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Wolaptor: Nodalpunktadapter für Smartphones im Test

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Es ist geil sich auf riesigen Fotos mit der VR-Brille umzusehen. Schade nur, wenn die Aufnahmen unscharf und wenig detailreich sind, wie bei den meisten 360-Grad-Kameras. Wer deshalb sehr hochauflösende Panoramabilder, sogenannte Gigapixel-Fotos haben möchte, muss diese aus Einzelfotos zusammenschneiden. Um diese Einzelbilder aus exakt dem gleichen Winkel und ohne Verschiebungen zu knipsen braucht man einen Panoramakopf oder auch Nodalpunktadapter. Dieser sorgt dafür, dass die Aufnahmen perfekt aneinander passen und sich so für ein zusammengesetztes Panorama eignen. Wir haben das Modell Wolaptor für Smartphones getestet und verraten, ob sich die Investition lohnt.

Der Wolaptor sieht kompliziert aus, ist es aber nicht.

Gigapixel-Aufnahmen entstehen durch das Zusammensetzen vieler hochauflösender Einzelfotos. Viele kostenlose Panorama-Apps arbeiten nach genau diesem Prinzip. Bei Ausnahmen auf der Hand kommt es nach dem Zusammenfügen allerdings immer wieder zu Bildfehlern und Verschiebungen. Das liegt daran, dass die Fotos nicht vom exakt gleichen Ausgangspunkt aufgenommen werden. Mit etwas Übung gelingen die Aufnahmen zwar in annehmbarer Qualität – mit hochauflösenden Fotos in welche man hineinzoomen kann, hat das Ergebnis aber wenig gemeinsam.

Um die Bilder tatsächlich alle aus der gleichen Position aufzunehmen, braucht man einen Panoramakopf und Software zum Zusammenfügen. Mit einem Nodalpunktadapter sind neben klassischen Panoramafotos auch komplette 360-Grad-Kugelpanoramen möglich.

Der Panoramakopf, oder auch Nodalpunktadapter, ermöglicht die Aufnahme von Gigapixel-Fotos.

Diese bestehen nicht nur aus einer einzelnen Bildreihe, sondern aus mehreren. Die Ausrichtung der Kameralinse im Zentrum der Drehung ist entscheidend dafür, dass die Software die Einzelbilder später fehlerfrei zusammengefügt. Die zentrierte Ausrichtung ist mit dem Wolapter sehr einfach und funktioniert mit allen Smartphones.

Der Wolaptor sieht auf den ersten Blick kompliziert aus: die Smartphone-Halterung ist auf allen drei Achsen verstellbar und sitzt auf einem drehbaren Grundgerüst mit einer nummerierten Skala. In der Praxis ist die Bedienung aber denkbar einfach. Nach dem Auspacken schrauben wir den Nodalpunktadapter mit nur einer Schraube zusammen und befestigen den Handgriff. Anschließend kommt das Smartphone kopfüber in die dafür vorgesehene Halterung. Die Achsen müssen nun mit den Stellschrauben so eingestellt werden, dass die Kameralinse direkt hinter einer Öffnung mit Fadenkreuz sitzt.

Ein Fadenkreuz hilft beim korrekten Platzieren des Smartphones.

Ist das Handy exakt ausgerichtet, wird das Blech mit dem Fadenkreuz beiseite geklappt. Egal ob wir den Adapter nun um die eigene Achse drehen oder die Kamera nach oben oder unten ausrichten: Das Objektiv sitzt immer genau im Zentrum.

Nun geht es ans Fotografieren. Zuerst stellen wir den Wolaptor möglichst gerade auf und richten das Smartphone so aus, dass die Nummernskala auf der eins steht. Nun schießen wir das erste Foto unserer Bilderreihe. Anschließend drehen wir das Smartphone bis zur Ziffer zwei und machen das nächste Bild. Um die volle 360-Grad-Rundumsicht zu erreichen, sind insgesamt 15 Einzelfotos notwendig. Für ein noch besseres Ergebnis machen wir aber nicht nur eine, sondern mehrere solcher Bilderreihen. Dazu verstellen wir den Aufnahmewinkel nach oben oder unten und schießen die nächste Fotoserie.

Unser Testfoto besteht aus insgesamt drei Fotoreihen mit jeweils 15 einzelnen Aufnahmen. Für ein volles Kugelpanorama sollten es aber schon vier bis fünf Bildreihen sein. Mehr Aufnahmen bedeuten zwar mehr Aufwand, aber auch gleichzeitig auch eine höhere Auflösung und Winkelabdeckung.

Eine Skala hilft beim korrekten Ausrichten der Kamera.

Die Einzelbilder sind fertig; nun geht es an das Zusammenfügen. Die einfachste Möglichkeit ist eine Stitching-App auf dem Smartphone. Diese setzt die Einzelbilder zu einem großen Gesamtbild zusammen. Die Ausgabequalität der von uns getesteten App Stitch Free ist aber enttäuschend. Die Einzelbilder sind zwar vernünftig zusammengefügt, die Auflösung des Gesamtbildes ist aber nur wenige Megapixel groß. So bleibt nur der Umweg über den Computer und Software mit mehr Einstellungsmöglichkeiten. Zum Testen haben wir uns für die kostenlose Software Autostitch entschieden. Das Programm ist einfach und selbsterklärend aufgebaut.

Zuerst unter den Einstellungen die gewünschte Bildgröße angeben und dann die Einzelbilder auswählen. Den Rest erledigt die Software automatisch. Je nachdem, welche Auflösung das Gesamtergebnis haben soll, ist der Computer eine ganze Zeit beschäftigt. Für unser Testbild haben wir die höchstmögliche Einstellung Scale 100% gewählt. Das heißt, die Bilder werden in der originalen Auflösung verarbeitet. Das fertige Bild hat eine satte Gesamtauflösung von 25.911 × 11.640 Pixeln. Dafür hat unser Macbook auch fast eine Stunde lang gerechnet. Eine weit niedrigere Auflösung reicht für die meisten Zwecke vollkommen aus.

Testbild aus drei Bilderreihen mit je 15 Einzelfotos (iphone 6).

Das fertige Bild haben wir dann oben und unten noch ein Stück abgeschnitten – das ansonsten unbearbeitete Ergebnis steht hier zum Download bereit:

Testbild Wolaptor

Unser Testfoto zeigt einige Mängel. So passt am unteren Rand eine Überlappung nicht exakt und der Baum links im Bild ist verwaschen. Diese Unschärfe kommt daher, dass sich der Baum im Moment der Aufnahme im Wind bewegt hat. Die Überlappung ist ein Problem der verwendeten Stiching-Software. Außerdem fällt auf, dass einige Bildbereiche überbelichtet sind. Das wiederum liegt an unterschiedlichen Lichtverhältnissen während der Aufnahme – bedingt durch vor der Sonne vorbeiziehende Wolken. Um unterschiedlichen Belichtungen vorzubeugen, haben wir die Kamera auf einen festen Fokus und eine fixe Belichtung eingestellt. Einige Bereiche sind dadurch leider zu hell geworden. Im Großen und Ganzen sind wir mit diesem Ergebnis aber trotzdem zufrieden. Aufnahmen in Räumen funktionieren einfacher, weil sich die Belichtung nicht so stark ändert.

Auf der Homepage von Wolaptor fehlt derzeit noch das angekündigtes Videotutorial. Auch die passende Smartphone-App ist derzeit noch nicht verfügbar. Sobald der Hersteller seine App veröffentlicht hat, reichen wir noch weitere Testbilder nach.

Der Wolaptor ist sehr einfach zu bedienen und eignet sich für alle gängigen Smartphones. Der Preis von rund 70 Euro ist für einen Nodalpunktadapter wirklich fair. Die Bedienung ist einfach, aber auch zeitaufwendig. Gerade die Nacharbeit ist nichts für Nutzer, die mal eben schnell ein Panorama bei Facebook und Co. veröffentlichen wollen. Für schnelle Rundum-Schnappschüsse oder gar VR-Videos eignen sich 360-Grad-Kameras weit besser.

Ambitionierte Hobbyfotografen und Profis werden mit dem Wolaptor aber Freude haben. Mit entsprechender Nacharbeit sind riesige und extrem hochauflösende Aufnahmen unproblematisch umsetzbar.

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