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Wie die Schweizer ihre Uhren vor der Smartwatch retten

Bild: TAG Heuer Carrera – Calibre Heuer 01

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Smartwatches sind für die Schweizer Uhrenmanufakturen ungefähr so ein geiles Thema wie Napster für die Musikindustrie oder Kino.to für die Filmbranche. Der Weg geht in Richtung Intelligenz in der Uhr, so viel ist klar. Doch hier treffen Welten, ach was, Universen aufeinander. Denn eine mechanische Uhr aus der Schweiz darf gut und gerne eine fünfstellige Summe kosten – schließlich gilt sie als Wertanlage. Man kann sie tragen oder sammeln – und wie echten Schmuck immer wieder für viel Geld verkaufen.

Smartwatches sind dagegen schon nach wenigen Jahren, wenn überhaupt, maximal noch Elektronikschrott. So wie Ihr aktuell nicht mit einem drei oder vier Jahre alten Smartphone durch die Gegend laufen wollt, werdet Ihr künftig auch keine „alte Uhr“ am Handgelenk tragen wollen. Denn während sich die großen und kleinen Zeiger in den letzten hundert Jahren nicht verändert haben, wachsen Akkukapazitäten, Bandbreiten, Bildschirmauflösungen und Sensor-Fähigkeiten schneller, als Kino.to den Abverkauf von DVDs eingebremst hat.

Zurück zu den Schweizern: Sie können das Thema aussitzen. Haben sie schon einmal gemacht, als die Quartz-Uhren aus Japan kamen. Was damals passiert ist, könnt Ihr auf Wikipedia unter dem Schlagwort Quartzkrise nachlesen. Kurz und knapp: Binnen knapp 20 Jahren sank die Zahl der Beschäftigten in der Uhrenbranche um zwei Drittel, die Anzahl der Betriebe fiel von 1600 (1970) auf 600 (heute).

Nichts tun ist also nicht unbedingt klug. Einfach irgendeine Smartwatch mit Android Wear auf den Markt scheißen pardon, bringen, und Rolex draufschreiben, aber auch nicht. Das könnte der Marke schaden – und es wäre wohl die erste Rolex, die nach zwei Jahren nicht mehr, sondern gar nichts mehr wert ist. Innovative Lösungen sind also gefragt – und möglichst jetzt und nicht erst, wenn Wikipedia auch einen Artikel zur Smartwatchkrise kennt.

Einen spannenden Ansatz verfolgt Tag Heuer. Die Carrera Wearable 01 soll 1100 Euro kosten und mit Android Wear laufen. Ob die Uhr die begehrte Aufschrift Swiss Made erhalten wird und damit offiziell zum Schweizer Edelprodukt geadelt wird, steht noch nicht fest. Dass die Uhr upgradebar sein soll, hingegen schon. Wie genau das funktionieren soll, hat Tag Heuer noch nicht mitgeteilt. Aber diese Smartwatch soll „mit der Zeit gehen“. Optisch soll sie sich an das Modell Calibre Heuer 01 anlehnen (Bild oben).

Andere Hersteller hochwertiger Uhren arbeiten an alternativen Lösungen. IWC und Montblanc (wobei letzterer aus Hamburg stammt) beispielsweise wollen die Intelligenz und die Sensorik nicht in die Uhr, sondern in das Armband packen – etwa mit dem E-Strap, einer Art Uhrenschließe mit Display und Smartphone-Anbindung.

Bild: Montblanc Montblanc E-Strap

Mit persönlich würde ja auch eine Lösung gefallen, die Mechanik mit Elektronik verbindet. Ein mechanisches Uhrwerk mit Platz für ein Display – oder ein Display, das in das Uhrenglas integriert ist und im abgeschalteten Zustand den Blick auf die Zeiger ermöglicht. Die zugehörigen Sensoren dürfen die Hersteller dann auch gerne in ein austauschbares Armband packen, um fit für die Zukunft zu sein.

Was denkt ihr, wie geht es mit hochwertigen Uhren weiter?

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