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Android ohne Google: Alternativen zu 15 Google-Apps

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Google-Dienste wie Maps, Fotos und Gmail sind praktisch, sammeln aber ungeniert Daten. Wir zeigen Alternativen zu den 15 wichtigsten Google-Apps.

Auf rund 85 Prozent aller Smartphones weltweit läuft Android als Betriebssystem – auch auf Modellen aus China. Der Handelsstreit zwischen den USA und China hat aber gezeigt, wie problematisch so ein Quasi-Monopol sein kann. Huawei und Honor könnten künftig keine Smartphones mehr mit den Googel Apps oder dem Google Play Store in den Handel bringen. Es ist theoretisch auch denkbar, dass aktuelle Smartphones Google-Funktionen ganz oder teilweise verlieren.

Abgesehen von solch drastischen Einschnitten gibt es aber auch andere Gründe, warum ein Wechsel von den hierzulande auf Android-Smartphones vorinstallierten Google-Apps sinnvoll sein kann. Einer davon ist Datenschutz. Denn während Donald Trump Unternehmen wie Huawei vorwirft, für die chinesische Regierung zu spionieren, sammeln US-Unternehmen wie Apple, Microsoft und Google ihrerseits fleißig Daten von Android-Nutzern auf der ganzen Welt, der informationstechnisch zum viel zitierten gläsernen Menschen wird.

Hinzu kommt, dass auf manchen Android-Smartphones aus China, die wegen ihres hervorragenden Preis-Leistungsverhältnisses für den Import nach Europa interessant sind, gar keine Google-Dienste vorinstalliert werden. Die sind nämlich im Reich der Mitte nicht erlaubt.

Neben Vorteilen wie mehr Selbstbestimmung über die persönlichen Daten und das eigene Smartphone sowie theoretisch weniger Strom- und Datenverbrauch durch verringerte Kommunikation mit Google-Servern hat ein Verzicht auf Google-Dienste auch negative Folgen. Eine davon ist der Verlust an Komfort. Denn während in Android zahllose ineinandergreifende Automatismen aktiviert sind oder sich aktivieren lassen, werden ohne Google-Apps die meisten Funktionen umständlicher oder fallen sogar ganz weg. Außerdem werden Apps nicht in allen alternativen Stores automatisch auf dem neuesten Stand gehalten – das kann zum Sicherheitsrisiko werden.

Google vom eigenen Android-Smartphone auszusperren erfordert nur wenige Klicks. Dafür werden den entsprechenden Apps entweder der Zugriff auf Daten entzogen, oder sie werden (insofern die App das zulässt) schlicht deinstalliert. Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung haben unsere Kollegen von Tipps + Tricks zusammengetragen. Tiefer ins Detail gehen unsere Kollegen der c't im Schwerpunkt Google-Dienste einschränken.

Nachdem jetzt der Zugriff auf unsere Daten durch Google bestmöglich ausgeschlossen wurde, geht es jetzt an das Installieren von Alternativen zu den jeweiligen Google-Apps. Zu den meisten Google-Apps gibt es eine große Flut an theoretischen Alternativen, sodass wir nur auf einige Apps eingehen können. Außerdem versuchen wir, uns auf deutsche oder zumindest europäische Anbieter zu beschränken, da ansonsten das Problem mit dem Datenschutz und der Privatsphäre nur von einen US-Anbieter an den nächsten US-Anbieter übergeben wird.

Eine legitime Wahl für einen Alternativ-Apps-Store zum Play Store von Google wäre aufgrund des großen Angebotes sicherlich der Amazon Appstore. Amazon hat seinen Sitz aber wie Google in den USA, daher empfehlen wir trotz des meist deutlich geringeren Angebots an Apps europäische Alternativen wie Aptoide und Uptodown oder die Sammlung für Open-Source-Software F-Droid. Zu bedenken ist bei App-Stores von kleineren Drittanbietern, dass theoretisch erhöhte Sicherheitsrisiko durch Schad-Software. Außerdem ist das Risiko bei kleinen Anbietern größer, dass entsprechende Stores schließen müssen und bezahlte Apps dann nicht mehr verfügbar sind.

Als Ersatz für Google Chrome liefern manche Hersteller wie Samsung eigene Browser ab Werk mit, ansonsten sind grundsätzlich bekannte Alternativen wie Firefox, Opera oder Microsoft Edge interessant. Hier ist die Chance auf schnelle Updates und generelle Weiterentwicklung mit am höchsten. Weitere lohnenswerte Alternativen sind der schnelle Brave-Browser, Dolphin, Puffkin, Kiwi und der Via-Browser. Neu ist der Tor-Browser, der inzwischen offiziell ohne Umwege über den Play Store verfügbar ist und anonymes Surfen im Web ermöglicht.

Die Cloud birgt zwar durch das Auslagern von persönlichen oder gar sensiblen Daten auf Server anderer Firmen immer die Gefahr, ungewollt Geheimnisse preiszugeben. Gleichzeitig erleichtert die Cloud aber auch das Leben, indem Inhalte leicht geteilt werden können und ohne oder mit nur geringen Kosten Speicherkapazität erweitert werden kann. Auch hier gibt es wieder US-Alternativen wie Dropbox, Microsoft One Drive oder Amazon Cloud Drive.

Wer aber ganz auf Nummer sicher gehen will, der sollte einen Blick auf Tonido werfen. Dieser Dienst kreiert eine private Cloud mithilfe des eigenen PCs. Auch das Teilen von Inhalten und der Zugriff über das Internet ist möglich. Dafür muss der Rechner dann aber auch immer angeschaltet bleiben. Als besonders sicher durch beim Upload verschlüsselte Daten, die nach eigenen Angaben nicht einmal der Anbieter selbst entschlüsseln kann, ist Tresorit. Da das Unternehmen in der Schweiz sitzt, ist es zugleich eine Empfehlung für alle, die sich generell von US-Diensten lösen wollen. Weitere Alternativen sind SugarSync, NextCloud, pCloud oder Mega.

Kalender-Apps gibt es viele, oftmals fehlt es ihnen aber an der Verknüpfung mit anderen Diensten oder Übersichtlichkeit sowie einfacher Bedienbarkeit. Zu den umfassendsten Alternativ-Lösungen für den Google Calendar gehört Microsoft Outlook. Auch Any.do, Teamup Calendar und Jorte sind einen Blick wert.

Wer öfter sein Smartphone oder seine Android-Smarwatch verlegt, kann entsprechende Geräte über „Find my Device“ beispielsweise klingeln lassen. Im Falle eines Diebstahls ist auch eine Ortung oder das Löschen der Geräte von Zuhause aus möglich. Dafür müssen verschiedene Voraussetzungen wie ein aktivierter Google-Account, eine Internetverbindung und eine aktivierte Standortermittlung gegeben sein. Alternativen wie Cerberus, Prey, Lookout Mobile Security, Android Lost, Wheres my Droid und etliche andere erledigen ähnliche Aufgaben ohne Google-Dienst.

Manche Apps sind auf den ersten Blick gar nicht als zu Google gehörend auszumachen – Youtube ist so ein Fall. Doch auch das weltweit größte Videoportal hat Konkurrenz. Dazu gehören Plattformen wie DailyMotion, Twitch, Metacafe oder Vimeo. Diese können aber nicht mit der Flut an Videos mithalten, die Youtube bietet, außerdem sind manche Anbieter - wie Twitch auf Videospiele-Streams - auf ein bestimmtes Thema spezialisiert.

Google Mail ist wieder ein gutes Beispiel dafür, wie verzahnt die Google-Dienste untereinander sind. Dabei geht es nicht um einfache Mail-Kommunikation, sondern gleichzeitig werden Informationen in Kontakten gespeichert, ein per Mail gebuchter Flug wird auf Wunsch automatisch in den Google Calendar eingetragen und der Google Assistant weist auf die perfekte Zeit für den Aufbruch zum Flughafen hin. Am ehesten kommt hier ein anderer US-Konzern an entsprechende Services heran, nämlich Microsoft Outlook. Eine oft empfohlene Alternative ist ansonsten K-9 Mail. Weitere Anbieter sind Yahoo Mail, das deutsche Web.de, Protonmail oder GMX.

Smartphones haben längst externe Navigationslösungen von TomTom oder Garmin vom Thron gestoßen, oftmals wird dabei das kostenlose Google Maps verwendet. Wer sich auch beim Zurechtfinden im Großstadt-Dschungel von Google-Diensten lösen möchte, sollte unbedingt einen Blick auf Here WeGo werfen. Das ursprünglich von Nokia entwickelte Navigationsprogramm bietet umfangreiches Kartenmaterial mit Offline-Navigation und der Option, Änderungen daran vorzunehmen. Weitere Alternativen sind Dienste wie OpenStreetMap, NavMii und MapsMe. Etwas mehr Anonymität erhält man bei Verwendung von Google Maps außerdem, wenn unter GPS-Genauigkeit „Nur Gerät“ ausgewählt wird. Dadurch werden keine Standort-Daten an Google gesendet, allerdings dauert eine Ortung spürbar länger und funktioniert nur noch im Freien.

Selbst ein scheinbar harmloses Programm wie Gboard, also die virtuelle Onscreen-Tastatur von Google, sendet Nutzerdaten und sogar Textausschnitte an heimische Server. Das lässt sich entweder in den erweiterten Einstellungen der App unterbinden, alternativ sind im Play Store zahllose Tastatur-Apps zu finden, von denen manchen auch ganz ohne Internet-Verbindung auskommen. Die bekanntesten Alternativen sind SwiftKey von Microsoft und Go Keyboard.

Fitness-Tipps gibt es nicht nur von Google, sondern auch von zahlreichen Drittanbietern (beispielsweise Fitbit und Withings Health Mate) und auch den großen Smartphone-Herstellern wie Samsung (Samsung Health), Huawei (Huawei Health) sowie Sony (Sony Lifelog) und LG (LG Health). Dazu empfehlen wir unseren Beitrag Vergleichstest: Neun Fitness-Tracker mit Pulsmessung (2019).

Google Play Music erlaubt Musik- und sonstiges Audiostreaming gegen Bezahlung – genauso wie die bekanntesten Alternativen Spotify, Amazon Music, Tidal, Apple Music oder Deezer.

Über Hangouts lassen sich Audio- und Videochats mit anderen Teilnehmern führen. Das klappt auch mit Konkurrenzdiensten wie Skype, Messenger, Whatsapp oder verschlüsselten Diensten wie Signal oder Threema. Letztere leiden vor allem an der im Vergleich zu WhatsApp geringen Verbreitung.

Die automatischen Backups mit Speicherung von WLAN-Passwörtern, Kontakten, Anruflisten und vielem mehr sind praktisch, wenn man etwa sein Smartphone wechselt. Wer auf den Google-Dienst verzichten will, hat mehr Arbeit vor sich. Dabei besteht grundsätzlich die Wahl zwischen händischem Speichern von Mediendateien, Kontakten und Backups von Messengern wie WhatsApp oder der Verwendung von Apps wie Helium, Backblaze Mobile oder Titanium. Im Vergleich zum automatischen Google Online Backup sind alle Alternativen allerdings mit wesentlich mehr Aufwand und etwas Einarbeitungszeit verbunden.

Es gibt unfassbar viele Google-Dienste.

Als Alternative zu den automatischen Foto-Uploads von Google Fotos gibt es zahlreiche Apps wie Dropbox, Adobe Lightroom oder das in Europa ansässige Tresorit. Zuvor sollte aber zwingend die Option „Back up & Sync“ in Google Fotos deaktiviert werden.

Der Sprachassistent Google Assistant ist in diversen Situationen hilfreich – besonders, wenn die Hände gerade voll sind. Die Stimme des Google-Tools ist aber je nach Geschmack etwas quäkig, eine Alternative wäre dann Alexa von Amazon. Nach der Installation der Amazon-Alexa-App sollte sich das Konkurrenzprodukt eigentlich als Standard-App unter „Apps & Benachrichtigungen. Standard-Apps“ einrichten lassen, auf unserem Testsmartphone funktionierte das aber nicht. Ohnehin funktioniert das nur bei längerem Druck auf die Home-Taste des Smartphones, per Sprache lauscht auf den meisten Android-Smartphones nur der Google Assistant.

Einige der genannten Alternativen zu Google-Apps lassen sich anstelle dieser als Standard-Apps definieren. Sie werden dann automatisch für entsprechende Aufgaben geöffnet. Zum Ändern der Standard-Apps gehen wir im Einstellungsmenü des Smartphones auf den Punkt „Apps & Benachrichtigungen, Berechtigungen, Standard-Apps“ und wählen dort die Google-App, für die ein Ersatz eingerichtet werden soll. Dort erlaubt ein Klick auf „Standardmäßig öffnen. Einige Standardeinstellungen festlegen“ das Entfernen der Google-App aus der Liste der Standard-Apps. Beim nächsten Klick auf einen entsprechenden Link oder eine passende Funktion folgt dann zunächst die Frage, mit welcher App fortgefahren werden soll. Dort lässt sich dann die gewünschte Alternativ-App auswählen. Ein Klick auf das Häkchen “Als Standard-App verwenden“ merkt sich diese Entscheidung dauerhaft.

Übrigens: Einer der einfachsten Wege, Google möglichst wenig Informationen preiszugeben, ist es, beim Einrichten eines Smartphones erst gar kein Konto einzurichten. Dann erhält man allerdings auch keinen Zugriff auf den Play Store und muss auf oben genannte Alternativen zurückgreifen. Stattdessen ist aber auch das Erstellen eines Fake-Accounts möglich. Allerdings muss hierbei zwingend darauf geachtet werden, möglichst keine Informationen mit dem alten, echten Konto zu synchronisieren, da sonst leicht ein Bezug zwischen den Konten und damit auch auf den Nutzer hergestellt werden kann. Außerdem müssen dann bereits gekaufte Apps noch einmal gekauft werden.

Google lässt sich mit den hier beschriebenen Mitteln auf allen Android-Smartphones umgehen. Doch gerade mit dem aktuellen Wirtschaftsstreit zwischen den USA und China und dem daraus resultierten Telekommunikationsnotstand, könnte das Umgehen von Google auf Android-Phones aus China bald Pflicht werden. Denn die China-Smartphones sind nach wie vor beliebt, schließlich bieten sie meist ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. In hier im Preisvergleich zeigen wir unsere Favoriten aus dem Reich der Mitte.

Ulefone S7 schwarz

Ulefone S7

Ulefone Armor X schwarz/rosegold

Ulefone Armor X

Cubot Max 2 gradient

Cubot Max 2

Huawei P20 Lite Dual-SIM schwarz

Huawei P20 Lite

Elephone U 128GB blau

Elephone U

Xiaomi Redmi Note 7  64GB schwarz

Xiaomi Redmi Note 7

Xiaomi Pocophone F1 128GB schwarz

Xiaomi Pocophone F1

Oppo RX17 Neo blau

Oppo RX17 Neo

Xiaomi Mi 9 SE  64GB schwarz

Xiaomi Mi 9 SE Global

Huawei P20 Pro Dual-SIM schwarz

Huawei P20 Pro

Huawei Mate 20 Pro Dual-SIM schwarz

Huawei Mate 20 Pro

Huawei P30 Pro Dual-SIM 128GB/8GB schwarz

Huawei P30 Pro

Eigentlich sollte es jedem Smartphone-Nutzer klar sein, dennoch hier noch einmal Schwarz auf Weiß: Die Bequemlichkeit und den Komfort von Android mit seinen zahllosen, ineinander verzahnten und meist kostenlosen Features erkaufen sich Anwender mit Informationen über sich selbst. Der altbekannte Satz „Nichts ist umsonst, selbst der Tod kostet das Leben“ trifft perfekt auf Google und seine Google-Apps zu, schließlich ist Google ein wirtschaftliches Unternehmen, das anhand der Daten und Dingen wie personalisierter Werbung Geld verdienen will.

Wer auf Google verzichten will, muss sich mit teils deutlichem Mehraufwand bei der Umstellung und im späteren Gebrauch seines Systems abfinden. Die Frage lautet daher: Wie sinnvoll oder gar nötig ist ein derartiger Eingriff tatsächlich? Die Antwort muss sich jeder Android-Nutzer selbst geben.

Egal ob mit oder ohne Google: All jenen auf der Suche nach einem neuen Android-Smartphones empfehlen wir unseren Beitrag Top-10: Die besten Smartphones mit Android 9 Pie bis 250 Euro.

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