4K über weite Strecken mit HDMI: Funk-Übertragung, Glasfaserkabel, Extender oder LAN?

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Ein (langes) Kabel von AV-Receiver zu Fernseher oder Beamer ist die günstigste Art der Bild- und Tonübertragung. Doch was ist mit kabellosem HDMI? Wir zeigen Alternativen wie WHDI, WiHD, WiGig und Chromecast, die HDMI-Signale drahtlos übertragen.

Normalerweise stehen Zuspieler wie Streaming- oder Kabelbox nah beim 4K-Fernseher (Ratgeber) und lassen sich daher problemlos per HDMI-Kabel mit dem Anzeigegerät verbinden. Sobald der Fernseher aber schick an die Wand gebracht oder gar ein Beamer Verwendung finden soll, kann das schwierig werden. Zumindest optisch. Denn der Fernseher verliert durch sichtbare Kabel den Eindruck des „frei Schwebens“ und der Beamer ist häufig nicht einmal an der gleichen Wand wie der Zuspieler.

Mit viel Aufwand bekommt man die Verbindung dann zwar auch mit einem langen HDMI-Kabel unsichtbar hin (Stichwort: Kabel in Wand oder Decke verlegen), zur Not klappt das mit Kabelkanälen auch Aufputz noch halbwegs ästhetisch. Immerhin sind sie dann auf den ersten Blick nicht zu sehen.

Eine Alternative versprechen kabellose Lösungen oder solche, die auf ohnehin bereits verlegte Kabel setzen. Sie übertragen Signale per Funk bei 5 GHz oder 60 GHz, alternativ über vorhandenes Strom- oder Netzwerkkabel. Theoretisch ist das kaum teurer als ein langes HDMI-Kabel. In der Praxis kann dieses Versprechen kaum gehalten werden und es gibt weitere Einschränkungen.

Bei der Übertragungsrate liegt der aktuelle HDMI-Standard weit vor klassischem Ethernet. Bis zu 48 GBit/s an Video und Audio laufen über die Kabel. Das funktioniert so gut, weil die Strecken kurz sind. HDMI-Kabel sollen etwa 8 Meter überbrücken. Ist die Strecke länger, kann es zu Problemen bei der Übertragung kommen, meist schalten die Systeme dann auf niedrigere Standards. So wird beispielsweise aus 4K nur noch ein Full-HD-Signal (das der Empfänger dann vielleicht wieder hochrechnen kann).

Erfahrungsgemäß lassen sich Full-HD-Signale problemlos auch durch 15 Meter lange HDMI-Kabel aus Kupfer schicken – und das für Preise von unter 30 Euro für die Strippe. Sobald man UHD-Videos samt Surround-Ton über 10 oder 15 Meter übertragen möchte, kann es aber zu Fehlern bei Kupferkabeln kommen. Die Abhilfe sind HDMI-Kabel, die Glasfaserleitungen für die Datenübertragung verwenden. Glasfaser erlaubt eine hohe Datenübertragung über deutlich längere Strecken – mit ein Grund, warum es für schnelles Internet verwendet wird.

Glasfaser-Kabel haben aber auch Nachteile gegenüber den Kupfer-Varianten: Sie sind deutlich teurer und können nur in eine Richtung eingesteckt werden. Wo es beim normalen HDMI-Kabel egal ist, welcher Stecker an welchem Gerät sitzt, sind die Stecker beim Glasfaser-HDMI-Kabel klar mit Input und Output gekennzeichnet. Ansonsten unterscheiden sie sich weder optisch noch beim Anschlusstyp.

Bei den verfügbaren Kabeln sollte man genau auf den Standard, den Preis sowie die Bewertungen achten. Für HDMI 2.0 gibt es zahlreiche Angebote, der Hersteller Lindy etwa liefert Kabel mit 30 Metern oder mehr.

Wer eine Spielekonsole der neuesten Generation (Next-Gen-Vergleich: Xbox Series Xund S oder Playstation 5) auf den Beamer bringen will, benötigt allerdings Kabel mit HDMI-2.1-Spezifikation. Hier sollte man sich am einfachsten in die Untiefen von Amazon begeben. Denn zum Zeitpunkt des Artikels gab es dort die größte Auswahl an Kabeln, auch wenn einige Optionen immer wieder ausverkauft sind. Einen guten Eindruck hat das Glasfaser-HDMI-Kabel von CDS hinterlassen. Hier kann man von Längen ab 10 Metern wählen, preislich beginnt es ab 60 Euro. Ebenfalls spannend, allein schon wegen seines geflochtenen roten Designs, ist das ANNNWZZD Glasfaserkabel. Die Länge reicht von 5 Meter bis 100 Meter, die Preise beginnen bei 43 Euro.

Ein Leser wies uns auf das HDMI Glasfaserkabel von FIBBR hin, mit dem er gute (Next-Gen-) Erfahrungen gemacht hat. Neben Längen von 15 Metern und mehr hat der Hersteller auch kurze Glasfaser-HDMI-Kabel im Sortiment. Je nach Kabel kann es trotz angeblicher Spezifikationen zu Handshake-Problemen kommen, die sich in kurzen Bildaussetzern bemerkbar machen – hier hilft nur Ausprobieren.

Die andere Verbindungsmöglichkeit ist Funk. Wenn Kabel sich nicht schön oder sinnvoll verlegen lassen, könnte diese Möglichkeit die Lösung sein. Hier gibt es Standards wie WHDI (Wireless Home Digital Interface), WiHD (Wireless HD), WiGig (Wireless Gigabit), Miracast oder die proprietären Varianten Chromecast, AirPlay und Wireless Display Adapter, die unterschiedliche Vor- und Nachteile bieten.

Der Sender/Transmitter wird per Wireless HDMI mit einem Zuspieler oder idealerweise dem AV-Receiver als Heimkino-Zentrale (Ratgeber) verbunden, der anschließend Daten an den Empfänger/Receiver schickt, der per HDMI mit dem Fernseher oder Beamer verbunden wird.

Inzwischen beherrschen viele Fernseher bereits ab Werk intern Möglichkeiten zur drahtlosen Übertragung von Bild und Ton per Miracast, AirPlay oder Chromecast. Als Sender dient hier allerdings ein entsprechendes Smartphone oder Tablet, das Blu-ray-Signal bekommt man so also nicht auf den großen Bildschirm. Smartphone und Fernseher müssen sich im gleichen (W)LAN befinden. Auch Beamer und Fernseher mit WHDI-Receiver gibt es vereinzelt, zudem wird dann ein Sende-Dongle mitgeliefert, der etwa in den AV-Receiver gesteckt wird.

Funktion HDMI 1.4 HDMI 2.0 HDMI 2.1
Bandbreite 10,2 GBit/s 18 GBit/s 48 GBit/s
Auflösung, maximal Full-HD mit 60 Hz, UHD mit 24 Hz Full-HD mit 48 Hz, UHD mit 60 Hz UHD mit 120 Hz, 8K mit 60 Hz
Dynamic HDR ✔️
Static HDR ✔️ ✔️ ✔️
Variable Refresh Rate (VRR) ✔️
Auto Low Latency Mode (ALLM) ✔️
eARC ✔️
ARC ✔️ ✔️

Der proprietäre Standard WiHD (Wireless HD) setzt auf Funk im 60-GHz-Bereich als Übertragungsfrequenz. In der EU sind damit Datenraten von bis zu 7 Gbit/s pro Stream erlaubt, per Mehrantennen-Technik MiMo (Multiple Input Multiple Output) sind insgesamt Datenraten von 28 Gbit/s möglich. Das erlaubt die störungs- und weitgehend latenzfreie Übertragung von 4K-Signalen, liegt aber deutlich unter den 48 GBit/s von HDMI 2.1. Im Gegenzug sind mit dieser Technik durch starke Dämpfung wegen der hohen Frequenz nur kurze Reichweiten von bis zu 10 Meter störungsfrei möglich, außerdem darf die Sichtlinie nicht längere Zeit gestört werden. Eine Übertragung in den Nebenraum funktioniert normalerweise nicht, selbst eine abgehängte Decke für den Beamer kann problematisch sein.

Nicht kompatibel, aber ebenfalls im 60-GHz-Spektrum unterwegs, ist WiGig (Wireless Gigabit). Da WiGig inzwischen als IEEE-802.11ad-Standard Teil der Wi-Fi-Alliance ist, kann damit nicht nur HDMI bis 4K übertragen werden und es ist somit universeller einsetzbar. In diesem Artikel geht es aber nur um die HDMI-Übertragung und die ist durch die hohe Frequenz, die gleiche starke Dämpfung den gleichen Konsequenzen wie WiHD unterworfen.

Mit beiden Verfahren können Signale nach dem HDMI-1.4-Standard übertragen werden. 4K/30 ist damit möglich, 4K/60 oder gar 120, 8K oder HDR nicht. Ein Anwendungsfall für WiGig ist das kabellose Nachrüstset für die VR-Brille HTC Vive (Testbericht). Auch hier kommt es aber zu Problemen, wenn die Sichtverbindung unterbrochen ist.

WHDI (Wireless Home Digital Interface) setzt auf das 5-GHz-Band, das auch modernes WLAN verwendet. Hier kommt ebenfalls MiMo-Technik für die Übertragung mehrerer paralleler Datenströme zum Einsatz, um die Bandbreite zu erhöhen. WHDI bietet den Vorteil, dass eine direkte Sichtverbindung nicht nötig ist, außerdem kann das Signal je nach Stärke auch Wände und Decken durchdringen. Die Reichweite wird je nach Hersteller mit 15 bis 20 Meter angegeben. Mehr als Full-HD inklusive 3D-Inhalten ist hier nicht möglich. Wegen der gleichen Frequenz wie WLAN kann es zu Störungen der Übertragung kommen, sie sollen durch Verwendung von DFS (Dynamic Frequenzy Selection) minimiert werden.

Wenn die Strecken zu lang werden, kann man Repeater nutzen, um das HDMI-Signal zu verstärken. Diese kleinen Kästen nehmen das Signal an, verstärken es und schicken es weiter. Die Idee ist, dass diese Geräte der Dämpfung entgegenwirken können. Dazu benötigen diese Kästen eine aktive Stromquelle, oft haben sie entweder einen direkten Stromstecker oder einen USB-Anschluss. Wer also eine Steckdose oder einen Mehrfachstecker mit USB-Buchsen (Ratgeber) hat, der ist fein raus. Die Verstärker sollten eher näher am Empfänger als am Sender sitzen.

Wie auch bei WLAN-Verstärkern (Ratgeber) haben HDMI Extender ein paar Tücken. Zunächst führt man ein zusätzliches Gerät in die Verbindung ein und damit eine potenzielle Fehlerquelle. Dazu unterstützen derzeit keine Geräte den HDMI 2.1-Standard, damit sind sie für Next-Gen-Inhalte unbrauchbar.

Bei AirPlay 2, Miracast, Chromecast und Wireless Display Adapter kommen keine dedizierter Sender zum Einsatz. Für den Betrieb am AV-Receiver als Verteiler an Fernseher oder Beamer sind solche Dongles daher ungeeignet. Andersherum kann es sehr wohl funktionieren: Chromcast und Co. direkt an den Beamer anschließen und die immer öfter als Built-in-Lösung in AV-Receivern (Ratgeber) zu findende Streaming-Funktion nutzen, klappt. Oder andersherum: Fernseher beherrschen das ebenfalls inzwischen in der Überzahl, auch für manche Beamer gilt das. Damit kommen Inhalte direkt vom Smartphone oder Tablet auf den großen Bildschirm.

Probleme können dabei allerdings HDCP-geschützte Videos (High-Bandwidth Digital Content Protection) in hoher Auflösung machen und das Ausgabegerät muss HDCP-konform sein. Unkomprimiert gelingt der Datentransfer außerdem ebenfalls nicht. Zudem funktioniert das nur aus Cast-fähigen Apps wie Netflix oder Youtube heraus, da der Inhalt nicht direkt vom Smartphone übertragen wird. Stattdessen wird auf dem Smartphone nur ausgesucht, was geschaut werden soll, den Inhalt holt sich der Dongle anschließend über das Internet. Ausnahme sind Internet-Tabs im Chrome-Browser. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass nicht einfach jeder Inhalt vom Smartphone auf Fernseher oder Beamer angeschaut werden kann. Chromecast Ultra kann inzwischen auch 4K und Google Chromecast mit Google TV kann nun wie etwa Amazons FireTV-Sticks selbst streamen, ohne dass ein Smartphone involviert sein muss.

Sämtliche Bildschirminhalte lassen sich hingegen mit Miracast spiegeln. Den Hersteller-übergreifenden Standard der Wifi-Alliance unterstützen grundsätzlich globale Größen wie Apple, Google, Microsoft, Samsung und viele mehr, allerdings setzt Apple voll auf seinen eigenen Standard AirPlay und Google auf seine Entwicklung Chromecast.

Die Auflösung von Miracast ist auf Full-HD beschränkt. Apples AirPlay versteht sich wie Googles Chromcast auf 4K und sogar HDR. Microsofts Wireless Display Adapter bietet inzwischen ebenfalls 4K, allerdings nur mit 30 Bildern pro Sekunde und erlaubt wie AirPlay und Miracast, auf dem es basiert, das Spiegeln jeglicher Smartphone-Inhalte auf ein großes Display.

Die dritte Alternative sind HDMI-Powerline- und HDMI-Ethernet-Adapter. Auch hier geht es nicht ohne Kabel, der größte Vorteil ist jedoch der Umstand, dass zumindest Stromkabel bereits vorhanden sein dürften – schließlich benötigen AV-Receiver und Fernseher/Beamer Strom.

Die Übertragungsqualität hängt hier stark von der Verkabelung im Haus ab. Am besten funktioniert das, wenn Sender- und Empfänger-Steckdose im gleichen Stromkreis liegen, also „an der gleichen Sicherung“, zumindest aber am gleichen FI hängen. Dann ist theoretisch auch die Übertragung ins nächste Zimmer kein Problem. Hersteller sprechen gern von verlustfreier Übertragung und Reichweiten von bis zu 300 Metern, gemeint ist hier normalerweise aber die Übertragung von Full-HD-Signalen. Ähnlich ist es bei HDMI-Ethernet-Adaptern.

Wer auf der Suche nach einer Möglichkeit ist, Bild und Ton kabellos an einen Fernseher oder Beamer zu übertragen, wird fündig. Allerdings gibt es dabei einiges zu beachten: 4K/30 ist das Maximum, schon bei HDR-Inhalten wird es schwierig. Wer gar eine aktuelle Next-Gen-Spielekonsole wie Xbox X (Testbericht), Xbox Series S (Testbericht) oder die Playstation 5 (Testbericht) ohne Kabel verbinden will, der schaut in die Röhre. Denn die verlangen für 4K/120 zwingend HDMI 2.1 und das ist kabellos derzeit einfach nicht machbar.

Mit den bestehenden kabellosen Techniken müssen Interessenten zusätzlich auf einige Dinge wie Reichweite und Aufstellung achten. Dass sie für den Komfortgewinn, kein Kabel verlegen zu müssen, tiefer in die Tasche greifen müssen, dürfte klar sein. Das scheint sich auf die Verbreitung dieser Technologie auszuwirken. Für diesen Artikel hatten auf Anfrage mehrere Hersteller erklärt, keine Testgeräte mehr liefern zu wollen, da ihre Produkte „End of Life“ wären, also nicht weiter produziert würden. Nachfolger scheinen nicht in Sicht zu sein. Interessenten müssen sich also mit dem begnügen, was verfügbar ist und sollten sich beeilen, noch im Umlauf befindliche drahtlose Technik zu ergattern. Denn so überraschend es auch klingen mag: Derzeit sieht es so aus, als ob sich eine „alte“ Technik, nämlich das Kabel, durchsetzen würde. Deswegen empfehlen wir auf alle Fälle einen Blick in den Artikel HDMI-Kabel ab 5 Euro: Unterschiede, HDMI 2.1, 4K, HDR.

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