Babys im Blick: Kameras für den Kindersitz im Auto ab 25 Euro | TechStage
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Babys im Blick: Kameras für den Kindersitz im Auto ab 25 Euro

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Kameras mit Livebildübertragung ermöglichen es, die eigenen Kinder auf dem Rücksitz im Auge zu behalten. TechStage zeigt, welche verschiedenen Möglichkeiten es gibt.

Insbesondere bei Kleinkindern ist eine ständige Beobachtung sinnvoll, um bei Problemen schnell reagieren zu können. Geräusche von der Rückbank verunsichern insbesondere frisch gebackene Eltern recht schnell. Schläft das Baby, hat es sich verschluckt oder gluckst es schlicht vor Freude? Häufig fällt eine Diagnose ohne optische Hilfsmittel schwer. Wer sich nicht ständig neben seinen Kindern aufhalten kann oder will, kann auf technische Gadgets zurückgreifen. Ansonsten bleibt im PKW nur Umdrehen, was während der Fahrt gefährlich ist.

Zur Beobachtung des Nachwuchses auf dem Rücksitz gibt es beispielsweise sogenannte Baby-Spiegel. Diese Kunststoffspiegel sind an der Rückenlehne der hinteren Sitzreihe befestigt und erlauben die Beobachtung mittels des Rückspiegels. Das hat allerdings gleich mehrere Nachteile. So hilft diese Variante nur dem Fahrzeuglenker, nicht aber dem Beifahrer. Außerdem ist die Darstellung extrem klein und durch die Vibrationen im Auto verwackelt. Durch den veränderten Einstellwinkel des Rückspiegels ist zudem kein Blick mehr aus der Heckscheibe möglich, was ebenfalls nachteilig ist und sich negativ auf die Sicherheit auswirkt. In Wohnmobilen funktioniert so eine Lösung meist gar nicht.

Eine weitere Variante ist ein Babyfon mit integrierter Kamera. Diese Modelle sind allerdings teuer und in den meisten Fällen nur in der Nähe einer Steckdose nutzbar. Für die Nutzung im PKW ist dies ein KO-Kriterium.

Die Garmin Babycam ist eine teure Lösung.

Einzige Alternative auf dem Markt ist die Garmin Babycam. Hierbei handelt es sich um eine kleine Funkkamera, die das Bild direkt auf das Navigationsgerät überträgt. Für die Nutzung ist allerdings ein Navi des Herstellers nötig und außerdem ist die Bildqualität laut verschiedener Reviews unzureichend – kein Wunder bei einer VGA Auflösung von gerade einmal 640 × 480 Pixeln. Dieses Produkt kommt, wenn überhaupt, nur für Nutzer infrage, die bereits ein kompatibles Navigationsgerät besitzen, da die Preise für die Geräte bei circa 200 Euro beginnen. Eine Liste mit kompatiblen Navigationsgeräten zur Babycam gibt es auf der Herstellerseite.

Deutlich bequemer, aufgeräumter und flexibler ist die Nutzung einer Kamera mit WLAN zusammen mit dem bereits vorhandenen Smartphone als Monitor. Der Einsatz einer IP-Kamera ist unkompliziert und die Anschaffungskosten sind niedrig. Solche Kameras gibt es sowohl mit integriertem Akku als auch mit Stromversorgung über USB. Da Akkus meist dann leer sind, wenn man sie braucht, raten wir zu einem Gerät mit Stromversorgung über den USB-Port. Diese funktionieren dann sowohl in PKWs, in der Nähe von Steckdosen oder ganz mobil mit einer Powerbank. Zudem sind solche Geräte mit IR-Nachtsichtfunktion verfügbar. Nur so ist auch bei sehr wenig Licht eine ausreichend gute Darstellung gewährleistet.

Solch eine IP-Kamera ist ideal für die mobile Nutzung.

Wichtig: Beim Einsatz im Auto muss die Befestigung ausreichend sicher und vibrationsfrei sein, damit sich die Powerbank bei einer Bremsung nicht verselbstständigt und die Bildqualität stimmt. Bei mangelhafter Befestigung können lose Teile ansonsten bei einem Unfall zu wahren Fluggeschossen werden und Kind oder sonstige Insassen verletzen.

Besitzer einer Gopro Hero (Vergleichstest), einer DJI Osmo Action (Testbericht), einer Insta360 One R (Testbericht), oder auch einer günstigen Actioncam mit WLAN (Ratgeber), können diese einfach an Kopfstütze, Rücksitz oder Babyschale befestigen und die Livebild-Funktion am Smartphone starten, um den Nachwuchs im Auge zu behalten. Um diese Methode längere Zeit zu nutzen, müssen Kamera und Smartphone allerdings mit Strom versorgt werden. Das klappt entweder per USB-Netzteil für den Zigarettenanzünder oder die Steckdose oder mithilfe einer Powerbank (Themenseite). Der große Vorteil dieser Methode: wer bereits eine Actioncam besitzt, muss keine neue Hardware anschaffen. Der große Nachteil: Bei Dunkelheit bleibt das Videobild schwarz.

Actioncams mit Liveview-Funktion per App sind bei ausreichend Licht ebenfalls geeignet.

Wer eine Alternative zu den genannten Möglichkeiten sucht, kann auch eine Rückfahrkamera mit externem Monitor zweckentfremden. Die Geräte funktionieren mit dem 12-V-Bordnetz des Autos und sind auch für Laien einfach zu installieren. Wirklich mobil ist die Lösung wegen der Stromversorgung allerdings nicht. Außerdem müssen bei den günstigen Systemen Kabel verlegt werden. Das ist zwar durchaus machbar, aber weder praktisch noch schön. Kabellose Syteme zeigen wir im Ratgeber: Funk-Rückfahrkamera im Auto nachrüsten. Häufig bestehen solche Rückfahrkameras aus einem Monitor ab etwa 60 Euro und einer zusätzlichen Kameraeinheit für einen ähnlichen Preis.

Wer möchte, kann auch eine Rückfahrkamera zweckentfremden.

Wer einen mobilen LTE-Router benutzt oder ein Auto mit integriertem Hotspot fährt, kann alternativ auf Überwachungskameras mit Akku (Vergleichstest) zurückgreifen. Da diese allerdings in ein WLAN-Netz eingebunden werden müssen und das Livebild nicht direkt ans Smartphone übertragen, kommen sie nur in wenigen Ausnahmefällen in Frage. Zudem sind diese Geräte klobiger und teurer als IP-Kameras. Für alle Besitzer eines alten Smartphones klappt das Ganze sogar ohne Neuanschaffung. Mit entsprechenden Babyfon- oder IP-Cam-Apps kann auch ein altes Smartphone als Kamera benutzt werden. Allerdings müssen beide Geräte und die App Wifi-Direct unterstützen. Ansonsten ist auch bei dieser Lösung ein LTE-Router notwendig. Da die Akkus bei älteren Smartphones häufig nicht mehr lange durchhalten empfiehlt sich auch hier der Anschluss an eine externe Stromquelle; egal ob Powerbank oder USB-Netzteil.

Für die Bildübertragung von Smartphone auf Smartphone ist meist ein LTE-Router notwendig.

Für den Ratgeber haben wir neben der Übertragung von Smartphone zu Smartphone eine günstige IP-Kamera mit USB-Stecker zur Stromversorgung ausprobiert. Diese ist im deutschen Handel ab etwa 25 Euro zu bekommen und dank der Bauweise mit beweglichem Kamerakopf sehr flexibel einsetzbar. Zur Nutzung müssen wir lediglich die Kamera-App auf dem Smartphone installieren, die Kamera in ein USB-Netzteil oder eine Powerbank einstecken und die Verbindung herstellen. Das funktioniert in der Praxis problemlos und die Ersteinrichtung ist nach etwa 5 Minuten abgeschlossen. Je nachdem, wo das Gerät zum Einsatz kommt, muss die Kamera nun nur noch an einer passenden Stelle befestigt werden. In unserem Fall können wir die Powerbank zusammen mit der Kamera in eine Tasche auf der Rückseite des (Bei)Fahrersitzes stecken, um einen vernünftigen Blickwinkel zu bekommen. Für eine Nutzung bei Dunkelheit haben wir außerdem die Status-LED der Powerbank abgeklebt, da sie das Kind gestört hat.

Die Platzierungsmöglichkeiten sind vielfältig.

Die Reichweite der WLAN-Verbindung ist zwar nicht riesig, mit unserer Lösung ist aber auch die Übertragung aus einem benachbarten Zimmer problemlos möglich. Zudem besitzt unser Modell eine Zwei-Wege-Audioverbindung und so kann man das Kind beispielsweise auch per Zuruf beruhigen. Wir sind von der Bildqualität unseres Testgerätes positiv überrascht und empfinden die Lösung als einfach und genial.

Wer eine nach hinten ausgerichtete Babyschale im PKW beobachten will, kann die Powerbank beispielsweise an der Kopfstütze des Rücksitzes befestigen. Das klappt mit Bastellösungen oder einer Kopfstützenhalterung. Zweiteres zeigen wir im Ratgeber: Tablet-Halterungen für den Rücksitz.

Die IP-Kameras funktionieren natürlich nicht nur im PKW, sondern auch im Wohnwagen und Wohnmobil, sowie bei Freunden oder Bekannten, wo das Kind beispielsweise im Nebenraum schläft. Wer die Überwachung außerhalb des Autos benutzen will, kann die Konstruktion entweder direkt an der Babyschale oder dem Reisebettchen befestigen oder sie beispielsweise mit einem Stativ und einer Handyhalterung daneben platzieren. Der eigenen Kreativität sind hier kaum Grenzen gesetzt.

Grundsätzlich gilt: Der Blick gehört beim Autofahren auf die Straße! Mit dem Kind auf dem Rücksitz kann das aber schwierig werden, dann gilt: Im Zweifel sollte man anhalten, anstatt sich zum Kind umzudrehen. Etwas einfacher wird es mit einem Display im Blickfeld der Straße - ähnlich beim Navigieren. Das senkt den Stress im Auto und erhöht Sicherhheit und Komfort.

Einfache IP-Kameras sind eine komfortable Lösung, um den Nachwuchs in Auto, Urlaub oder Unterwegs im Auge zu behalten. Dabei ist es egal, ob eine Kamera oder ein altes Smartphone zum Einsatz kommt. Die DIY-Lösung ist optisch zwar meist weniger sexy als klassische Babyfons, allerdings funktioniert sie problemlos auch fernab einer Steckdose und kostet zudem deutlich weniger.

Unsere Erfahrung zeigt, dass sich die Investition von nicht einmal 50 Euro für IP-Kamera und Powerbank durchaus lohnt. Auch wenn wir zu Anfang für unsere Kameraüberwachung belächelt wurden: Nach den ersten längeren Autofahrten, waren wir froh, diese digitale Lösung zu haben.

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