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Anleitung: Retro-Konsole mit dem Raspberry Pi selber bauen

Bild: Anleitung: Retro-Konsole mit dem Raspberry Pi selber bauen

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Alle alten Konsolen-Games von Nintendo, Sega, Sony & Co.? Alle Arcade-Titel, direkt im Wohnzimmer spielen – und das schon ab gut 40 Euro? Das geht mit einer Retro-Box auf Raspberry-Pi-Basis im Eigenbau. Wir zeigen, was für den RetroPie nötig ist, wo es Spiele legal zum Download gibt und wie man die Software installiert.

Wem das zu viel Aufwand ist, der kann zumindest einen Teil des Spieleerlebnisses auch mit Nintendos Retro-Konsole SNES Classic Mini (Testbericht) oder dem Arcade-Computer Pandora's Box (Testbericht) erleben. Weitere Retro-Gaming-Möglichkeiten haben wir in unserer Kaufberatung Retro-Konsolen zusammengefasst.

Da die DIY-Konsole einfach aufzubauen und einzurichten sein soll, setzen wir auf den bewährten Raspberry Pi 3 Modell B. Der Kleinst-Computer ist nicht nur günstig und leistungsstark, er hat auch eine sehr aktive Fangemeinde. Alternativ klappt's auch mit dem günstigeren Raspberry Pi Zero. Wir haben uns aber aufgrund der höheren Leistung und den vielen Anschlüssen für Gamepads, Speicher & Co. für das große Modell entschieden.

Um den Raspberry Pi zu betreiben, sind ein Micro-USB-Netzteil und eine Micro-SD-Karte nötig. Zum Anschluß an den Fernseher genügt ein normales HDMI-Kabel. Wer möchte, packt das ganze noch in ein einfaches oder attraktives Gehäuse.

Für die Ersteinrichtung ist es von Vorteil, wenn USB-Tastatur und -Maus zur Verfügung stehen. Zum Download von Betriebssystem und Software braucht es einen Computer mit Internetverbindung (Mac oder Windows), einen Speicherkartenleser für microSD-Karten oder einen entsprechenden Adapter und einen USB-Stick zum Übertragen der Spiele.

Im späteren Praxis-Einsatz sind Tastatur und Maus nicht mehr nötig. Zur Steuerung der Oberfläche und der Spiele kommen USB-Gamepads oder Bluetooth-Controller zum Einsatz. Wer noch alte Gamepads, etwa von Xbox 360, PlayStation 3 oder Nintendo Wii zu Hause hat, kann auch die verwenden – dank Bluetooth sogar ohne zusätzliche Hardware. Eine komplette Liste unterstützter Eingabegeräte findet sich im RetroPie-Wiki im Abschnitt Controllers (rechte Spalte).

Das ist alles, was man für eine Retro-Konsole braucht.

Wer keine alten Schätze im Keller hat, setzt am Besten auf günstige USB-Controller. Wir haben uns für Gamepads entschieden, die dem Design der Nintendo-SNES-Controller aus den 90er Jahren nachempfunden sind; es gibt sie bereits ab etwa 10 Euro. Erfahrene Spieler werden sich kurze Zeit später aber wohl hochwertigere Joysticks zulegen: Bei allen günstigen Modellen, die wir ausprobiert haben, war der Druckpunkt ziemlich schwammig. Kein Vergleich etwa zu den Gamepads, die Nintendo bei seiner eigenen Retro-Konsole SNES Classic Mini (Testbericht) beipackt. Die gibt's aber weder einzeln zu kaufen noch haben sie einen USB-Port.

Um unser Projekt optisch ansprechend zu gestalten, haben wir eine alte, defekte Playstation 1 – konkret das Modell PSone – ausgeschlachtet und das Gehäuse für unsere Zwecke zweckentfremdet. Um besser an die USB-Anschlüsse zu kommen, gibt es bei uns einen zusätzlichen USB-Hub. Seine vier Buchsen haben wir mit ordentlich Heißkleber in die Original-Aussparungen für den Anschluss der Sony-Gamepads eingepasst. Von innen sieht das nicht schön aus, von außen sieht man davon nichts. Außerdem haben wir den alten Power-Schalter der Konsole samt Status-LED wieder in Betrieb genommen.

Wem das zu umständlich erscheint, der greift entweder zu einem einfachen Raspberry-Pi-Gehäuse oder zu einem fertigen Retro-Gehäuse im Nintendo-Design. Wenn es noch ein bisschen extravaganter sein soll, baut man das Gehäuse selbst. Vom tragbaren Gamboy-Klon über das klassische Arcade-Cabinet bis hin zur Couchtisch-Konsole ist alles möglich. Wer sich die Komponenten nicht zusammensuchen möchte, greift zu einem fertigen Set.

Raspberry Pi 3 Modell B

Raspberry Pi einzeln

Raspberry Pi 3 Modell B, Official Starter Kit, 16GB microSD, Gehäuse schwarz

Raspberry Pi Starter Kit

Raspberry Pi 3 Modell B, NESPi Retrogaming Kit

Pi Retro Bundle

Raspberry Pi 3 Modell B, Arcade-Gamestation-Set

Raspberry Pi Arcade-Set

Multicomp Pi-Blox Raspberry Pi Gehäuse für Pi 2/3/B+, rot (CBPIBLOX-RED)

Pi Gehäuse

Retroflag NESPi CASE, grau

Retro-Gehäuse

Um den Raspberry als Konsole zu nutzen, ist das passende Betriebssystem auf Linux-Basis samt Emulator nötig. Emulatoren sind Programme, die die Hardware von alten Arcade-Automaten oder Spielekonsolen wie NES, SNES oder Sega Mega Drive nachbilden und es so ermöglichen, die alten Spiele auf modernen Rechnern auszuführen.

Eines der ältesten und erfolgreichsten Projekte in diesem Bereich ist die Open-Source-Software RetroPie. Sie ist kostenlos, komfortabel in der Bedienung und bringt Emulatoren für alle relevanten Hardware-Plattformen mit. Andere Projekte wie Recalbox funktionieren zwar sehr ähnlich, haben aber kleinere Communities oder sind komplizierter zu bedienen.

Unser Raspberry Pi wurde in ein altes Playstation-Gehäuse verbaut.

Außerdem sind natürlich noch die Spiele nötig, die sogenannten ROMs. Die benötigten Dateien waren ursprünglich ausgelesene Images der Speicherchips von Arcade-Automaten oder Spiele-Cartridges wie beim Gameboy; mit späteren Konsolengenerationen haben sich beispielsweise auch Kopien von CD- oder DVD-Inhalten dazugesellt. Der Name ROM ist aber geblieben und gilt als Synonym für Spiele, die man im Emulator starten kann.

Legal sind üblicherweise die ROMs von Homebrew-Games. Diese Spiele haben unabhängige Entwickler programmiert – teilweise sogar brandaktuell für zig Jahre alte Hardware. Viele stehen kostenlos zum Download bereit. Eine Plattform für diese kostenlosen Retro-Spiele ist PDRoms. Hier gibt es jede Menge Titel für Systeme von Gameboy über Sega Megadrive bis hin zu Playstation und Xbox. Die bekannten Spiele-Klassiker wie Mario, Sonic oder Pacman fehlen aber.

Das Finden und Herunterladen von Original-Spielen ist keine große Herausforderung, rechtlich ist das aber kritisch – schließlich gilt das Urheberrecht auch, obwohl die Spiele neu gar nicht mehr erhältlich sind. Viele Communities und Foren haben trotzdem ganze Spiele-Sammlungen im Angebot. Konkret geäußert hat sich beispielsweise Nintendo zu diesem Thema: Das Unternehmen sieht Downloads seiner alten Hits wie Super Mario World, Super Mario Kart oder Donkey Kong als illegal an.

Abgesehen davon gibt es auch schwarze Schafe unter den Download-Anbietern. Die Eingabe persönlicher Daten vor dem Download sollte hellhörig machen, auch kostenpflichtige Pakete mit hunderten ROMs sind, naja, kritisch.

Die Installation von RetroPie ist kein Hexenwerk. Komfortable, grafische Programme für Windows und Mac übernehmen eigentlich alle Schritte, mit Linux muss man sich nicht herumschlagen – das kommt Anfängern zugute. Wer möchte, kann aber natürlich auch das komplette System von Grund auf aufsetzen.

Der Einfachheit halber beschränken wir uns in diesem Ratgeber auf die komfortable Lösung. Wie die Installation von RetroPi funktioniert, zeigt die folgende Bilderstrecke in einer Schritt-für-Schritt-Anleitung. Windows-Nutzer greifen auf das USB-Image-Tool zurück, Mac-Nutzer brauchen Apple-Pi-Baker. Beide Programme sind kostenlos. Außerdem ist das eigentliche RetroPie-Image nötig, es gibt verschiedene Varianten für die unterschiedlichen Ausführungen des Raspberry Pis.

Nachdem RetroPie erfolgreich aufgesetzt ist, geht es an die Installation der Spiele. Es gibt verschiedene Wege, die heruntergeladenen Games auf die Micro-SD-Karte zu bekommen. Wir haben uns für eine sehr einfache und komfortable Variante entschieden und nutzen dazu einen USB-Stick. Wie das genau funktioniert, zeigt die folgende Fotostrecke.

Ist bereits ein USB-Gamepad mit dem Raspberry verbunden, fordert RetroPie nach dem Booten dazu auf, dieses zu konfigurieren. Das ist nur einmal notwendig und dauert gerade mal eine halbe Minute. Dabei drückt man nach Anweisung die Tasten auf dem Gamepad, um Funktionen zuzuweisen. Hat das Gamepad weniger Tasten als die Software abfragt, drückt man einfach einen beliebigen Taster länger.

8Bitdo N64 Gamepad (Android/iOS/Mac/PC)

N64 Controller

Lioncast Arcade Fighting Stick, USB (10159)

Arcade Stick

8Bitdo N30 Arcade Stick (Switch)

Arcade Stick

(Kein Produktbild vorhanden)

USB-Controller

(Kein Produktbild vorhanden)

DIY Arcade Sticks

Hiperactivo SNES Retro Controller 2 Stück (PC)

2 Controller SNES

Danach stehen im Hauptmenü neben den Retropie-Settings auch die Konsolen zur Auswahl, zu denen Spiele auf der SD-Karte existieren.

Ein Klick auf eine der Konsolen öffnet die Liste der verfügbaren Games. Ein weiterer Knopfdruck startet das Spiel. Einem ausführlichen Zock-Abend mit bis zu vier Spielern steht nun nichts mehr im Weg. Hier haben wir eine Liste von Retro-Multiplayer-Spielen für vier gefunden.

Unsere DIY-Konsole in Aktion.

Der Selbstbau unserer Playstation-Retro-Konsole ist erfreulich unkompliziert verlaufen. Die Kosten für ein einsetzbares System beginnen schon ab etwa 40 Euro und der eigenen Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt. Wie wäre es zum Beispiel mit einer USB-Powerbank und einem externen Display für den Pi, um mobil zu spielen?

Einzig die Tatsache, dass viele bekannte Spieleklassiker auf legalem Wege nicht zu bekommen sind, trübt den ansonsten sehr positiven Gesamteindruck.

Noch mehr Infos zum Thema gibt es in der aktuellen Ausgabe von Retro Gamer.

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