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Amazon-Tablets mit Google-Apps: Billig zum Top-Tablet?

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Play Store installieren in 5 Schritten: Die Fire-HD-Tablets von Amazon bieten viel Hardware für wenig Geld, allerdings Amazon- statt Google-Dienste. Mit dieser Anleitung lässt sich das ganz einfach ändern.

In unserer Kaufberatung: Wieviel Tablet ist wirklich möglich taucht das Amazon Fire HD 10 (Testbericht) nicht ohne Grund weit oben auf der Liste sehr günstiger, aber dennoch brauchbarer Tablets auf. Denn Amazon verkauft für den aufgerufenen Preis erstaunlich starke Hardware. Der Grund ist einfach: Geld soll nicht der einmalige Hardware-Verkauf einbringen, sondern die kontinuierliche Nutzung der Amazon-Dienste wie Amazon Shopping, Amazon Appstore oder Audible. Um die Aufmerksamkeit der Fire-HD-Nutzer nicht von den eigenen Diensten wegzulenken, liefert Amazon die Tablets ohne die typischen Google-Apps wie Gmail, Google Maps oder dem Play Store aus.

Außerdem kommen die Tablets mit einer Nutzeroberfläche zum Kunden, die direkten und sehr einfachen Zugriff auf die Amazon-Dienste erlauben, außerdem wird je nach Version auf dem Lockscreen der Geräte sogar Amazon-Werbung eingeblendet. Das alles vereint Amazon unter dem Begriff Fire OS. Das basiert zwar auf Android, doch Nutzer, die ein günstiges Android-Tablet erwartet haben, werden von den eingeschränkten Möglichkeiten enttäuscht. Aber es gibt Abhilfe. Macht die aus einem Fire-Tablet eine billige Top-Alternative zu teureren Tablets?

Die Abhilfe kommt in Form der Amazon Fire Toolbox, die im Forum der XDA-Developers angeboten wird.

Vorweg: Die Installation und Nutzung der Toolbox, die zum Testzeitpunkt in Version 6.55 zur Verfügung stand, setzt die Installation einer Fremd-Software auf dem PC und Einstellungen am Tablet voraus, mit denen grundsätzliche Sicherheitsmaßnahmen von Android umgangen werden. Zwar traten im Test keine nennenswerten Auffälligkeiten oder sonstige gravierende Probleme auf, TechStage übernimmt aber keine Haftung im Falle von Hard- oder Software-Problemen. Außerdem verweisen wir sicherheitshalber darauf, dass es unter Umständen zu Komplikationen mit der Garantie des Gerätes kommen könnte, sollte ein entsprechend verändertes Fire-HD-Tablet wegen eines Defekts an Amazon zurückgeschickt werden.

Wie erwähnt gab es beim Ausprobieren der Toolbox keinerlei Probleme, außerdem haben sich die Programmierer und Tüftler der XDA-Developers über Jahre hinweg den Ruf erarbeitet, verlässliche und kompetente Experten auf ihrem Gebiet zu sein. Gänzlich auszuschließen, dass dieser gute Ruf von einzelnen Entwicklern auch zu ihrem eigenen Vorteil missbraucht werden könnte (Stichwort: Datenklau), ist es aber nicht.

Der im Folgenden beschriebene Vorgang wurde von uns auf dem Fire HD 10 2019 (Testbericht) durchgeführt, die Toolbox unterstützt allerdings sogar Modelle bis zum Fire HD6 aus dem Jahr 2014.

Schritt 1: Wer vom ausschließlichen Amazon-Angebot auf seinem Fire-HD-Tablet die Nase voll hat, muss zuerst die Toolbox in der aktuellsten Version und passend für sein Tablet-Modell von der Seite der XDA-Developers herunterladen. Windows 10 erkannte die Installations-Datei auf unserem Testrechner als potenzielle Bedrohung und wollte sie entsprechend nicht installieren, das lässt sich aber leicht umgehen.

Schritt 2: Jetzt müssen die Entwickler-Optionen im Fire-Tablet freigeschaltet werden. Dazu müssen Nutzer in Einstellungen -> Geräteoptionen -> Über das Fire-Tablet ein paar Mal auf die Seriennummer tippen, bis das Tablet das Freischalten der Entwickleroptionen bestätigt.

Schritt 3: Unterhalb des Menüpunktes, in dem gerade die Entwickleroptionen freigeschaltet wurden, (Über das Fire-HD-Tablet) ist nun der Punkt Entwickleroptionen im Hauptmenü aufgetaucht. Darin muss zuerst der virtuelle Schalter oben rechts eingeschaltet werden, um weitere Anpassungen zu ermöglichen. Den Sicherheitshinweis mit OK bestätigen.

Schritt 4: USB-Debugging aktivieren. Weiter unten, direkt unter der gelben Zwischenüberschrift Debugging, befindet sich der Menüpunkt USB-Debugging. Dieser muss ebenfalls mit dem rechts befindlichen virtuellen Schalter aktiviert werden. Auch hier einfach den Sicherheitshinweis mit OK bestätigen – andernfalls findet die Toolbox auf dem PC das Tablet im nächsten Schritt nicht.

Schritt 5: Tablet an den PC anschließen. Danach kann die Installation von Treibern notwendig sein, die nach Bestätigung automatisch eingerichtet werden sollte. Die Infobox auf dem Tablet-Screen, die nach der Erlaubnis des USB-Debugging-Zugriffs fragt, für den angeschlossenen Computer der Einfachheit halber bestätigen.

Mit Google-Diensten zum Top-Smartphone? Amazon Fire HD 10 mit Toolbox anpassen (15 Bilder)

So sieht das Amazon Fire HD 10 (2019) original aus

Nun sollte auf dem PC-Bildschirm ein kleines Fenster mit der Amazon Fire Toolbox geöffnet werden. Darin befinden sich 10 (Version 6.55) mit der Maus bequem ansteuerbare Menüpunkte. Das Ganze sieht alles sehr rudimentär aus, funktioniert aber gut.

ADB Shell: Der erste Menüpunkt ist ADB Shell – und für Normalnutzer völlig uninteressant. In aller Kürze: Die Android Debug Bridge (ADB) ist die Schnittstelle zwischen Computer und Smartphone und erlaubt es, Befehle vom PC auf das per USB angeschlossene Android-Gerät zu übertragen. Anwendungsfälle hierfür sind Rooten oder das Flashen neuer Firmware. Die ADB Shell erlaubt hingegen direkte Befehlseingabe auf dem Smartphone vom PC aus. Wer hier nicht weiß, was er tut, sollte die Finger davon lassen.

Custom Launcher: Mit dem zweiten Menüpunkt auf der linken Seite dürfen Nutzer einen von drei Launcher, also alternative Nutzeroberflächen, installieren: Evie Launcher, Nova Launcher und Microsoft Launcher. Download und Installation werden nach der Auswahl automatisch abgewickelt.

Density Modifier: Hier dürfen Nutzer die Pixel-Anzahl und somit die Pixel pro Zoll (PPI) anpassen. Da ein Hochsetzen über den nativ möglichen Wert wenig sinnvoll erscheint und die Fire-Tablets ohnehin keine exorbitant hohe Auflösung bieten, raten wir dazu, diesen Punkt wie schon die ADB Shell ungenutzt zu lassen.

Google Assistant: Dieser Menüpunkt erlaubt das Abschalten von Alexa, dem voreingestellten Sprachassistenten der Fire-Tablets. Er lässt sich auf Wunsch gegen den Google Assistant austauschen. Zum reinen Ausprobieren ist dieser Schritt etwas zu aufwändig – Alexa bekommen Besitzer nur durch einen Werks-Reset ihres Fire HD zurück!

Google Services: Mit diesem Menüpunkt bekommen Besitzer eines Amazon-Tablets endlich Zugriff auf Google-Dienste. Unter anderem wird der Play Store installiert und ersetzt anschließend den Amazon Appstore, Google-Dienste wie Maps werden über den Play Store zugänglich und das Google Play Framework wird installiert. Einige Apps funktionieren ohne nicht.

Hybrid Apps: Wer Netflix und Disney+ auch ohne Google-Dienste auf seinem Fire HD nutzen möchte, kommt hier auf seine Kosten.

Lockscreen Wallpaper: Mittels dieses Menüpunktes lässt sich der Hintergrund des Lockscreens anpassen. Für eine dauerhafte Nutzung eines eingestellten Wallpapers muss die Frage, ob das Bild beschnitten werden darf, zwingend bestätigt werden. Ansonsten ist das Bild nach dem Display-Timeout wieder weg.

Managing everything Amazon: Hier lassen sich alle Amazon-Dienste entfernen oder später wieder auf das Tablet spielen. Das geschieht entweder automatisch mit allen Diensten, alternativ ist eine manuelle Auswahl verfügbar, die gezieltes Auswählen einzelner Dienste erlaubt. Da im Automatikmodus unter anderem auch das Amazon-Keyboard entfernt wird, schlägt die Toolbox anschließend Swiftkey als neues Keyboard und als Ersatz für den Amazon-Launcher den Nova Launcher vor. Die Installation erfolgt dann nach Bestätigung automatisch.

Modify System Settings: Hier lassen sich Navigation Bar und Automatische Updates ein- oder ausstellen. Die Updates beziehen sich allerdings auf Apps aus dem Amazon-Appstore.

Power Options: Über die Power Options erhalten Nutzer die Möglichkeit, das angeschlossene Tablet auszuschalten oder neuzustarten. Außerdem gibt es hier die Möglichkeit, auf Recovery- oder Bootloader-Optionen zuzugreifen.

Wir haben zu Testzwecken unser Fire HD 10 2019 (Testbericht) komplett umgekrempelt. Als Launcher haben wir uns für den Nova Launcher entschieden, außerdem sollte ein Urlaubsbild als Hintergrund dienen. Letzteres klappte leider nicht, auch nicht mit dem WallChanger aus der Toolbox. Grund: Das aus Google Fotos heruntergeladene Bild konnte nicht gecropped werden. Über den herkömmlich eingestellten Android-Weg waren die eingestellten Hintergründe nach Display-Timeout nicht mehr zu sehen – schade.

Ein weiteres Problem: Zwar funktionieren alle Google Dienste, leider bot der Play Store Google Chrome nicht zum Download an. Hier ließen sich deutlich einfacher Alternativen finden, schließlich funktioniert der Play Store tadellos. Wir haben uns für Firefox entschieden. Andere Probleme traten nicht auf, vor allem Systemabstürze oder schlimmeres konnten wir zum Glück nicht verzeichnen. Nett: Der Show-Modus, der aus dem Fire HD 10 2019 bei angeschlossener Stromquelle zum Smart Display macht (ohne angeschlossenes Stromkabel ist das Tablet eher als Smart Speaker nutzbar), funktioniert weiter. Auch die Bedienung ist genauso flüssig oder gar noch direkter als zuvor.

Um die eingangs gestellt Frage zu beantworten: Nein, auch mit Google-Diensten ist das Fire HD 10 2019 (Testbericht) natürlich kein Highend-Tablet zum Schnäppchenpreis. Dafür ist die Verarbeitung zu billig, der Display-Rand zu dick und die Kamera zu schlecht. Auch die Speichermenge ist zu gering. Nichts desto trotz ist und bleibt das Amazon-Tablet in der Anschaffung deutlich billiger, als es wegen der eingebauten Hardware sein dürfte. Und mit Google-Diensten haben Nutzer wieder alle Freiheiten, die sie sonst von anderen Android-Tablets gewohnt sind.

Ein gewisses Restrisiko, sich mit der Toolbox entweder Schad-Software aufs Tablet oder den PC zu holen, bleibt natürlich. Auch sollten Nutzer berücksichtigen, dass hinter der Toolbox Hobbyprogrammierer stehen. Bei Fehlern in der Software kann es also durchaus auch mal länger bis zu einem neuen Patch dauern. Echte Probleme hatten wir im Test aber nicht, daher sprechen wir der Software unsere Empfehlung aus.

Wer sich gerade mit dem Kauf eines Tablets beschäftigt, sollte sich unsere Kaufberatung: Wieviel Tablet ist wirklich nötig? anschauen. Außerdem fassen wir in einem weiteren Artikel zusammen, welche Tablets bis 300 Euro Android 9 haben und wir stellen Billigheimer: Tablets von 40 bis 150 Euro vor.

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