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Xiaomi Redmi Note 3 im Test: Oberklasse für Low-Budget

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Die chinesische Handyindustrie scheint auf der Crawl-Walk-Run-Skala bei „Run“ angekommen: Das Xiaomi Redmi Note 3 ist von der Verarbeitung her mit Apple-Produkten vergleichbar. Aber taugt das Smartphone auch in anderen Disziplinen?

Bevor wir uns unserem von GearBest zur Verfügung gestellten Xiaomi Redmi Note 3 zuwenden, ein kleiner Blick zurück. Die letzten Jahre haben der Handcomputerindustrie massive Änderungen gebracht – als Beispiel dafür wollen wir eine von HotwirePR durchgeführte Analyse anführen, die die Twittermeldungen zum MWC nach Firmennamen analysierte.

Hier bringt es Xiaomi auf einen stolzen sechsten Platz und platziert sich beispielsweise vor HTC, die dieses Jahr aber, fairerweise gesagt, auch nicht mit einem Flaggschiff in Barcelona vertreten waren. 2015 tauchte der chinesische Hersteller überhaupt nicht in den Top 10 auf.

Twitter-Relevanz diverser Smartphone-Hersteller rund um den Mobile World Congress
MWC 2016 Hersteller Tweets MWC 2015 Hersteller Tweets
1 LG 44.482 1 HTC 21.129
2 Samsung 40.873 2 Samsung 20.519
3 Sony 21.572 3 Huawei 16.107
4 Huawei 15.556 4 Sony 14.343
5 Lenovo 13.042 5 Microsoft 11.654
6 Xiaomi 12.819 6 Android 11.108
7 Android 11.723 7 Lenovo 8637
8 HTC 11.483 8 Blackberry 5799
9 Windows 9162 9 Apple 3155
10 Qualcomm 8736 10 Qualcomm 2919

Xiaomis Ergebnis ist besonders deshalb bemerkenswert, da der Hersteller eigentlich noch gar nicht so richtig in Europa vertreten ist. Aber auch wenn das Redmi Note 3 hierzulande nicht über offizielle Kanäle vertrieben wird, so gibt es doch diverse Anbieter, die auch nach Deutschland liefern, beispielsweise GearBest.

Unser Sample kam aus einem in Deutschland angesiedelten Warenhaus, die Lieferung in die Slowakei per DHL nahm nur drei Tage in Anspruch. Ein Blick auf den Karton genügt, um zu wissen, wessen Produkte beim Redmi Note 3 als Inspiration gedient haben. Neben dem Telefon finden sich noch Netzadapter und Datenkabel in der Schachtel.

Xiaomi verzichtet beim Redmi Note 3 auf einen Wechselakku. Das sehr solide verarbeitete und mit einer Rückwand aus Metall ausgestattete Gerät wirkt edel und liegt sehr gut in der Hand. Einige Tester bemängeln ein Knarzen der Rückwand – bei meinem Exemplar tritt dieses Problem nicht auf. Die Knöpfe erinnern sowohl vom Design als auch von der Haptik her an ein bestimmtes Telefon eines in Cupertino ansässigen Herstellers.

Das Redmi Note 3 ist hochwertig verarbeitet und macht einen soliden Eindruck.
Um die SIM-Schublade aus dem Smartphone herauszubekommen, benötigt man wie bei vielen aktuellen Geräten ein Werkzeug.

Als alter SIM-Wechsler ist meine Wenigkeit mit dem SIM-Tray nicht sonderlich zufrieden: Der Ausbau setzt eine Nadel oder ein ähnliches Werkzeug voraus. Xiaomi lagert beide Karten in einer gemeinsamen Schublade – an sich eine sehr innovative Lösung, die durch eine Schiebemechanik perfekt würde.

Auf der Rückseite findet sich neben der Kamera auch ein Fingerabdruck- und Drucksensor, der soweit ohne Probleme funktioniert. Über die Platzierung des Lautsprechers auf der Rückseite diskutiert man seit dem Erscheinen des Palm Tungsten T.

Wer sein Smartphone zumeist im Lautlos-Modus nutzt, freut sich über eine helle Notification-LED, die unaufdringlich über angefallene Ereignisse informiert. Leider ist die Helligkeit der Redmi-Note-3-LED mieserabel – bei Tageslicht ist sie kaum zu sehen. Dafür verbaut Xiaomi aber immerhin eine RGB-LED, was bedeutet, dass Ihr Euch über beliebige Farben freuen könnt.

Auf der Rückseite – direkt unterhalb der Kamera – befindet sich ein Fingerabdrucksensor.

Chinesische Smartphonehersteller setzen in Highend- und Midrange-Telefonen durch die Bank auf Bildschirme mit Full-HD-Auflösung. Das Redmi Note 3 macht hier keinen Unterschied.

Helligkeits- und kontrastmäßig liegt der Bildschirm im Mittelfeld: Das Jiayu S3 etwa wirkt mit seinem OLED-Display natürlich deutlich kontraststärker. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Bildqualität des Note 3 schlecht ist.

Sehr löblich ist noch, dass sich die Helligkeit extrem weit herunterdrehen lässt. Schlaflose Nächte lassen sich so mit Inhalten füllen, ohne, dass nebenan liegende Personen zu Randale animiert werden. Zudem gibt es einen augenschonenden Lesemodus, in dem das Display gelblicher erscheint.

In den Urzeiten der Handcomputertechnik war Infrarot das Kommunikationsmittel der Wahl: Palms Werbespot mit dem Visitenkartenaustausch ist bis heute legendär.

Leider spendiert Xiaomi dem Redmi Note 3 zwar eine Infrarotschnittstelle, bietet aber von Haus aus keine App, die diese auch nutzen kann. Wer dieses Feature einsetzen möchte, muss sich wohl oder übel im Play Store umsehen.

Xiaomi spendiert eine 13-Megapixel-Kamera, die mit dem von SLRs bekannten Phasendetektions-Autofokusverfahren arbeitet. Dies wirkt sich in Form von extrem kurzen Auslöseverzögerungen aus – das Telefon ist definitiv einer der schnelleren Vertreter seines Genres.

Die Bildqualität ist solide, gewinnt aber keine Innovationspreise: schaut Euch unsere Gallerie an, um zu entscheiden, ob Ihr damit leben könnt. Bei den Kamera-LEDs setzt man im Hause Xiaomi auf ein Duo mit unterschiedlicher Farbtemperatur, das natürlichere Farben liefert – von der Helligkeit her entspricht die Lampe dem, was andere chinesische Smartphones bieten.

Technoheads werden mit dem Redmi Note 3 nicht unbedingt glücklich. DJ Shog's Klassiker “This is my Sound” wurde in ruhigeren Passagen von merkbarem Rauschen überlagert – andere Telefone holen aus meinen AKG-Kopfhörern mehr heraus. Für das kleine MP3 zwischendurch reicht die Tonqualität indes aus, die Lautstärke ist ebenfalls OK.

Der auf der Rückseite befindliche Lautsprecher ist weniger befriedigend – es hätte Xiaomi gut zu Gesicht gestanden, die maximale Lautstärke etwas niedriger anzusetzen. Leider ist auch bei mittlerer Lautstärke ein gewisses Knartzen zu vernehmen – als Jukebox taugt das Redmi Note 3 nur eingeschränkt.

Auf der Oberseite des Gehäuses befinden sich die 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse und die IR-Diode.

Xiaomi setzt beim Redmi Note 3 auf den Helio X10. Aus Hardwaresicht gibt es zwei Varianten des Note 3. Unser Test betraf die mit 2 GByte RAM und 16 GByte Flash-Speicher (11,22 GByte frei) ausgestattete Variante, es gibt auch eine Version mit 3 GByte RAM und 32 GByte Flash. Da Xiaomi auf den Speicherkartenslot verzichtet, sollten auch Multitaskingmuffel im Interesse der Zukunftssicherheit auf das „größere“ Telefon setzen.

Im Bereich der Funkmodule gibt es – im Großen und Ganzen – alles, was man benötigt. Das Redmi Note 3 unterstützt die folgenden Frequenzen:

2G: GSM 900/1800/1900MHz
3G: WCDMA 850/900/1900/2100MHz
4G: FDD-LTE 1800/2100/2600MHz

Bei der Betriebssystemversion gibt man sich mit Android 5.0.2 vergleichsweise konservativ. Immerhin wird der 64-Bit-Prozessor von dieser Variante vollständig unterstützt.

Auf der rechten Gehäuseseite finden sich die Buttons zur Lautstärkeregelung sowie zum Ein- und Ausschalten des Telefons.

Xiaomi setzt auf das hauseigene MiUI-ROM, das von Haus aus ohne deutsche Übersetzung auskommen muss. Eine vollständige Besprechung der Software würde den Rahmen dieses Artikels sprengen – angemerkt sei nur, das MiUI-Hasser logischerweise einen weiten Bogen um das Telefon machen sollten.

Wer das Xiaomi Note 3 mit einem Wort beschreiben möchte, sollte auf ein gutturales Geil zurückgreifen. Das Metallgehäuse des Geräts strahlt Qualität und wertige Verarbeitung aus.

Trotzdem gilt eine alte Weisheit: Es jedem Recht gemacht ist eine Kunst, die auch Xiaomi nicht kann. Der zu dunkle Indikator, der SIM-Tray und der schwache Makromodus sind ärgerlich. Angemerkt sei allerdings, dass ich hier auf extrem hohem Niveau jammere: Das Telefon ist wunderbar verarbeitet und bietet reichlich Rechenleistung für anspruchsvolle Aufgaben.

Wer Wert auf Design legt und ohne exzellenten Makromodus und helle Notification-LED auskommt, wird hier bestens bedient. Der aktuelle Preis von rund 220 Euro für die 32-GByte-Version wirkt im Vergleich zum Gebotenen geradezu winzig – vor einem Jahr hätte so ein Gerät noch 600 Euro gekostet.

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