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Kommentar: Geld statt Werbung – das Ende der Adblocker?

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Ganze Industriezweige leben von der Werbung – und Konsumenten wollen sie nicht sehen. Zumindest manchmal nicht: Während Ad-Blocker quasi „straffrei“ die ungewollten Banner ausblenden, sind sie bei mobilen Spielen scheinbar okay. Es kommt auf die Alternative an.

Adblocker sind asozial. Nein, nicht die Tools, sondern die Menschen, die solche Browser-Plugins nutzen: So krass hat es zumindest Jan Gleitsmann vor ein paar Tagen auf Mobilegeeks zur Sprache gebracht.

In der Tat: Die Medienindustrie hat mit den Werbeblockern zu kämpfen. Zehn bis 20 Prozent der Banner großer Medienkonzerne wurden schon 2013 unterdrückt, je nach Zielgruppe aktuell deutlich mehr: Lets-Plays.de spricht gar von einer Adblocker-Quote von 80 Prozent.

Aber Werbung ist nicht überall unwillkommen. In Spielen ist sie offensichtlich okay – wenn man dafür dann nichts bezahlen muss. Eine Ipsos-Umfrage ergab, dass 50 Prozent der Deutschen Werbung im Game akzeptieren.

Hier ist Werbung also doof, an anderer Stelle ist sie okay. Woran liegt's? Ich habe eine Theorie.

Klar, Werbung ist nicht immer schön. Spannende Szene im Spielfilm am Samstag Abend, zack, das Bierschiff fährt vor, gleich geht's weiter, Waschmittel, Deo, Shampoo für Männer (mit Tuning!), Shampoo für Frauen (gegen Spliss). Nervt. Aber es gibt Alternativen. Man könnte sich den Film auf DVD oder Bluray kaufen oder ausleihen. Man kann Netflix oder Amazon Prime abonnieren und ihn mit Glück „gratis“ sehen oder den Stream für ein paar Euro kaufen. Macht man aber nicht: Ist ja anstrengend. Oder teuer. Also werfen wir lieber einen Blick auf krachwürzige Chips, Familienkutschen mit automatisch öffnendem Kofferraum (ein Wunder!) und Bio-Katzenfutter.

Das lässt sich adaptieren. Auf die Spiele. Gratis zocken und zwischendurch einen Banner ignorieren? Läuft. Die Alternative wäre der Kauf des Spiels. Anstrengend, kostet Geld, blöd. Hatten wir schon.

Und im Netz? Da ist das einfach. Ein paar Klicks, der Adblocker läuft. Dann sieht man alles, was man sehen will (illegale Castle-Streams, Nachrichten, Testberichte), aber ganz ohne nackte Mädels, blinkende Handyverträge und „Du bist der 999.999ste Besucher und hast zwölf Ferraris gewonnen“.

Fassen wir das noch einmal zusammen. Die Alternative zu Fernsehwerbung ist Geld ausgeben. Die Alternative zu Werbung in Spielen ist Geld ausgeben. Und die Alternative zu Werbung im Netz ist ein Adblocker, und damit ein Netz ohne Werbung.

Vor vier Wochen hat die Washington Post vorgelegt. Bild.de hat heute einen Adblocker-Blocker angeschmissen. Mehr als jeder fünfte Nutzer des Online-Angebots hat Werbung ausgeblendet – bis heute. Wenn der Nutzer Werbung ausblendet, blendet der Verlag die Inhalte aus. Wer Bild.de lesen will, muss den Adblocker ausschalten oder Geld auf den Tisch legen. Für 2,99 Euro im Monat gibt's die Inhalte dann werbefrei.

Natürlich werden Adblocker-Entwickler nachlegen und Tricks finden, wie sie diesen Mechanismus umgehen. Und natürlich werden die Verlage nachlegen. Ein Katz- und Mausspiel beginnt. Aber es wird nicht mehr so einfach sein, ersatzlos auf Werbung zu verzichten. Die Alternativen gehen aus. Oder werden teuer. Ich bin gespannt, wie das Spiel weitergeht. Was denkt Ihr?

Bei unserem letzten Beitrag zum Thema – zur Washington Post – habt Ihr fleißig kommentiert. Danke dafür! Bei den meisten Kommentaren ging es darum, dass Adblocker häufig zwingend nötig sind, weil es oft sehr viel und sehr aufdringliche Werbung gibt.

Bevor wir Euch jetzt auf die Umfrage loslassen, noch eine kurze Anmerkung: Auf TechStage gibt es keine blinkenden Banner, keine Werbung mit Ton, keine selbststartenden Videos, keine Popups, keine Textlinks mit Popup-Blasen. Und jetzt bin ich auf Eure Meinung gespannt :-)

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