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Bitkom heult rum: Abschaffen der Roaming-Gebühr ist böse

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Wobei "böse" noch nicht einmal das richtige Wort ist. Asozial, könnte man fast sagen. Denn der Branchenverband Bitkom (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien) warnt lauthals vor der Abschaffung der Roaming-Gebühren .

Die armen, armen Provider hätten dann nämlich weniger Geld zur Verfügung, um es ganz selbstlos an die Kunden zu verschenken. "Die Abschaffung der Roaming-Gebühren würde zwangsläufig dazu führen, dass die Preise für Inlandstelefonate und mobile Internetnutzung steigen. Auch würde die Subventionierung von Smartphones, Tablet Computer und Handys durch die Netzbetreiber künftig niedriger ausfallen", heißt es in einer Pressemitteilung.

Stimmt, ich vergaß: Mobiles Telefonieren ist in Deutschland ja fast umsonst, und meine Smartphones bekomme ich auch geschenkt. Oder? Quatsch! Fakt ist: Geschenkt gibt es schon lang nichts mehr. Dass die Provider Hardware ordentlich bezuschusst haben, ist seit dem Verdrängungswettbewerb der 90er Jahre vorbei. Am Beispiel von O2 sieht man transparent, wie es heute abläuft. Wer kein Handy nimmt, zahlt niedrigere Gebühren, und die Zusatzgebühren für ein Smartphone machen über die Vertragslaufzeit hinweg genau die Kosten der Hardware aus.

Werfen wir doch mal einen Blick auf unsere Nachbarn. In Österreich fahren die Manager der Telefonkonzerne auch nicht mit einem Dacia Logan als Direktionsfahrzeug durch die Gegend, und die normalen Mitarbeiter von Drei oder Bob müssen weder vom Müll leben noch unter Brücken schlafen. Und das, obwohl die Mobilfunktarife spürbar billiger sind als bei uns. Dort bekommt man problemlos einen Tarif mit einer Grundgebühr von 15 Euro – inklusive anständigem Smartphone, 1000 Gesprächsminuten, SMS in alle Netze und 1 GByte Datentransfer. Oder reine Datenkarten mit 9 GByte Volumen für 8,80 Euro pro Monat.

"Derzeit werden vor allem von vielreisenden Geschäftsleuten Roaming-Gebühren bezahlt", schreibt Bitkom. Stimmt: Weil wir normalen Menschen das Datenroaming vorsichtshalber gleich ganz abschalten, um nicht in eine Kostenfalle zu geraten, die uns die Butter vom Brot nimmt. Und uns bei Telefonaten möglichst kurz fassen. Gäbe es die horrenden Roamingkosten nicht, würden wir doch auch beim Skifahren in Tirol und beim Zelten am Gardasee surfen und telefonieren, was das Zeug hält – und damit die Umsätze wieder nach oben schrauben.

Außerdem sind die Gebühren innerhalb der EU ohnehin nicht die wirklich fiesen: Krass wird es, wenn wir Europa verlassen. Ein Beispiel: Eine ausgehende Gesprächsminute in der EU kostet bei der Telekom 28 Cent pro Minute. In den USA sind es schon 1,49 Euro – und in Ägypten 2,99 Euro! Und ein MByte Datentransfer in Amerika schlägt mal eben mit 10 Euro zu Buche, in der EU sind es 53 Cent. Da sehen wir, was passiert, wenn nicht reguliert wird. Noch Fragen?

"Leidtragende werden die einkommensschwachen Bevölkerungsgruppen sein, die wenig reisen und derzeit von den niedrigen Gebühren für Inlandsgespräche am stärksten profitieren". Schwachsinn. Liest sich gut und kommt gut an, vor allem vor der Wahl. Aber die Preise für Kommunikation gehen immer weiter zurück. Kein Provider wird es sich trauen, aus einem 9-Cent-Tarif einen 12-Cent-Tarif zu machen – denn dann würden die Kunden in Scharen abwandern zur günstigeren Konkurrenz. Und dass alle Anbieter gleichzeitig ihre Gebühren in die Höhe schrauben, ist genau so realistisch wie ein Dacia Logan für Telekom-Chef Obermann oder Bitkom-Boss Rohleder.

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