LG G2: 5-Zoll-Full-HD-Androide mit Snapdragon 800 | TechStage
TechStage
Logo Qwant

Ein Angebot von

LG G2: 5-Zoll-Full-HD-Androide mit Snapdragon 800

von  //  Facebook Twitter

Der koreanische Hersteller LG hat in New York sein neues Flaggschiff G2 vorgestellt. Die gesamte Präsentation stand unter dem Motto “Learning from you” – “Von Euch/Ihnen lernen”. Damit hat der Hersteller dann die diversen Neuheiten und Innovationen des G2 angepriesen. Offenbar ist man bei LG sehr vom neuen Gerät überzeugt: Der CEO von LG Electronics Mobile Communication, Dr. Jong-Seok Park, sagte zur Eröffnung der Pressekonferenz, man habe das beste Smartphone in der bisherigen Geschichte der Smartphones gebaut.

Zumindest ist es LG gelungen, aus technischer Hinsicht einige neue Meilensteine zu setzen. Wie gut oder schlecht das Gerät dann wirklich ist, werden dann letztendlich aber erst die Kunden entscheiden – und natürlich auch unser Testbericht.

In Sachen Design beweisen die Koreaner durchaus Mut. Das G2 hat nämlich weder auf der Vorderseite noch an den Seiten mechanische Tasten – sämtliche Buttons verstecken sich auf der Rückseite des Telefons. Das habe man, so sagt LG bei der Präsentation, von uns allen gelernt. Denn schließlich hielten die meisten Menschen das Telefon während eines Gespräches so in der Hand, dass sich der Zeigefinger in der Mitte der Rückseite befinde. Und so ließe sich beispielsweise die Lautstärke ganz bequem – auch während des Gesprächs – ohne großes Gefummel lauter und leiser stellen – sowohl von Links-, als auch von Rechtshändern.

Auf der Vorderseite gibt es weder Tasten noch Lautsprecher – das Display ist dadurch im Vergleich zum Gehäuse extrem groß.

Das Material des Telefons ist sehr koreanisch. Nicht nur Samsung, sondern auch LG verwendet bei seinen Smartphones fast ausschließlich Kunststoff. Das scheint sich auch beim LG G2 nicht geändert zu haben. Trotzdem macht das Gerät auf uns einen ganz brauchbaren ersten Eindruck – in die Finger konnten wir es leider noch nicht bekommen. Gerade eben, weil die Tasten am Gehäuserand verschwunden sind, und es LG geschafft hat, durch eine neue Technologie die Vorderseite fast vollständig mit seinem Display zu füllen, kann man dem neuen Flaggschiff durchaus das Prädikat “ziemlich schick” ausstellen.

Links konventionelle Touchscreens, rechts der Touchscreen des LG G2. Das Panel des G2 hat Anschlüsse auf beiden Seiten, wodurch LG nicht so viele Leitungen durch das Smartphone legen muss. Dadurch soll der seitliche Rahmen um das Display auf 0,26 Zentimeter geschrumpft sein.

Das LG G2 bekommt Hardware vom Feinsten. Es ist eines der ersten Geräte, das einen Snapdragon 800 aus dem Hause Qualcomm unter der Haube hat. Das SoC hat vier Rechenkerne, die mit 2,3 GHz getaktet sind. Außerdem an Bord sind 2 GByte RAM und ein 16 GByte großer interner Speicher, wovon laut Datenblatt rund 10,6 GByte frei sind. Wem das nicht genug ist, der kann – zumindest laut geleaktem Handbuch – via microSD-Karte aufrüsten. Diese Information ist allerdings noch nicht offiziell. Im Datenblatt steht vom microSD-Kartenslot nichts, und unsere Anfrage an LG ist noch nicht beantwortet.

Das Smartphone funkt über GSM, UMTS und LTE, sowie über Wi-Fi 802.11 a/b/g/n, Bluetooth 4.0 und NFC. Dabei unterstützt das G2 erfreulicherweise alle wichtigen LTE-Frequenzen, die in Deutschland relevant sind.

Dank einer verbesserten Akkustruktur soll der Stromspeicher den knappen Platz im Gehäuse besser ausnutzen.

Das G2 hat das beste Display auf dem Markt – so sieht es jedenfalls der Hersteller. Gegenüber der Anzeige des Galaxy S4 hat LG auch ein gutes Argument: Das AMOLED-Display des S4 hat nämlich eine Pentile-Matrix und damit deutlich weniger Subpixel als das LCD-Panel des G2: Es stehen sich hier 6.220.800 und 4.147.200 Bildpunkte gegenüber.

Dank einer dichteren Pixelstruktur und mehr Subpixeln soll das Display des LG G2 die Konkurrenz abhängen. Bei diesem unbenannten Konkurrenten dürfte es sich übrigens um den Lokalrivalen Samsung handeln.

Eins steht aber fest: Mit Full-HD-Auflösung auf 5,2 Zoll gehört das IPS+-Panel sicherlich zu den besten Handybildschirmen auf dem Markt. Wie das neue LG-Flaggschiff in Sachen Kontrast, Bildschärfe, Farbtreue, Helligkeit und dergleichen abschneidet, werden aber erst ein persönlicher Eindruck sowie ein Labortest klären.

Bei der Kamera beschreitet LG einen relativ klassischen Weg – es gibt weder eine atemberaubend hohe oder niedrige Auflösung noch einen größeren Sensor oder sonstige Tricks. Stattdessen kommt ein 13-Megapixel-Chip zum Einsatz, vermutlich im für Smartphones üblichen 1/3,2-Zoll-Format.

Eine Besonderheit gibt es dann aber doch: Das LG G2 hat nämlich als erstes 13-Megapixel-Smartphone einen optischen Bildstabilisator – das gibt es sonst nur beim HTC One (4 Megapixel) und beim Nokia Lumia 1020 (41 Megapixel) sowie dessen älteren Geschwistern Lumia 920 und 925 (jeweils 8 Megapixel).

Die Kamera sitzt direkt über den rückseitigen Tasten. Probleme mit Fingerabdrücken soll es laut LG dank einer speziellen Objektivbeschichtung aber trotzdem nicht geben.

Wie viel der optische Bildstabilisator tatsächlich bringt, lässt sich leider schwer abschätzen – hier sind die Qualitätsunterschiede von Stablisator zu Stabilisator einfach zu gewaltig. Gerade bei schlechten Lichtverhältnissen und bei Freihand-Videoaufnahmen sollte der Unterschied aber deutlich spürbar sein.

Dazu gibt es noch ein paar nette Kleinigkeiten, beispielsweise eine Schwenkpanorama-Funktion, die auch 3D-Aufnahmen einfängt. Außerdem ist es möglich, mit beiden Kameras gleichzeitig Fotos und Videos aufzunehmen. So ist auf dem fertigen (Bewegt-)Bild nicht nur das Motiv, sondern auch die Reaktion des Kameramanns auf das Geschehen vor der Linse zu sehen.

Sound in Studioqualität – das verspricht LG. So soll das G2 das erste Smartphone sein, das Aufnahmen mit 24 Bit und 192 KHz wiedergeben kann. Das klingt auf dem Papier zwar toll (Tööräätätä, Tusch), die Praxisrelevanz ist jedoch etwas fraglich.

Studioqualität auf dem Smartphone – das verspricht LG. Ob der Nutzer davon wirklich viel merkt, sei einmal dahingestellt.

Einmal müssen natürlich die auf dem Smartphone konsumierten Medien selbst erst einmal diese Qualität haben. Und bei Online-Radios, heruntergeladenen MP3s oder YouTube-Videos dürfte man diese vergeblich suchen.

Zweitens: Wer seine Kumpels die Allgemeinheit in der S-Bahn mit den neuesten Hits Scheissmusik beschallt quält, wird sicherlich keine Dankbarkeit für irgendwelche Bits und KHz ernten. Und die gibt es auch nicht auf der Grillparty, wenn das Smartphone mit dem kleinen Lautsprecherchen seine liebe Mühe hat, gegen die Gäste anzukommen. Und selbst wer in der S-Bahn mit den mitgelieferten Ohrstöpseln Mucke hört, wird keinen Unterschied bemerken. Zumal die mitgelieferten Ohrstöpsel des LG G2 vermutlich eher durchschnittlich sind, nachdem sie auf der Präsentation mit keinem Wort erwähnt wurden.

Klar: Es gibt den kleinen Teil an Freaks, die extrem hochwertige digitale Musik haben. Die in Foren darüber diskutieren, ob das Bon-Iver-Album wirklich in einer kanadischen Blockhütte aufgenommen wurde, wo gaaaaaanz entfernt im Hintergrund doch Zivilisationslärm auszumachen ist. Aber dieser kleine Teil an Freaks hat auch Sonys SACD nicht vor dem Aussterben bewahrt – auch wenn der Sound besser war als der von CDs. Aber er war eben nicht für die Masse spürbar genug besser.

Und sorry für den erneuten Flachwitz: Aber ob hier LG den Kunden zugehört hat? ;-)

Hier will uns LG so richtig zugehört haben. Es gibt eine Reihe von software-technischen Anpassungen, die uns das Leben sehr viel leichter machen sollen. Natürlich.

Da wäre zum Beispiel die Möglichkeit, das Telefon aus dem Ruhemodus zu holen, indem man nur ein paar Mal auf die Scheibe des Displays klopft. Oder aber auch die Möglichkeit, Anrufe ohne das Drücken oder Sliden von virtuellen Buttons anzunehmen: Das G2 muss demnach nur noch ans Ohr gehalten werden – und man kann mit seinem Anrufer sprechen – ganz so wie früher, als man zum Annehmen eines Gesprächs nur den Hörer hochheben musste.

Slide Aside soll das Multitasking vereinfachen: Der Nutzer wischt einfach mit drei Fingern über das Display, um die App zu wechseln.

Außerdem gibt es eine Funktion, die – ein Schelm, wer etwas Böses denkt – ”Plug And Pop” heißt. Die Funktion ist aber garantiert jugendfrei und holt ein Menü mit audio-verwandten Apps aufs Display, sobald man seinen Kopfhörer in das Telefon steckt.

Dann wäre da noch das Feature “Text Link”, das Nachrichten analysiert und es dem User anbietet, einzelne Informationen daraus in den Kalender einzutragen oder gefundene Adressen bei Google Maps zu suchen. Erwähnenswert ist auch der “Guest Mode” – eine Funktion, die bei Gastzugriffen sensible Daten vor Zugriffen schützt. Zu guter Letzt dient das LG G2 auch als Universalfernbedienung.

Text-Link erkennt Informationen wie Adressen und Daten für Verabredungen in Textnachrichten und bietet dem Nutzer an, diese direkt auf Google Maps zu suchen oder in den Kalender einzutragen.

Diejenigen, die gerne ein reines, pures Android ohne grafischen Schnickschnack haben möchten, dürften allerdings der Auffassung sein, LG habe eben nicht ausreichend zugehört. Bei der Präsentation erkennt man Android nicht mehr wirklich, so drastisch sind die UI-Anpassungen teilweise. Man darf gespannt sein, wie LG das Problem der zügigen Updates an dieser Stelle lösen möchte. Der Anpassungsaufwand bei neuen Android-Versionen könnte hoch sein. Nachdem das G2 auch gleich zu Anfang mit der Android-Version 4.2.2 ausgeliefert wird, und LG hier nicht auf die neuere Version 4.3 setzt, hat man aber auch gleich einen guten Test hierfür, wie lange das in der Praxis dauert.

So viel LG auch zugehört hat: Das G2 lauscht anscheinend nicht permanent mit, wie vorab vermutet wurde. Da haben diverse Leaker wohl etwas missverstanden. Oder LG ist nach der Vorab-Kritik zurückgerudert und hat das Feature gar nicht erst eingeführt.

Das LG G2 ist ein sehr gutes Smartphone, keine Frage. Vielleicht ist es auch das derzeit beste Smartphone, wenn man sich nicht am massiven Plastikeinsatz stört. Aber: Das LG G2 ist erst das erste Smartphone für diesen Herbst – und es kommt wohl nicht vor Oktober auf den Markt. Und vor Oktober findet die IFA statt. Vor Oktober gibt es ein neues iPhone, vielleicht sogar mehrere. Und vor Oktober wird wohl auch Nokia sein erstes Windows-Phablet aus dem Ärmel ziehen.

Und im Oktober könnten die jetzigen Ersten dann schon wieder die Letzten sein.

Produktdaten
Hersteller LG
Straßenpreis unbekannt
Betriebssystem Android
Display 5,20 Zoll / IPS-LCD
Auflösung 1920 × 1080 Pixel / 423 ppi
Kamera 13 Megapixel / k. A.
Blitz, Videoleuchte Foto-LED
Bildstabilisator optisch
Auflösung (Video) 1920 x 1080
Frontkamera 2,1 Megapixel
Prozessor Qualcomm Snapdragon 800 MSM8974 / 2,26 GHz / 4 Kerne
Speicherkartenslot k. A. / microSD
LTE ja / 800, 1800, 2600
WLAN 802.11a/b/g/n und ac
Bluetooth 4
NFC ja
GPS / Glonass ja / ja
Radio / FM-Transmitter ja / k. A.
Akku-Kapazität 3000 mAh / k. A.
Standby / Gesprächszeit 2G k. A. / k. A.
Standby / Gesprächszeit 3G k. A. / k. A.
Abmessung 70 × 138 × 9.5 mm
Gewicht 142 Gramm

Dieser Text ist eine Gemeinschaftsproduktion von Fabien Röhlinger und Stefan Möllenhoff.

Einloggen, um Kommentare zu schreiben