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Apple Homekit: Endlich gute Smarthome-Steuerung

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Teuer, unflexibel und unzuverlässig: Das war Homekit bei seiner Einführung. Inzwischen hat sich einiges getan, Apples Smarthome-Lösung ist konkurrenzfähig. Wir zeigen den Stand der Dinge.

Wenn Apple neue Produkte oder Technologien auf den Markt wirft, werden das entweder Trendsetter oder Rohrkrepierer. Als das Smart-Home-Framework Homekit 2014 eingeführt wurde, erinnerte es mehr an den gefloppten Newton denn ans iPhone: Komponenten waren selten, teuer und unzuverlässig.

Jahre später sieht das anders aus. Inzwischen arbeiten auch Massenmarktprodukte wie Philips Hue, Ikea Tradfri oder spottbillige Sensoren von Xiaomi (Aqara) aus China ab Werk und ohne Basteln problemlos mit Homekit zusammen. Und auf der Habenseite gibt es Apple-typisch eine hochgradig attraktive Oberfläche, eine intuitive Bedienung und einen überraschend großen Funktionsumfang.

In der Anfangszeit kommunizierten iPhone oder iPad direkt per Bluetooth mit Sensoren und Aktoren, also beispielsweise Zwischensteckdosen und Magnetkontakten für Türen oder Fenster. Die Reichweiten waren mies, die Kosten der Produkte ebenso hoch wie die Stromaufnahmen aus den Batterien oder Knopfzellen – entsprechend hoch war der Frust bei den Erstkäufern.

Inzwischen ist es Homekit herzlich egal, über welchen Funkstandard die Komponenten angebunden sind, solange es ein Gateway im gleichen WLAN gibt. Das passt hervorragend zu den Konzepten von Philips Hue oder Xiaomi Aqara: Der Hub wird per Smartphone-App mit dem WLAN verbunden, LED-Birnen, Zwischenstecker oder Sensoren werden angelernt und kommunizieren in diesem Fall über das bewährte Zigbee.

Heizungssteuerung wie Tado oder Netatmo, Beleuchtungssysteme wie Ikea Tradfri, Philips Hue oder Nanoleaf, Velux-Jalousien, Überwachungskameras von Arlo oder Logitech, Gartenbewässerung von Gardena, Smartlock von Nuki und Türklingeln von Netatmo sind nur ausgewählte Beispiele von kompatiblen Komponenten – und wer bereit ist, zu basteln, bekommt auch fast alles andere angebunden.

Zumindest einige der genannten Hersteller bringen selbst hervorragende Apps mit, Beispiele sind Hue oder Tado. Wofür braucht man denn dann Homekit?

Genau dafür: Damit man nicht in Abhängigkeit des Geräteherstellers die richtige App starten muss. In einem Smart Home sammeln sich schnell unterschiedliche Produkte verschiedener Hersteller. Es gibt sogar gute Gründe, gleichzeitig auf mehrere Anbieter im gleichen Segment zu setzen – so bringen die originalen Hue-LEDs mehr Farben und sind in mehr Formen erhältlich, etwa im Edison-Style. Ikeas Tradfri-Birnen sind aber deutlich günstiger und haben, wenn es nur um weißes Licht geht, keine Nachteile. Aber für die Stehlampe in die Hue-App springen und für die Deckenleuchte in die Tradfri-App? Das ist nicht nur umständlich, sondern auch anderen schwer zu vermitteln und alles andere als intuitiv. Und wenn jetzt noch automatische Abläufe geplant sind, wenn etwa ein Tradfri-Bewegungsmelder den Netatmo-Heizkörperthermostat und die Hue-Leuchte ansteuern soll, ist mit Bordmitteln der Hersteller nichts mehr zu machen.

Hier kommt Homekit ins Rennen. Alle kompatiblen Geräte oder deren Hubs werden angelernt, dann taucht in einer Oberfläche alles auf, was im Haus smart ist – und was kompatibel zu Homekit ist. Dort kann man die Geräte nach Räumen gruppieren, mit wenigen Klicks Szenen programmieren oder Automationen zusammenbasteln – dazu später mehr.

Blick auf Homekit (14 Bilder)

Zuhause-Seite

Die erste Seite in der Home-App hört auf den passenden Namen Zuhause und zeigt eine kurze Zusammenfassung des Status an sowie alle Sensoren und Aktoren, die man zu den Favoriten hinzugefügt hat.

Damit das alles so gut klappt, sollte es im Haus eine Steuerzentrale geben. Das kann ein iPad ab iOS 10 sein (Generation 3 oder neuer), ein Apple TV ab Generation 4 (die aktuelle 4K-Version ist Generation 5) oder ein Homepod-Lautsprecher (Testbericht). Die Steuerzentrale hält die Verbindung zu verknüpften Sensoren und Aktoren aufrecht, kümmert sich um die Abarbeitung festgelegter Aufgaben und stellt die Verbindung ins Internet her.

Zwar lassen sich die Homekit-Geräte auch ohne Internet-Verbindung steuern und einsehen, das ist aber nicht sonderlich komfortabel – das iPhone, das zur Steuerung eingesetzt wird, muss mit dem gleichen WLAN verbunden sein, Automatismen funktionieren nicht und der Zugang von draußen übers Internet ist nicht möglich. Für eine anständige Smart-Home-Lösung kommt man also um eine Steuerzentrale nicht herum. Ein Vorteil dabei ist, dass die Logik nicht in der Cloud läuft, sondern lokal.

Die Wahl der Sensoren wie Wasserstandsmelder, Tür- und Fensterkontakte, Bewegungsmelder oder Wandtaster sowie der Aktoren wie Heizungsregler, Zwischenstecker für Standby-Verbraucher oder Stehlampen oder smarte LED-Glühbirnen sind den eigenen Vorlieben und dem Geldbeutel geschuldet. Dank einer inzwischen breiten Unterstützung lässt sich Homekit wirklich günstig umsetzen.

Ein gutes Beispiel sind die Aqara-Sensoren. Die Tochter des chinesischen Herstellers Xiaomi hat in unserem Test (Smarthome mit Xiaomi) überzeugt, der Autor dieser Zeilen hat Sensoren der ersten Generation bereits seit über zwei Jahren im Einsatz. Es gibt eine große Auswahl von batteriebetriebenen Wasserstands-, Vibrations-, Bewegungs- oder Öffnungsmeldern zu Preisen ab etwa 15 Euro. Eine günstige Alternative sind die Ikea-Bewegungsmelder aus der Tradfri-Serie, die derzeit 10 Euro kosten. Da die Sensoren über Zigbee kommunizieren, ist in beiden Fällen aber das passende Gateway nötig – man sollte idealerweise also die Zahl der unterschiedlichen Hersteller im Smart Home begrenzen, um keine Batterie an Gateways vorhalten zu müssen.

Während rudimentäre Umweltinformationen wie Sonnenauf- und Untergangszeitpunkt in der Homekit-Umgebung ohnehin zur Verfügung stehen, kann man für weitere Details auf Wettersensoren für Regen, Wind & Co. zurückgreifen, passende Produkte gibt es beispielsweise von Netatmo oder Eve; ebenso Rauchmelder.

Los geht's in den meisten Smart Homes beim Licht. Der günstigste Einstieg sind die dimmbaren, weißen E27-LED-Birnen aus Ikeas Tradfri-Serie für gerade einmal 8 Euro pro Stück, die es auch in Kalt- und Warmweiß sowie farbig gibt. Kommt Farbe ins Spiel, empfehlen wir aber den Blick auf Philips Hue-Serie – die Farbwiedergabe ist da schöner, außerdem gibt es passende LED-Strips oder Edison-Lampen im Retro-Stil. Vorhandene Verbraucher wie Stehlampen, Fernseher (Standby bei Abwesenheit) oder Wasserkocher hängt man über kompatible Zwischenstecker an Homekit.

Daneben lassen sich Nuki-Türschlösser anbinden, Eve Aqua steuert die Bewässerung im Garten, ebenfalls von Eve oder Tado gibt es passene Heizungsthermostate (Themenwelt).

Wer bereits Smarthome-Komponenten unterschiedlicher Hersteller und Systeme im Einsatz hat, bekommt die unter Umständen auch in die Homekit-Welt. Dabei hilft Open-Source-Software wie ioBroker, die die Verknüpfung zwischen den verschiedenen Welten herstellt.

Testweise haben wir Xiaomi-Aktoren der ersten Generation ohne Homekit-Kompatibilität, Enocean-Sensoren von Loxone und KNX-Sensoren und Aktoren mit Homekit verbunden. Den in der Installation bereits vorhandenen ioBroker haben wir dafür um Yahka (Yet another Homekit adapter) ergänzt. Dabei handelt es sich um eine Software, die ein Homekit-kompatibles Gateway im Netz simuliert. Das ist etwas fummelig, weil man die Verknüpfung zwischen Homekit-Funktionen und der Steuerung der Smarthome-Komponenten mit einigen Hürden selbst herstellen muss – beispielsweise ist bei der Anbindung eines KNX-Jalousieadapters das Invertieren der Werte nötig, damit eine offene Jalousie in Homekit auch als offen angezeigt wird. Insgesamt ist das aber ein schönes Abend- oder Wochenendprojekt, an dessen Ende eine vorbildliche Visualisierung per Smartphone und iPad steht.

Homekit und ioBroker (4 Bilder)

Gerät anlegen

Um ein nicht Homekit-kompatibles Gerät anzubinden, legen wir ein virtuelles Gerät in im ioBroker-Adapter Yahka an – hier eine Stehlampe im Wohnzimmer, die über eine per KNX geschaltete Steckdose angesteuert wird.

Auch für ioBroker-Alternativen wie Node Red oder Open Hab sind vergleichbare Homekit-Plugins verfügbar, die wir im Rahmen dieses Beitrags aber nicht ausprobiert haben.

Homekit hatte einen holprigen Start, ist inzwischen aber eine tolle Lösung mit erstklassiger Visualisierung und einfacher Szenen- und Automatiksteuerung. Auf der Haben-Seite steht eine hohe Kompatibilität auch zu günstigen Smarthome-Komponenten, der mögliche Bastelfaktor, wenn man möchte, die Offline-Funktionalität ohne Cloud-Zwang und die Apple-typisch attraktive und einfache Darstellung und Funktionalität.

Zwar sind Homepod und Apple TV der 4. Generation als Steuerzentralen deutlich teurer als einfache Alexa-Lautsprecher oder Google Home, aber dafür gibt es einen vollwertigen Home-Server, der sich auch bei Abwesenheit um das Durchführen von vorgegebenen Automatismen kümmert. Wir sind nach anfänglicher Skepsis in wenigen Tagen zu echten Homekit-Fans geworden.

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