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Android: Was mit NFC-Tags alles möglich ist

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Frei beschreibbare NFC-Tags kosten nur wenige Cent und erweisen sich im Alltag als praktische Helferlein. Wir geben einen Überblick.

Fast jedes Android-Handy kann NFC-Tags lesen und beschreiben. Beim Lesen ist dabei keine spezielle App notwendig, das übernimmt Android selbst. Dabei sind viele Einsatzzwecke denkbar. Ein selbst konfiguriertes Tag in Form eines Aufklebers am Wohnzimmertisch, und Gäste müssen ihr Smartphone nur kurz dranhalten – schon verbindet es sich automatisch mit dem passwortgeschützten WLAN. Dies ist ein einfacher und kurzer Befehl, der in unserem Fall mit 103 Byte relativ wenig Speicherplatz auf einem NFC-Tag belegt. Es sind allerdings auch komplexere Datensätze möglich, wie die folgenden Beispiele zeigen:

Im nächsten Test haben wir Tags mit Kontaktdaten beschrieben und auf Visitenkarten geklebt. Das Android-Telefon öffnet nach dem Scannen des Tags sofort die Kontakte-App und bietet an, den Datensatz zum eigenen Adressbuch hinzuzufügen. Wir nutzten dafür die Tags NTAG213 vom Marktführer NXP mit 137 Byte verfügbarem Speicher. Darauf passen aber nur der Name, eine kurze Mail sowie die Telefonnummer, dann ist der Chip voll. Für diesen Einsatzzweck empfehlen wir NFC-Tags mit mehr Speicher. So bieten nach NDEF-Formatierung die nur minimal teureren NTAG215 480 Byte und die NTAG216 868 Byte verfügbaren Speicher.

Aber es ist auch möglich, die Tags sozusagen „proprietär“ zu beschreiben. Dann machen sie nur dann, wenn man sie mit der passenden App ausliest, was sie sollen. So ist nur wenig Speicherplatz nötig, gleichzeitig sind aber komplexe Aufgabenstellungen möglich, die tiefer in Android eingreifen. Ein derartig beschriebenes Tag bringt beispielsweise das Handy dazu, einen Hotspot zu starten, die Lautstärke auf Maximum zu stellen, einen Klingelton abzuspielen, die Bildschirmrotation auszustellen, die Navigation zu einem gewissen Ziel zu starten und vieles mehr – auf Wunsch alles gleichzeitig. Ganz verrückt wird es, wenn NFC-Tags die Smart-Home-Steuerung übernehmen: Mit dem Handy aufs Tag tippen, um das Licht zu schalten oder die Musik zu starten? Dazu später mehr.

Wir reden bei der Nutzung von NFC-Tags nur von Android-Smartphones, obwohl auch Apple seitdem iPhone 6 NFC im iPhone verbaut. In der Praxis ist aber beim iPhone das Beschreiben von NFC-Tags grundsätzlich nicht möglich; Apple lässt das schlicht nicht zu. Und auch beim Auslesen hatten wir so unsere Schwierigkeiten, obwohl das eigentlich funktionieren sollte (getestet mit iOS 11.4.1, NTAG213 und NDEF-Formatierung). Diverse Apps helfen nicht weiter; die iPhones und unsere NFC-Tags wollen einfach nicht miteinander reden. Schade.

Auf der Android-Seite testeten wir mit einem Google Pixel 2 XL (Testbericht) unter Android 9 und einem Samsung Galaxy S4 unter Android 5. Beide Handys verstanden sich hervorragend mit allen getesteten Apps und unseren NFC-Aufklebern.

NFC-Aufkleber sind die günstigste Möglichkeit, an die vielseitig einsetzbaren Tags zu kommen. Für etwas mehr Geld gibt es die Tags auch in Plastikkärtchen oder Schlüsselanhängern, sie sind unempfindlicher gegen äußere Einflüsse. Je nach Anwendungsgebiet machen alle Varianten Sinn: Dünne Aufkleber für Visitenkarten (Kontaktdaten), robuste Aufkleber für den Einsatz im Auto (Bluetooth an, Navigation starten), kunststoffbeschichtete Tags für den Nachttisch (Flugzeugmodus an, Wecker stellen, alle Lichter aus), Schlüsselanhänger (am Gästeschlüssel mit WLAN-Zugang).

Für erste Experimente bieten sich auch Starter-Sets an, die unterschiedliche Varianten zur Ansicht enthalten. Im Verhältnis sind sie allerdings deutlich teurer. Wer größere Stückzahlen benötigt, bekommt die Aufkleber deutlich billiger etwa bei Ebay oder direkt aus China – im 100er-Pack kostet ein Tag dann noch etwa 13 Cent; die Lieferzeit beträgt aber etliche Wochen.

NFC21 68395 Tags Sticker, NTAG 213, 168 Byte, 22mm, 20 Stück für NFC Smartphone transparent (PC Komponenten)

NXP NTAG 213, 20 Stück

Hama NFC Tags (15684)

HAMA NFC Chips 5 Stück

(Kein Produktbild vorhanden)

Youfan NFC Aufkleber

Sony Xperia SmartTags NT1

Sony NFC Tags

Die richtige App vorausgesetzt, ist das Beschreiben der Tags keine große Sache. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Ansätze: Tags, die universell von Android ausgelesen werden und Tags, die vorinstallierte Apps benötigen.

Die App NFC Tagwriter by NXP beschreibt sie universell. Unter anderem folgende Befehle sind möglich:

  • Kontaktdaten hinterlegen
  • Mit geschütztem WLAN verbinden
  • Eine URL aufrufen
  • Mit bestimmtem Bluetooth-Gerät verbinden
  • E-Mail verschicken
  • Telefonnummer anrufen
  • Eine App starten
  • geschriebenen Text vorlesen
  • SMS versenden

Das Schöne: Der NFC Tagwriter kombiniert beliebig viele diese Aktionen miteinander, lediglich von der Speicherkapazität des Chips limitiert. Einmal beschrieben, kann die App einen Schreibschutz aktivieren. Dieser ist dann allerdings dauerhaft, der Inhalt lässt sich nicht mehr ändern.

Die NFC-Tags kosten weniger als 37 Cent das Stück.

Die in der Basisversion kostenlose App Trigger bietet deutlich mehr Möglichkeiten. Allerdings kann das Smartphone das Tag nur richtig interpretieren, wenn Trigger installiert ist. Ansonsten springt Android nach dem Einlesen in den Google Play Store.

So macht Trigger keinen Sinn, um für Besucher ein NFC-Tag mit den WLAN-Zugangsdaten bereit zu stellen. Hier sollte der NFC Tagwriter by NXP genutzt werden. Trigger bietet sich an, wenn immer das eigene Smartphone zum NFC-Lesen genutzt wird, zum Beispiel im eigenen Auto.

Zunächst steht es dem Nutzer offen, in Trigger Einschränkungen zu definieren. So ist ein NFC-Tag auf Wunsch beispielsweise nur zu gewissen Uhrzeiten oder bei bestehender WLAN-Verbindung lesbar, respektive führt es nur dann die zugewiesene Aktion aus. Im nächsten Menü stellt die App, unterteilt in verschiedene Kategorien, dutzende Möglichkeiten zur Verfügung, die tiefer in das System eingreifen:

  • WLAN-Hotspot aktivieren
  • Navigation mit bestimmtem Ziel starten
  • Klingelton abspielen
  • Medienwiedergabe starten
  • Auf stumm stellen
  • Alarm stellen
  • Display-Helligkeit bestimmen
  • Autorotation ein- oder ausschalten
  • Tweet senden
  • Flugmodus

Dabei haben, unabhängig von der Größe des NFC-Tags, beliebig viele Aktionen darauf Platz. Schließlich wird nur die App geöffnet und eine ID angegeben. Trigger selbst hinterlegt diese ID dann mit den Aktionen. Ein mögliches NFC-Szenario im Auto:

  • Text vorlesen: Gute Fahrt!
  • Bluetooth: ein
  • Bluetooth verbinden mit Autoradio
  • öffne Spotify
  • Medienwiedergabe starten
  • öffne Maps mit Ziel Zuhause und starte Navigation

Nfpass kann Passwörter verschlüsselt auf Tags schreiben und auslesen. Dafür wird zunächst ein Masterpasswort definiert, um Zugang zur App zu erhalten. Nun erstellt man einen Nfpass Mastertag und im nächsten Schritt ein NFC Tag mit einem unverschlüsselten Namen und einem verschlüsselten Passwort mit bis zu 35 Zeichen. Beim Auslesen wird bei geöffneter App zunächst das Mastertag gelesen, dann das Tag mit dem Passwort. Das Handy zeigt das dort hinterlegte Passwort an.

Nette Idee, allerdings etwas umständlich gelöst. Wir hätten uns gewünscht, dass Nfpass beim Auslesen des Passworts zum Beispiel gleich eine Website oder ein App öffnet und die Anmeldedaten dort einträgt. Auch hat auf jeden NFC-Tag unabhängig von seiner Größe nur ein Passwortplatz. Schade.

Die selbstklebenden Tags haben die Größe von 10 Cent Münzen.

Auch wenn NFC direkt keine Smart-Home-Anwendungen unterstützt, kann man mit einem kleinen Trick so ziemlich alles über die winzigen Tags steuern. Möglich macht dies Ifttt. Dafür erstellt man in Ifttt ein neues Applet und wählt als If-Regel den Service webhooks. In der Dokumentation ist eine personalisierte URL ersichtlich, die beim Aufrufen eine bestimmte Aktion durchführt, und diese URL schreiben wir auf ein NFC-Tag. Hält man ein Handy daran, öffnet sich die URL und Ifttt löst ein eingestelltes Event aus. Das schöne dabei: Jedes Smartphone, das die URL ansteuert, löst das geplante Event aus.

Möglich wären hier beispielsweise Tags unter dem Couchtisch, welche Lichtrezepte bei Philips Hue aktivieren. Oder ein Tag neben dem Nachttisch, welches die smarte Heizung ausschaltet. Oder das Tag im Auto, das die Beleuchtung zu Hause rot blinken lässt, damit die bessere Hälfte weiß, dass man unterwegs nach Hause ist. Mit etwas Fantasie und wenig Geld lässt sich so beinahe das gesamte Smart-Home steuern.

Die App NFC Taginfo by NXP ist das Schweizer Taschenmesser unter den NFC-Analyse-Apps. Sie liest beliebige NFC-Tags aus und zeigt deren Payload, IC-Typen und IC-Info. Sie extrahiert und analysiert Datensätze im NDEF-Format. Dabei unterstützt sie alle vom NFC Forum genehmigten Schreibverfahren.

(Kein Produktbild vorhanden)

Starter-Kit

NFC21 68395 Tags Sticker, NTAG 213, 168 Byte, 22mm, 20 Stück für NFC Smartphone transparent (PC Komponenten)

NXP NTAG 213, 20 Stück

 10 NXP NTAG215 NFC Aufkleber

NXP NTAG215, 10 Stück

(Kein Produktbild vorhanden)

NXP NTAG216, 10 Stück

Hama NFC Tags (15684)

HAMA NFC Chips 5 Stück

(Kein Produktbild vorhanden)

Youfan NFC Aufkleber

Sony Xperia SmartTags NT1

Sony NFC Tags

NFC-Tags sind vor allem unter Android praktisch, günstig und maßlos unterschätzt. Ob als „nerdiges“ Statement auf der Visitenkarte, im Auto zum Starten von Musik und Navigation oder als schneller Login bei passwortgeschützten WLAN – ihre Einsatzzwecke sind vielfältig. Geradezu schwindelerregend groß werden sie im Zusammenspiel mit Ifttt. Noch dazu sind die Tags mit etwa 50 Cent sehr günstig geworden.

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