Konkret geht es um das Nokia 105 . 1,4 Zoll großes Farbdisplay mit 128 × 128 Pixeln, Zifferntastatur, Dual-Band-GSM und keine Kamera. Das mag sich spartanisch anhören, aber für jemanden, dem dieses Gerät die Welt in die mobile Telefonie eröffnet, ist das eine tolle Ausstattung. Und vor zehn Jahren hätten wir auch in Deutschland für so eine Ausstattung noch richtig Geld auf den Tisch gelegt.
Das Nokia 105 wird nun für etwa 20 Dollar verkauft. 15 Euro und 35 Cent, nach heutigem Wechselkurs. Und da soll noch Gewinn übrig bleiben? Die Spezialisten von IHS haben das Handy ausführlich untersucht und die Materialkosten ermittelt: 13,50 Dollar kosten die Bestandteile des Handys, 10,36 Euro. Dazu kommen Produktionskosten in Höhe von 70 US-Cent (0,54 Euro). Ja genau: Für den Gegenwert einer Briefmarke, elf Lakritzschnecken, zwei Spülvorgängen einer Standard-Toilette oder einem Kilometer Fahrt in einem Audi A4 kann man irgendwo auf der Welt ein komplettes Handy zusammenbauen.
Unterm Strich kommen also Gesamtkosten von 14,20 Dollar heraus, wenn wir Forschung und Entwicklung außen vor lassen. Das entspricht bei einem Verkaufspreis der angedachten 20 Dollar einer Marge von erfreulichen 29 Prozent.
Grund für die günstigen Preise und die Beruhigung für unser Gewissen, eben weil wir Forschung und Entwicklung links liegen lassen: Das Nokia 105 entspricht von der Ausstattung und der Funktionsvielfalt her fast exakt dem Nokia 1110, das IHS vor acht Jahren analysiert hat – und bei dem die Materialkosten fast drei Mal so hoch lagen. Fast die kompletten Funktionen des Handys sind inzwischen auf einem einzigen Chip zusammengefasst. Hochintegriert, so nennt das der Fachjargon. Und durch die Beschränkung auf die Grundfunktionen muss man weder viel forschen noch entwickeln. Alte Nokia-Nutzer werden sogar die Menüs und Bedienung wiederkennen ;-)