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ZTE Blade L5: Brauchbar trotz Kampfpreis von unter 80 Euro?

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Extrem billige Smartphones als Direktimport aus China gibt es viele, aber auch in lokalen Elektro-Fachmärkten gibt es einige Modelle für unter 100 Euro. Ob solche Angebote wirklich preiswert oder einfach nur billig sind, haben wir mit dem ZTE Blade L5 getestet.

Das Smartphone kommt immerhin in einer ordentlichen Verpackung bei uns an. Das Zubehör besteht aus Micro-USB-Ladekabel, Netzteil und einfachem In-Ear-Headset. Viele Markengeräte kommen mittlerweile ohne Netzteil und Headset, was daran liegt, dass USB-Netzteile in den meisten Haushalten vorhanden sind und die Qualität der mitgelieferten Kopfhörer meist wirklich schlecht ist. Das Gerät selbst sieht recht unspektakulär aus, macht aber keinen schlechten Eindruck. Der Rückendeckel ist komplett aus Kunststoff und zieht sich über die Seitenränder bis hoch zum Display. Sehr positiv: der Rand ragt sogar ein kleines Stück über das Display hinaus, so dass das Blade nicht direkt auf dem Display aufliegt, wenn es mit dem Bildschirm nach unten zeigt. Das schützt vor Kratzern.

Die Verpackung und der Lieferumfang machen einen vernünftigen Eindruck.

Das Gewicht mit 142 Gramm ist für ein 5-Zoll-Gerät in Ordnung. Es liegt gut in der Hand und fühlt sich, trotz jeder Menge Kunststoff, nicht billig an. Obwohl es einen recht stabilen Eindruck macht: Ein fester Druck auf den Bildschirm führt sofort zu kurzfristigen Verfärbungen – das sollte bei aktuellen Geräten eigentlich nicht mehr passieren.

Durch zu starken Druck auf den Toucscreen entstehen schnell mal Verfärbungen. Immerhin verschwinden diese nach wenigen Sekunden wieder.

Positiv fällt uns auf, dass die Scheibe über dem Display aus echtem Glas gefertigt ist. Gerade in dieser Preisklasse setzen die meisten Hersteller auf weit empfindlicheres Kunststoff-Glas.

Aus unserer Sicht ist das Blade nicht zeitgemäß ausgestattet. Der Bildschirm hat eine miese Auflösung von gerade 854 × 480 Bildpunkten. Als Prozessor kommt ein langsamer 1,2 GHz Dual-Core zum Einsatz, dazu gibt es 1 GByte Arbeitsspeicher. Auch der interne Speicher mit 8 Gigabyte ist einfach zu wenig. Da knapp 50 Prozent des Speichers bereits durch Android und vorinstallierte Programme belegt sind, bleibt kaum Platz für eigene Apps. Ein Beispiel wäre das beliebte Karten-Strategie-Spiel Hearthstone: Es benötigt alleine schon 3 GByte Speicher, dreiviertel des freien Speichers wären damit schon voll.

Auf der Oberseite befindet sich die Kopfhörer-Buchse; die Micro-USB-Buchse ist auf der Unterseite verbaut. Hinter dem Plastikdeckel finden sich die Einschübe für zwei SIM-Karten und die Micro-SD-Karte sowie der austauschbare 2150 mAh-Akku. Die Kameras machen zumindest auf dem Datenblatt noch einen brauchbaren Eindruck.

Der Akku ist austauschbar. Darüber befinden sich die Einschübe für SIM-Karten und eine Micro-SD-Karte.

Der Bildschirm ist einer der großen Kritikpunkte am Blade L5. Die FWVGA-Auflösung mit 854 × 480 entspricht gerade einmal 20 Prozent der Full-HD-Auflösung mit 1920 × 720 Bildpunkten. Eine Standard-HD-Auflösung mit 1280 × 720 Pixeln ist auch bei günstigen Einsteiger-Geräten das Mindeste, was man als Kunde heutzutage erwarten kann. Zudem ist das Display leider sehr empfindlich und beginnt sich bei stärkeren Druck punktuell zu verfärben. Die Verfärbung verschwindet zwar nach einigen Sekunden, aber trotzdem ist das ein Unding für ein aktuelles Gerät.

Die Helligkeit ist in Innenräumen ausreichend. Bei direkter Sonneneinstrahlung ist aber fast nichts mehr zu erkennen. Das Display ist einfach nicht hell genug. Dazu kommt, dass sich die Farben, je nach Blickwinkel, stark verändern.

Die Hauptkamera knipst Fotos mit 5 Megapixeln und die Selfie-Kamera mit gerade einmal 2 Megapixeln. Diese Werte waren vor ein paar Jahren noch ok – aus heutiger Sicht erscheinen sie schlicht überholt. Die Qualität ist dementsprechend weit von dem entfernt, was man von aktuellen Smartphones gewohnt ist.

Die Bilder sind nicht nur niedrig aufgelöst, es fehlt auch an Kontrast und vernünftigen Farben. Bei guten Lichtverhältnissen sind zwar noch Schnappschüsse möglich, gut sehen diese aber nicht aus. Die Flächen wirken teils sehr verwaschen und bei Hell-Dunkel-Kontrasten sind keinerlei Details mehr erkennbar. Bei schlechten Lichtbedingungen ist das Ergebnis noch schlechter.

Neben dem veralteten Android 5.1 sind verschiedene Apps vorinstalliert. Darunter finden sich neben essentiellen Dingen wie Kalender, Rechner oder E-Mail-Software leider auch alle möglichen Apps, die nicht für Jeden interessant sind. WPS Office, Twitter oder Cleanmaster sind solche Kandidaten. Gerade bei so wenig internen Speicher ist es von ZTE nicht sinnvoll, noch unnötig Platz zu verschwenden. Immerhin ist es möglich zumindest einen Teil dieser Apps wieder zu löschen. Auch das ist nicht bei allen Geräten der Fall.

Das ZTE versteht sich zwar als Einsteigergerät, aber ob man tatsächlich mit so einem Gerät einsteigen möchte, erscheint mehr als fraglich. Lange Wartezeiten, ein schlechter und empfindlicher Touchscreen und die miese Kamera führen ganz schnell zu großem Frust. Selbst beim schnellen Tippen kommt das ZTE kaum hinterher.

Der Antutu Benchmark errechnet eine Punktzahl von gerade einmal 17.000 Punkten. Zum Vergleich: das 140 Euro teure LG K8 schafft etwas über 30.000 Punkte im Benchmark-Test.

Die Optik ist noch ganz in Ordung; leider trifft das nicht auf die verbaute Hardware zu.

Zwar wird die Gaming-Performance mit Mittelklasse angegeben; Antutu weißt aber gleich darauf hin, dass größere Apps nicht flüssig laufen. Das wundert uns nicht wirklich: Aufwendige Apps brauchen zum einen einfach viel Speicherplatz, zum anderen brauchen sie ausreichende Rechenleistung. Nur ein GByte Arbeitsspeicher gepaart mit langsamen Prozessor – das kann nicht klappen. Das aktuelle Spiel Asphalt 8 läuft zwar, aber Ruckler verderben trotz geringer Bildschirmauflösung jeden Fahrspaß.

Zudem sind die Ladezeiten unerträglich lang und die Akkulaufzeit einfach zu kurz. Im Video-Test hielt das Blade L5 gerade einmal 3 Stunden und 40 Minuten durch. Im Vergleich: Das 150 Euro teure LG K10 hält gute 3 Stunden länger durch und das trotz größerem und vor allem hellerem Display.

Das Geld für das ZTE sollte man sich sparen. Während der Benutzung kommt ständig Frust auf, man ist schnell gewillt, das Teil gegen die Wand zu schmeissen. Da lohnt es sich auf jeden Fall, etwas mehr Geld zu investieren und sich Geräte mit aktuellem Android-7 und vor allem mit zeitgemäßer Hardware anzusehen.

Eine passende Marktübersicht mit Smartphones bis 200 Euro findet Ihr hier. Wer tatsächlich nur ein Gerät zum Telefonieren braucht ist sogar mit einem alten, klassischen Handy besser beraten.

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