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Test: ZUK Edge – viel Display auf wenig Gehäuse

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Gegen Ende Dezember 2016 hat das chinesische Unternehmen ZUK Mobile sein neustes Smartphone vorgestellt, das Edge. Das separat geführte Unternehmen gehört mittlerweile zu der Lenovo Group und ist bekannt für seine neuartigen Produkte. Anders als beim Galaxy S7 edge von Samsung Electronics sind die Ränder nicht gekurvt, sondern minimal dünn. Obendrein besitzt das Telefon eine erstklassige und hochmoderne Ausstattung – das alles zu einem Preis von 370 Euro. Wir haben uns das ZUK Edge in den vergangenen Tagen angeschaut und sagen Euch in diesem Test, ob sich der Kauf lohnt oder nicht.

Weil Smartphones in unserer heutigen Welt schon als echte Lifestyle-Produkte gelten, ist das Aussehen immens wichtig (geworden). Die Herausforderung ist nur, dass dieser Punkt vergleichsweise subjektiv ist. Mir persönlich gefällt das Design des ZUK Edge nicht. Das liegt nicht daran, dass es von hinten wie ein altes Nokia Lumia und von vorne wie ein Telefon der Galaxy-S-Reihe ausschaut, sondern viel mehr sind es die Proportionen, die vernunftwidrig auf mich wirken. Vermutlich liegt es an dem 16:9-Display, das seitlich zum Anfassen nah ist und oben sowie unten etwas Platz bietet.

Das Edge von ZUK hat schmale Ränder.

Bei dem Materialauswahl greift ZUK auf hochwertige Komponenten zurück: widerstandsfähiges Glas vorne sowie hinten und ein Metallrahmen drumherum. Das Schutzglas ist von der Marke Corning Gorilla Glass und kratzfest. Das Gehäuse des Edge ist geschlossen und kann von dem Nutzer nicht geöffnet werden. Gerade deshalb kommt es extrem fest und robust rüber, Spaltmaße sind nicht vorhanden. Das Verarbeitungsniveau ist allgemein hoch, das fällt einem beim in die Hand nehmen auf.

Eines der Highlights des ZUK Edge sind – und das soll der Name suggerieren – die schmalen Ränder am und um den Bildschirm. Der offizielle Herstellerwert ist 1,63 Millimeter je Rand. Im Test sind wir zu einem anderen Ergebnis gekommen: 2,7 mm pro Seite. Der Grund für die korrigierte Abweichung ist, dass ZUK einen kleinen und schwarzen Bereich der Anzeige nicht mit einkalkuliert. Dabei handelt es sich nicht um eine Fläche zur Darstellung von Informationen, weshalb wir es als Element des Gehäuses anrechnen. Wie dem auch sei, ein Vergleich mit dem iPhone 7 Plus von Apple soll bei der Vorstellung helfen. Dort misst der Rand links und rechts je 4,8 Millimeter.

Ein schwarzer Rahmen um das Display macht das Gerät dicker, als es beworben wird.

Das Verschönern von Zahlen hört hier nicht auf: Laut ZUK besitzt das Edge ein Display-Oberflächen-Verhältnis von 86,4 Prozent. Dass das nicht der Wahrheit entsprechen kann, fällt den einen oder anderen passionierten Nutzer sicher auf. Der aktuelle Benchmark liegt bei 83,96 Prozent und wird gehalten vom Xiaomi Mi Mix. Die eigentliche Fläche, die von dem Display auf der vorderen Seite des ZUK Edge belegt wird, beträgt 78,3 Prozent. Mein Rechenweg zu diesem Ergebnis kann auf Wolfram|Alpha nachvollzogen werden. Alternativ bietet TechStage hierfür einen eigenen Display-Rechner.

Das Edge ist ein High-End-Smartphone. Das beginnt unter anderem mit dem Prozessor. ZUK greift auf den aktuellen Snapdragon 821 von Qualcomm zurück. Gespart wurde hier nicht, denn hierbei handelt es sich um die hochgetaktete Variante mit 2,35 GHz pro Kern. Das Edge kommt in zwei Varianten: mit vier oder sechs GByte Arbeitsspeicher. Wir haben vor Ort das Modell mit 6144 MByte RAM. Braucht man das in einem Smartphone? Definitiv nicht; das Kleine tut es auch. Beim Speicher gibt es eine Einschränkung: Intern verbaut sind UFS-2.0-schnelle 64 GByte, wovon dem Nutzer 52,56 GByte zur Verfügung stehen. Wer mehr möchte, hat Pech gehabt, denn eine Erweiterung ist nicht möglich.

Der Anschluß USB Type C basiert auf USB 3.1.

Der Akku im ZUK Edge hat eine Kapazität von 3100 mAh und wird aufgeladen über USB Type C auf Basis der USB-3.1-Spezifikation. Bei Dauerbetrieb kommt man auf 9:42 Stunden, die Betriebszeit beträgt etwas um die vier Tage. Der im Lieferumfang mitgelieferte Ladestecker und das schwer verhedderbare Kabel laden das Edge schnell auf.

Bei dem Edge handelt es sich primär um ein Smartphone, das für den chinesischen Markt gedacht ist. Unser Exemplar kommt beispielsweise von dem deutschen Importeur TradingShenzhen. Das Gerät in beiden Varianten hat Dual-nanoSIM und funkt in allen für uns relevanten Bänder – inklusive LTE800. Der Klang und Empfang mit Vodafone als auch Telefónica Germany im Großraum Hamburg war einwandfrei, gleiches gilt auch für das mobile Internet. Für lokale und persönliche Verbindungen beherrscht das ZUK Edge WLAN 802.11 ac sowie Bluetooth 4.1. Auf NFC wurde verzichtet. Neben dem uns bekannten Satellitensystem GPS, kann das Telefon auch das russische GLONASS, das chinesische Beidou sowie das europäische Galileo. Not bad…

Auf der Rückseite sitzt ein Herzfrequenzmessgerät.

Das Edge hat auf der unteren Seite einen lauten Monolautsprecher, allerdings ist das Klangbild etwas verstopft und klingt verschleiert. Alternativ gibt es einen herkömmlichen 3,5-Klinkenanschluss. Die Tasten sind auf der rechten Seite platziert: eine quergeriffelte An-/Aus-Taste sowie eine Wippe für die Regulierung der Lautstärke. Auf der Rückseite gibt es zu dem einen optischen Sensor zur Ermittlung der Herzfrequenz.

Des Edge Display hat eine Diagonale von 5,5 Zoll. Das Panel ist ein IPS-LCD und löst mit einer Auflösung von Full-High-Definition auf, 1920 × 1080 Pixel. Der Hersteller wirft mit extrem positiven Werten um sich: Kontrastverhältnis von 1500:1, Betrachtungswinkel von 178 Grad, Helligkeit von 500 Candela pro Quadratmeter und 85 Prozent NTSC-Farbraum. Grundsätzlich halte ich etwas Abstand und genieße das mit Vorsicht, wie Ihr sicher verstehen könnt. Ungeachtet dessen habe ich verstanden, dass die Anzeige hell und blickwinkelstabil ist; Farben und Helligkeit sind trotz einer seitlichen Neigung noch gut sichtbar.

Das Display des ZUK Edge ist 5,5 Zoll in der Diagonale groß.

Ab Werk ist auf dem ZUK Edge eine Schutzfolie drauf gewesen. Einerseits ist das gut wegen der Prävention, anderseits kommt das leicht abgerundete 2,5D-Glas nicht zur Geltung. Wem Haptik wichtiger, der nimmt die ab. Außerdem wurde das Schutzglas mit einer speziellen Antifettschicht poliert; Fingerabdrücke sollten in der Regel weniger sichtbar sein.

Übrigens, unter dem Bildschirm sitzt der Fingerabdrucksensor namens ZUK U-Touch. Dieser entsperrt nicht nur das Telefon und schützt somit vor fremden Zugriff, sondern dient auch als Trackpad für bestimmte Gesten, ähnlich wie bei den neueren Honor-Geräten von Huawei Device. Eine physische Betätigung ist nicht möglich. Über diese Glasfläche werden drei Bedienmöglichkeiten umgesetzt: kurzes Berühren für einen Schritt zurück, langes Berühren für Start/Home und links oder rechts Wischen für die zuletzt verwendeten Apps. Etwas unkonventionell, deshalb gibt es in den Einstellungen eine Option auf On-Screen-Tasten.

Die Hauptkamera im Edge hat eine Auflösung von 13 Megapixeln. Der CMOS-Bildsensor von Samsung Semiconductor mit der Typenbezeichnung S5K2M8 hat eine Größe von 1/2,6 Zoll und setzt auf die ISOCELL-Technologie. Dabei sind die einzelnen Zellen auf dem Bildsensor isoliert und gewinnen durch Reflexionspunkte zusätzliches Licht und Farbtreue. Gleichzeitig wird das Übersprechen um bis zu 30 Prozent reduziert. Auch die Kantenlänge der einzelnen Pixel ist mit 1,34 Mikrometer überzeugend. Hinzu kommt ein Hybridsystem – bestehend aus Phasendetektionsfokus und Kontrastautofokus – für die akkurate und schnelle Bestimmung des Schärfenpunktes. Bis hierhin klingt alles 1A, doch der beste Bildsensor bringt nichts, wenn die Optik versagt. ZUK verzichtet auf einen optischen Bildstabilisator (OIS) und verwendet bei der Öffnung der Blende ein Verhältnis von f/2.2. Das führt zu unsauberen Ergebnissen und Bildfehler. Im Großen und Ganzen ist die Kamera gut, beim genaueren Hinsehen auf 100 Prozent Vergrößerung fällt aber einem die Unschärfe und die übertrieben starke Glättung auf. Rein von der Qualität befindet sich die Kamera des ZUK Edge auf dem Niveau eines fast drei Jahre alten Galaxy S5.

Die 13-Megapixel-Kamera des ZUK Edge guckt leicht aus dem Glas-Metall-Gehäuse heraus.

Die Kameraapplikation ist simple gestaltet und verfügt sowohl über einen Automatik- als auch manuellen Modus. Neben HDR können Videos auch in Zeitlupe mit 960 Bilder pro Sekunde aufgenommen werden. Dann allerdings in 720p-Auflösung. Ohne einer hohen fps-Bestimmung werden Videos im Format 4K Ultra-High-Definition aufgezeichnet – bei einer regulären Bildwiederholfrequenz von 29,7. Die Kamera vorne macht Fotos in acht Megapixel mit einer Blende von f/2.2. Für Videotelefonie und Selfies ist sie ausreichend.

Ein großes Hindernis bei importierten Smartphones aus China ist, dass sie konstitutiv ohne Google und Google-Diensten laufen. Es wird zwar Android als Plattform genutzt, allerdings ohne seine Funktionen und Möglichkeiten. Als Besitzer eines solchen Smartphones muss man Dinge wie YouTube, Google Maps und vor allem erst einmal den Play Store selbst installieren, wenn man sie nutzen möchte. Das ist eine einmalige Sache und meistens ohne Probleme zu bewältigen – (Video-)Anleitungen gibt es en masse.

Schnellzugriffe und Kurzeinstellungen sind unten, statt gewohnt oben.

Das Edge wird mit der Software ZUI in der Version 2.3.079 ST betrieben. Das zugrundeliegende Betriebssystem ist Android OS 6.0.1 Marshmallow. Ob und wann ein Upgrade folgt, ist unklar. Die Oberfläche von ZUK hat den Ansatz eines minimalistischen Designers erhalten. Sie wirkt extrem aufgeräumt, sauber und geradlinig. Die Benachrichtigungen werden – wie gewohnt – von oben nach unten gezogen. Wohingegen Schnellzugriffe und Kurzeinstellungen in einer Leiste von unten nach oben gezogen werden.

Das Edge von ZUK ist ein monströses High-End-Smartphone. Dinge wie wasserdichtes Gehäuse, drahtloses Aufladen und eine bessere Kamera würden es perfektionieren. Gleichzeitig muss man den Preis im Auge behalten und bereit für einige Kompromisse sein. In China kostet das Telefon etwas um die 2500 CNY – umgerechnet sind das 340 Euro. Wer gerade nicht vor Ort ist und trotzdem das Edge besitzen möchte, der kauft bei einem Importeur im Onlineshop. Dort gibt es die 6-GByte-Variante ab 370 Euro, während das mit vier GByte meistens im gleichen Rahmen liegt. Von uns gibt es daher zwei Daumen hoch für das ZUK Edge, nicht wegen des Designs, sondern des großartigen Preis-Leistung-Verhältnisses.

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