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Apple und die Innovation: nicht rumheulen, machen!

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Gestern ging es durch die Medien: Apples Marketing-Chef Phil Schiller, bekannt von diversen Bühnen-Auftritten bei der Vorstellung neuer iPhones, iPads und Macs, ist unzufrieden. Nicht mit sich selbst oder seinem Arbeitgeber, sondern: Samsung ist schuld.

Der Verkauf von Produkten, die wie ein iPhone oder iPad aussehen, hat das "Ansehen gemindert, das die Welt Apple entgegenbringt", hat Schiller laut Wall Street Journal vor einem US-Gericht ausgesagt. Er geht sogar noch einen Schritt weiter: Nutzer "stellen unsere Innovations- und Design-Fähigkeiten so wie nie zuvor in Frage".

Die eigentliche Frage ist aber eine andere. Ist Apple denn tatsächlich noch so innovativ wie einst? Ich denke nicht. Denn ein Unternehmen, das Produkte nur nachbaut, wird kaum selbst als Innovationsträger wahrgenommen – da braucht es schon eigene Leistung. Samsung kann sich sicherlich die Wiedereinführung der Stiftbedienung mit dem Galaxy Note auf die Fahne schreiben. Und auch die Smartwatch Galaxy Gear trägt dazu bei, dass die Koreaner als innovativ betrachtet werden. Egal, ob das Ding in der derzeitigen Ausführung Mist ist und wie Blei in den Regalen liegt. Ähnliches gilt für Google Glass. Das Produkt ist noch nicht einmal im Handel, und trotzdem wissen erstaunlich viele Menschen auf offener Straße, was die Datenbrille ist – und wer sie erfunden hat.

Und bei Apple? Da kommt nicht viel. Beim iPhone hat sich seit der Einführung des Retina-Displays nicht mehr viel getan. Okay, schnellere Prozessoren, flachere Gehäuse, jetzt ein Fingerabdruckscanner. Alles nett. Und das iPhone ist zweifelsfrei ein sehr gutes Produkt. Aber echte Innovation sieht anders aus. Das gleiche gilt für's iPad. Selbst Branchenkenner können die Modelle auf den ersten Blick nur schwer unterscheiden. Okay, das neue iPad Air ist ein Stück flacher. Damit ist es sicherlich eine technologische Meisterleistung und sieht gut aus. Aber es ist eben nur eine Weiterentwicklung. Evolution statt Innovation.

Apple braucht ein "One More Thing". Ein Produkt, mit dem keiner rechnet, und das die Welt verändert. Wie das erste Ultrabook der Welt – das MacBook Air. Wie das erste Smartphone mit Multitouch-Bedienung – das iPhone. Wie den ersten App Store. Oder wie das erste "richtige" Tablet.

Eine iWatch muss her. Oder iGlasses oder iTV. Von mir aus auch eine iSpielekonsole, ein iWasserspender, ein iCar oder ein iNavi. Aber eben etwas, das Maßstäbe setzt. Das vorher noch niemand gesehen hat, das die Welt verändert, das jeder haben will. Und von dem wir uns heute noch nicht einmal vorstellen können, was es ist.

Lieber Phil, ich kann Dir nur empfehlen: Schau' Dir das Video von der Keynote an, bei der Steve Jobs das erste iPhone vorgestellt hat. Achte auf die Reaktionen der Menschen im Publikum, die zum ersten mal in ihrem Leben den Einsatz von Pinch-to-Zoom sehen. Das war eine echte Innovation. Und ja, sie wurde nachgebaut. So ist das mit Innovationen – in jeder Branche. Damit Apple weiter als technologisch führend angesehen wird, muss Apple aber auch neue Technologien vorstellen. Auf geht's jetzt! Zeigt, was ihr drauf habt. Und konzentriert euch nicht auf Nebenkriegsschauplätze vor Patentgerichten.

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