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Bluetooth-Handy als Schlüssel: Auto, Fahrrad, Schuppen

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Die Schloss-Industrie erscheint mir manchmal ähnlich innovativ zu sein wie die Steckdosen-Hersteller: Quasi gar nicht. Um so schöner, dass kleine Start-Ups dank Crowdfunding-Plattformen wie Kickstarter & Co. mit spannenden Produkten von rechts überholen können.

Wenn es nach diesen Start-Ups geht, haben wir künftig keinen Schlüsselbund mehr in der Hosentasche, sondern nutzen das Smartphone zum Aufschließen. Die Übertragung des Schlüsselgeheimnisses erfolgt dabei via Bluetooth – und zwar an unterschiedlichste Schlösser.

Da gibt es zum Beispiel Bluetooth Keyless. Das Unternehmen arbeitet an einem Modul für die Zentralverriegelung von Autos. Es sollte von einem Fachbetrieb im Fahrzeug installiert werden und ermöglicht dann das Ver- und Entriegeln über eine Smartphone-App. Bei Vorbestellung kostet das Produkt 190 US-Dollar, die Auslieferung soll im Dezember erfolgen. Zumindest bei Autos mit der in Deutschland üblichen Wegfahrsperre ist aber spätestens zum Starten des Motors wieder ein Schlüssel nötig.

Als Universalschloss mit Smartphone-Schlüssel eignet sich das Sonus II Padlock, das derzeit ab 75 Dollar beim Crowdfunding-Portal Indiegogo vorbestellbar ist. Da bei so einem Produkt Energie deutlich rarer ist als im Auto, funktioniert es etwas anders: Über einen Tastendruck auf der Unterseite wird es aktiviert und stellt die Verbindung zur Smartphone-App über Bluetooth 4.0 Low Energy her. In der App ist dann die Eingabe eines vierstelligen PIN-Codes nötig, um das Schloss zu entsperren. Genial: Über die App lässt sich auch ein Gäste-Kennwort vergeben, um dem Nachbarn für eine Stunde Zugriff auf den Rasenmäher im Schuppen zu gewähren.

Bild: Sonus 2 Padlock (Indiegogo)

Fahrradfahrer können das Bitlock vorbestellen – ein Bügelschloss für 119 Dollar. Praktisch: Das Smartphone kann nach der ersten Einrichtung in der Tasche bleiben, denn zum Aufschließen reicht ein Tastendruck am Schloss. Es stellt daraufhin eine Verbindung zur App auf dem Handy her und öffnet sich – sofern das Smartphone berechtigt ist. Eine Batterie soll für bis zu 10.000 Auf- und Absperrvorgänge respektive fünf Jahre im Durchschnittsbetrieb ausreichen. Die Auslieferung soll aber erst im August nächsten Jahres erfolgen.

Bild: Bitlock

Allerdings: So cool und innovativ diese Schlösser aus sein mögen, sie haben essentielle Nachteile gegenüber ihren mechanischen Alternativen. Sowohl das Smartphone als auch das Schloss selbst benötigen Energie. Es reicht schon ein leerer Akku, damit der Heimweg nicht mit dem Fahrrad, sondern zu Fuß erfolgen muss. Außerdem gibt es bei der Entwicklung mehr Möglichkeiten, essentielle Fehler zu begehen: Nicht nur die Elektronik, sondern auch Mechanik und Software müssen sicher sein. Und im Fall der Fälle kann es kompliziert werden. Denn mechanische Schlösser werden üblicherweise durch den Einsatz roher Gewalt übergangen – eindeutige Zeichen. Und selbst "elegantere" Öffnungsmethoden wie Lockpicking hinterlassen nachweisbare Spuren. Aber ein verschwundener Rasenmäher und ein unbeschädigtes Schloss: Wie soll ich das meiner Versicherung erklären? Von der Sicherheitslücke im Quelltext weiß vielleicht abgesehen vom Einbrecher niemand etwas.

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