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Was macht die zweite Kamera des neuen HTC One?

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Am 25. März stellt HTC das neue HTC One alias HTC M8 vor. Das steht fest. Und inzwischen wissen wir durch diverse Leak-Fotos und ein erstes (mieses) Hands-on-Video, dass das neue One auf seiner Rückseite gleich zwei Kamera-Linsen hat. Was hat es damit auf sich? Verdammt gute Frage. Wir sind der Sache nachgegangen.

Update: Inzwischen haben wir die Kamera des HTC One analysiert. Wie sie funktioniert, lest Ihr hier: Rätsel gelöst: So funktioniert die Kamera des HTC One M8

Zuerst die schlechte Nachricht: Ich habe genau so viele bestätigte Fakten über die Doppel-Kamera des neuen HTC One auf dem Tisch wie Ihr. Trotz aller Bemühungen und Bestechungsversuche rücken HTC und fabnapp einfach nicht raus mit der Information, was es damit auf sich hat. Also: Zurück auf Los. Hinsetzen, überlegen, denken. Welche Optionen gibt es? Ich mache das Ausschlussverfahren.

Bild: HTC Das Evo 3D von 2011: Hier stand die 3D-Kamera im Fokus. Der Abstand zwischen den Linsen ist größer als beim neuen One, außerdem kommen zwei identische Kameramodule zum Einsatz.

Liegt auf der Hand. Hatte HTC auch schon mal, im Evo 3D. Zwei Kameras mit Abstand zueinander, die gleichzeitig ein und dasselbe Motiv aufnehmen. Das Ergebnis ist ein Bild, in das sich Tiefeninformationen einrechnen lassen – und wir könnten Fotos und Videos mit drei Dimensionen knipsen.

Grundsätzlich ganz geil, ist aber schon mal gefloppt. 3D-Bilder sind halt "nur" ein nettes Gimmick, aber nicht mehr. Und: Um die Sache wirklich ausleben zu können, bräuchte das neue One zwingend ein autostereoskopisches 3D-Display, das ohne optische Hilfsmittel wie eine Brille Tiefe darstellt. Daran glaube ich nicht – man hätte es im Leak-Video erkennen können, selbst wenn die Funktion bei diesem Gerät noch deaktiviert gewesen wäre.

Außerdem passt der Abstand der Kamera-Linsen nicht. Bei den bisherigen 3D-Handykameras von HTC und LG sind die Digicams weiter voneinander entfernt. Und: Beide Linsen sind identisch. Beim neuen One ist eine größer als die andere.

Bild: Flir Flir One – eine Hülle für das iPhone. Oben links befindet sich die normale Kamera, darunter die Sensoren für die Wärmemessung. Feine Sache, nettes Gadget – aber wohl zu teuer für die Masse.

Cooles Gadget. Beziehungsweise: Hot Gadget! Eine Wärmebildkamera im Smartphone. Haben wir auf der CES schon gesehen, dort hat Flir ein Case für das iPhone vorgestellt, in dem eine solche Kamera eingebaut ist. Optisch passt das zum One: Die Wärmebildkamera kann anders aussehen als die Fotoknipse. Technisch ergibt das durchaus Sinn.

Aber ist es auch sinnvoll? Was machen potentielle Millionen HTC-One-Käufer mit einer Wärmebildkamera? Wärmebrücken ihrer Eigenheime für eine potentielle Sanierung suchen? Den verlorenen Hamster im dunklen Zimmer unterm Bett finden? Oder einfach nur mit dem warmen Finger ein Bild auf einen kalten Tisch "malen"?

Unrealistisch. Die Technik ist teuer und der Nutzen für die Masse überschaubar. Also: Nope.

Die Kamera des ersten One musste durchaus Kritik einstecken. Während die Zoe-Funktionen eine feine Sache sind, die den Verzicht auf große Mengen Megapixel rechtfertigen, schlagen sich die meisten Konkurrenzsmartphones vor allem bei schönem Wetter besser. Hohe Auflösung bedeutet viele Details; man kann mit zwei Fingern tief in die Fotos zoomen – aber eben nicht beim One. Vier Megapixel bleiben halt vier Megapixel. Auch, wenn sie Ultrapixel heißen.

Nun geht das Gerücht um, HTC würde zwei Kameras für unterschiedliche Bedingungen verbauen. Einmal die bereits bekannte Ultrapixel-Kamera für coole Zoe-Funktionen, automatischen Videoschnitt & Co., und eine zweite hochauflösende Kamera für Schönwettersituationen.

Das ist gut möglich. Vor allem, wenn beide Kameras gleich ausgerichtet sind, könnte man da auch noch ganz nette Gimmicks ermöglichen: Das Ultrapixel-Bild wird standardmäßig gezeigt, und wenn man weit genug zoomt, switcht die Software auf das hochauflösende Foto. Man könnte HDR-Bilder vom Zieleinlauf im Sprint ohne überbelichteten Himmel schießen, weil man keine Aufnahmen nacheinander machen muss. Aber: Wir sind uns nicht sicher, ob die beiden Linsen wirklich den gleichen Bildbereich abdecken. Direkt nebeneinander sind sie nämlich nicht. Das dürfte also zu Parallaxenverschiebungen führen.

Wer hier noch einen Schritt weiter denkt, stolpert über Restlichtverstärker. Das ist die Technik, die Nachtsichtgeräte nutzen. Bilder und Videos in (fast) kompletter Dunkelheit aufnehmen? Feine Sache. Und ein echt cooles Gadget. Aber vermutlich in der Größe, die für ein Smartphone nötig wäre, nicht unterzubringen. Also: Nicht unmöglich, aber ich glaube nicht dran.

Bild: Evleaks Ist die zweite Kamera eine Time-of-Flight-Kamera? Gut möglich – und verdammt cool. Der Blitz dürfte sich übrigens ähnlich wie beim iPhone 5S an die Farbtemperatur des Umgebungslichts anpassen und damit für eine natürlichere Darstellung sorgen.

Zugegeben: Eigentlich sind ToF-Kameras auch irgendwie 3D-Kameras. Sie messen, wie lange das Licht braucht, um vom Motiv zur Linse zu gelangen – und können aus dieser Laufzeit die Entfernung berechnen. Allerdings kommt es hier vor allem auf Schnelligkeit und Präzision an statt auf Bildqualität. Dementsprechend ist die Auflösung dieser Kamera-Module meist sehr gering. Als einzige Kamera in einem Smartphone wäre eine ToF-Kamera vollkommen fehlplatziert.

Doch in Kombination mit einer zweiten Kamera ergibt sich ein interessantes Konstrukt. Zum Einen kennt die Software die Entfernung zu beliebigen Orten im Motiv. Wie das Galaxy S5 mit seinen Phasenvergleichsmesspunkten auf dem Bildsensor könnte auch das HTC One auf den bisherigen Kontrastautofokus verzichten und vollkommen verzögerungsfrei fokussieren. Damit wären die Bilder viel schneller im Kasten.

Mit Software-Tricks wären auch weitere Spielereien möglich; zum Beispiel das nachträgliche Fokussieren in unterschiedlichen Bildbereichen, wie es Nokia derzeit schon anbietet – dort aber nur, wenn das Foto mit der zugehörigen Refocus-App geschossen wurde.

Und jetzt wird's wirklich spannend: Die zusätzlichen Tiefeninformationen erlauben Bildeffekte, die es bisher noch nicht gab. Dadurch, dass die Software für jedes einzelne Element im Motiv weiß, wo es sich befindet, kann sie Vorder- und Hintergrund unterscheiden. Wie wäre es, wenn Ihr bei einem Porträt mit einem Fingertipp den Hintergrund schwarz-weiß einfärben könntet und nur das Gesicht farbig bleibt? Oder wenn Ihr beliebige Gegenstände einfach aus einem Bild herausschneiden und in ein anderes Foto einfügen könnt? Oder Effekte nur auf Teilbereiche anwendet?

Theoretisch könnt Ihr sogar 3D-Modelle von Menschen, Köpfen und beliebigen Gegenständen aufzeichnen, in dem Ihr das Handy einmal drumherum schwenkt. Hallo, 3D-Drucker – meinen 3D-Scanner habe ich ab sofort immer in der Hosentasche. Und wenn mir die hübsche Vase im Hotelzimmer gefällt, muss ich sie künftig nicht mehr klauen. Ich scanne sie einfach dreidimensional ein und drucke sie nach.

Das Beste an dieser Theorie: Sie ist realistisch. Wir haben auf der CES mit einem Hersteller von ToF-Kamera-Modulen gesprochen. Er hat uns gegenüber erwähnt, dass ein "großer Smartphone-Hersteller" in diesem Jahr ein Smartphone mit ToF-Kamera auf den Markt bringen will.

HTC hat uns das freilich nicht bestätigt. Aber wir tippen auf Time of Flight. Nicht nur, weil es realistisch, innovativ und cool wäre. Sondern weil wir die Technik verdammt noch mal in unseren Fingern halten wollen!

Wir sind auf dem HTC-Event am 25. März vor Ort und berichten für Euch ab 16.00 Uhr deutscher Zeit per Live-Blog über das neue HTC One.

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