rückseite mit drei verschiedenen Brennweiten. Solch ein Setup hat seine Reize. Zum einen kann man etwa im urbanen Umfeld mit dem Weitwinkel ganze Häuser oder Objekte fotografieren, die mit einer normalen Brennweite nicht komplett auf das Bild gepasst hätten. Gleiches gilt für Gruppenfotos. Eine Telelinse schafft es, weit entfernte Objekte heranzuholen, ohne dass die Bilder einen massiven Qualitätsverlust zu erleiden. Das hilft etwa, um weit entfernte Tiere im Zoo oder freier Laufbahn abzulichten.

Doch die Bezeichnung wird zunehmend verwässert, vor allem im Budget-Bereich. Dort tummeln sich dann Smartphones wie das Ulefone Note 7, welches neben der 8-Megapixel-Hauptkamera zwei 2-Megapixel-Sensoren besitzt, die lediglich das Hauptbild verbessern sollen. Klar, das Ulefone Note 7 kostet unter 70 Euro. Trotzdem führt es Käufer, die eine vollwertige Triple-Kamera erwarten, in die Irre. Wir geben in dieser Kaufberatung technische Hintergründe und schauen uns günstige Smartphones mit Triple-Kameras an. Auch verraten wir, welche Einsteiger- und Mittelklasse-Smartphones ab Baujahr 2019 tatsächlich drei Kameras mit unterschiedlichen Brennweiten bieten.

Eine rückseitige Hauptkamera hat so ziemlich jedes Smartphone. Dabei rücken Hersteller vor allem deren Megapixel, also die Anzahl der tatsächlich gespeicherten Bildpunkte, in den Vordergrund. Selbst bei sehr günstigen Modellen fangen die bei 8 Megapixeln an. Umgerechnet bedeutet dies bei einem normalen 4:3-Bildsensor eine Auflösung von 3264 × 2448 Pixel. Selbst das ist für die meisten Nutzungsszenarien völlig ausreichend. So würde man bei einem DIN-A4-Ausdruck noch immer eine sehr gute Auflösung von 278 dpi erreichen.

Viele Hersteller bieten aber deutlich mehr. Üblich sind 16 Megapixel, aber auch 32 oder 48 Megapixel sind keine Seltenheit. Die höheren Auflösungen haben den Vorteil, dass hier zum einen digitaler Zoom, also das Aufblasen eines Bildbereichs, besser aussieht, da dort mehr Megapixel hängen bleiben und besser interpoliert werden kann. Zum anderen ist Pixel-Binning möglich. Hier werden wie beim Motorola One Action (Testbericht) vier Pixel zu einem zusammengefasst, aus 48 werden also 12 Megapixel. Das soll dann zu einer höheren Lichtausbeute führen. In der Praxis sieht man hier ab eher selten eine echte Verbesserung. Da bringen optische Bildstabilisatoren (Smartphones bis 300 Euro) mehr.

Trotzdem überschlagen sich Hersteller gerade in letzter Zeit mit Megapixel-Superlativen. So kommt etwa das 1200 Euro teure Samsung Galaxy S20 Ultra (Testbericht) und das gut 400 Euro teure Xiaomi Mi Note 10 (Testbericht) gar mit 108-Megapixel-Sensoren.

Fast wichtiger als die reine Megapixel-Zahl ist für die Bildqualität die Größe des Sensors, die gerade bei Budget-Modellen häufig nicht verraten wird. Denn je größer der Sensor, desto mehr Licht fängt er ein. Wenn dann der große Sensor noch relativ wenige Megapixel bietet, erreicht jedes einzelne Pixel mehr Licht. Das hilft vor allem bei Nachtaufnahmen. Die oben erwähnten 108-Megapixel-Sensoren kommen übrigens mit einer bis dahin kaum im Smartphone-Bereich gesehenen Größe von 1/1,33 Zoll, das entspricht in etwa 9,6 × 7,2 Millimetern. Solch ein Sensor muss aber auch erstmal in ein Smartphone passen, weswegen die beiden Modelle einen massiven Kamerablock besitzen. Üblicherweise sind Kamerasensoren deutlich kleiner.

Was Smartphones nicht haben, ist ein echter stufenloser optischer Zoom. Das liegt vor allem daran, dass die sonst in Kameras üblichen beweglichen Linsen bei einem Smartphone einfach keinen Platz haben. Die Hersteller helfen sich hier weiter, indem sie mehrere Kameras mit unterschiedlichen fixen Brennweiten einbauen und den Übergang zwischen ihnen mit einem digitalen Zoom kaschieren. Gefühlt zoomt der Nutzer also am Smartphone verlustfrei aus dem Weitwinkel- in den Telebereich. Das funktioniert zum Beispiel beim iPhone 11 Pro ganz hervorragend, ohne dass ein Wechseln der genutzten Kameras groß auffällt.

Dabei ist das Hinzufügen einer Weitwinkellinse technisch kein größeres Problem. Hersteller benötigen dafür lediglich eine weitwinklige Linse im Zusammenspiel mit einem weiteren Bildsensor, der bestenfalls ein vergleichbares Qualitätsniveau besitzt wie der Sensor der Hauptkamera. Bei Zoom-Kameras wird es schon etwas schwieriger, weswegen man sie auch seltener bei Budget-Smartphones sieht. Denn hier benötigt die Linseneinheit mehr Platz, um genügend Licht zu transportieren, ist also in kleiner Form aufwändiger zu produzieren und damit teurer. Huawei löst das Problem 2019 erstmals in einem kommerziellen Smartphone über ein Prisma, welches das Licht wie in einem Periskop umlenkt. Das Huawei P30 Pro (Testbericht) kommt so auf ein 5-faches optisches Tele, ohne außergewöhnlich dickem Kamerabuckel.

Im Grunde empfinden wir aber eine Weitwinkel- als wichtiger als eine Tele-Option. Schließlich kann man digital immer in ein Bild hineinzoomen, muss dann eben mit Qualitätsverlusten leben. Aus dem Bild herausfahren, um mehr Umgebung einzufangen, ist dagegen digital nicht möglich und geht eben nur mit einer Weitwinkellinse.

Um möglichst wenig Geld zu investieren und dennoch das Label Triple-Kamera auf die Packung zu schreiben, behelfen sich Hersteller von Einsteiger-Smartphones verschiedener Tricks. Häufig kommen wie beim oben erwähnten Ulefone Note 7 Tiefensensoren hinzu, die dann zum Beispiel für einen schönen Bokeh-Effekt, also Tiefenunschärfe, sorgen sollen. Die Sinnhaftigkeit dieser Sensoren ist jedoch zweifelhaft, besonders wenn man sich das Google Pixel 3a anschaut. Es erzeugt im Portrait-Modus einen wunderschönen Bokeh-Effekt – und das mit nur einer einzigen Kamera. Dies zeigt, dass die richtige Nachbearbeitung durch Software deutlich wichtiger ist als ein physischer Tiefensensor.

Der zweite Trick für eine günstige Kamera ist eine Makroeinheit. Diese Kamera kommt dann meist mit einem fixen Fokus für sehr nahe Objekte ab etwa zwei Zentimeter Abstand. Klingt erst einmal spannend, ist es in der Praxis aber nicht, wie zahlreiche unserer Tests zum Beispiel des Xiaomi Mi Note 10 (Testbericht), Samsung Galaxy A51 (Testbericht) oder Realme C3 (Testbericht) zeigen. Das Problem ist meist die geringe Auflösung der Makrokamera. Die Hauptkamera liefert mit digitalem Zoom die besseren Ergebnisse.

Nachfolgend zeigen wir sehr günstige Triple-Kamera-Smartphones, bei denen im Grunde nur die Hauptkamera vernünftig nutzbar ist. Weiter geht es mit Einsteiger-Smartphones, die neben ihrer Hauptlinse auch eine Weitwinkeloption besitzen. Wer dann noch ein Teleobjektiv will, muss bereits deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Die im Preisvergleich verlinkten Smartphones fangen bei unter 70 Euro an und haben allesamt drei Kameras auf ihrer Rückseite. Sinnvoll nutzbar ist jedoch nur die Hauptkamera. Wie das Realme C3 (Testbericht) zeigt, muss die nicht einmal schlecht sein. Dennoch sollten sich Käufer nicht vom Marketing-Betriff der Triple-Kamera täuschen lassen, eine Weitwinkel- oder gar Tele-Option gibt es nicht. Das ist in diesem Fall auch verständlich, diese Smartphones definieren sich hauptsächlich über ihren günstigen Preis.

Smartphones mit Weitwinkelkamera sind weit verbreitet und fangen bei etwa 110 Euro an. Wir beleuchten den Markt bis etwa 300 Euro und zeigen hier sowohl sehr beliebte als auch sehr günstige Modelle. Genauer angeschaut haben wir uns davon folgende Modelle:

Das aktuell mit Abstand günstigste Smartphone mit einer Haupt-, Weitwinkel- und Telekamera ist das Motorola Moto G8 Power. Danach kommt bis zum One Zoom aus dem gleichen Hause lange nichts. Ab der magischen 300-Euro-Grenze gibt es zahlreiche Smartphones, die mit ihrer zusätzlichen Telelinse versuchen, die Gunst der Käufer für sich zu gewinnen. Die interessantesten Modelle im Budget-Bereich sammeln wir im Preisvergleich. Davon haben wir folgende bereits ausführlich getestet:

Beim Smartphone-Kauf sollte man sich nicht von der Anzahl der rückseitigen Kameras täuschen lassen. Gerade Tiefensensoren und Makrokameras ergeben unserer Erfahrung nach nicht viel Sinn. Toll ist eine zusätzliche Weitwinkelkamera, die Hersteller bereits bei Modellen ab 110 Euro einbauen. Wer dann noch eine zusätzliche Telekamera will, muss aber gleich deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Ganz unabhängig von ihren Brennweiten haben wir uns auf dem Smartphone-Markt umgeschaut und zeigen hier die Bestenliste der 10 besten Kamera-Smartphones. Mit denen, aber auch mit günstigeren Modellen kann man sogar beeindruckend den Mond fotografieren (So gelingt es).

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