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3D-Drucker: Billig oder teuer – das sind die Unterschiede

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3D-Drucker mit dem Schmelzschichtungsverfahren (FDM) gibt es zwischen 100 und mehreren tausend Euro. TechStage zeigt, wo die Unterschiede liegen und erklärt, wann sich auch der Kauf günstiger Modelle lohnt.

In den letzten Monaten haben wir uns vor allem mit SLA-Druckern wie dem Elegoo Mars (Testbericht) oder dem Nova3d Elfin (Testbericht) beschäftigt. Sie härten spezielles Harz mit UV-Licht aus und eignen sich vor allem für kleinere Gegenstände mit extrem hohen Auflösungen. Durch die höheren Preise und die Verwendung von giftigem Harz sind die Geräte allerdings primär für Nutzer mit Erfahrung im 3D-Druck geeignet.

Günstiger und weiter verbreitet sind Geräte mit dem FDM-Verfahren (Schmelzschichtungsverfahren). Diese sind auch für Einsteiger gut geeignet und erzielen ansehnliche Ergebnisse. Wir zeigen, woher die Preisunterschiede der Drucker kommen und worauf es beim Kauf ankommt.

3D-Drucker sind nur dann sinnvoll, wenn das Druckbild stimmt und gut aussieht – ansonsten bringt der schnellste und hübscheste Drucker nichts. Wer glaubt, teure Geräte führen automatisch zu einer besseren Druckqualität, der irrt. Letztlich ist das Ergebnis von verschiedenen Faktoren abhängig.

Die Grundvoraussetzung für ansehnliche Ergebnisse ist eine vernünftige Mechanik des Gerätes. Diese ist bei teuren Druckern grundsätzlich gegeben; aber auch die Geräte aus dem mittleren Preissegment sind vernünftig aufgebaut und liefern eine dementsprechend gute Grundlage für erfolgreiche und ordentliche Ausdrucke. Unterschiede sind dennoch vorhanden.

Sehr günstige Modelle, wie der von uns getestete 99-Euro-Drucker (Testbericht), sind nicht empfehlenswert. Rahmen aus Kunststoff oder Holz sind schlicht nicht verwindungssteif und stabil genug, um perfekte Ergebnisse zu erzielen. Wer beim Kauf zu sparsam ist, wird also nur mit extrem viel Nacharbeit und Tuning gute Ergebnisse erzielen können.

In der Preisklasse ab 200 Euro sieht es schon deutlich besser aus, aber auch hier sind Qualitätsunterschiede erkennbar. So gibt es beispielsweise beim günstigen Standardmodell des Creality Ender 3 (Testbericht) immer wieder Probleme mit durchhängenden Druckbetten, was zu Problemen bei der Haftung des Filaments führt. Bei der etwas teureren und überarbeiteten Version, dem Ender 3 Pro ist dieses Manko nicht mehr vorhanden. Die genauen Unterschiede der Ender-Serie zeigen wir im Ratgeber Ender 3 vs. 3 Pro und 5: Kostet der beste 3D-Drucker nur 200€?

Der 600-Euro-Drucker Davinci Pro von Xyzprinting (Preisvergleich) ist qualitativ auch nicht deutlich überlegen. Der schicke Drucker mit geschlossenem Bauraum ist zwar grundsätzlich sehr ordentlich aufgebaut, bei unserem privat genutzten Modell, sind allerdings bereits nach wenigen Stunden Druckzeit zwei Kunststoffteile gebrochen. Wer eine wirklich zuverlässige Mechanik sucht, muss dementsprechend noch mehr investieren; beispielsweise in einen Maker Bot (Preisvergleich). Solche Highend-Modelle schlagen allerdings mit mindestens 1500 Euro zu Buche.

Gute Mechanik allein reicht allerdings nicht aus. Für ein ordentliches Druckbild müssen Drucker aller Preisklassen gut kalibriert sein und die Einstellungen für den Druckvorgang müssen stimmen.

Diese drei Ausdrucke stammen alle aus dem gleichen Drucker. Ohne die korrekten Settings misslingen die Drucke.

Die Einstellungen für den Druckvorgang werden in der Slicing-Software vorgenommen. So ein Programm für den PC unterteilt das 3D-Objekt in einzelne Schichten und bestimmt, mit welchen Geschwindigkeiten, Temperaturen und Linienstärken gearbeitet werden soll. Sind diese Settings nicht auf Drucker und Filament abgestimmt, kann auch kein ordentliches Druckbild entstehen. Hierbei gibt es keinen generellen Unterschied zwischen günstigen und teuren Druckern, da die Software meistens problemlos ausgetauscht werden kann und oftmals sogar kostenlos ist. Das betrifft günstige und mittelpreisige Modelle, oft ist die kostenlose Software Cura beigelegt.

Wer möchte, kann auch auf kommerzielle Programme wie Simplyfy3d zurückgreifen. Der Vorteil beider Programme ist deren große Community, die bei Problemen schnell weiterhilft.

Die Drucker von xyz-printing kommen hingegen mit einer proprietären Software zum Kunden. Diese ist zwar sehr übersichtlich und schnell verständlich, allerdings sind die Einstellungsmöglichkeiten deutlich geringer und eingeschränkter als bei vergleichbaren Programmen. Beim Davinci Pro führte das beispielsweise dazu, dass wir trotz eines geschlossenen Druckraums kein ABS-Filament verarbeiten konnten. In der herstellereigenen Software kann man die Temperatur des Heizbettes nämlich auf maximal 60 °C einstellen. Das ist für eine vernünftige Haftung zu wenig. Nach dem Umstieg auf ein anderes Programm ließ sich die Temperatur dann deutlich höher einstellen und der Druck mit ABS funktionierte.

Welche Filament-Arten der Drucker verarbeiten kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Mit Standardsorten wie PLA, Wood oder PETG kommen eigentlich alle Geräte zurecht. Bei der Nutzung von ABS muss ein beheizbares Druckbett vorhanden sein. Ein geschlossener Bauraum ist ebenfalls empfehlenswert. Beim flexiblen TPU sind Drucker mit sogenanntem Bowden-Extruder im Nachteil. Mit entsprechenden Tuningteilen lässt sich das Material aber auch mit Druckern wie dem Ender3 bearbeiten.

Wer sich für die verschiedenen Filamentsorten interessiert, sollte unsere Ratgeber zu den Themen Standard-Filamente (Ratgeber) und exotische Filamente (Ratgeber) lesen.

Das Standard-Filament PLA funktioniert mit praktisch jedem FDM-Drucker.

Vorteil günstige Drucker: Markengeräte wie die von xyz-printing arbeiten standardmäßig nur mit dem verhältnismäßig teuren Filament des Herstellers. Dies ist bei günstigeren Druckern nicht so. Hier ist es völlig egal, von welcher Marke das Verbrauchsmaterial stammt. Dementsprechend sind die Kosten deutlich geringer.

Beim Aufbau der Drucker gibt es sehr wohl Unterschiede bei den verschiedenen Preisklassen. Grundsätzlich gilt: Je günstiger ein 3D-Drucker ist, desto mehr muss der Nutzer selbst zusammenbauen. Drucker wie der Davinci Mini w+ (Testbericht) oder auch das kleine Budget-Gerät Wanhao Duplicator i3 Mini (Testbericht) kommen beispielsweise fertig montiert zum Kunden. Hier heißt es auspacken und loslegen. Der in der Vergangenheit getestete 99-Euro-Drucker (Testbericht) wird hingegen in Einzelteilen geliefert. Und diese waren in unserem Fall zum Teil defekt oder fehlten völlig. Die meisten Geräte, wie Ender 3, Anet ET4 (Testbericht) oder Tronxy X5SA (Testbericht) sind immerhin teilweise vormontiert. Der Zusammenbau ist so auch für Laien problemlos möglich.

Je günstiger ein Gerät ist, desto schlechter fällt meist auch die Anleitung aus. Wer bisher keine Erfahrung hat, sollte sich deshalb für populäre Geräte entscheiden. Hier finden sich zahlreiche Aufbauvideos, Tutorials und Anleitungen im Internet.

Der Zusammenbau des 99-Euro-Druckers hat Nerven und Zeit gekostet.

So bequem es auch erscheint, den Drucker nur auspacken zu müssen, die Nutzung der fertigen Geräte hat einen entscheidenden Nachteil. Kommt es zu Problemen, ist eine Reparatur meist deutlich komplizierter. Zudem lernt man sein Gerät durch die händische Montage erst so richtig kennen. Nachjustieren, Reparieren oder Tunen ist dann entsprechend einfacher und mit weniger Berührungsängsten verbunden.

Die Größe des Bauraums macht sich stark beim Preis bemerkbar. Grundsätzlich gilt: Je kleiner die maximale Druckgröße, desto günstiger der Drucker. Das liegt vor allem daran, dass, wie oben bereits erwähnt, die Mechanik rund laufen muss. Da bei großen Geräten andere Kräfte wirken als bei kleinen Modellen, ist deren Aufbau üblicherweise deutlich komplexer.

Letztlich sollte man sich im Vorfeld gut überlegen, wie groß man drucken will. Neben dem höheren Preis brauchen die XL-Drucker auch deutlich mehr Platz. Wer lediglich kleine Teile druckt, kann auch auf Minidrucker wie den Wanhao Duplicator i3 Mini oder den Davinci Mini w+ zurückgreifen.

Die Standardgröße beim Bauraum liegt wie etwa beim Ender 3 bei rund 20 × 20 × 20 cm. Wer größere Objekte drucken will, muss beispielsweise den Tronxy X5SA kaufen. Dieser ermöglicht Drucke mit einer Größe von bis zu 33 x 33 x 40 cm, kostet aber gut 100 Euro mehr.

Die Druckplatten von Ender 3 (oben) und Tronxy X5SA (unten) im Vergleich.

Neben dem Rahmen mit der Mechanik und dem Druckkopf ist bei allen Druckern ein Bedienfeld verbaut. Ob dieses berührungsempfindlich ist oder ein Farbdisplay besitzt, ist letztlich unerheblich und auch eine Sache des Geschmacks. Auch ob der Drucker per Speicherkarte, USB-Anschluss oder per WLAN mit den Druckdaten versorgt wird, spielt in der Praxis keine entscheidende Rolle.

Ein inzwischen fast immer vorhandenes und auch dringend empfohlenes Feature ist das beheizbare Druckbett. Ohne die Erwärmung der Druckplatte ist die Haftung des Filaments entweder schlechter oder gar nicht gegeben. Wer beispielsweise widerstandsfähiges ABS drucken will, muss das Heizbett auf 90 bis 110 Grad erwärmen.

Der Filamentsensor erkennt, ob das Verbrauchsmaterial auch tatsächlich gefördert wird. Geht das Filament zuneige oder reißt, unterbricht der Drucker den Druckvorgang. Das ist zwar praktisch, aber letztlich nicht wirklich notwendig, da es nur selten vorkommt.

Ein Leveling-Sensor, wie beim Tronxy X5SA, misst die Abstände zwischen Druckkopf und Druckplatte und hilft beim exakten Ausrichten. Das ist zwar durchaus hilfreich, aber nicht zwingend notwendig. Mit etwas Übung und gutem Augenmaß klappt das Kalibrieren erfahrungsgemäß auch ohne den Sensor sehr gut.

Ein Leveling-Sensor ist praktisch, aber nicht notwendig.

3D-Drucker mit mehreren Druckköpfen oder einem Dual-Extruder, wie der Geeetech A10M (Testbericht), erlauben die Verarbeitung mehrerer Filamente oder Farben in nur einem Arbeitsgang. So verlockend diese Funktion auch ist, Anfänger sollten lieber darauf verzichten. Der Mehrfarbdruck oder die Kombination zweier Filamentsorten ist deutlich anspruchsvoller und sorgt selbst bei erfahrenen Anwendern häufig zu größeren Problemen.

Wie im Text beschrieben, sagt der Preis des 3D-Druckers nur wenig über dessen tatsächliche Qualität aus. Erfahrungsgemäß sind extrem billige Drucker aber mechanisch oft schlecht umgesetzt, weshalb wir davon abraten. Weniger als 200 Euro sollte man nicht investieren. Es müssen aber auch nicht tausende Euro sein. Die in der Vergangenheit getesteten Modelle in der Preisklasse zwischen 200 und 400 Euro haben letztlich alle ordentliche Druckergebnisse geliefert. Wie viel Eigeninitiative dazu nötig ist, erfährt man in unseren Testberichten.

Diese Geräte hatten wir im Test:

Diese Drucker sind derzeit am beliebtesten:

Grundsätzlich gilt: Fertig aufgebaute Drucker sind immer teurer als solche zum Zusammenbauen. Wer keine Scheu hat, sich mit der Technik auseinanderzusetzen, sollte ein Selbstbau-Kit kaufen. Ein weiterer Preistreiber ist der Bauraum. Je größer dieser ist, desto teurer ist auch der 3D-Drucker. Insofern sollte man sich gut überlegen, welche Größe wirklich benötigt wird. Ähnlich sieht es bei der Ausstattung aus. Je mehr Features vorhanden sind, desto höher ist der Preis. Da nicht alle Funktionen wirklich benötigt werden, sollte man hier gut abwägen, was einem tatsächlich wichtig ist.

Am einfachsten zu Drucken und am günstigsten sind Standard-Filamente (Ratgeber). Diese funktionieren mit so praktisch jedem FDM-Drucker. Bei exotischen Filamenten (Ratgeber) sieht es schon anders aus. Wer spezielle Ansprüche ans Material hat, sollte sich im Vorfeld genauer damit auseinandersetzen.

Wer lediglich sehr kleine, aber dafür umso detailliertere, Objekte drucken möchte, sollte sich eine andere Drucktechnik ansehen. Hier empfehlen wir unseren Ratgeber UV-Harz oder Kunststoff-Filament: 3D-Drucker im Vergleich .

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