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Automatische WhatsApp-Spionage: Wer chattet wann?

von  //  Twitter

WhatsApp und Datenschutz? Urgs, passt mal so gar nicht zusammen. Das geht damit los, dass die WhatsApp-Applikation nach ihrer Installation zunächst mal schön das komplette Telefonbuch mit dem Server ihres Anbieters „abgleicht“ und endet darin, dass die Nutzer keine echten Privatspähreneinstellungen treffen können. Zwar ist es möglich, in den Einstellungen des Programms festzulegen, dass der Zeitpunkt der letzten Nutzung nicht eingeblendet wird – doch wer WhatsApp gerade benutzt, ist immer zu sehen. Und zwar nicht nur bei seinen Kontakten, sondern von jedem, der die Handy-Nummer kennt.

Das haben Forscher der Universität Erlangen-Nürnberg im Dezember demonstriert, indem sie 1000 zufällig ausgewählte WhatsApp-Nutzer über einen Zeitraum von neun Monaten hinweg überwachten und Online- und Nutzungszeiten protokollierten.

Nun erlaubt das Open-Source-Tool WhatsSpy quasi jedermann, sofort loszuschnüffeln. Das Programm läuft auf einem Server, der auch ein günstiger und energiesparender Raspberry Pi sein kann. Zugriff auf WhatsSpy ist dann per Web-Browser möglich. Man tippt dort nur die Nummern der Opfer ein und kann dann in einer grafischen Übersicht sehen, wer den Kurznachrichtendienst wann verwendet hat.

Ganz aufwandsfrei läut es für den Spion übrigens nicht ab: Er benötigt noch ein Android-Smartphone mit Root-Rechten oder ein iPhone mit Jailbreak und eine zweite SIM-Karte mit anderer Nummer für einen zweiten WhatsApp-Account. Letzterer ist nötig, weil WhatsApp bei Missbrauch das Konto sperren könnte. Zumindest aktuell geht davon aber wohl keine ernsthafte Gefahr aus – zumindest die Forscher der Universität Erlangen konnten über Monate hinweg tausende Nutzer überwachen, ohne gesperrt worden zu sein.

WhatsSpy schnüffelt hinter WhatsApp-Nutzern her und protokolliert, wann sie online waren, speichert Avatar-Bilder und Sprüche sowie deren Änderungen mit.

Bleibt nur zu hoffen, dass WhatsApp nun reagiert und echte Privatspähreneinstellungen ermöglicht. Denn auch wenn die Neugierde manchmal ganz groß ist: Die Schäden, die durch Überwachung entstehen können, sind noch größer. Das fängt beim einfachen Vertrauensmissbrauch an, kann aber auch in Scheidung oder Kündigung enden. Denn zumindest in Italien werden aktuell bei circa 40 Prozent aller Scheidungen wegen Ehebruchs WhatsApp-Nachrichten als (vermeintlicher) Beweis für Untreue vorgelegt. Und Arbeitgeber in Deutschland hören sicherlich auch nicht gerne, dass 50 Prozent der WhatsApp-Nutzung der überwachten 1000 Anwender in die Kernarbeitszeit zwischen 7 und 18 Uhr fällt. Was meint Ihr dazu?

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