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Actioncams von 30 bis über 400 Euro: Was ist wirklich nötig?

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4K, Timelapse, Slowmo, HDR oder EIS sind nur einige der Funktionen aktueller Actioncams. TechStage zeigt, worauf es ankommt und welche Kamera für wen geeignet ist.

Kleine und widerstandsfähige Actioncams mit 4K-Auflösung gibt es von unzähligen Herstellern. Vom Design unterscheiden sich die Modele nur in Details, auch technisch haben die meisten Geräte ähnlich viel zu bieten. Wo also liegen die Unterschiede zwischen Billigheimern und Highend-Modellen und wieviel muss man tatsächlich investieren?

Einzeltests und weitere Artikel zum Thema Actioncam sind auf unserer Themenseite zu finden.

Der wichtigste Punkt bei einer Kamera ist natürlich die Bildqualität. Und diese unterscheidet sich bei den unterschiedlichen Preisklassen extrem stark. Zwar bieten alle 4K-Kameras die gleiche Auflösung, das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Vier weitere wichtige Faktoren für eine gute Bildqualität sind der Dynamikumfang, die Bildwiederholungsrate in fps, die maximale Bitrate und die Lichtempfindlichkeit, mit der die Kamera aufzeichnet.

Der Dynamikumfang kommt insbesondere bei ungünstigen Lichtbedingungen zum Tragen. Bei billigen Kameras sind beispielsweise bei Gegenlicht kaum noch Details erkennbar. Die Kameras stellen dann nur entweder die hellen oder die dunklen Bildbereiche korrekt dar. Die dunkleren Stellen saufen dann etwa ab und werden fast als schwarze Fläche dargestellt, dann ist nur der Himmel mit Wolken und Details zu erkennen. Oder der Himmel ist komplett weiß und überbelichtet, während der dunkle Rest einigermaßen erkennbar bleibt. Bei einem ausreichend guten Dynamikumfang passiert das nicht. Ein adäquates Hilfsmittel bei solchen Lichtsituationen ist die HDR-Funktion teurer Kameras. Sie kombiniert unterschiedliche Belichtungen und ermöglicht klare Kontraste auch bei sehr anspruchsvollen Lichtverhältnissen mit starken Hell-Dunkel-Unterschieden im Bild. Hier sind die Details und Kontraste sowohl in den hellen als auch in den dunklen Bereichen gut zu erkennen.

Ein Vergleich der Bildqualität zeigt deutliche Unterschiede.

Während günstige Kameras wie die Trawo Apeman lediglich mit maximal 30 Bildern pro Sekunde (und zum Teil sogar weniger) aufzeichnen, bannen Gopro und Co. Videos mit 60 fps (Frames per Second, Bilder pro Sekunde) auf die Speicherkarte. Bei Videos mit schnellen Bewegungen und Schwenks macht dies einen großen Unterschied. Während die 60 fps flüssig wirken, sind niedrigere Frame-Zahlen spürbar ruckelig und sehen unnatürlich aus.

Wie detailliert die Aufzeichnungen sind, hängt auch von der maximalen Bitrate ab, mit der die Kamera die Daten auf die Speicherkarte bannt. Während hochwertige Kameras mit etwa 100 Mbit/s arbeiten, begnügen sich die Billigheimer mit einer nicht einmal halb so hohen Datenrate. In der Billig- und Mittelklasse verraten die Hersteller den Wert meist gar nicht.

Bei wenig Licht sind die Aufnahmen der günstigen Kameras zudem deutlich mehr verrauscht als bei hochwertigen Modellen. Wegen der kleinen Bildsensoren sind allerdings auch die hochwertigen Actioncams nur bedingt für Nachtaufnahmen geeignet. Eine Ausnahme macht hier die Insta360 One R, für die auch ein 1-Zoll-Bildsensor verfügbar ist.

Die Grundfunktionen der Actioncams sind sehr ähnlich. Alle Kameras beherrschen Video und Fotoaufnahmen, Serienbilder und Timelapse-Aufnahmen. Hier unterscheiden sich lediglich die Einstellmöglichkeiten, die bei teureren Kameras deutlich umfangreicher ausfallen.

Zeitlupenaufnahmen sind zwar auch schon mit mittelpreisigen Kameras möglich, hier gehen die benötigten hohen Bildwiederholungsraten aber zum Teil auf Kosten der Auflösung. Um ordentliche Slow-Motion-Videos zu erhalten sollte die Kamera mindesten 1080p bei 120 fps, besser noch 240 fps, ermöglichen.

Eine weitere extrem wichtige Funktion für die Aufnahme von echten Actionaufnahmen ist eine elektronische Bildstabilisierung, kurz EIS. Wer die Kamera beispielsweise auf sein Fahrrad oder den Helm montiert, sollte keinesfalls eine Kamera ohne diese Funktion wählen. Die Aufnahmen der billigen Kameras sind bei stärkeren Bewegung kaum zu gebrauchen. Selbst vergleichsweise ruhige Kameraschwenks mit der Hand sehen ohne Stabilisierung verwackelt und unprofessionell aus. Mittelklasse-Kameras wie die SJ8 Pro von SJCam (Testbericht) oder die Einsteigermodelle von Gopro (Kaufberatung) die haben EIS bereits an Bord. Verglichen mit unstabilisierten Aufnahmen sind die Ergebnisse schon deutlich besser und durchaus brauchbar, zumindest bis zu einem gewissen Punkt. Bei sehr unruhigen Aufnahmebedingungen kommt die Stabilisierung aber an ihre Grenzen. Wer sich tatsächlich beim Downhill-Biken oder auf dem Motorrad filmen will, sollte mehr investieren. Die Highend-Modelle DJI Osmo Action (Testbericht), die Gopro Hero 8 (Testbericht) oder die Insta360 One R (Testbericht) sind derart gut stabilisiert, dass sie für solche Zwecke geradezu prädestiniert sind. Die Videos der Kameras mit guter Stabilisierung sind auch ohne ein zusätzliches Gimbal extrem ruhig und sehen dementsprechend professionell aus.

Diese Aufnahmen sind mit der Insta360 Go entstanden. Da sie nur 1080p beherrscht, gehen wir hier nicht weiter auf das Modell ein.

Sonderfunktionen wie HDR-Videos, extrem Zeitrafferaufnahmen (Starlapse) sind ebenfalls nur bei teuren Highend-Kameras zu finden.

Um die Kameras tatsächlich unter harten Umgebungsbedingungen nutzen zu können, ist es wichtig, dass sie wasserdicht sind. Die hochpreisigen und einige mittelpreisige Modelle halten zumindest bis zu einer Tiefe von einigen Metern ohne zusätzliches Gehäuse dicht. Bei diesen Kameras sind auch alle Anschlüsse und der Speicherkartenslot gegen Staub und Wasser geschützt. Für Schnorchel-Touren und tiefere Tauchgänge, sollte man trotzdem immer auf ein echtes Unterwassergehäuse setzen. Wer sich speziell für das Thema interessiert, sollte sich unseren Ratgeber Tauchen & Schnorcheln: Filmen und Fotografieren unter Wasser ansehen.

Was die Stabilität und die verwendeten Materialien angeht, sind hochwertige Actioncams klar im Vorteil. Günstige Kameras, wie die inzwischen nicht mehr verfügbare Rollei Actioncam 425 (Testbericht) oder die Apeman Trawo (Testbericht), bestehen aus dünnwandigem Kunststoff und fühlen sich leicht und billig an. Die Haptik von Gopro, DJI oder Insta360 ist da um Längen hochwertiger.

In Sachen Design sind alle Kameras ähnlich. Die Stabilität und die Haptik unterscheiden sich allerdings stark.

Auch Mittelklassekameras wie die SJCam SJ8 Pro (Testbericht) oder die GoExtreme Phantom fühlen sich vergleichsweise schwer und wertig an. Grundsätzlich raten wir bei harten Bedingungen wie Klettern in Wasserfällen oder Dirtbike-Rennen zur Nutzung eines zusätzlichen Unterwassergehäuses. Dieses fängt zusätzlich zur Wasserdichtigkeit bei einem Crash die meiste Energie ab und schützt so die teure Hardware.

Als Speichermedium kommt vei allen Kameras eine SD-Karte zum Einsatz. Während billige Kameras lediglich Speichergrößen bis 32 GByte erlauben, liegt diese bei hochwertigen Modellen bei 128 bis 256 GByte. Bei der Aufnahme von Videos mit hoher Bildwiederholungsrate und Auflösung fallen hohe Datenmengen an, weshalb der Speicher unbedingt groß genug, aber vor allem schnell genug sein muss. Was beim Kauf wichtig ist, zeigt unsere Kaufberatung Speicherkarten für Actioncams und Drohnen.

Zum Laden und Übertragen von Daten ist in der Budgetklasse und in der unteren Mittelklasse üblicherweise ein Micro-USB-Kabel zuständig. Alte Modelle arbeiten sogar noch mit einem Mini-USB-Anschluss. Wer so etwas im Regal entdeckt, sollte die Finger Davon lassen. Die höherwertigen Actioncams setzen auf den zeitgemäßen USB-C-Port. Warum gerade bei den günstigen und den mittelklassigen Geräten zusätzliche HDMI-Ausgänge vorhanden sind, ist wenig verständlich, da der praktische Nutzen gegen Null geht. Denn wer will sich unbearbeitetes Fimmaterial wirklich unbedingt auf einem Fernseher anschauen? Wir haben den Port in der Vergangenheit nur testweise genutzt und tatsächlich nie gebraucht.

Die Akkus sind bei allen Geräteklassen austauschbar - und das ist gut so. Bei hohen Auflösungen liegt die Akkulaufzeit sowieso meist nur bei rund einer Stunde, das gilt auch für Markengeräte.

Um die Kameras beispielsweise bei Zeitrafferaufnahmen auf einem Stativ oder Selfiestick zu befestigen ist meistens ein klassisches Stativgewinde nötig. Hier sind tatsächlich die günstigen und mittelpreisigen Kameras im Vorteil, denn sie haben solch ein Gewinde meist direkt im Gehäuse integriert. Bei den teuren Markenkameras ist nur der Umweg über einen Actioncam-Mount und eine zusätzliche Halterung möglich. Gopro hat bei der Hero 8 immerhin den Actioncam-Mount direkt ins Gehäuse integriert und so fällt zumindest der zusätzliche Rahmen weg. Wer noch einen geeigneten Selfiestick sucht, sollte den Ratgeber Mit dem richtigen Selfie Stick zur perfekten Aufnahme lesen.

Über ein Stativgewinde verfügen nur die günstigen und mittelpreisigen Kameras. Die Gopro Hero 8 hat immerhin einen integrierten Actioncam-Mount.

Das klassische Actioncam-Zubehör ist dank des universellen Actioncam-Mounts zu allen Kameras kompatibel. Erfahrungsgemäß sollte man hier nicht zu sparsam sein. Sehr günstige Halterungen bestehen aus billigem Kunststoff und halten dementsprechend wenig aus. Wer nicht riskieren will seine Actioncam zu verlieren oder zu zerstören, sollte entweder Markenzubehör oder Zubehör aus Aluminium verwenden.

Die Bedienung ist in allen Preisklassen ähnlich, kleine aber wichtige Unterschiede gibt es dennoch. Während einige billige Kameras auf die Bedienung mit Funktionstasten beschränkt sind, kommt bei den meisten Modellen zusätzlich ein Touchscreen zum Einsatz. Dieser ist bei günstigen Geräten unter 100 Euro meistens extrem ungenau und zudem nicht ausreichend hell. Bei heller Umgebung ist auf den Displays der Billigheimer kaum Etwas zu sehen. So gerät die Aufnahme schnell zu einem Glücksspiel.

Die Menüführung ist insbesondere bei Noname-Actioncams deutlich weniger intuitiv und selbsterklärend als bei Markengeräten. Um zum gewünschten Menüpunkt zu kommen, muss der Nutzer dann unnötig lange suchen und sich durch verschachtelte Menüstrukturen wühlen. Bei Kameras ab der mittleren Preisklasse ist die Bedienung schon deutlich bequemer. Allerdings gibt es auch hier Negativbeispiele. Die GoExtreme Phantom hat zwar eine ordentliche Bildqualität, allerdings ist die Bedienung vollkommen wirr.

Die Anordnung und Anzahl der Taster sagt nichts über die Sinnhaftigkeit der Steuerung aus.

Eine Steuerung per App oder externer Fernbedienung ist in allen Preisklassen zu finden. Bei den günstigen Modellen ist die Verbindung allerdings wenig zuverlässig und die Apps meist nur sehr schlecht übersetzt. Selbst die Apps der Mittelklasse sind häufig unausgereift, langsam und wenig intuitiv.

Die Apps der Oberklasse-Actioncams sind deutlich übersichtlicher und intuitiver. Außerdem spendieren die Markenhersteller DJI, Gopro und Insta360 ihren Nutzern gleich noch die Möglichkeit, Videos und Fotos zu bearbeiten. Bei Noname-Modellen müssen hierfür zusätzliche Apps installiert werden.

Im Normalfall landen die fertigen Videos im mov- oder mp4-Format auf der Speicherkarte. Hier geht nur der Hersteller insta360 einen Sonderweg. Wer die aufgezeichneten Clips ansehen oder verarbeiten will, muss sie zuerst exportieren. Dieser Workaround ist zwar nicht kompliziert, kostet aber Zeit. Der Vorteil an dieser Methode ist die Möglichkeit, Sichtwinkel, Stabilisierung und eventuelle Farbkorrekturen im Nachgang verändern zu können.

Die billigsten Actioncams sind ab etwa 30 Euro erhältlich. Solche Modelle liegen auch im Regal beim Discounter, Baumarkt oder Tankstelle und eignen sich bestenfalls als Kinderkamera, als Gag für den Junggesellenabschied oder Ähnliches. Wer glaubt, es handelt sich hier um alte Kameras mit niedriger Auflösung, der irrt. Meist verfügen auch die Ultra-Low-Budget-Modelle über 4K-Auflösung und App-Steuerung. Von welchem Hersteller diese Kameras tatsächlich stammen ist meistens nicht herauszufinden. Zu dieser Klasse gehören beispielsweise das Modell Eken H9 (Testbericht) oder die Trawo von Apeman (Testbericht).

Als Mittelklasse definieren wir die Kameras zwischen 100 und knapp über 200 Euro. Hauptunterschied zu den Billigheimern sind die deutlich höhere Verarbeitungs- und Bildqualität. Diese Geräte verfügen außerdem meist über eine elektronische Bildstabilisierung, kurz EIS. Neben einigen unbekannten Herstellern tummeln sich hier hauptsächlich bekanntere Marken aus China. Auch die Einsteigermodelle vom Marktführer Gopro sind hier zu finden. In dieser Preiskategorie haben wir beispielsweise die SJ8 Pro von SJCam (Testbericht) und die inzwischen sehr günstige Keymission170 von Nikon (Testbericht) getestet. Dieses Kameras sind optimal für die private Nutzung geeignet.

In der Oberklasse ab etwa 200 bis 250 Euro ist die Auswahl überschaubar. Hier sind die Top-Modelle der Hersteller Gopro, DJI, Insta360 oder SJCam zu finden. Wer sich für solch ein Gerät interessiert, sollte sich unseren Ratgeber: Die besten Actioncams im Vergleich ansehen. Diese Modelle sind aufgrund der höheren Preise vor allem für Profis und Anwender mit gehobenem Anspruch interessant.

Designtechnisch sind die Kamera alle sehr ähnlich. Günstige und teure Geräten sind auf den ersten Blick fast nicht zu auseinanderzuhalten. Die Unterschiede liegen in der Größe des Displays, der Menge und der Positionierung der Funktionstasten und der Anschlüsse. Die einzige Aufnahme ist die modulare, aus drei Einzelkomponenten zusammengesetzte Insta360 One R (Testbericht). Sie ermöglicht die Nutzung unterschiedlicher Bildsensoren und dazugehöriger Optik. Zusammengebaut sieht die One R trotzdem wie die restlichen Kameras aus. Wer sich für das spannende Konzept interessiert, sollte sich die Modulübersicht für die One R genauer ansehen.

In Sachen Zubehör sieht es auf den ersten Blick für die günstigen und mittelpreisigen Geräte besser als für die Markengeräte aus. Gopro und Co. legen meist nur ein Akkuladekabel und eine Kamerahalterung bei. Die Hersteller der Mittel- und Budgetklasse sind hier deutlich spendabler. Neben einem zusätzlichen Unterwassergehäuse gehören hier diverse Klebe- und Klemmhalterungen zum normalen Lieferumfang. Einige Kameras wie die GoExtreme Phantom haben sogar eine zusätzliche Bluetooth-Fernbedienung beigelegt.

Mehr sinnvolles Zubehör zeigen wir im Ratgeber Das wichtigste Kamera-Zubehör für Strand & Urlaub.

Vom Kauf extrem billiger Actioncams unter 50 Euro raten wir generell ab. Selbst viele Geräte knapp unter 100 Euro bieten nur unter idealen Bedingungen akzeptable Bildqualität. Solche Kameras eignen sich vor allem als Kinderkamera oder als Gag für ein einzelnes Event.

Wer plant, die Kamera im Urlaub oder beim Sport wiederkehrend zu nutzen, sollte tiefer in die Tasche greifen und sich eine vernünftige Mittelklasse-Actioncam wie die SJ8 Pro von SJCam (Testbericht) oder die mittlerweile sehr günstige Keymission170 von Nikon (Testbericht) zulegen. Wer auf hohe Bildwiederholungsraten verzichten kann, bekommt hier ein faires Preis-Leistungsverhältnis und ordentliche Bildqualität.

Bei hohen Ansprüchen an die Bildqualität und die Bildstabilisierung sind mindestens 250 Euro fällig. Kameras wie die DJI Osmo Action (Testbericht), die Gopro Hero 8 (Testbericht) oder die modulare Insta360 One R (Testbericht) liefern nicht nur die besten Aufnahmen, sie sind auch in Sachen Bedienung und Funktionsumfang optimal aufgestellt.

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