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Alles zum Moto X: Individueller Zuhörer mit alter Hardware

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In den vergangenen Jahren hatte Motorola wohl niemals mehr Aufmerksamkeit als in der vergangenen Nacht. Selbst in Europa war das Interesse groß – obwohl das neue Motorola-Smartphone hierzulande gar nicht zu haben sein wird. Das gestern vorgestellte Gerät ist ausschließlich für den US-Markt gedacht und soll dort zusätzlich mit einem Zwei-Jahres-Mobilfunkvertrag um die 200 US-Dollar kosten.

Nur für die USA? Mancher mag da mehr erwartet haben. Schließlich werten viele das Moto X als Motorolas letzte Chance. Den europäischen Markt hat Motorola wohl auch fest im Blick. Moto X ist für Motorola so etwas wie das One für HTC – eine Marke also, die immer wieder für eine Geräteklasse verwendet werden soll. Das Moto X schafft den Sprung über den großen Teich also wohl auch irgendwann. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Wozu also der große Trubel um ein Smartphone? Nein, das Moto X punktet werde mit der allerneutsten Technik oder dem günstigsten Preis. Vielmehr konzentriert sich Motorola offenbar darauf, dem Kunden sein ganz persönliches Gerät zu liefern. Und es soll darum gehen, die Probleme der User zu lösen – und das geschieht eben nicht mit einem vollgestopften Datenblatt, sondern mit einem guten Gerät. Aber schafft das das Moto X?

Das Moto X kauft man nicht in irgendwelchen Elektronik-Discountern an der Ecke, nicht bei irgendwelchen Preisvergleichen und schon gar nicht in der Grabbelkiste im Supermarkt. Der Kaufprozess gleicht mehr dem eines Neuwagens: Es gibt einen Online-Konfigurator, mit dem sich der Nutzer sein künftiges Smartphone nach seinen Wünschen zusammenstellt.

Die insgesamt 18 verschiedenen Rückschalen, die wahlweise schwarze oder weiße Front, die sieben Farben für den Ring um die Kamera und die seitlichen Tasten sorgen dafür, dass es ingesamt 504 unterschiedliche Moto-X-Versionen gibt. Soll es noch einzigartiger sein, bekommt die Rückseite im Online-Konfigurator noch eine Gravour verpasst.

Genau hier haben wir dann auch schon den Grund, warum Motorola das Moto X in den USA fertigen lässt. Zwar kommen die einzelnen Komponenten wie Prozessor, RAM und dergleichen aus Fernost, zusammengesetzt wird jedoch alles in Texas. Das soll dafür sorgen, dass jedes individuell angepasste Moto X binnen vier Tagen gebaut und beim Besitzer angekommen ist. Leider ist es damit aber auch viel schwieriger, das Moto X in andere Länder, sprich: nach Deutschland, zu exportieren.

Und wie sieht es jetzt aus, das Moto X? Auf den ersten Blick relativ ähnlich wie das HTC One: Die Rückseite verjüngt sich zu den Seiten rechts und links deutlich und beschreibt damit einen ganz ähnlichen Bogen wie das HTC-Flaggschiff. Und auch die mittig platzierte Kamera erinnert stark an das One.

Beim Blick auf die Front wird jedoch klar: Das Moto X muss ein ganzes Stück kleiner sein als das HTC One – auch, wenn das Display mit 4,7 Zoll ebenso groß ist. Der seitliche Rahmen um den Bildschirm fällt jedoch deutlich schmaler aus, und oberhalb der Anzeige bleibt gerade einmal ausreichend Platz für den Ohr-Lautsprecher und die Sensoren. Die drei obligatorischen Android-Tasten sind übrigens nicht als Sensorflächen unterhalb des Bildschirms platziert, sondern sitzen virtuell auf der Anzeige. Im Vergleich zum One spart sich Motorola auch die breiten Boomsound-Lautsprecher.

Das bestätigt auch ein Blick auf die technischen Daten: Mit 12,9 × 6,3 Zentimetern ist das Moto X ein ganzes Stück kürzer als das One mit seinen 13,7 × 6,8 Zentimetern. Mit 10,4 versus 9,3 Mililmetern fällt das Motorola-Smartphone allerdings ein Stück dicker aus.

Es gibt derzeit wohl keinen Smartphone-Hersteller, der sich trauen würde, in sein Flaggschiff ein Display mit weniger als Full-HD-Auflösung zu bauen. Motorola tut es trotzdem. Während die Konkurrenten – wie das HTC One oder das Samsung Galaxy S4 – jeweils mit 1080p-Displays aufwarten, gibt sich Motorola beim Moto X mit der Hälfte der Pixel zufrieden. Offenbar aus gutem Grund: Das 720p-AMOLED-Panel verbraucht deutlich weniger Strom und der Unterschied zu Full-HD, davon ist Motorola überzeugt, ist eigentlich nicht zu sehen.

Dafür hat Motorola ein paar nette Ideen eingebaut, die Pixel-Fans durchaus trösten könnten. Bei dem OLED-Display können einzelne Pixel angesprochen werden. Und nur diese verbrauchen Strom – der Rest des Panels nicht. Diesen Umstand macht sich Motorola zu Nutze und bringt das Feature "Active Display". Das Moto X zeigt in einem kleinen Ausschnitt eine Benachrichtigung auf dem Display an, sobald man einen Anruf verpasst oder eine Nachricht bekommen hat. Ein Fingertipp reicht dann aus, um dann direkt in das entsprechende Event zu springen. Ein ständiges Ein- und Ausschalten des Telefons, um nach neuen Nachrichten zu gucken, ist damit überflüssig. Nachdem der Durchschnittsnutzer das laut Motorola rund 60 Mal am Tag macht, soll hier viel Komfortgewinn drin sein.

Der Wehrmutstropfen beim Display bleibt trotzdem. Den Kollegen von TheVerge zufolge sind die Kontraste und Farben zu stark. Aber gut, AMOLED-Displays sind eben einfach extrem kräftig.

Nein, den besten Prozessor hat Motorola seinem Moto X auch nicht spendiert. In der Kiste werkelt lediglich ein Snapdragon S4 Pro von Qualcomm. Nicht falsch verstehen: Der Snapdragon S4 Pro ist eine sehr ordentliche CPU, der in diesem Fall in einer Dual-Core-Ausführung verbaut ist und mit 1,7 GHz taktet. Andere Flaggschiff-Smartphones setzen auf den neuen Snapdragon 600 oder sogar auf den Snapdragon 800.

Die ersten Vorab-Tests bei einigen Kollegen attestieren dem Moto X aber dennoch eine sehr gute Note in Sachen Performance. Motorola sagt, dass man viele Optimierungen vorgenommen habe, die das Gerät auch mit weniger Rechenkernen auf Augenhöhe zur Konkurrenz bringen. Weniger Rechenkerne bedeuten auch weniger Energieverbrauch – und damit eine längere Akku-Laufzeit.

Apropos Akku: Sollte die Motorola-Aussage zum Akku wirklich stimmen und es tatsächlich möglich sein, mit dem Moto X ganz 24 Stunden ohne Nachladen auszukommen, wäre das ein echtes Kaufargument. Für finale Aussagen ist es natürlich noch viel zu früh. Trotzdem hat Motorola hier unsere Aufmerksamkeit geweckt.

Neben dem eigentlichen Prozessor gibt es zwei weitere energie-sparend arbeitende Kerne. Der eine ist für die Sprachsteuerung zuständig, der andere für die Gestensteuerung und andere aktuelle Aufgaben.

Smartphone Samsung Galaxy S4 HTC One (M7) Motorola Moto X
Straßenpreis 335 Euro 587 Euro unbekannt
Betriebssystem Android Android Android
Display 5 Zoll / AMOLED 4,70 Zoll / IPS-LCD 4,70 Zoll / AMOLED
Auflösung 1920 × 1080 Pixel / 441 ppi 1920 × 1080 Pixel / 469 ppi 1280 × 720 Pixel / 316 ppi
Kamera 13 Megapixel / k. A. 4 Megapixel / BSI-CMOS 10 Megapixel / k. A.
Blitz, Videoleuchte Foto-LED Foto-LED Foto-LED
Bildstabilisator k. A. optisch k. A.
Auflösung (Video) 1920 x 1080 1920 x 1080 1920 x 1080
Frontkamera 2 Megapixel 2,1 Megapixel 2 Megapixel
Prozessor Qualcomm Snapdragon 600 APQ8064T / 1,89 GHz / 4 Kerne Qualcomm Snapdragon 600 APQ8064T / 1,7 GHz / 4 Kerne Motorola X8 Mobile Computing System / 1,7 GHz / 2 Kerne
Speicherkartenslot ja / microSDXC bis 64 GByte nein / k. A. nein / k. A.
LTE ja / 800, 850, 900, 1800, 2100, 2600 ja / 800, 1800, 2600 ja / 800, 1800, 2600
WLAN 802.11a/b/g/n und ac 802.11a/b/g/n und ac 802.11 a/b/g/n
Bluetooth 4.0 Low Energy 4 4.0 Low Energy
NFC ja ja ja
GPS / Glonass ja / ja ja / ja ja / ja
Radio / FM-Transmitter nein / nein ja / k. A. k. A. / k. A.
Akku-Kapazität 2600 mAh / k. A. 2300 mAh / k. A. 2200 mAh / k. A.
Standby / Gesprächszeit 2G k. A. / k. A. 479 h / 27 h k. A. / k. A.
Standby / Gesprächszeit 3G 350 h / 17 h 500 h / 18 h k. A. / k. A.
Abmessung 70 × 137 × 9 mm 68 × 137 × 9 mm 65 × 129 × 11 mm
Gewicht 130 Gramm 144 Gramm 135 Gramm

Zur Knipse des Moto X gab es im Vorfeld bereits Details – schnell sollte sie sein, konnte man aus einem Posting von Motorola auf Google+ herauslesen. Und auch die Auflösung von 10,5 Megapixeln wurde im Vorfeld ebenso korrekt vermutet. Jetzt steht fest: Im Moto X knipst ein Kamera-Modul von Omnivision: das OV10820 .

Der lichtempfindliche Chip bietet mit einer Diagonale von 1/2,6 Zoll etwas mehr Fläche als die üblichen Smartphone-Sensoren. Bei der Auflösung von 10,5 Megapixeln kommt er auf eine Pixelgröße von 1,4 Micron – und liegt damit exakt auf dem Niveau des iPhone 5.

Eine Besonderheit gibt es allerdings beim Aufbau des Sensors. Prinzipiell können alle Pixel auf Bildsensoren nur hell und dunkel unterscheiden. Um die Farbinformationen zu gewinnen, liegt über den allermeisten Bildsensoren eine Matrix aus grünen, blauen und roten Pixeln – die RGB-Farbinformationen der einzelnen Pixel errechnet der Bildprozessor anschließend anhand der umliegenden Bildpunkte.

Der Sensor des Moto X hat zusätzlich zu den roten, grünen und blauen Pixeln noch ein weißes Pixel, das sich ausschließlich um die Helligkeit kümmert. Es handelt sich also nicht um einen RGB-, sondern um einen RGBW-Sensor. Die weißen Extra-Pixel sollen für eine bessere Bildqualität sorgen – insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen.

Ob das so toll funktioniert, da darf man zumindest skeptisch sein. So hat Sony Anfang 2012 mit großem Brimborium ebenfalls Sensoren mit zusätzlichem Weiß-Pixel angekündigt, nur um bei der nächsten Generation im Herbst 2012 wieder von RGBW auf RGB zurückzuwechseln. Wie die Webseite ExtremeTech berichtet, sollen die Sony-Sensoren Probleme bei kontrastreichen Motiven und bei der Farbwiedergabe gehabt haben – durch die zusätzlichen Weißpixel gibt es nämlich weniger grüne Bildpunkte. Wir sind in jedem Fall schwer gespannt.

Ansonsten soll die Kamera des Moto X vor allem schnell sein. Der Nutzer muss sich nicht durch Menüs klicken, um die App zu starten, sondern schüttelt das Smartphone einfach. Außerdem ist das Interface extrem aufgeräumt – allerdings mit dem Nachteil, dass die Einstellungen komplizierter zu erreichen sind.

Ein Freund, der immer ein offenes Ohr hat und macht, was man ihm sagt: Das Moto X tut das, was sich viele Frauen wünschten – es hört tatsächlich immer zu. Um das Moto X auf die eigene Stimme zu trainieren, muss man lediglich dreimal "OK, Google Now" laut sprechen. Danach soll das Gerät den Nutzer immer erkennen – auch in lauten Umgebungen. Spricht man dann den vorher erwähnten Satz, springt Google Now an und wartet auf Instruktionen. Damit das auch immer reibungslos funktioniert, gibt es einen eigenen Rechenkern, der neben dem eigentlichen Prozessor exklusiv für das Zuhören abgestellt ist. Google Now selbst braucht dann natürlich wieder eine funktionierende Internetverbindung.

Diese Funktion sollte man – heute mehr denn je – auch kritisch sehen. Es werden noch mehr Daten über uns gesammelt, die irgendwo auf Servern liegen, auf die wir keinen Einfluss mehr haben. Auf der anderen Seite: Wer davor Angst hat, sollte von Android, Apple und Co. wahrscheinlich gänzlich die Finger lassen.

Nachdem es Googles Konzerntochter Motorola ist, die das Moto X baut, waren die Hoffnungen groß auf eine neue Android-Version. Groß, aber zu optimistisch. Schließlich hat Google erst kürzlich auf seinem Pressefrühstück Android 4.3 vorgestellt, das bereits für die ersten Nexus-Geräte verfügbar ist. Wer hier ernsthaft auf ein Android 5.0 gehofft hat, wird wohl auch bei der nächsten Fußball-WM all sein Erspartes auf Nauru setzen.

Dass aber nicht einmal das aktuelle Android 4.3 zum Einsatz kommt, überrascht dennoch ein wenig. Gleichzeitig senden Motorola und Google damit aber ein wichtiges Signal an die anderen Android-Smartphone-Hersteller aus: Es gibt keine Bevorzugungen und Extrawürste für Motorola. Das ist etwas, das Microsoft und Nokia beispielsweise fulminant verpasst haben. Google dürfte damit zumindest dem Druck bei Samsung & Co. etwas entgegenwirken, ein alternatives Betriebssystem wie Tizen zu etablieren.

Und auch die großen Vanilla-Android-Fans dürften ebenfalls ein wenig enttäuscht sein: Wenn jemand Android in seiner reinsten und schönsten Form bringen könnte, dann doch Motorola, oder? Die Antwort lautet: Nein. Auch Motorola kommt nicht ganz ohne Anpassungen am Android-Betriebssystem aus – auch wenn die Änderungen nicht überall sichtbar sind.

So musste beispielsweise für die optimale Ansprache der Sensoren Hand angelegt werden. Das Moto X erkennt zum Beispiel, sobald sich sein Besitzer in ein Auto setzt – und wechselt dann in den Drive-Modus. Wie TheVerge anmerkt, kann das Handy aber nicht unterscheiden, ob man sich gerade selbst ans Steuer oder einfach bloß ins Taxi gesetzt hat. Das könnte unter Umständen also ganz schön nervig werden.

Ansonsten gibt es noch ein paar kleine visuelle Anpassungen. Alles in allem hält sich Motorola hier aber zurück und nutzt die Android-Standard-Komponenten. Motorola ist sich sicher, dass man so zukünftig schnelle Updates anbieten kann. Man wird und wird nicht müde, immer wieder auf die Unabhängigkeit von Google hinzuweisen.

Immerhin: TheVerge zufolge soll es das Moto X analog zum HTC One und zum Galaxy S4 auch zeitnah als Google-Version mit Vanilla-Android geben. Davon hat man allerdings auch nur etwas, wenn man in USA lebt.

Das Moto X kostet – zumindest bei den etwas undurchschaubaren US-Mobilfunktarifen – genauso viel wie ein HTC One oder ein Galaxy S4. Gleichzeitig scheint das Smartphone bei der Hardware aber eine Generation hinterherzuhinken. Wie passt das also zusammen?

Motorola setzt auf ein individualisierbares Gehäuse, auf eine hoffentlich durchdachte Sprachsteuerung und eine wohl bessere Akkulaufzeit. Ob das ausreicht, um die Konkurrenten auszustechen? In Übersee vielleicht – hier bewirbt der Hersteller das Moto X stark mit "Made in USA" und setzt auf den Patriotismus der Menschen. In anderen Ländern bleibt dann in erster Linie das frei konfigurierbare Gehäuse, das den persönlichsten Gegenstand unseres Alltags tatsächlich zu etwas Besonderem macht. Aber ist das genug?

Text: Stefan Möllenhoff und Fabien Röhlinger

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