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Anleitung: Coole Schreibtisch-LEDs ab 15 Euro nachrüsten

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Wir zeigen, wie man mit etwas handwerklichem Geschick aus einer einfachen Holzplatte und RGB-LEDs einen schicken Schreibtisch baut.

Nach dem Umzug war ein neuer Schreibtisch fällig, idealerweise gleiche in dunklem Akazienholz passend zu den restlichen Büromöbeln. Das wäre allerdings richtig teuer geworden und hätte zudem von den Maßen her nicht gepasst, also haben wir selbst Hand angelegt. So konnten wir den Tisch auch gleich noch mit mit Alexa-kompatiblen LED-RGBs smart machen.

Tischplatten aus Akazienholz kosten im Holzfachhandel in den geplanten Maßen 290 × 80 Zentimeter gerne mehrere hundert Euro. Auf der Suche nach Alternativen schauten wir nach einer Arbeitsplatte aus dem Baumarkt. Die sind leider meist nur 60 oder 63 Zentimeter tief und bestehen dann aus Pressholz mit Dekor. Die günstigen Platten gibt es aber nur bis 2,63 Meter Länge – wer hat sich diese Norm ausgedacht? Daher haben wir zu Vollholz gegriffen. Das ist nicht nur schöner; Leimholzplatten gibt es außerdem auch in den Maßen 300 × 90 × 4 Zentimeter für unter 200 Euro. Das Fachpersonal des Marktes schnitt sie uns noch vor Ort auf 300 × 80 Zentimeter, denn 80 ist eine optimale Tiefe für einen Schreibtisch.

Alle Bilder vom Schreibtisch-Bau mit smarten LEDs (8 Bilder)

Die Holzplatte ist zwar endlich gefunden, aber zu hell. Um im selbst gesteckten Budget zu bleiben, haben wir sie gebeizt. Beize gibt es in zahllosen Farbtönen und auf Wasserbasis, also sogar recht umweltverträglich. Aufgetragen wird die wässrige Flüssigkeit mit einem Pinsel, ein einzelner Durchgang mit einer mehrstündigen Trocknungszeit reicht normalerweise nicht. Bei uns waren zwei nötig. Der Vorteil von Beize: Sie zieht in das Holz ein. Auch bei oberflächlicher Beschädigung des Holzes kommt die alte Farbe nicht so schnell wieder durch. Nachteil: Die Oberfläche des Materials wird aufgeraut. Da das bei einem Schreibtisch unangenehm ist, bringt Schleifen Abhilfe. Das geht entweder mit einer günstigen Schleifmaschine, Schleifen von Hand mit einem 200er-Sandpapier reicht aber auch. Dabei keine Dellen in das Holz schleifen, sondern großflächig arbeiten und zwischendurch mit der Hand fühlen, ob die Oberfläche bereits ausreichend glatt ist.

Nicht nur zum Zocken, auch zum Arbeiten ist das Licht hinter den Monitoren angenehm

Sollen wie gewohnt technische Gerätschaften auf dem Schreibtisch stehen, sind Kabeldurchführungen sinnvoll. Dazu müssen ausreichend dimensionierte Löcher in zuvor bestimmte Positionen der Platte gesägt werden. Dabei sollte man sich nicht zu nah an die Ränder der Platte wagen, da das die Stabilität negativ beeinflussen kann. In die Löcher stecken wir dann fertige Kabeldurchführungen aus Kunststoff, die etwaige Ausfransungen vom Schnitt verbergen und dafür sorgen, dass Kabel nicht beschädigt werden. Kabeldurchführungen gibt es in rund und eckig sowie in Metall und Kunststoff, wir haben uns für diese runde Variante aus schwarzem Kunststoff im Standardmaß 60 Millimeter entschieden.

Hub und Kabeldurchführung in einem

Für die passenden Löcher gibt es Aufsätze für die Bohrmaschine. Sie bieten Einstellmöglichkeiten für unterschiedliche Lochgrößen. Neben reinen Kabeldurchführungen gibt es auch kleine Hubs, die ebenfalls meist in 60-Millimeter-Löcher in der Tischplatte gesteckt werden und dann vom PC darunter USB-Anschlüsse, Kartenleser und mehr bequem in Reichweite zur Verfügung stellen. Das erspart später das ständige „unter den Schreibtisch kriechen“.

Licht auf dem Schreibtisch ist wichtig – einfach zum besseren Sehen und zum Wohlfühlen. Wir wollten daher, dass die Wand hinter den Monitoren angestrahlt wird und so für indirekte Beleuchtung sorgt. Zu diesem Zweck haben wir mit einer Oberfräse und diesem Fräser-Set eine Nut mit leichtem Abstand zum hinteren Rand in die Tischplatte gefräst und dieses LED-Profil aus Aluminium mit Milchglasabdeckung dort hinein gelegt. Beim geraden Fräsen hilft entweder ein einstellbarer Parallelanschlag oder eine Führungsleiste, die wir mittels Schraubklemmen fixiert haben.

Alle erdenklichen Farben möglich

Bei den Profilen gilt es, neben der Länge auch Höhe und Breite zu beachten. Außerdem werden diese Profile nicht immer mit einer Abdeckung verkauft, die es normalerweise in durchsichtig, sowie als Milch- oder Opalglasoptik gibt. Bei der Breite kommt es darauf an, welche LED-Streifen verwendet werden sollen: Sie müssen natürlich hineinpassen. Die Höhe ist entscheidend, wenn etwa ein günstiger alter Schreibtisch aufgepeppt werden soll. Mehr als die Hälfte der Plattendicke sollte man durch die Nut nicht wegnehmen, da das das Holz zu sehr schwächt. Ein Tipp bei beschichteten oder furnierten Platten: Die Sägeränder der Lochsäge (oder im Fall einer rechteckigen Kabeldurchführung der Stichsäge) einfach mit Malerkrepp abkleben, dadurch fransen die Sägeränder weniger aus. Außerdem sind auch Sägeblätter mit feineren Zähnen vorteilhaft.

In die Nut wurde ein LED-Profil mit LED-Strip eingelegt

Günstige LED-Strips, wie man sie oft bei Ebay oder Amazon findet, sind meist sehr schmal, haben vergleichsweise wenige LEDs pro Meter und lassen sich nur über eine kleine IR-Fernbedienung steuern. Außerdem werden Farben oft unschön gemischt, sodass Gelb dann etwa leicht grünlich wirkt. Für etwas mehr Geld gibt es oft schon Alexa-Integration und App- sowie Sprachsteuerung. Wir haben uns bei unserem Projekt für einen über Zigbee steuerbaren RGB-Streifen von Osram entschieden, der sich über Sprachassistenten steuern lässt und ins Smart Home integriert werden kann. Mit Hue-Strip hätte sich das Licht zwar außerdem auf Wunsch per Hue Sync (Testbericht) farblich an den Bildschirminhalt anpasst, die sind aber noch einmal ein gutes Stück teurer. Die Strips können – wie viele günstigere Modelle auch – in der Länge an bestimmten Stellen gekürzt werden. Die 2 Meter langen Stripes lassen sich außerdem meterweise erweitern.

Über eine kleine Einkerbung an der Seite der Tischplatte, die leicht mit Bohrer und Bohrmaschine hergestellt werden kann, haben wir Kabel und Zigbee-Controler unter den Tisch geführt und dort nach der vollständigen Montage des Tisches befestigt.

Die einfachste, aber auch eine der stabilsten Methoden, einen Schreibtisch zu erstellen, ist das Anbringen an Wänden. Dazu kommen dann je nach Situation Tischbeine vorn oder bei langen Platten in der Mitte, damit sich der Tisch nicht durchbiegt. Zuerst müssen wir die Höhe ausmessen. Ein Schreibtisch sollte normalerweise eine Höhe von 72 Zentimeter haben, Anpassung an die eigene Körpergröße kann aber durchaus von Vorteil sein. Nachdem wir die Höhe der Tischplatte an die Wände (bei uns rechts und hinten) angezeichnet und mittels einer Wasserwaage den geraden Sitz überprüft haben, bringen wir daran ausreichend stabile Leisten an, auf denen später die Tischplatte liegt. Dabei müssen Dübel und Schrauben ausreichend dimensioniert sein, um das Gewicht der Platte samt Aufbau wie Monitore, Lautsprecher und sonstige Gerätschaften zu tragen – schließlich wiegt allein unsere dicke Tischplatte schon rund 70 Kilo. Aus diesem Grund musste die Platte auch später doch noch geteilt werden, da der Transport zu schwierig wurde. Vorbohren in die Leisten nicht vergessen, damit sie nicht splittern! Anschließend liegt die Platte sauber auf.

In unserem Fall reicht ein Tischbein vorn mittig und links vorne; rechts und hinten liegt die Platte auf den angebrachten Leisten an der Wand. Als Tischbeine haben wir uns übrigens für höhenverstellbare von Ikea entschieden – die sind deutlich billiger als im Baumarkt. Nachdem das Holz ausgerichtet ist, schrauben wir noch von unten durch die Leisten in die Holzplatte, um sie zu fixieren. Andernfalls könnte sie von der Wand gerissen und mitsamt der teuren Technik zu Boden gehen. Dann noch die LED-Streifen in die Alu-Profile legen, die Abdeckung darüber platzieren, die Hubs in der Tischplatte im PC anschließen – fertig.

Wer etwas handwerkliches Geschick, Zeit und Werkzeug hat, kann sich seinen perfekt an die eigenen Bedürfnisse angepassten Schreibtisch leicht selber bauen. Am Anfang steht dabei die Planung: Wer sich umfassend Gedanken macht und jeden Schritt in Gedanken zuvor durchexerziert, spart sich Zeit, Frust und Geld. Denn Probleme lassen sich so schon vorher ausräumen und benötigte Materialien zuvor online ordern. Sie sind dann meist spürbar günstiger als im Baumarkt.

Teurer wird es natürlich, wenn die entsprechenden Werkzeuge nicht vorhanden sind und auch das Material für den Tisch noch gekauft werden muss. Bei der Anschaffung von Werkzeug sollte entschieden werden, ob für gelegentliches Basteln nicht auch günstige Elektrogeräte reichen oder ob es doch „die Guten“ sein sollen. Wir haben mit einfachen Werkzeugen aus dem Baumarkt gearbeitet und sind auf keine nennenswerten Komplikationen gestoßen. Wer schon Werkzeug und einen Schreibtisch hat, den er veredeln will, kann das schon ab rund 15 Euro tun. Kommen wie bei uns Holz, Durchführungen, Hubs und smarte LED-Streifen zum Einsatz, werden es trotz DIY schnell 400 Euro und mehr – auch ohne neues Werkzeug.

Hier finden sich weitere Infos zu den verwendeten LED-Strips von Osram und Smart+ oder dem Konkurrenzprodukt von Philips Hue. Weitere Alternativen haben wir in diesem Artikel ausprobiert.

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