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Kommentar: Das iPhone 6 (Plus) ist Apples großer Wurf

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Der 9.9.2014 war bei den meisten Technik-Fans rot im Kalender markiert. Apple hatte nach San Francisco an einen bedeutungsvollen Ort eingeladen. Einen Ort, an dem Steve Jobs schon vor 30 Jahren den Macintosh vorstellte. Entsprechend aufgeregt war die Tech- aber auch die Finanzwelt. Die Apple-Aktie stieg zeitweilig um fünf Prozent, bevor sie am Ende der Veranstaltung ins Minus rutschte. Zu Unrecht! Apple hat gestern mit den iPhones 6 und 6 Plus den Grundstein für weitere, hochprofitable Sparten gelegt.

Nicht falsch verstehen: Ein erfolgreiches Produkt wird schließlich nicht nur über Gewinne bemessen. Es ist der Nutzen für den Kunden, der im Mittelpunkt stehen muss. Die Jungs aus Cupertino haben bei ihrer Präsentation gezeigt, dass sie ihre Produkte immer bis zum Ende denken.

Meine Einleitung klingt schon fast wie Fanboy-Geschwafel. Dabei hat Apple bei seiner Hardware nicht wirklich überrascht und zieht, objektiv betrachtet, bestenfalls mit der Konkurrenz gleich: NFC gibt schon in vielen Einsteiger-Smartphones. Die größeren Retina-Displays des iPhone 6 beziehungsweise 6 Plus mit einer Pixeldichte von 326 ppi und respektive 401 ppi sind in ihrem Segment bestenfalls ein guter Mittelwert.

Der im 20-nm-Prozess gefertigte Apple-eigene A8-Chip mit 64 Bit ist im Vergleich zum A7 des iPhone 5s um bis zu 25 Prozent schneller geworden. Wie sich der neue Prozessor im Vergleich zur Konkurrenz schlägt, muss man freilich sehen. Bei der Kamera ist ebenfalls Durchschnitt angesagt. Blende und Megapixelzahl sind beim iPhone 6 unverändert. Apple verpasst seinen neuen Modellen aber einen überarbeiteten Sensor und deutlich schnelleren Phasenvergleichs-Autofokus, wie ihn beispielsweise auch das Galaxy S5 nutzt. Es gibt zudem beim größeren Modell eine optische Bildstabilisierung, um verwackelte Aufnahmen zu vermeiden.

Was ziemlich geil ist: Full-HD-Videoaufnahmen sind mit dem iPhone 6 nun auch mit 60 fps möglich. Zeitlupenvideos mit reduzierter Auflösung lassen sich wahlweise mit 120 oder 240 fps aufnehmen.

Mit den 4,7 Zoll und 5,5 Zoll großen iPhone 6 und 6 Plus folgt Apple der Nachfrage und steigt nebenbei in den Phablet-Markt ein. Ob das auch wirklich zu mehr Verkäufen führt, wird sich zeigen.

Wer auf die geilsten Hardware-Spezifikationen steht, den wird das iPhone 6 und sein großer Bruder nicht umhauen. Punkt. Darum dürfte es im Falle der neuen iPhones aber auch gar nicht gehen. Apples große Stärke ist die Software – und die Vorgehensweise, Features erst dann einzubauen, wenn sie auch Sinn machen.

Mit Apple Pay ist Apple etwas gelungen, woran sich zuvor schon viele Andere – inklusive Google – die Zähne ausgebissen haben. Das Unternehmen aus Cupertino hat die großen Banken und Kreditkartenunternehmen der USA um sich scharen können und im Zusammenspiel mit ihrem Touch-ID-Sensor ein sehr einfaches Zahlungssystem entwickelt. Jetzt macht ein NFC-Chip auch endlich Sinn – vorher hätte er nur den Verkaufspreis des Telefons nach oben geschraubt, oder aber Apples Marge geschmälert. Ein echter Nutzen für die Kunden? Ohne ein Verkaufssystem kaum vorhanden und lediglich eine nette Spielerei.

Mit iOS 8 und Yosemite zieht Apple weitere Asse aus dem Software-Ärmel. Das Zusammenspiel zwischen iPhone, iPad und Mac funktioniert mit den neuen Betriebssystemen nahtlos. Sind die Geräte im selben WLAN eingebucht, lassen sich Anrufe oder SMS von jedem Gerät durchführen. Die Verbindung zwischen den Devices erfolgt dann nicht über Bluetooth, sondern WLAN. Telefonate lassen sich mit dem iPad annehmen, obwohl das iPhone in der Küche klingelt.

Die vielen neuen Möglichkeiten, die mit iOS 8 und Yosemite ums Eck kommen, sind nicht exklusiv für die iPhone-6-Kunden. Apple bietet das Update auch für ältere Modelle an.

Ist das neue iPhone 6 dann überhaupt notwendig, um die neuen Möglichkeiten im Apple-Universum nutzen zu können? Nein, das nicht. Die gesteigerte Performance des Telefons in Kombination mit größeren Displays und verbesserten Akkus – das reicht zumindest mir schon mal aus, um über ein neues Telefon nachzudenken.

Wenn die neuen iPhone-6-Modelle ab dem 19. September ausgeliefert werden, wird sich zeigen, wie erfolgreich die neuen Geräte werden. Wahrscheinlich sind die ersten Chargen schneller vergriffen, als vielen Fans lieb sein wird.

Produktdaten
Smartphone Apple iPhone 6 Apple iPhone 6 Plus
Straßenpreis 616 Euro 725 Euro
Betriebssystem iOS iOS
Display 4,70 Zoll / IPS-LCD 5,50 Zoll / IPS-LCD
Auflösung 1334 × 750 Pixel / 326 ppi 1920 × 1080 Pixel / 401 ppi
Kamera 8 Megapixel / k. A. 8 Megapixel / k. A.
Blitz, Videoleuchte Foto-LED Foto-LED
Bildstabilisator k. A. optisch
Auflösung (Video) 1920 × 1080 1920 × 1080
Frontkamera 1,2 Megapixel 1,2 Megapixel
Prozessor Apple A8 / 1,39 GHz / 2 Kerne Apple A8 / 1,39 GHz / 2 Kerne
Speicherkartenslot nein / k. A. nein / k. A.
LTE ja / k. A. ja / k. A.
WLAN 802.11a/b/g/n und ac 802.11a/b/g/n und ac
Bluetooth 4 4
NFC ja ja
GPS / Glonass ja / ja ja / nein
Radio / FM-Transmitter nein / nein nein / nein
Akku-Kapazität 1810 mAh / k. A. 2915 mAh / k. A.
Standby / Gesprächszeit 2G k. A. / k. A. k. A. / k. A.
Standby / Gesprächszeit 3G k. A. / k. A. k. A. / k. A.
Abmessung 68 × 138 × 7 mm 78 × 158 × 7 mm
Gewicht 127 Gramm 172 Gramm

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