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Facebook Home will der neue Android-Homescreen werden

von  //  Facebook Twitter

Facebook hat Großes vor und möchte seine neue App Facebook Home zur wichtigsten Anwendung auf dem Mobiltelefon machen. Dabei ist das Netzwerk schon heute ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt bei der täglichen Nutzung unserer Handys: Facebook sagt, dass der durchschnittliche Nutzer rund 20% seiner Zeit mit dem sozialen Netzwerk verbringt. Offenbar reicht das dem CEO und Gründer Mark Zuckerberg noch nicht. Er will mit Facebook Home künftig dauerhaft auf dem Telefon präsent sein. Das soll mit der neu vorgestellten Software passieren, die in Kürze im Google Play Store zum Download bereit steht – zunächst nur für die Smartphones HTC One, One X und One X+ sowie das Samsung Galaxy S3, Note 2 und Galaxy S4. Auf dem frisch vorgestellten HTC First ist Facebook Home ohnehin standardmäßig installiert.

Ein wenig paradox ist es schon, was Mark Zuckerberg den Zuhörern am Facebook-Campus in der Nähe von San Francisco so erzählt: Es gehe um Menschen, nicht um Apps. Dazu passend ist Facebook Home auch nicht einfach irgendeine Anwendung, sondern eigentlich eine neue Oberfläche für Android-Smartphones – die andere Programme in den Hintergrund drängt. Nach dem Einschalten des Handys sieht man dann anstelle der gewohnten Programm-Icons neue Bilder und Beiträge der Facebook-Freunde. Selbst bei gesperrten Smartphones dominiert Facebook zukünftig: Der Lockscreen füllt sich auf Wunsch mit Bildern und Statusmeldungen.

Bild: Facebook Facebook Home gibt es erstmal für eine ausgewählte Anzahl an Android-Smartphones.
Bild: Facebook Facebook Home mit Nachrichten

Facebook Home besteht im wesentlichen aus zwei Funktionen: Coverfeed und Chatheads.

Zentraler Baustein der neuen Facebook-App ist Coverfeed und ersetzt nach der Installation den Lock- und den Homescreen des Telefons. Auf Coverfeed laufen dann die neuesten Nachrichten der Nutzer ein – ein bisschen erinnert uns das an die neue Sense-Version des HTC One. Auf der Facebook-Seite bezeichnet das Unternehmen die Funktion als "Fenster in die Welt der Freunde".

In Coverfeed laufen dann die ganzen Mitteilungen der Freunde auf, durch die sich der Anwender vertikal scrollen kann. Ein horizontaler Wisch schmeisst die Story aus dem Stream. Ein Doppeltipp versieht einzelne Beiträge mit dem berühmten "Like".

Wie bei BlinkFeed auf dem HTC One blendet auch Coverfeed andere Neuigkeiten wie verpasste Anrufe, E-Mails oder SMS ein. Diese bekommen ebenfalls das Facebook-Design verpasst.

Der bisherige Messenger verschwindet und wird durch Chatheads ersetzt. Damit lässt sich mit Facebook Home aus jeder Anwendung heraus mit den Freunden chatten. Dazu taucht ein Blase mit dem Bild des Freundes auf – ein Klick darauf, und man kann direkt anworten, während die andere App im Hintergrund weiter läuft. Außerdem sind parallele Unterhaltungen mit mehreren Kontakten möglich.

Bild: Facebook

Eingehende SMS tauchen bei Chatheads ebenfalls in der Liste auf. Die verschiebbaren Nachrichten-Bubbles bleiben solange im Vordergrund, bis man sich per Wischer vom Bildschirm schmeisst.

Facebooks neuer Ansatz ist so perfide wie genial. Facebook Home legt sein Gewand über alles, was uns vom Wesentlichen ablenken könnte. Angry Birds? E-Mails? Pfui, nutzt lieber das soziale Netzwerk! In den USA konnten Forscher nämlich schon eine gewisse Facebook-Müdigkeit ausmachen – ein Trend, den man hier in Deutschland angeblich auch beobachten kann. Facebook Home hätte sicherlich die Fähigkeit, die Nutzungshäufigkeit deutlich zu erhöhen, wenn jede Neuigkeit automatisch auf dem Telefon erscheint und man hierzu nicht zunächst eine App explizit öffnen muss. Facebook Home überdeckt eben alles andere.

Eigentlich kann das anderen Entwicklern nicht schmecken. Es dürfte deutlich schwieriger werden, an die Nutzer zu gelangen, sobald Facebook Home einmal installiert ist.

Die neue Applikation aus dem Hause Zuckerberg hat aber vielleicht auch für die Nutzer selbst noch einige unangenehme Überraschungen parat. Schließlich ist die App mit vielen Rechten ausgestattet und darf auf alle wichtigen Funktionen in unseren Android-Telefonen zugreifen. Inwiefern Facebook aus diesen Daten Nutzen zieht, ist nicht klar. Fakt ist: Grundsätzlich wäre es möglich herauszufinden, mit welchen Kontakten man wie oft und auf welche Weise kommuniziert.

Auch wenn Facebook Home auf den ersten Blick so harmlos daherkommt und das soziale Netzwerk kein eigenes Smartphone auf den Markt gebracht hat, könnte das neue Produkt durchaus einen großen Einfluss auf die Art und Weise haben, wie wir unsere Smartphones verwenden – und genau das dürfte auch das Ziel gewesen sein.

Facebook ist sich sicher, dass Facebook Home ein großer Erfolg wird. Mark Zuckerberg meinte auf der gestrigen Veranstaltung: "Wir wollen kein Telefon herstellen, das nur ein paar Leute benutzen. Ein tolles Gerät würde sich vielleicht 20 Millionen Mal verkaufen. Facebook hat aber mehr als eine Milliarde Mitglieder, das wären also nur zwei Prozent davon. Wir wollen mehr."

Mit anderen Worten: Mark Zuckerberg möchte die ganze Welt vernetzen. Und er möchte unsere volle Aufmerksamkeit. Ob er sie bekommen wird, ist jetzt die Entscheidung der Nutzer – also von uns allen.

Facebook Home Werbevideo

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