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Samsung Galaxy S5 im Hands-On (mit Video)

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Samsung hat heute in Barcelona sein neues Flaggschiff vorgestellt: das Galaxy S5. Die Koreaner bleiben ihrer Linie treu und legen bei der technischen Ausstattung überall eine Schippe drauf. Diejenigen, die sich auf ein Samsung-Smartphone aus Metall gefreut haben, dürften enttäuscht sein: Auch beim S5 kommt Kunststoff zum Einsatz, allerdings in einer völlig neuen Form. Die Oberfläche glänzt wie Metall, fühlt sich aber eher wie ein fester Radiergummi an.

Same, same, but different. Die Formsprache des Galaxy S5 ist bekannt und setzt die Richtung fort, den die Koreaner mit dem Galaxy S3 begonnen haben. Abgerundete Ecken, eine flache Oberseite und die typische Form des Rückendeckels – man sieht dem S5 seine Abstammung an. Trotzdem ist das S5 noch einmal spürbar größer als sein Vorgänger. Das neue Smartphone ist 14,2 Zentimeter groß und überragt seinen Vorgänger damit um einen halben Zentimeter.

Die Größe schlägt sich auch ein wenig im Gewicht nieder. Das Galaxy S4 wiegt 130 Gramm, das S5 bringt 145 Gramm auf die Waage. Das fällt aber nicht weiter negativ auf: Gewicht passt zu Größe und Haptik. Damit stimmt der Qualitätseindruck. Das Telefon wirkt optisch rundum gelungen. Eine Sache ließen sich die Koreaner aber nicht nehmen: Der metallisch wirkende Rahmen im Look von gebürstetem Stahl ist selbstverständlich aus Plastik. Samsung halt.

Was ziemlich cool ist: Das Gehäuse ist IP67 und damit wasser- und staubresistent. Und das, obwohl der Akku weiterhin austauschbar ist. Es geht doch!

Auch wenn über die iWatch von Apple noch kaum etwas bekannt ist, eins ist klar: Das Thema Gesundheit steht in Cupertino im Fokus. Da erstaunt es nicht, dass Samsung mit seinem S5 vorlegen möchte. Dafür haben die Koreaner einige neue Sensoren verbaut.

Neben dem LED-Blitz ist ein optischer Puls-Sensor untergebracht, der über die App S-Health erreichbar ist. Die Puls-Messung ist allerdings etwas umständlich: Während die Messung läuft, darf man nicht sprechen oder sich bewegen – und der Vorgang dauert fünf bis zehn Sekunden. Ein kurzer Check der Herzfrequenz während eines Rennens fällt damit flach.

S-Health hat für die Koreaner offenbar einen hohen strategischen Wert. Immerhin ist ein S-Health-Widget standardmäßig als Hintergrund beim S5-Homescreen hinterlegt und zeigt die typischen Werte wie zurückgelegte Schritte oder verbrannte und zugeführte Kalorien. Samsung möchte uns also animieren, die App wirklich zu nutzen. Es wirkt beinahe so, als wollen die Koreaner Claims abstecken, bevor die iTruppe ihre Waffen in diesem Bereich auspackt.

Neben der Sensorik gibt es eine umfangreiche Datenbank für Nahrungsmittel. Damit lässt sich die Zufuhr der Kalorien eingeben, speichern und damit auch den verbrauchten Kalorien gegenüberstellen. Samsung stellt außerdem ein SDK (Software Development Kit) zur Verfügung, um Entwicklern die Möglichkeit zu bieten, ebenfalls Fitness-Software für das S5 und die neuen Smartwatches zu programmieren.

Die Kamera ist das zweite wichtige Standbein des S5. Samsung hat viele neue Funktionen in der Kamera-App und im Bildprozessor integriert. Außerdem gibt es einen neuen Bildsensor mit fetten 16 Megapixeln. Beim neuen Galaxy bietet Samsung erstmalig HDR in Echtzeit an – und zwar bei Bildern und bei Videos. Bisher wurden die Bilder nach der Aufnahme überarbeitet, was Zeit kostet.

Außerdem hat der Bildsensor des Samsung Galaxy S5 ein absolutes Novum im Smartphone-Bereich: Im Chip sind Phasenvergleichssensoren untergebracht. Alle bisherigen Smartphones setzen auf den Kontrast-Autofokus – hier fährt das Objektiv einmal durch den kompletten Schärfebereich und sucht anschließend per Software nach einer Position, bei der das Bild an der gewünschten Stelle möglichst starke Kontraste aufweist, also scharf ist. Daher kommt auch das typische hin- und herpumpen des Kontrast-Autofokus.

Beim Fokussieren mittels Phasenvergleich dagegen entfällt dieser aufwändige Prozess. Einzelne, im Bildsensor untergebrachter Entfernungssensoren messen direkt die Entfernung zwischen Kamera und Motiv. Daraufhin wird die Optik des Handys zielsicher auf die korrekte Distanz eingestellt.

Der Fingerabdruck-Scanner ist beim Galaxy S5 im Home-Button untergebracht. Hier haben die Entwickler sich wohl bei Apple orientiert. Anders als beim iPhone reicht es aber nicht, den Daumen aufzulegen. Hier muss man den Finger langsam nach unten ziehen.

Der Fingerabdruck gibt beim Galaxy S5 aber nicht nur das Telefon frei. Bei sämtlichen mobilen Webseiten, die PayPal als Zahlungsmittel akzeptieren, dient der Fingerabdruck als Passwort-Ersatz. Welche Auswirkungen das auf die Sicherheit beim Bezahlen hat? Wissen wir nicht, wollen wir aber definitiv nach dem Launch des S5 herausfinden.

Schneller geht immer. Das ist wahrscheinlich der Leitsatz der Forschungs- und Entwicklungsabteilung bei Samsung. Wie beim S4 gibt es für unterschiedliche Märkte verschiedene Prozessoren. Bei uns wird wohl ein 2,5 GHz schneller Snapdragon 805 mit vier Rechenkernen zum Einsatz kommen. Dazu gibt es 2 GByte RAM. Der interne Speicher liegt wahlweise bei 16 oder 32 GByte, lässt sich aber in beiden Fällen mittels microSD-Karte um bis 32 GByte erweitern.

Das Display verspricht einiges. Das 5,1 Zoll große Super-AMOLED-Display löst Full-HD auf und verwendet eine Technologie, die sich "Adaptive Display" nennt. Dabei passen sich Helligkeit und Kontrast an die Umgebung an. Sprich: Das Display wird heller und kontrastreicher, wenn die Sonne scheint. "Gibt es doch schon lang", könnte man sagen. Allerdings geht die Lösung beim S5 einen Schritt weiter als die bisherige Technik, sagt Samsung: Adaptive Display soll für deutlich bessere Lesbarkeit im Sonnenlicht sorgen. Das konnten wir freilich noch nicht testen – aber es klingt erstmal gut. Wie gut es wirklich ist, versuchen wir schnellstmöglichst zu klären.

Diejenigen, die auf eine native Android-Oberfläche beim Galaxy S5 gehofft haben, haben vergebens gehofft. Der Samsung-Bolide hat zwar (natürlich) die neueste Android-Version 4.4.2, die Oberfläche ist aber wieder stark angepasst. Außerdem gibt es nun auch auf dem Smartphone die Magazine-UI, die wir zum ersten Mal auf der CES bei den neuen Tablets zu sehen bekamen.

Ein nettes Feature ist der Download Booster. Dabei lassen sich WiFi und LTE bei größeren Downloads zusammenfassen: Downloads großer Dateien erfolgen dann über zwei Wege gleichzeitig. Aber Achtung: Wer einen Volumentarif besitzt, sollte diese Funktion nur sparsam einsetzen – sonst surft er bis zum Monatsende mit Edge-Geschwindigkeit weiter.

Das Galaxy S5 ist im Vergleich zum Galaxy S4 besser geworden. Große technischen Überraschungen sind aber diesmal ausgeblieben. Der Vorstoß in Richtung Fitness wirkt gut, wäre aber für mich persönlich kein echter Kaufgrund für das Telefon. Es gibt einfach zu viele Apps, die meine Fitness-Daten mindestens genauso gut aggregieren, wie es S-Health beim Galaxy S5 tut. Der Puls-Sensor strahlt außerdem eine gewisse Nutzlosigkeit aus. Schließlich darf man bei der Messung eine gefühlte Ewigkeit nicht weiterlaufen und sollte auf sprechen verzichten.

Eine unverbindliche Preisempfehlung lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Allerdings ist zu befürchten, dass Samsung den Preis wieder jenseits der 700-Euro-Marke ansiedelt. Ein stolzer Preis für ein Smartphone. Gut möglich also, dass bei vielen Galaxy-S4-Nutzern der "Must-Have-Funke" nicht überspringt – die Unterschiede sind vielleicht zu klein. Eine Enttäuschung ist das Galaxy S5 aber in keinem Fall: Es sieht schick aus, hat ein großes Display ohne dabei unhandlich zu sein.

Jetzt kommt es auf den Preis an, Samsung.

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